Öle, Buttern, Wachse

Literatur: Pflanzliche Öle

  1. Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL): Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids)
  2. von Braunschweig, Ruth: Pflanzenöle. Qualität, Anwendung und Wirkung. Wiggensbach: Stadelmann-Verlag, 2007
  3. Untersuchungen über die Fettsäure- und Tocopherolgehalte von Pflanzenölen. Abschlußbericht über das Arbeitsprojekt »Pflanzenöle«. Rheinstetten, 2001
  4. Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Wirkung, Verarbeitung, kosmetischer Einsatz. Linz: Freya, 2. Auflage 2011
  5. Krist, S./Buchbauer, G./Klausberger, C.: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Wien/New York: Springer-Verlag, 2008
  6. Matthäus, B./Münch, E. W. (Hrsg.): Warenkunde Ölpflanzen/Pflanzenöle. Agrimedia, 2009
  7. Chargenbezogene Analysen der Henry Lamotte Oils GmbH, Bremen

Wildrosenöl

INCI: Rosa mosqueta / Rosa canina / Rosa rubiginosa (Rose) Hip Oil

Wildrosenöl (Rosa mosqueta / Rosa canina / Rosa rubiginosa (Rose) Hip Oil)
Blühende Rosa canina (© H. Käser)

Nicht sonnenstabiles Öl Dieses Öl ist nach dem Öffnen bei kühler, dunkler und gut verschlossener Lagerung ca. 3 Monate haltbar.

(Wirkstofföl: Ölgruppe W-1)

Wildrosen gehört zur Familie der Rosaceae und stammen ursprünglich aus Gebieten der nördlichen Hemisphäre, da ihre Samen eine gewisse Kälteperiode benötigen, um zu keimen. Als Wildrosen gelten alle Arten, die sich ohne Einfluss des Menschen entwickelt haben; in Deutschland werden ca. 20 Arten gezählt, weltweit sind es um die 200. Die erste Bezeichnung Rosa ist der Gattungsname, der zweite Terminus nennt die Art.
Nach Chile kam sie durch spanische Einwanderer, die die stachelige europäische Rosa rubiginosa L. zunächst bevorzugt als wirkungsvolle Umgrenzung besetzter Gebiete nutzten; nach Ende der spanischen Vorherrschaft wucherten diese Bepflanzungen unkontrolliert weiter und führten zur Verbreitung der Wildrose, die heute von Santiago bis nach Aysen im südlichen Patagonien reicht; dort gedeiht sie auf Meeresspiegelniveau bis in 2000 Meter Höhe. In einigen Quellen wird nur die Rosa rubiginosa (die Bezeichnung »rubiginosa« zielt auf die rostrote Farbe; die Blattunterseiten sind mit braunen, klebrigen Drüsen versehen, die einen feinen Apfelduft verströmen) als chilenische Wildrose genannt; nach aktuellem Forschungsstand¹ gilt Rosa Mosqueta als Sammelbegriff für die verschiedenen, heute in Chile verbreitete Wildrosenarten Rosa moschata (Moschusrose), Rosa rubiginosa (Apfelrose, Weinrose) und Rosa canina (Hundsrose, Heckenrose).
Aus diesem taxonomischen Wirrwarr resultieren unterschiedliche INCI-Bezeichnungen für Wildrosenöl: Rosa canina verweist auf eine unserer europäischen Wildrosenarten, wir kennen sie auch als Hundsrose oder Heckenrose; ihre Früchte, die Hagebutten, haben auch die gebräuchliche Bezeichnung Hagebuttenkernöl etabliert. Daneben kursiert der Oberbegriff Rosa mosqueta oder einer der darunter gefassten Arten, allen voran die Rosa rubiginosa. Kosmetisch sind alle Arten sicher als gleichwertig anzusehen, zumal es für den Verbraucher sehr schwierig bis unmöglich ist, aufgrund der verwirrenden Taxonomien eindeutig zu bestimmen, welches Öl er als Rosa mosqueta in den Händen hält.
Chile gilt heute als bedeutendster Produzent von Wildrosenöl; seit 1969 wurden verschiedene Hagebutten aus verschiedenen Pflückgebieten systematisch katalogisiert, vermessen und chemisch analysiert. Fruchtgröße, Feuchtigkeits- und Vitamin-C-Gehalt der Arten variieren deutlich, je nach Anbaugebiet und Art.
Unterschiede gibt es in der Form der Gewinnung: neben gepressten Ölen aus den Kernen sind CO²-Extraktionen auf dem Markt, ein sehr schonendes, aber auch teures Verfahren: CO² wird unter Druck und tiefer Temperatur verflüssigt und mit den Kernen zusammen gebracht. Der hohe Druck bewirkt ein Aufplatzen der Kerne und setzt das Öl frei. Nach Fortnahme des Drucks verwandelt sich das CO² wieder in Gas und lässt ein Öl von hoher Reinheit zurück.
Schließlich wird bisweilen Öl aus der ganzen Frucht angeboten, das naturgemäß farblich sehr intensiv ist und einen hohen Anteil an Carotinoiden aufweist.
Die von verschiedenen Kosmetikfirmen angebotenen Wildrosenöle sind häufig Kompositionen auf Basis anderer Öle (wie Mandel- oder Jojobaöl), die mit Wildrosenöl und ätherischen Ölen wie Rosen-, Rosengeranien- und anderen rosenähnlich duftenden ätherischen Ölen angereichert sind, um ihnen den typischen Rosenduft zu verleihen. Fettes Wildrosenöl riecht nicht nach Rosen: der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren bedingt den bei nativer Qualität charakteristischen Geruch von Wildrosenöl, der dem dezent-nussigen Aroma eine leicht »fischige« Note geben kann. In der Farbe variiert Wildrosenöl aus den Samen zwischen Hell- bis Goldgelb; Öl aus der ganzen Frucht ist rötlich.

