Emulgatoren

Glycerinstearat SE

Glycerinstearat SE ist ein rein kosmetisch eingesetzter, nichtionischer Emulgator auf pflanzlicher Basis, den wir als elfenbeinfarbenes grobes Pulver kaufen. Er wird jedoch, je nach Hersteller und Produkt, auch in Form kleiner Pellets angeboten. Der Zusatz SE in der Handelsbezeichnung bedeutet selbstemulgierend und charakterisiert die emulgierenden Fähigkeiten des Produkts, die chemisch durch einen Zusatz an Alkali- oder Kaliumstearat (je nach Hersteller) erzeugt werden.

INCI: Glyceryl Stearate SE

  • CAS-Nummer: 31566-31-1
  • HLB-Wert: 12
  • Funktion: O/W-Emulgator
  • Klasse: anionisch
  • Dosierung: 4–5 %

Der Monoglycerid-Anteil liegt herstellerabhängig bei etwa 32 – 40 %. Die Kosmetikindustrie nutzt die nicht selbst emulgierende Form, (Glycerylmonostearat, Glycerinstearat mit HLB 4) als Konsistenzgeber und leichten Koemulgator. Bisweilen wird das Produkt auch als Glycerinmonostearat mit dem Zusatz selbstemulgierend deklariert, z. T. ergänzt durch die Angabe des Monoester-Anteils und des Alkalistearat-Typs (Beispiel: Glycerylmonostearat, 32/36, Kalium). Dieser Alkali-Stearat-Anteil (die Alkaliseife) ist der hydrophile (wasserlösliche) Teil des Emulgators, das reine Glycerylmonostearat ist lipophil (fettlöslich).

Auf dem Markt für Endverbraucher sind im Wesentlichen drei Produkte: Tegin® (Evonik, ehemals Degussa), Cutina® GMS SE (BASF) und Imwitor® 960K (Sasol). Wir kaufen in der Regel Tegin®.

Tegomuls® 90 S?

Tegomuls® 90 S  wurde im Hobbythek®-Konzept neben Emulsan und Lamecreme in den 1980ern als Emulgator für Cremes und Lotionen propagiert und ist bei einigen Rohstoffhändlern nach wie vor im Sortiment. Häufig taucht neben der Deklaration Glycerinmonostearat die INCI-Bezeichung Glycerinsterarat SE auf. Dies ist chemisch gesehen durchaus korrekt; Tegomuls® ist jedoch nicht mit dem hier portraitierten selbst emulgierenden Glycerinstearat SE identisch, das wir ausdrücklich unter dieser Bezeichung kaufen.

Das früher von der Hobbythek® als Emulgator propagierte Tegomuls® ist ein Lebensmittelemulgator (auch unter der E-Nummer 471 gelistet), exakt ein in den 1930er Jahren für einen Einsatz im Margarine entwickeltes registriertes Produkt der Firma Goldschmidt (es ermöglichte dort die Senkung des Öl- und Erhöhung des Wasseranteils) und gehört nicht mehr zur Standard-Produktpalette. Nach Auskunft der Firma gibt es keine Spezifikationen und Beispielrezepturen dieses Emulgators wie bei anderen üblich, da es sich um ein in seiner Rezeptur (wie am Monoesteranteil zu sehen) modifiziertes Produkt handelt und der Emulgator nach dem Lebensmittelrecht klassifiziert wird. Aus kosmetischer und verarbeitungstechnischer Sicht gibt es heute weitaus bessere Alternativen als einen Margarine-Emulgator.

 

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Glycerinstearat ist insbesondere für Cremes mit einer Fettphase zwischen 20 und 40 % zu empfehlen. Ich habe ihn als einen ausgezeichneten Emulgator für Lipidphasen zwischen 20 und 30 % empfunden; bei Lipidphasen deutlich über 40 % ist Montanov™ 68 besser geeignet (im Sinne eines angenehmeren Hautgefühls und Auftragsverhaltens); alternativ können Sie Glycerinstearat SE mit Lamecreme mischen.

