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Emulgatorbasis mit hydriertem Lecithin

Emulgatorbasis aus Lecithin und einem Zuckerester

Ich liebe es leicht: Kostbare pflanzliche Öle, ein duftendes Hydrolat, ein Tropfen Rosenöl in befeuchtender und seidiger Symbiose – das ist für mich Luxus pur in der Gesichtspflege. Nun, da der Frühling beinahe zu ahnen ist, habe ich Lust auf eine frische, angepasste Pflege: Trockene Winterhaut dürstet nach Feuchtigkeit und leichtem Schutz, die Sonne wird ihre Kraft entfalten – und dann ist auch wieder Zeit, bewusster auf stabile Lipide zu achten, die die Haut vor oxidativem Stress schützen.
Eine wundervolle Basis einer solchen Pflege ist hydriertes Lecithin, weil es, anders als Reinlecithin, mit gesättigten Fettsäuren verbunden und ausgesprochen oxidationsstabil ist. Niedrig dosiert bietet es genau die Kombination an haptischer Leichtigkeit und Schutz, die Frühlingshaut gerade braucht. Ich habe 2011 in meiner Rührküche ein wenig experimentiert und eine Emulgatorbasis entwickelt, die sich schnell verarbeiten lässt – auch ohne Feinwaage mit 2 Nachkommastellen.

Die Emulgatorbasis

Die Idee dahinter ist einfach und ergab sich aus verschiedenen Rezeptur-Variationen, die ich als sehr angenehm empfand und für die ich ein zeitsparendes, vereinfachtes Herstellungsverfahren suchte. Die konkrete Emulgator-Basis im Folgenden ist nur eine Möglichkeit unter vielen, mit solchen Basen zu arbeiten. In der Rührpraxis hat sie sich jedoch (so simpel sie auch ist) sehr bewährt. Worum geht es nun genau?

Nun: das Prinzip ist, aus emulgierenden und konsistenzgebenden, stabilen Komponenten eine Mischung herzustellen, die sich fortan vereinfacht dosieren und verarbeiten lässt. Meine Komponenten für die Emulgator-Basis des Cremefluids auf obiger Abbildung ist einfach:

  • 2 Teile hydriertes Lecithin (Emulmetik® 320)
  • 1 Teil Sucrosestearat (Ester de Sucre oder TEGO® PSE 141 G)
  • 1 Teil Myristylmyristat (TEGO® MM)

Herstellung der Emulgatorbasis

Bevor wir starten, werden alle Hilfsmittel zur Herstellung penibel desinfiziert (im Schnellkochtopf autoklaviert oder mit 70%igem Alkohol eingesprüht). Nun folgt die Herstellung: Die Komponenten der Emulgator-Mischung werden im Becherglas sanft aufgeschmolzen und mit Glasstab oder Spatel homogen verrührt. Im Anschluss lässt man die Masse unter manuellem Rühren abkühlen. Unter ca. 50 °C wird die Emulgatormischung plötzlich spröde und hart. Sobald sie ausgehärtet ist, kann sie mit einem metallenen Spatel in Plättchen vom Becherglasrand abgelöst und nach Wunsch zerstoßen werden. Vor dem Erstarren können Sie die Masse an der Becherglaswand entlang bewegen, damit sie in dünner Schicht aushärtet – das ergibt beim Abstoßen mit einem Metallspatel oder Messer die sehr praktischen Flakes. Auch ein anschließendes Mörsern ist möglich; ich wollte jedoch den Materialkontakt wegen der möglichen mikrobiellen Kontamination gering halten und habe die Plättchen belassen. In ein Glas gefüllt und beschriftet wartet nun eine Emulgator-Basis auf Sie, die – mit Ölen und Buttern sowie Hydrolat oder Wasser emulgiert – wundervolle Fluids ergibt. Die Menge sollte Ihren Verbrauchsgewohnheiten entsprechen und in 3 Monaten aufgebraucht sein, auch wenn diese Basis gut verschlossen und kühl mindestens 12 Monate haltbar ist.

Dosierung und Verarbeitung

Ich habe alle Varianten der Emulgatorbasis so geplant, dass sie mit 4 % auf gesamt eingesetzt werden. Obige Basis kann in der Fettphase aufgeschmolzen werden, es ist aber auch eine Hydratisierung in der Wasserphase möglich. Anschließend werden Fett- und Wasserphase hochtourig dispergiert und sanft kalt gerührt. Ein geringer Anteil an Gelbildner (0,2 %) stabilisiert das Fluid zusätzlich und hilft, die Feuchtigkeit in der Haut zu halten. Meine Fettphasen bewegen sich zwischen 15 und 20 %.

Ich rate Ihnen, Ihre persönliche Emulgatorbasis mit hydriertem Lecithin zu planen und diesem einen Koemulgator und eventuell einen stabilisierenden Konsistenzgeber zur Seite zu stellen. Rechnen Sie mit der Zahl »4«, dann gebe ich Ihnen quasi eine Geling-Garantie; dabei kann der Anteil des Lecithins schwanken. Eine sehr schöne Basis ist auch mit 2 Teilen Sucrosestearat, 1 Teil Emulmetik® 320 und 1 Teil Myristylmyristat zu realisieren. Ein kleiner Anteil Mimosen- oder Rosenwachs ist toll – und hart. Denkbar sind auch andere Emulgatoren als »Partner« des Lecithins, das Fortlassen des Myristylmyristats oder eine Dosierung von insgesamt 3 %, um die Formulierung noch leichter zu gestalten: Ihre Phantasie und Ihre Präferenzen entscheiden. Ach ja: Konservieren nicht vergessen. 😉

 

Die Flakes entstehen meines Erachtens bevorzugt, wenn man 2 Teile Emulmetik® 320 verwendet. Dominieren wachsige Bestandteile, ist es vorteilhaft, die erhärtete Basis in der Fantaschale zu reiben, um ein Granulat zu erhalten. Unten sehen Sie die Basis links in Flakes realisiert, rechts als Granulat:

Emulgatorbasen

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