Naturkosmetik selber machen
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Heike Käser
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Olionatura, Naturkosmetik selber machen Olionatura | Glossar · A-E

Barriereschicht der Haut

Als eines der größten Organe des menschlichen Körpers erfüllt die Haut vielfältige Aufgaben: sie unterstützt die Wasser- und Temperaturregelung des Organismus, ist Ausscheidungsorgan für diverse Stoffe wie Säuren und Salze, Produktionsort wichtiger Substanzen unterschiedlichster Stoffwechselprozesse wie Interferone, Hormone, Vitamine (Vitamin D!) und Proteine – vor allem jedoch bildet die oberste Hautschicht, die Hornschicht (das Stratum corneum) eine Schutzbarriere gegenüber Sonnenlicht, Mikroorganismen, chemischen und mechanischen Einflüssen und Substanzen von außen und eine Barriere für Wasser und kleine Moleküle nach außen.

Sie zu durchdringen ist auch für kosmetisch wirksame Substanzen z. T. nicht leicht, da sie normalerweise eine wirksame Permeabilitätsbarriere darstellt. Einige Faktoren können die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Hautbarriere erhöhen und ihre Resorptionsfähigkeit (Aufnahmefähigkeit) fördern; Kosmetologie, Dermatologie und Pharmazie nutzen gezielt Strategien zur Erhöhung (oder Verzögerung) der Aufnahme von Substanzen durch die Haut. Bei den meisten Wirkstoffen erfolgt die Freigabe aus der Grundlage (Creme, Gel, Salbe usw.) tatsächlich weitaus schneller als die Penetration in die Haut.

Förderung der Hautbarriere

Die Erhaltung und Förderung einer intakten Barriereschicht ist wesentlich für die Gesunderhaltung der Haut und Hauptansatzpunkt für kosmetische Pflegestrategien gegen die so genannte vorzeitige Hautalterung (Anti-Aging). Kern der Barriereschicht sind die in lipide Bilayer aus Ceramiden, freien Fettsäuren und Cholesterolen eingelagerte Korneozyten, verhornte Zellen, die die hauteigenen Lipde über eine dünne Lipidhülle (lipid envelope) an sich binden und eine wasserabweisende (hydrophobe) Wirkung haben. Sie regulieren den transepidermalen (durch die Haut stattfindenden) Wasserverlust (TEWL) und halten die Feuchtigkeit durch hauteigene Feuchtigkeitsfaktoren (Natural Moisturizing Factor, kurz NMF) in der Haut.

Eine sinnvolle, auf Hautgesundheit ausgerichtete Kosmetik bietet der Haut Substanzen, die die Ordnung der Bilayer weitgehend intakt lassen, Defizite (z. B. durch Anbieten fehlender hautaffiner Fettstoffe und feuchtigkeitsbindender Substanzen) ausgleichen und natürliche Hautfunktionen unterstützen. Dies bedeutet z. B. den Verzicht auf Mineralöle in der Fettgrundlage, die einen okkludierenden Effekt aufweisen, und eine Bevorzugung nativer, pflanzlicher Öle, Buttern und Wachsen mit einer breiten Palette an die Barriereschicht substituierenden und regenerierenden Inhaltsstoffen wie Fettsäuren, Phytosterole, Phospholipide (Lecithinen) sowie Vitaminen und Mineralstoffen. Unter den pflanzlichen Wirkstoffen sind Gerbstoffe empfehlenswert, da sie die Hautoberfläche verdichten, juckreizstillend wirken und den transepidermalen Wasserverlust reduzieren können.