Glycerinstearat SE erzeugt im optimalen Einsatzbereich sehr angenehme Emulsionen mit einem »feuchten«, leichten Hautgefühl. Ein Nachteil dieses Emulgators ist seine Intoleranz gegenüber verschiedenen Ingredienzen: Bei Rezepturen mit säurehaltigen Inhaltsstoffen mit leicht sauren pH-Werten oder Mineralsalzen neigen Emulsionen mit Glycerinstearat SE durch den enthaltenen Alkalistearatanteil (»Seife«) zu Instabilität, weil die positiven Ionen des Natriums aus dem Salz die negativ geladene, hydrophile Carboxylatgruppe des Alkalistearatanteils anzieht und ihre Fähigkeit mindert, Wasser zu binden (Hydrathüllen auszubilden). Der Hersteller empfiehlt hier eine zurückhaltende Dosierung. Der pH-Wert der Emulsionen liegt optimal zwischen 6,8 und 8,2, also im neutralen bis leicht basischen Bereich. Beim Einsatz von Konservierungmitteln auf Basis organischer Säuren wie z. B. Rokonsal™ BSB-N kann dies kritische Folgen haben, weil diese einen sauren pH-Wert erfordern, um zuverlässig wirken zu können. Aus diesem Grund empfiehlt sich, Glycerinstearat SE mit anderen Emulgatoren zu mischen: Sehr gut eignen sich Emulsan, Tego® Care PSC-3 und alle Lecithine. Sie garantieren, dass auch bei leicht saurem pH-Wert die Emulsion stabil bleibt.

Verarbeitung von Glycerinstearat SE

Glycerinstearat wird mit der Fettphase auf ca. 65 °C erwärmt, dann erfolgt die Zugabe der auf gleiche Temperatur erhitzten Wasserphase. Bei einem alleinigen Einsatz dieses Emulgators ist es wichtig, nach Emulsionsbildung und mit zunehmender Abkühlung moderat zu rühren, also in keinem Fall zu stark zu homogenisieren. In der ersten Minute wird hochtouriges Rühren gut vertragen und fördert eine feine Dispergierung der inneren Ölphase, danach rühren Sie eher sanft weiter. Die zunächst dünnflüssige Emulsion wird zunehmend dickflüssig bis cremeartig. Typisch für Emulsionen mit Glycerinstearat ist, dass die einzelnen Ölpartikel eher etwas größer sind, also nicht so fein. Daher können stabile Emulsionen auf Basis von Glycerinstearat etwas »gläsern« aussehen.

Nach meinen Erfahrungen neigen Emulsionen mit Glycerinstearat nach einigen Tagen zu einem »feucht-gleitenden« Auftragsverhalten (»Glitsch«); die Emulsion bricht beim Auftrag und lässt schnell viel Wasser frei. Die Zugabe von 0,2–0,4 % Gelbildner (z. B. Xanthan transparent), alternativ 1–2 % Lysolecithin und eine sanfte Verarbeitungsweise mildern das Problem deutlich und optimieren dadurch Stabilität und das Auftragsverhalten.

Mein Fazit: ein schöner und vielseitiger Emulgator für feuchtigkeitsspendene Cremes und Lotionen mit leichten (Verarbeitungs-)Schwächen, die sich jedoch gut ausgleichen lassen.

Dosierung

Die Einsatzkonzentration variiert je nach Hersteller laut Datenblatt zwischen 6 bis 8 % auf die Gesamtmenge an Emulsion bezogen. Nach meiner Erfahrung  reichen 4–5 % im bevorzugten Fettphasenbereich aus, wenn mit stabilisierenden Koemulgatoren und Gelbildnern gearbeitet wird . Bei Dosierungen unter 4 % kann die Emulsion (je nach Gesamtkonzeption) nach 2–3 Wochen leicht inhomogen wirken.