Was ist das »Stratum corneum«, was bedeutet »NMF«, und was hat es mit der »Barriereschicht der Haut« auf sich? Hier im Glossar finden Sie Begriffe erläutert, die Ihnen auf olionatura.de immer wieder begegnen und deren Verständnis Ihnen hilft, hautphysiologisch sinnvolle Pflegeprodukte herzustellen.
Als eines der größten Organe des menschlichen Körpers erfüllt die Haut vielfältige Aufgaben: sie unterstützt die Wasser- und Temperaturregelung des Organismus, ist Ausscheidungsorgan für diverse Stoffe wie Säuren und Salze, Produktionsort wichtiger Substanzen unterschiedlichster Stoffwechselprozesse wie Interferone, Hormone, Vitamine (Vitamin D!) und Proteine – vor allem jedoch bildet die oberste Hautschicht, die Hornschicht (das Stratum corneum) eine Schutzbarriere gegenüber Sonnenlicht, Mikroorganismen, chemischen und mechanischen Einflüssen und Substanzen von außen und eine Barriere für Wasser und kleine Moleküle nach außen.
Sie zu durchdringen ist auch für kosmetisch wirksame Substanzen z. T. nicht leicht, da sie normalerweise eine wirksame Permeabilitätsbarriere darstellt. Einige Faktoren können die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Hautbarriere erhöhen und ihre Resorptionsfähigkeit (Aufnahmefähigkeit) fördern; Kosmetologie, Dermatologie und Pharmazie nutzen gezielt Strategien zur Erhöhung (oder Verzögerung) der Aufnahme von Substanzen durch die Haut. Bei den meisten Wirkstoffen erfolgt die Freigabe aus der Grundlage (Creme, Gel, Salbe usw.) tatsächlich weitaus schneller als die Penetration in die Haut.
Die Erhaltung und Förderung einer intakten Barriereschicht ist wesentlich für die Gesunderhaltung der Haut und Hauptansatzpunkt für kosmetische Pflegestrategien gegen die so genannte vorzeitige Hautalterung (Anti-Aging). Kern der Barriereschicht sind die in lipide Bilayer aus Ceramiden, freien Fettsäuren und Cholesterolen eingelagerte Korneozyten, verhornte Zellen, die die hauteigenen Lipde über eine dünne Lipidhülle (lipid envelope) an sich binden und eine wasserabweisende (hydrophobe) Wirkung haben. Sie regulieren den transepidermalen (durch die Haut stattfindenden) Wasserverlust (TEWL) und halten die Feuchtigkeit durch hauteigene Feuchtigkeitsfaktoren (Natural Moisturizing Factor, kurz NMF) in der Haut.
Eine sinnvolle, auf Hautgesundheit ausgerichtete Kosmetik bietet der Haut Substanzen, die die Ordnung der Bilayer weitgehend intakt lassen, Defizite (z. B. durch Anbieten fehlender hautaffiner Fettstoffe und feuchtigkeitsbindender Substanzen) ausgleichen und natürliche Hautfunktionen unterstützen. Dies bedeutet z. B. den Verzicht auf Mineralöle in der Fettgrundlage, die einen okkludierenden Effekt aufweisen, und eine Bevorzugung nativer, pflanzlicher Öle, Buttern und Wachsen mit einer breiten Palette an die Barriereschicht substituierenden und regenerierenden Inhaltsstoffen wie Fettsäuren, Phytosterolen, Phospholipiden (Lecithinen) sowie Vitaminen und Mineralstoffen. Unter den pflanzlichen Wirkstoffen sind Gerbstoffe empfehlenswert, da sie die Hautoberfläche verdichten, juckreizstillend wirken und den transepidermalen Wasserverlust reduzieren können.
Extrem trockene Hautzustände wie z. B. bei verschiedenen Formen der Dermatitis oder atopischen Ekzemen (ohne hier auf die Ursachen einzugehen) sind u. a. durch eine gestörte Barriereschicht gekennzeichnet; Folgen sind erhöhter transepidermaler Wasserverlust, schuppige, rauhe Hautpartien und ein verringerter Schutz gegenüber äußeren Einflüssen. Hier ist eine Restrukturierung der Lipidbarriere, z. B. durch die Kombination linol- und γ-linolensäurereicher Öle (z. B. Nachtkerzenöl, Hanföl, Borretschsamenöl) mit Phytosterolen und Phospholipiden (u. a. Avocadoöl, Sheabutter, Unverseifbares) eine sinnvolle Pflegestrategie.
Je nachdem, wie wir unsere Rezepte konzipieren, nehmen wir Einfluss auf den Grad der Fluidität unserer Barriereschicht. Eine erhöhte Fluidisierung und Durchlässigkeit ist bei bestimmten Hautzuständen erwünscht, ermöglicht einen ungehinderten Talgabfluss, fördert die Penetration von Wirkstoffen und zelluläre Stoffwechselprozesse. Jede Erhöhung der Permeabilität bedeutet jedoch auch Durchlässigkeit in die andere Richtung und kann den transepidermalen Wasserverlust erhöhen. Aus diesem Grund ist es wichtig, beide Prozesse – Fluidisieren und Barriere stärken – als Prozess-Antipoden zu sehen, die wir gezielt auf unsere Hautbedürfnisse ausbalancieren. Konkret bedeutet dies, die Säulen einer hautphysiologisch sinnvollen Hautpflege in ihren prozentualen Anteilen zu variieren, da sie ihre spezifischen Wirkungen dosisabhängig ausspielen.
Folgende Rohstoffe, Konzentrationen und Verarbeitungsweisen fördern eine intakte Barriereschicht und »verdichten« sie:
Fluidisierend und zellstoffwechselanregend wirken folgende Rohstoffe, Konzentrationen und Verarbeitungsweisen:
Einige an der Physiologie der Haut orientierte Pflegekonzepte imitieren die spezifische Membranstruktur der Barrierelipide in den Bilayern: der von Albert M. Kligmann, Dermatologieprofessor an der Universität von Pennsylvania, geprägte Begriff Korneotherapie zielt auf Pflegestrategien, die die Wechselwirkung zwischen äußerlich aufgetragenen Substanzen und der Biochemie und Physik von Hornschicht und tieferen Hautschichten berücksichtigen und hautphysiologisch natürliche Stoffe wie Ceramide, Fettsäuren, Phospholipiden verwenden. Der Verzicht auf Emulgatoren, Konservierungs- und Duftstoffen ist ein weiterer Aspekt dieses Modells. Dr. Lautenschläger fasst wesentliche Merkmale der Korneotherapie in diesem Fachartikel von 2004 (PDF) zusammen. Er selbst hat dieses Prinzip in seiner Entwicklung kosmetischer Cremegrundlagen (DMS®-Cremes; DMS bedeutet Derma Membran Struktur) verwirklicht.
Einen interessanten Fachartikel mit dem Titel »Struktur und Morphologie einer Barriere« (von Reinhard Neubert und Roger Wepf) bietet die Pharmazeutische Zeitung online.