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Tonerden (argile (französisch), clay (englisch))

Tonerden

argile (französisch), clay (englisch)

  • Funktion: Pigment, Puderbestandteil

Beschreibung

Es gibt verschiedene Erden, die wir innerlich oder äußerlich als kosmetischen Rohstoff nutzen können. Die Bezeichnungen haben Sie sicher schon oft gehört: Heilerde, Lavaerde, Wascherde, Rhassoul oder Ghassoul, rote, grüne und weiße Tonerde, Kaolin, um nur einige zu nennen – wobei verschiedene Begriffe oft das gleiche Produkt meinen. Allen Erden ist gemein, dass sie in der letzten Eiszeit (dem Deluvium) entstanden sind, als Gletscher Felsen und Gestein zu feinem Staub zermahlen haben. Es gibt Erden, die der Wind zusammen getragen hat (Ablagerungs-Tonerden), solche, die aus zersetztem Feldspat stammen (Kaolinite) oder aus zerfallenem Eruptivgestein (Montmorillonite). Sie bilden so genannte Kolloide, das sind disperse Systeme (Dispersion meint ein System aus zwei oder mehreren Phasen, bei denen eine oder mehrere in der anderen fein verteilt ist) aus Partikeln einer festgelegten Teilchengröße zwischen 10 hoch minus 5 bis 10 hoch minus 7 cm, das entspricht zum Teil nur einem tausendstel Millimeter.
Grundlage aller Erden ist Löss. Er besteht primär aus Quarz (Sand, ca. 40– 70 %), Tonerde-Silikaten (Feldspat, Glimmer, Montmorrillonit, ca. 10–30 %), Kalk (ca. 10–30 %), Mineralien und Spurenelementen. Je nach Anteilen der einzelnen Stoffgruppen und Mineralstoffe haben sie Eigenschaften, die ihren optimalen Einsatzbereich bedingen, Eisen-, Kupfer- und Magnesiumoxide erzeugen die bekannte Palette an Farben. Im Folgenden sind die wesentlichen Stoffe kurz im Überblick erläutert:
Quarz besteht aus Kieselsäure (Silizium, dem zweithäufigsten Element nach Sauerstoff), das dort als Siliciumdioxid (SiO²) oder, verbunden mit weiteren Substanzen, in Form ihrer Salze (Silikate) auftritt. Aluminiumsilikat-Verbindungen werden auch Tonerde-Silikate genannt, andere Aluminium-Verbindungen Tonerde. Eine wichtiges Tonerde-Silikat ist Montmorillonit, dessen kristalline Struktur eine besondere Gitterstruktur aufweist und fähig ist, enorm viel Wasser und andere Substanzen aufzunehmen. Erden mit einem hohen Gehalt an Montmorillonit weisen daher eine ausgesprochen hohe Sorptionsfähigkeit auf. Es gibt auch eine grüne Montmorillo-Erde (auch Terre de Carpentras genannt), die jedoch anders zusammen gesetzt ist und ein höheres Sorptionsvermögen besitzt als die weiter unten aufgeführte »Grüne Mineralerde«.
Kalk besteht aus Kalzium-Verbindungen; er bildet eine Kruste um Quarz- und Tonerde-Silikat-Partikel und macht sie fester.
Erden enthalten fast alle essentiellen Mineralstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung; allerdings sind viele derart kristallin gebunden, dass sie nicht verwertet werden können. Löslich sind in der Regel Kalzium, Kalium, Magnesium, Silizium, Eisen, Natrium und Aluminium (letzteres jedoch in so geringer Menge, dass sie keine negativen Wirkungen befürchten müssen). Die Mineraloxide bewirken auch die jeweilige spezifische Färbung der Erden.
Natürlich müssen Erden keimfrei sein; zum einen gewinnt man sie aus sehr großen Erdtiefen, in denen keine Verunreinigungen enthalten sind, zum anderen werden sie, je nach Herkunft und Tradition, in Öfen, in praller Sonne oder durch Pasteurisieren keimfrei gemacht.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Die Partikel der Tonerden verfügen über unregelmäßige, z. T. zerklüftete und raue Oberflächen, die eine enorme Vergrößerung der Oberfläche bedingen und an denen andere Stoffe leicht haften bleiben. Diese Bindungsfähigkeit (auch Sorptionsvermögen genannt) ist ein typisches Merkmal aller Erden: auf eine Oberfläche (Haut, Wunde usw.) aufgebracht, vermögen sie Flüssigkeiten und Substanzen aufzusaugen und zu binden. Erden verfügen über eine »kapillare Saugkraft«: Wasser steigt in die Hohlräume der Partikel – je feiner eine Erde, desto stärker ist der absorbierende Effekt. Allerdings muss auch eine gewisse Wasserdurchlässigkeit gegeben sein; daher wählt man i. d. R. für den äußeren Gebrauch eine Erde, die nicht ultrafein zerrieben ist, sondern eine mittelgroße Teilchengröße aufweist.
Ein weiteres Prinzip unterstützt die Sorptionsfähigkeit verschiedener Erden: die Partikel enthalten Kalzium-, Magnesium-, Kalium- oder Natrium-Ionen, die gegen andere Ionen ausgetauscht werden können. Die Intensität dieses Ionentauschs ist von den Ionen abhängig, die ursprünglich an der Oberfläche des Partikels hafteten – daher unterscheiden sich die diversen Erden nicht nur in ihrer Partikelgröße, sondern auch durch ihre spezifische Zusammensetzung und absorbierenden Wirkung von einander.