Inhaltsstoffe

Wildrosenöl weist einen ausgesprochen hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure auf (ca. 33%, nur wenige Öle wie Holundersamenöl, Sanddornkernöl oder Sacha Inchi-Öl erreichen diesen Wert). Daneben ist das Fettsäuremuster durch Linolsäure und einen nur sehr geringen Gehalt an gesättigten Fettsäuren geprägt, der es als leichtes, schnell einziehendes und oxidativ nicht sehr stabiles Öl kennzeichnet.

Eine Besonderheit ist eine Form der all-trans-Retinsäure, einem Vitamin-A-Derivat, deren Vorstufe im Wildrosenöl gebunden an ungesättigte Fettsäuren vorkommen soll. Diese Bindung bewirke, so die Autoren B. Pareja und H. Kehl, dass die sehr aktive Transretinsäure erst nach Auftrag auf die Haut durch hauteigene Lipasen gespalten und damit langsam und verzögert freigesetzt werde. Sie entfalte damit die erwünschten kosmetischen Eigenschaften von Tretinoin (der chemisch isolierten all-trans-Retinsäure, die kosmetisch und dermatologisch eingesetzt wird), ohne deren Nebenwirkungen aufzuweisen (In: Pareja, B., and H. Kehl, Contribution to the Identification of Rosa raff. rubiginosa L. Oil Rose Active Principles,An. Real Acad. Farm. 56:283–294 (1990). Allerdings wird die Anwesenheit kontrovers diskutiert: Weitere Untersuchungen am King's College in London konnten nach Aurora Benaiges keine all-trans-Retinsäure nachweisen; wenn es enthalten sein sollte, dann lediglich in Spuren (Aurora Benaiges: Aceite de rosa mosqueta. Composición y aplicaciones dermocosméticas. Offarm. 2008; 27:94 ‐7. ‐ vol. 27 núm 06) und dies nur in Ölen, die schonend und möglichst kalt gepresst wurden. Hier könnte ein Zusammenhang zwischen dem hohen Gehalt an β-Carotin in nativen Ölen und aktiven Enzymen bestehen, die das Carotin zu Retinol spalten, und einer anschließenden Oxidation zu Retinsäure.

Im Zusammenhang mit dem Vitamin-Gehalt des Wildrosenöls sei mir jedoch eine Anmerkung erlaubt: In verschiedenen Quellen wird der hohe Vitamin C-Gehalt des Wildrosenöls gelobt. Meine Recherchen und Nachfragen bei verschiedenen Institutionen (u. a. die Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft, der Fakultät der Ernährungswissenschaften der Uni Hohenheim und einer auf Öle spezialisierten Chemikerin) bestätigten einhellig, dass fette Öle keine nennenswerten Mengen an wasserlöslichen Vitaminen aufweisen und es sich um einen Übertragungsfehler der Inhaltsstoffe der Hagebutte auf das Öl handle, der seitdem unreflektiert von Quelle zu Quelle weiter gegeben werde (wie bei anderen Ölen, denen Gehalte an Vitamin C oder solchen aus der B-Reihe nachgesagt werden).

