Kosmetische Rohstoffe

Rohstoff-Tabellen

Rohstoff-Tabelle
In dieser Tabelle finden Sie alle relevanten Informationen zu kosmetischer Wirkung, Einsatzkonzentration, Verarbeitung im Überblick.
Emulgatoren-Tabelle
Lesen Sie alle relevanten Informationen zu Eignung, Eigenschaften, Verarbeitung verfügbarer Emulgatoren in dieser Tabelle.

Das Rohstoffbuch

Heike Käser: Naturkosmetische Rohstoffe. Linz: Freya, 2. Auflage 2011
Das Buch »Naturkosmetische Rohstoffe« bietet einen fundierten und vertiefenden Überblick über bewährte und moderne naturkosmetische Ingredienzien. Sie erhalten das Buch im Buchhandel vor Ort, direkt beim Verlag, bei Amazon, Thalia, Hugendubel und in anderen Online-Buchhandlungen. In meinem Blog habe ich Informationen zum Buch, eine Leseprobe und Fachrezensionen für Sie zusammengestellt.

Seminar »Naturkosmetische Rohstoffe«

Sie möchten lernen, welche Charakteristika und Wirkungen naturkosmetischen Rohstoffe haben, wie sie sinnvoll kombiniert und verarbeitet werden? Sie stellen bereits Ihre Kosmetik selbst her, möchten jedoch Ihr Wissen über naturkosmetische Rohstoffe vertiefen? In meinen Seminaren biete ich privat und beruflich interessierten Menschen die Möglichkeit, dies zu tun. In meinem Blog informiere ich Sie über aktuelle und geplante Termine.

Hyaluronsäure

INCI: Sodium Hyaluronate (CAS-Nummer: 9067-32-7)

Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid und natürlicher Bestandteil u. a. der Dermis (Lederhaut); sie wird heute biotechnologisch mit Hilfe von Bakterienkulturen erzeugt. Ihr Molekulargewicht liegt in der Regel ca. zwischen 20.000 Dalton und 1,5 MDa (1 Megadalton, MDa, entspricht 1.000.000 Dalton); wir verwenden im Selbstrührerbereich in der Regel ein hochmolekulares Natriumsalz der Hyaluronsäure (Sodium Hyaluronate, CAS-Nummer 9067-32-7), reine Hyaluronsäure hat die CAS-Nummer 9004-61-9.

Bezugsquellen in Europa

Hyaluronsäure erhalten Sie in vielen Online-Shops, die kosmetische Rohstoffe führen. Eine Übersicht aller Online-Shops ist in dieser Link-Liste zusammengestellt.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Hyaluronsäure bildet, in Wasser gelöst, eine gelartige Struktur aus. Hochmolekulare Hyaluronsäure (also, die, wir in der Regel kaufen) liegt als dünner Film auf der Haut, der jedoch deutlich weniger ausgeprägt ist als bei anderen Filmbildnern, da sie sich über Wasserstoffbrücken mit den Ceramiden der Haut verbindet. Sie bindet effektiv Feuchtigkeit im Stratum Corneum, verhindert das zu schnelle Abdampfen hauteigenen Wassers und wirkt dadurch als Moisturizer. Ihre effekivere feuchtigkeitsbindende Wirkung gegenüber anderen Hydratisieren ergibt sich daraus, dass sie ihren Hydratmantel erst nach mehreren Stunden abgibt und auf diese Weise über einen langen Zeitraum wirkt. Ihr optisch hautstraffender und glättender Effekt, der aus der Verdunstung von Wasser und der dadurch bedingten leichten Straffung des Gelfilms auf der Haut resultiert, ist sehr gut, aus diesem Grund findet man sie primär in Gesichtspflege-Präparaten.

Niedrigmolekulare Hyaluronsäure unter 25.000 Dalton (25 kDa) dringt durch ihre geringere Molekülgröße, geringfügig tiefer ins Stratum corneum ein, sie weist keine filmbildenden Eigenschaften auf. Im Hinblick auf ihre feuchtigkeitsbindenden Eigenschaften ist sie jedoch in keiner Weise mit der hochmolekularen zu vergleichen, da das Brechen der Bindungen, durch die die kleinere Molekülgröße entsteht, den Verlust der wasserbindenden Eigenschaften bedeutet. Wenn wir normale Hyaluronsäure autoklavieren, passiert das gleiche, nur nicht in der Ausprägung. Man kann heute davon ausgehen, dass niedrigmolekulare Hyaluronsäure kosmetisch kaum einen Nutzen bringt. Sinnvoller sind NMF-Substanzen wie Sodium PCA, Urea, Glycerin und Natriumlaktat als hydratisierende Substanzen.