Verarbeitung

Tonerden werden innerlich und äußerlich angewandt. Folgende Übersicht führt verschiedene Tonerden auf und nennt ihre wesentlichen Eigenschaften:

Heilerde

Heilerde ist eine Tonerde, die durch entsprechende, gesetzlich vorgeschrieben Studien, die die Wirkung belegen, eine Arzneimittelzulassung besitzt und daher diese gesundheitlichen Wirkungen (im Gegensatz zu Mineralerden) ausloben darf. In Deutschland besitzt nur die braune Erde der Firma Luvos diese Zulassung. Sie wird vorwiegend im Taunus abgebaut und in Röhrenöfen bei 133 °C keimfrei gemacht. Sie erhalten Heilerde in unterschiedlichen Feinheitsgraden; die ultrafeine Qualität eignet sich für die innere Einnahme, Qualitäten mit größeren Partikeln sind kosmetisch verwendbar. Anbieter anderer Erden ohne diese Zulassung verwenden in der Regel den Zusatz »Nahrungsergänzungsmittel«, Aussagen zu heilenden Wirkungen sind ihnen gesetzlich verboten. Das deutsche Lebensmittelgesetz garantiert jedoch auch bei ihnen Keimfreiheit und geprüfte Qualität.

Kosmetischer Einsatz: Heilerde besitzt ein gutes Sorptionsvermögen und eignet sich als Grundlage für Packungen, als Badezusatz und zum Gurgeln.

Grüne Mineralerde (Illite)

Grüne Mineralerde (ich spreche nun von der Illite-Erde, die aus Ablagerungen entstanden ist; nicht von der aus der Zersetzung von Eruptivgestein stammenden grünen Montmorillo-Erde, siehe oben) verdankt ihre Farbe den Kupferverbindungen in der Erde und hat eine lange Tradition in Frankreich. Dort wird sie in der Regel nach der Gewinnung (u. a. in der Provence) unter praller Sonne getrocknet (also nicht bei 133°C sterilisiert); in Deutschland stammt grüne Tonerde z. B. aus Mecklenburg-Vorpommern. Im Gegensatz zu Heilerde hat sie keine Zulassung als Arzneimittel und darf daher nur als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Ihre Eigenschaften sind der Heilerde sehr ähnlich. In werbenden Texten findet sich oft der Verweis auf einen anderen kristallinen Aufbau; so soll sie im Gegensatz zu Heilerde eine 3–5-schichtige mineralische Struktur aufweisen, die Heilerde dagegen nur 2–3-schichtig sein. Je mehr dieser Schichten vorhanden sind, desto stärker ist das Aufnahmevermögen für andere Substanzen.

Kosmetischer Einsatz: Sie wird innerlich und äußerlich verwendet und eignet sich als vielseitige Grundlage für Masken, Peelings, Reinigungscremes (ich verwende sie mit 10 % in meiner Tonerde-Reinigungscreme, ohne dass sie sich absetzt) und als Badezusatz. In kleinen Mengen wird sie auch gerne zum Korrigieren von tönenden Mineralmischungen und Pudern verwendet, da sie Rötungen optisch mildert.

Farbige Tonerden (rot, gelb, rosa)

In der Zusammensetzung und Wirkung ähnlich sind gelbe, rosa und rote Tonerde, die ihre Farbe einer unterschiedlichen Menge an Eisenoxiden verdanken und bevorzugt äußerlich angewendet werden. Rosa Tonerde ist eine Mischung aus ca. zwei Dritteln weißer und einem Drittel roter Tonerde.

Kosmetischer Einsatz: Neben ihrer Eignung als Maske und in Reinigungspräparaten werden sie auch gerne zum Abtönen von Emulsionen oder als färbender Zusatz in Pudern und Seifen verwendet.