Extrem trockene Hautzustände wie z. B. bei verschiedenen Formen der Dermatitis oder atopischen Ekzemen (ohne hier auf die Ursachen einzugehen) sind u. a. durch eine gestörte Barriereschicht gekennzeichnet; Folgen sind erhöhter transepidermaler Wasserverlust, schuppige, rauhe Hautpartien und ein verringerter Schutz gegenüber äußeren Einflüssen. Hier ist eine Restrukturierung der Lipidbarriere, z. B. durch die Kombination linol- und γ-linolensäurereicher Öle (z. B. Nachtkerzenöl, Hanföl, Borretschsamenöl) mit Phytosterolen und Phospholipiden (u. a. Avocadoöl, Sheabutter, Unverseifbares) eine sinnvolle Pflegestrategie.

Fluidisieren versus Barriere stärken

Je nachdem, wie wir unsere Rezepte konzipieren, nehmen wir Einfluss auf den Grad der Fluidität unserer Barriereschicht. Eine erhöhte Fluidisierung und Durchlässigkeit ist bei bestimmten Hautzuständen erwünscht, ermöglicht einen ungehinderten Talgabfluss, fördert die Penetration von Wirkstoffen und zelluläre Stoffwechselprozesse. Jede Erhöhung der Permeabilität bedeutet jedoch auch Durchlässigkeit in die andere Richtung und kann den transepidermalen Wasserverlust erhöhen. Aus diesem Grund ist es wichtig, beide Prozesse – Fluidisieren und Barriere stärken – als Prozess-Antipoden zu sehen, die wir gezielt auf unsere Hautbedürfnisse ausbalancieren. Konkret bedeutet dies, die Säulen einer hautphysiologisch sinnvollen Hautpflege in ihren prozentualen Anteilen zu variieren, da sie ihre spezifischen Wirkungen dosisabhängig ausspielen.

Folgende Rohstoffe, Konzentrationen und Verarbeitungsweisen fördern eine intakte Barriereschicht und »verdichten« sie:

  1. Erhöhter Anteil an Ölen und Pflanzenbuttern mit gesättigten Fettsäuren (semi-okklusiver Effekt durch Filmbildung, Membrane verdichtend),
  2. fein dosierter Zusatz von Wirkstoffölen mit γ-Linolensäure und Linolsäure zur Unterstützung der Ceramidsynthese (Förderung intakter Barriereschichten),
  3. Verwendung von Unverseifbarem und Sterolen (tierisch oder pflanzlich) in Einsatzkonzentrationen von mindestens 2 %, (Membran stabilisierende, verdichtende Wirkung),
  4. fein dosierter Zusatz an pflanzlichen oder tierischen Wachsen (Lanolin, Wollwachs, Bienenwachs, Jojobaöl; semi-okklusiver Effekt),
  5. eher W/O-Emulsionen oder Mischemulsionen (Lecithine in der Fettphase lösen); Bevorzugung von hydrierten Lecithinen (Emulmetik® 320, Phospholipon® 80), Reinlecithin, Wollwachsalkohol und Lanolin als natürliche Emulgatoren, die Emulsionsstrukturen analog zum lamellaren Aufbau der Bilayer bilden.

Fluidisierend und zellstoffwechselanregend wirken folgende Rohstoffe, Konzentrationen und Verarbeitungsweisen:

  1. Linolsäure-betonte Ömischungen (membranfluidisierende Wirkung ohne Okklusion),
  2. Wirkstoffzusatz von α-linolensäurehaltigen Ölen (mehrfach ungesättigt, stark fluidisierende Wirkung durch 3 Doppelbindungen),
  3. bewusst geringer Einsatz an Ölen und Buttern mit gesättigten Fettsäuren (Vermeidung semi-okklusiver Filme),
  4. Zusatz von Urea oder Allantoin (fluidisierende, verhornungsregulierende, keratoplastische Wirkung),
  5. bevorzugt O/W-Emulsionen (Lecithine in der Wasserphase lösen), Bevorzugung von Lysolecithin (permeabilitätsfördernd, fluidisierende Wirkung auf Zellmembrane) und Fluidlecithin Super (verhornungsregulierend durch Phosphatidylcholin)
  6. Lipodermin, höher dosiert (stark fluidisierend und verhornungsregulierend durch Phosphatidylcholin).