Die Samen des Amaranth, einer Pflanze aus der Familie der Amaranthaceae, der Fuchsschwanz-Gewächse, sind ausgesprochen klein und enthalten nur ca. 5–6 % Öl (im Vergleich: Macadamianüsse bieten eine Ausbeute von bis zu 75 %); eine Ölgewinnung durch Pressung erfordert sehr viele Samen. Aus diesem Grund wird gerne die CO2-Extraktion angewandt, ein sehr schonendes, aber auch teures Verfahren, bei dem die Ölausbeute wesentlich höher liegt: CO² wird unter Druck und tiefer Temperatur verflüssigt und mit den Samen zusammen gebracht. Der hohe Druck bewirkt ein Aufplatzen der Samen und setzt das gering vorhandene Öl frei. Nach Fortnahme des Drucks verwandelt sich das CO2 wieder in Gas und lässt ein wertvolles Öl von hoher Reinheit zurück. Vor diesem Hintergrund wird nachvollziehbar, dass Amaranthöl zu den höherpreisigen Ölen gehört. Vermutlich aus diesem Grund (und weil es nur wenige Anbieter gibt) ist dieses wunderbare Öl bei Selbstrührern eher wenig bekannt. Nicht unerwähnt werden darf der charakteristische Geruch, der vor allem bei den CO2-extrahierten Qualitäten etwas muffig wirkt und bei unparfumierten Rezepturen durchkommt; er entspricht exakt dem Duft von Amaranthsamen. Vielleicht ist es Ihnen möglich, mal eine Schnupperprobe in Ihrem Bioladen vorzunehmen. Ich dachte bei meinem ersten Amaranthöl, es sei eventuell schimmelig, dabei war es hervorragend in der Qualität, und gerade der identische Duft wies es als nativ aus. Die gepressten Öle riechen dezenter; nicht wenige bevorzugen sie.
Inhaltsstoffe
Mit ca. 40–45 % dominiert die 2-fach ungesättigte Linolsäure, hinzu kommt ein hoher Anteil an schützender Palmitinsäure und 5–8 % Squalen, einem hautanalogen Triterpen und bis zu 3 % weiteren unverseifbaren Bestandteilen.
Fettsäurezusammensetzung von Amaranthöl (%)
Fettsäure
J. T. Budin (1996)¹
K. Stolzenburg (2003)²
Quelle:
¹ Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids) der BfEL Bundesforschungsanstalt
für Ernährung und Lebensmittel), ² Landesanstalt
für Pflanzenbau Forchheim, Landinfo 6/7/2003
(Squalen)
(nicht erfasst)
(8,1)
Palmitinsäure
16,0
18,4
Stearinsäure
3,1
3,6
Ölsäure
28,0
28,4
Linolsäure
35,6
35,8
Linolensäure
0,3
0,6
Kosmetischer Einsatz
Aufgrund seines außergewöhnlich hohen Anteils an Squalen, einem hautverwandten, gut spreitenden Lipid und Triterpen mit antioxidativen Eigenschaften, und seinem ausgewogenen Fettsäure-Spektrum ist das klare, leicht gelbliche Amaranthöl ein ausgezeichnetes Basisöl für trockene und gereizte Haut mit gestörter Barrierefunktion. Es enthält die wesentlichen hauteigenen Lipide in einer ausgesprochen günstigen Zusammensetzung: Phytosterole unterstützen die Hautregeneration durch Stärkung der hauteigenen Lipidbarriere; durch den hohen Squalen-Gehalt besitzt es darüber hinaus die Fähigkeit, UV-Strahlen zu absorbieren. Interessant ist, dass nur beim Menschen Squalen als Zwischenprodukt der Cholesterinsynthese in der Haut nachweisbar ist, bei anderen Primaten hingegen nicht. Forscher vermuten einen Zusammenhang mit der fehlenden bzw. reduzierten Körperbehaarung des Menschen und der Gefahr von Hautschäden u. a. durch die Oxidation der Hautlipide. Eine Studie belegte die Fähigkeit von Squalen, Sauerstoffmoleküle freier Radikale zu »quenchen«, d. h. in einen unangeregten Zustand zurück zu versetzen und dadurch die Lipidoxidation effektiv zu verhindern¹. Diese Ergebnisse lassen Amaranthöl als geeignetes Öl für Sonnenpflege-Produkte erscheinen.