Lavaerde (Ghassoul, Wascherde)

Lavaerde ist eine marokkanische Erde aus dem Atlasgebirge. Die Bezeichnung »Lavaerde« basiert auf dem lateinischen Verb lavare, was waschen bedeutet, wie auch das arabische Wort »ghassoul«. Sie weist einen hohen Kieselsäureanteil auf (Angaben in der Literatur schwanken zwischen 20 bis 60 %), daneben Magnesium, Aluminium, Eisen, Kalzium. In Wasser angerührt bildet sie ein feines, sanftes, jedoch intensiv reinigendes Gel. Lavaerde hat einen enormen Boom als Tensidersatz erfahren und wird gerne, als Brei angemischt, für die Haar- und Körperwäsche verwendet; ihr hoher Gehalt an Montmorillonit bewirkt ihr außergewöhnlich starkes Sorptionsvermögen und ihre sehr gute Reinigungsfähigkeit, die andere Erden übertrifft. Ihr ähnlich ist auch die grüne Montmorillo-Erde (siehe oben) mit einem vergleichbar hohen Gehalt an Montmorillonit. Ghassoul wird Rhassoul ausgesprochen.

Kosmetischer Einsatz: frisch als Gel angerührt für die Haar- und Körperreinigung, als Gesichtspeeling oder Zusatz in Reinigungscremes für fettende, unreine Haut. Als Haarreinigungsgel ist es wichtig, Ghassoul (in Wasser zu einem Gel angerührt) nur sanft aufzutragen und nicht einzumassieren, da die winzigen Kanten der Partikel leicht zu Haarschäden und in Folge zu Haarbruch führen können. Das Ghassoul-Gel wird nach kurzer Einwirkzeit sanft und ohne Reiben und Massieren (!) gründlich ausgewaschen.

Kaolin (Bolus Alba, Porzellanerde)

Diese Erde ist eine Kalium-Silikat-Verbindung, eisenfrei (daher weiß), mit einem hohen Gehalt an Kaolinit und weist eine typische tellerartige, hexagonale Kristallgitter-Struktur auf. Kaolin ist sehr feinkörnig und verfügt über eine starke Sorptionsfähigkeit. Es gibt sie in verschiedenen Feinheitsgraden.

Kosmetischer Einsatz: als Maskenbasis, für Reinigungspasten und als Grundlage für Gesichts- und Körperpuder (dort erhöht Kaolin die Haftfähigkeit und absorbiert Hautfett und Feuchtigkeit). Sehr gut eignet sich Kaolin mit 0,5–1 % Einsatzkonzentration auch zur Stabilisierung von Emulsionen, in denen es zudem ein weniger fettendes Hautgefühl erzeugt. Kaolin reinigt nach meiner Erfahrung ausgesprochen sanft und wird in der Regel auch von reifer, trockener Haut als Peeling (pur, mit Wasser angerührt) ausgezeichnet vertragen.

Welche Erde für welche Haut?

In verschiedenen Quellen wird den Erden, je nach Farbe, eine bevorzugte Eignung für bestimmte Hautzustände zugesprochen. Die Angaben sind leider sehr uneinheitlich, so dass ich momentan nur auf meine eigene Erfahrung verweisen kann. Ihre grundsätzliche Wirkungsweise ist ähnlich: sie alle absorbieren Flüssigkeiten und Fette, wirken also mehr oder weniger entfettend, reinigend und (wenn sie antrocknen) okklusiv. Ich denke, es ist sinnvoll, sich an die für den eigenen Hautzustand und das spezifische Produkt »optimale Erde« heranzutasten und die spezifische Wirkung vor allem durch Zusätze zu kontrollieren, wie z. B. gemahlene Kräuter, Sorbit (verhindert bzw. verzögert das Antrocknen und damit die Saugwirkung, die für empfindliche Haut eventuell zu stark ist), pulverisierte Eibischwurzel (erzeugt mit den Erden ein Gel und wirkt beruhigend und reizlindernd), Öle (verhindern ebenfalls eine zu starke Kapillarwirkung und fetten zurück) – Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ghassoul reinigt besonders intensiv, Kaolin sehr sanft. Die farbigen Tonerden liegen meiner Wahrnehmung nach in der Reinigungswirkung in der Mitte. Ich persönlich verwende (nur) aus pragmatischen Gründen (ich mag keine Rohstoffhalden in meinem Schrank) sehr gerne grüne Tonerde, weil sie so vielseitig ist – und dazu noch appetitlich aussehende Kosmetika erzeugt. ;) Kaolin ist Bestandteil in meinen Pudern und als geringer Zusatz in Emulsionen.