Im September 2010 finden Sie einen Überblick über moderne naturkosmetische Rohstoffe in meinem neuen Buch. Weitere Informationen und eine ausführliche Leseprobe erwarten Sie auf olionatura.com.
Die hier aufgeführten Rohstoffe sind meine persönliche Auswahl empfehlenswerter und sinnvoller Ingredienzen in einer hautphysiologisch orientierten Natur-Kosmetik. Sie werden viele der aus der Hobbythek® bekannten Produkte daher nicht finden, dafür andere, die ich bei meinen Recherchen entdeckt und in mein Repertoire aufgenommen habe.

Dieser Emulgator ist, wie Tegomuls®, ein durch die Hobbythek® bekannt gewordener, PEG-freier Emulgator, der von der Firma Henkel entwickelt wurde. Die INCI-Bezeichung kennzeichnet dieses Produkt als eine Kombination aus Glycerolmonostearat (HLB 4), das hier als lipophiler, leicht koemulgierender Konsistenzgeber fungiert, und aus Glycerinstearatcitrat (HLB 12), einem hydrophilen, auf pflanzlicher Basis aus Glycerin, Mono- und Diglyceriden und Zitronensäure hergestellten Emulgator mit hoher Emulgierfähigkeit auch in geringer Konzentration. Diese Mischemulgatoren werden von verschiedenen Firmen aus festgelegten Einzelkomponenten und in firmenspezifischen Massenverhältnissen hergestellt. Eine gewisse Ungewissheit stiftet die fehlende Transparenz, welches Produkt von welchem Anbieter man gerade kauft, welches Mischungsverhältnis der Einzelkomponenten es aufweist und wie die konkreten Eigenschaften des Emulgators je nach Herkunft sind.
Lamecreme hat einen HLB-Wert von ca. 7–8 und ist ein Mischemulgator.
Lamecreme wird wegen seines angenehmen Hautgefühls geschätzt, da er deutlich feuchtere Emulsionen erzeugt als beispielsweise Tegomuls® und ein zartes, »eingecremtes« Hautgefühl schenkt. Je nach Kombination mit weiteren Konsistenzgebern und Koemulgatoren lassen sich mit Lamecreme sowohl leichtere als auch reichhaltige Emulsionen für normale bis trockene Hautzustände herstellen. Lediglich für fettende Haut ist er aufgrund seiner ausgeprägteren Filmbildung nicht optimal.
Die spezifische Kombination eines lipophilen und eines hydrophilen Emulgators in diesem Produkt bewirkt, dass Lamecreme – abhängig von den Phasenverhältnissen und der Verarbeitung – sowohl O/W- als Mischemulsionen mit Tendenz zu W/O-Emulsionen erzeugen kann; als Orientierung können 50 % Phasenanteile als sensibler Bereich gelten, in dem die Emulsionsform »kippt«: unter 50 % Fettphase bilden sich eher O/W-, über 50 % Fettphase eher Misch-Emulsionen mit Tendenz zu W/O-Emulsionen. Für echte W/O-Emulsionen empfehle ich Sorbitan Olivate, Wollwachsalkoholen oder Lanolin. Ich habe die Phasenlage einer Lamecreme-Emulsion mit 62 % Fettphase getestet und mit einer W/O-Emulsion verglichen, die nur 40 % Fettphase aufwies (hergestellt mit einem echten W/O-Emulgator, TEGO® SMS, INCI Sorbitanstearat). Der Test wird mit Sudanrot und Methylenblau durchgeführt, zwei Pulver mit unterschiedlicher Löslichkeit (Sudanrot löst sich in Fetten, Methylenblau in wässrigen Medien). Je nach Phasenlage ist entweder Fett oder Wasser die Außenphase und löst eines der beiden Pulver (links jeweils Lamecreme, rechts TEGO® SMS):


In der Praxis erweist sich Lamecreme als unkompliziert in der Verarbeitung. Der Emulgator wird bei ca. 65 °C in der Fettphase aufgeschmolzen; anschließend kann die Wasserphase in kleinen Schlucken hinzugegeben werden. Mit nur geringem Zusatz an Buttern und ohne weitere Konsistenzgeber entstehen bei einer Einsatzkonzentration von ca. 4–5 % Lamecreme und Fettphasen ab 30 % sehr angenehm aufzutragende Emulsionen mit leichter Konsistenz, jedoch deutlich pflegendem Charakter. Da er als Komplexemulgator bereits einen Konsistenzgeber (Glycerinstearat) »an Bord« hat, ist eine weitere Zugabe an solchen nicht unbedingt notwendig, aber durchaus möglich, wenn man kompaktere Konsistenzen mag: mit Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Myristylmyristat erhalten Sie eher feste Cremes mit deutlicher Filmbildung.
Besonders angenehme Emulsionen erzeugt Lamecreme bei einer Fettphase von ca. 30–40 %. Er eignet sich auch sehr gut als Koemulgator für pH-wert-empfindliche Emulgatoren wie Tegomuls® oder Glycerinstearat SE, wenn man nicht auf Emulsan ausweichen möchte, oder für Emulsionen mit einer höheren Lipidphase über 40 %.


Die beiden folgenden Rahmenrezepturen decken typische Emulsionen mit Lamecreme ab. Wählen Sie Öle und Buttern nach Wunsch; Anhaltspunkte für sinnvolle Ölmischungen finden Sie in dem Beitrag »Vorschläge für Ölkombinationen«, Hinweise zu sinnvollen Wirkstoffen und ihren Einsatzkonzentrationen in den jeweiligen Rohstoff-Portraits oder in der Rohstoff-Tabelle.
| Ingredienzen | Creme (50 g)¹ 30 % Fettphase |
Creme (50 g)² 40 % Fettphase |
|---|---|---|
| ¹ 5 % Emulgator (17 % Anteil an der Fettphase) ² 6 % Emulgator (15 % Anteil an der Fettphase) |
||
| Öle | 9,5 g | 13,0 g |
| Buttern | 3,0 g | 4,0 g |
| Emulgator | 2,5 g | 3,0 g |
| Wirkstoffe | 2–5 g | 2–5 g |
| Wasser | auf 50,0 g auffüllen | auf 50,0 g auffüllen |
| Konservierung | 10 Tr. Rokonsal™ BSB-N | 10 Tr. Rokonsal™ BSB-N |