Seine Wirkung als Antioxidant basiert u. a. auf seinem Gehalt an Tocopherolen; ein erheblicher Teil der Vitamin-E-Fraktion besteht aus Tocotrienolen, die eine besonders hohe antioxidative Wirkung aufweisen und, in Verbindung mit Squalen, dem hauteigenen Antioxidantiennetzwerk sehr ähnlich ist. In einer Studie wurde seine entzündungshemmende Wirkung bei Psoriasis vulgaris bestätigt². Amaranthöl wird durch seine Affinität zu hauteigenen Lipiden sehr gut aufgenommen, es wirkt feuchtigkeitserhaltend und rückfettend. Sein hoher Gehalt an Squalen und Phytosterolen bewirkt ein gutes Einziehverhalten und eine gute Spreitfähigkeit; dies zeigt auch sein sehr niedriger Schmelzbereich von ca. —27 °C, trotz des hohen Gehalts an Palmitinsäure: beide Eigenschaften würde man, nur mit Blick auf das Fettsäurespektrum, eher gering einschätzen. Ich verwende dieses Öl vor allem wegen seiner spürbar restrukturierenden und »heilenden« Wirkung bei spröder, dehydrierter Haut. Eine Anwenderin hat es mir gegenüber so beschrieben: »Unglaublich angenehm nach dem Auftragen, so als wenn die Haut sagt: das hat mir gerade gefehlt. Sie schluckt es, das Öl hinterlässt nur einen minimalen Film, und die Haut schnurrt satt und zufrieden.«
In Rezepturen für reife Haut empfehlen sich Kombinationen mit α- oder γ-linolensäurehaltigen Ölen, z. B. Preiselbeersamen-, Hanf-, Wildrosen-, Holundersamen- oder Johannisbeersamenöl.
CO2-extrahiertes Amaranthöl in hervorragender Qualität erhalten sie bei Contedis; Gisella Manske bietet eine sehr schöne gepresste (native) Qualität aus kontrolliert-biologischem Anbau.
Fettsäurespektrum von Amaranthöl mit den dominierenden Fettsäuren.
Quellenangaben und weiterführende Informationen
Y. Kohno, Y. Egawa, S. Itoh, S. Nagaoka, M. Takahashi, K. Mukai: Kinetic study of quenching reaction of singlet oxygen and scavenging reaction of free radical by squalene in n-butanol. Biochim. Biophys. Acta 1256 (1995) 52–56
I. Maalesch: Amaranth Seed Oil. Anti-inflammery Effects on Psoriasis Vulgaris and Dermatitis Atopica. SOFW Journal 2005, Vol. 131, Nr. 4, pp. 58–66
Kerndaten zu Amaranthöl (Amaranthus caudatus Seed Oil):
Die Werte von Jod- und Verseifungszahl basieren auf Durchschnittswerten und sind, wie die Spannen der
genannten Inhaltsstoffe, verschiedenen, mir vorliegenden chargenbezogenen Analysen entnommen. Eine
Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar.
Jodzahl
78–90
Verseifungszahl
170–200
Schmelzbereich
-27 °C
Typ (nach Römpp)
nicht trocknend
Spreitverhalten nach Olionatura®
mittelspreitend Hinweis: In dem in der Kosmetikindustrie verwendeten Spreitmodell von U. Zeidler würde es im
Vergleich mit (halb-)synthetischen Estern und Mineralölderivaten als niedrigspreitendes
Öl gelten. Diese Systematik ist jedoch auf native pflanzliche Lipide nicht übertragbar.
Erläuternde Informationen dazu finden Sie in
diesem Beitrag.
Zusammensetzung
Linolsäure (ca. 36–45 %), Ölsäure (ca. 24–28 %), Palmitinsäure (ca. 17–20 %), Stearinsäure (ca. 3 %), Squalen (ca. 5–8 %), weitere unverseifbare Stoffe (ca. 3 %); Tocopherole (sortenbedingt große Unterschiede in der Menge, ca. 30–70 mg/100 g, davon vor allem β-Tocopherol), Phytosterole (Δ7-Avenasterol, Δ7-Campesterol, β-Sitosterol, Δ7-Stigmasterol).