Fettsäurezusammensetzung von Wildrosenöl (%)
Fettsäure LAP Forchheim (2001)¹ Aitzetmüller (1995)²
Quelle: ¹ Landesanstalt für Pflanzenbau Forchheim, ² Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids) der BfEL Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel)
Pamitinsäure 4,2 3,7
Stearinsäure 2,0 1,7
Ölsäure 15,3 13,9 (Δ9c)
Linolsäure 46,2 44,1
α-Linolensäure 33,6 32,7

Kosmetischer Einsatz

Wildrosenöl unterstützt wie kein anderes Öl die Hautregeneration und eignet sich optimal zur Behandlung von trockener, schuppiger Haut, Pigmentflecken und Narben. Transretinolsäure wirkt stark heilend und regenerierend, fördert die Collagenproduktion innerhalb des Bindegewebes und erhält so die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu speichern.
Wildrosenöl regt die Zellerneuerung an und gilt als ausgezeichnetes und ausgesprochen verträgliches Gesichtsöl für trockene, reife, aber auch entzündliche Haut. In Kombination mit Nachtkerzenöl und dessen Gehalt an Gamma-Linolensäure (ca. 9 %) ergibt es eine hervorragende Kombination für oben genannte Hauttypen. Kombinieren Sie Wildrosenöl in Emulsionen mit einem ölsäurehaltigen Basisöl (z. B. Mandel-, Argan- oder Marulaöl, um ein Fettsäurespektrum abzudecken, das die Barriereschicht der Haut stabilisiert und langfristig glättet. Da es oxidativ nicht stabil ist, sollte es im Sommer ausschließlich in Cremes oder Seren für die Nacht, nicht jedoch in Tagespflege-Präparaten eingearbeitet werden.

Fettsäurespektrum von Wildrosenöl
Fettsäurespektrum von Wildrosenöl mit den dominierenden Fettsäuren.

Quellenangaben und weiterführende Informationen

  1. Joublan, J.P., M. Berti, H. Serri, R. Wilckens, F. Hevia, and I. Figueroa: Wild rose germplasm evaluation in Chile. 1996, p. 584–588. In: J. Janick (ed.), Progress in new crops. ASHS Press, Arlington, VA.
  2. J. Concha, C. Soto, R. Chamy, M.E. Zúñiga: Effect of Rosehip Extraction Process on Oil and Defatted Meal Physicochemical Properties. Journal of the American Oil Chemists' Society 83, S. 771–775, 2006

Wildrosenöl (Rosa mosqueta / Rosa canina / Rosa rubiginosa (Rose) Hip Oil)

Kerndaten zu Wildrosenöl (Rosa mosqueta / Rosa canina / Rosa rubiginosa (Rose) Hip Oil):

Die Werte von Jod- und Verseifungszahl basieren auf Durchschnittswerten und sind, wie die Spannen der genannten Inhaltsstoffe, verschiedenen, mir vorliegenden chargenbezogenen Analysen entnommen. Eine Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar.

Jodzahl
152–176
Verseifungszahl
189–193
HLB-Wert
7
Schmelzbereich
0 bis –15 °C
Typ (nach Römpp)
trocknend
Spreitverhalten nach Olionatura®
mittelspreitend
Hinweis: In dem in der Kosmetikindustrie verwendeten Spreitmodell von U. Zeidler würde es im Vergleich mit (halb-)synthetischen Estern und Mineralölderivaten als niedrigspreitendes Öl gelten. Diese Systematik ist jedoch auf native pflanzliche Lipide nicht übertragbar. Erläuternde Informationen dazu finden Sie in diesem Beitrag.
Zusammensetzung
Linolsäure (ca. 45 %), α-Linolensäure (ca. 32 %), Ölsäure (ca. 15 %), Palmitinsäure (ca. 4 %), Stearinsäure (ca. 2 %), α- und γ-Tocopherole (insgesamt ca. 32–47 mg/100 g), Carotinoide, Flavonoide, möglicherweise (an ungesättigte Fettsäuren gebundene) all-trans-Retinsäure.
Anteile an Unverseifbarem (%)
1,9–2,5
Kosmetischer Einsatz
Hervorragendes Wirkstofföl für trockene, reife Haut, entzündliche Haut. Traditionelles, bewährtes Öl zur Behandlung von Narben und Nachbehandlung von Pigmentflecken.