Verarbeitung

Ihre Einsatzkonzentration ist gering, in der Literatur wird eine Dosierung von 0,1 bis 0,5 % (für die hochmolekulare Hyaluronsäure) angegeben bzw. 0,01 bis 0,2 % für die niedrigmolekulare Hyaluronsäure; ich verwende in der Regel um 0,1 %. Betrachten Sie Hyaluronsäure trotz ihrer gelbildenden Fähigkeiten nicht als Gelbildner, sondern als hydratisierende Substanz; um ein Gel zu bilden, sind Einsatzkonzentrationen notwendig, die in der Regel nicht mehr als angenehm empfunden werden.

Da Hyaluronsäure sehr schnell andickt und gerne Klümpchen bildet, füge ich sie gerne bei laufendem Rührer der heißen, frisch abgekochten Wasserphase zu und dispergiere sie hochtourig, dabei kühlt das Gel rasch ab. Andere Rührer(innen) dispergieren sie in etwas Alkohol und fügen die Wasserphase bei laufendem Rührer dazu. Hyaluronsäure löst sich notfalls nach mehreren Stunden von alleine; es reicht, das Gel über Nacht stehen zu lassen. Die Warnung, Hyaluronsäure nicht zu erwärmen, bezieht sich auf den Umstand, dass sie, längere Zeit über 100 °C erhitzt, an Molmasse und auch an Viskosität verliert. In dermatologischen oder medizinischen Anwendungen wird Hyaluronsäure gezielt sterilisiert; zuhause können Sie (wie ich getestet habe) ein Hyalurongel problemlos im Dampfdrucktopf 20 Minuten bei 2 bar autoklavieren. Sie erhalten auf diese Weise ein in seiner Viskosität verringertes, steriles Gel, das sich hervorragend als Wasserphase eignet.

Als alleiniger Gelbildner ist Hyaluronsäure weniger geeignet; die Konzentrationen für eine Gelkonsistenz sind so hoch, dass das Hautgefühl deutlich leidet. Ich empfehle Ihnen, bei der Herstellung eines Hydrogels Hyaluronsäure mit einem anderen Gelbildner wie Xanthan (mit dem es synergistisch wirkt) zu kombinieren oder einige Tropfen Öl hinzuzufügen; dieses Hydrodispersionsgel mildert das spannende Gefühl eines reinen hyaluron-stabilisierten Gels deutlich. Mit Lipodermin kombiniert verbessert sich das Einziehverhalten des Gels.
Ihre Stärke spielt Hyaluronsäure bei stark ausgetrockneter Haut mit gestörter Barriereschicht aus. Als »Erste-Hilfe-Maßnahme« hydratisiert sie die Hornschicht der Haut und bereitet sie für eine Pflege mit rückfettenden und restrukturierenden Lipiden vor. Ihre Verfügbarkeit ist naturgemäß in wasserreichen Gelen oder O/W-Emulsionen größer als in Misch- oder W/O-Emulsionen; daher sollte sie bevorzugt in ersteren eingesetzt werden.
Dr. Lautenschläger empfiehlt eine Kombination von Hyaluronsäure mit verschiedenen feuchtigkeitsbindenden Wirkstoffen wie Urea, Glycerin und Salzen vor allem bei Witterungseinflüssen mit verringerter Luftfeuchtigkeit und kalten Außentemperaturen, bei denen die feuchtigkeitsbindende Wirkung genannter Substanzen alleine nicht ausreicht.

Quellenangaben und weiterführende Informationen

  1. Prof. Wohlrab, Hyaluronsäure und Haut. Aachen 2004
  2. Jamal Alyoussef Alkrad: Hyaluronsäurederivate: Strukturcharakterisierung, Bestimmung und Dermatologische Anwendung. Dissertation. Halle, 2003
  3. Dr. Lautenschläger, Pflegende Wirkstoffe – Vitamine, Öle & Co., in: Kosmetische Praxis 05/2003, S. 14–15
  4. ders., Hyaluronsäure – ein legendärer Wirkstoff. In: Kosmetische Praxis 2008 (4), 16–18