Naturkosmetik selber machen
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Heike Käser
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Arganöl (Argania Spinosa Kernel Oil)
Arganfrüchte, -nüsse, -kerne
(© Henry Lamotte Oils GmbH)

Mittel sonnentaugliches Öl

Arganöl

INCI: Argania Spinosa Kernel Oil

  • Basisöl
  • Ölgruppe: B-2
  • Jodzahl: 95–105
  • Verseifungszahl: 187–197
  • Typ: nicht trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®:
    mittelspreitend

Der Arganbaum gehört, wie auch der Sheabaum, zu den Sapotaceae-Gewächsen und ist die einzige Art der Sapotaceae, die nördlich der Sahara, im Südwesten Marokkos gedeiht und dort eine wichtige ökologische Funktion erfüllt: seine hohe Widerstandskraft gegen Trockenheit und Dürre macht ihn zu einem begehrten Schattenspender; mit seinen bis zu 30 (!) Meter in die Tiefe reichenden Wurzeln schützt er den Boden gegen Erosion. Während der Baum früher weite Flächen Südeuropas und Nordafrikas bedeckte, gibt es heute nur noch begrenzte Bestände im Südwesten Marokkos in Souss-Massa-Draa. Die Unesco rief daher 1998 diese Region als Biosphären-Reservat aus; die Arganbäume sind Staatseigentum, die Berber genießen Nutzungsrechte, dürfen die Bäume jedoch weder schütteln noch abholzen.

figurel> Der Arganbaum gedeiht im Südwesten Marokkos
Verbreitungsgebiet des Arganbaums im Südwesten Marokkos (© H. Käser)

Gewinnung des Öls

Das traditionell verwendete Öl wird aus den winzigen Kernen in den Mandeln der etwa pflaumengroßen, gelblichen Früchte gepresst, die vom Boden aufgelesen werden, denn der Baum selbst schützt sich mit scharfen Dornen. Nur Ziegen klettern in den Ästen und fressen Blattwerk und Früchte – ungern spricht man vor Ort darüber, dass auch die von ihnen ausgeschiedenen unverdaulichen Nüsse traditionsgemäß für die Ölherstellung verwendet werden. Daher gibt es Firmen, die die Herkunft ihres Öls ausschließlich aus vom Boden gesammelten Nüssen betonen. Fakt ist jedoch, dass während der Erntezeit Juli–September die Arganareale für die Beweidung gesperrt sind.

Die traditionelle Herstellung ist arbeits- und zeitaufwändig und wird in reiner Handarbeit von Berberfrauen durchgeführt: die mit Steinen aus den Schalen befreiten Kerne werden getrocknet, geröstet, in typischen Steinmühlen gemahlen und mit warmem Wasser zu einem Teig gerührt; beständiges Kneten mit den Händen unterstützt das Heraustreten des kostbaren Öls. Die ölige Emulsion kann anschließend abgeschöpft und dekantiert werden. Der Ertrag ist sehr gering; aus 100 kg Früchten wird in ca. 10 Stunden nur ca. 1 Liter Arganöl gewonnen, welches nach Aussage Prof. Charroufs durch die Zugabe von Wasser beim Herstellungsprozess nicht sehr lange haltbar ist. Traditonell werde das Öl daher jeweils frisch hergestellt oder auch mit Zugabe von Salz konserviert.¹ Restwasserfreies Öl gelte jedoch durch seinen hohen Tocopherol- und Polyphenolgehalt als sehr stabil; es sei oxidationsstabiler als Olivenöl.

Mittlerweile werden jedoch auch in Frauen-Kooperativen zunehmend Ölpressen und Edelstahlfilter verwendet, die die zeit- und kraftaufwändige Handpressung ersetzen, so auch in den aus dem 1996 von Frau Prof. Dr. Charrouf gegründeten Targanine Network entstandenen Kooperativen, und somit eine Ölgewinnung ohne Zusatz von Wasser und unter verbesserten hygienischen Verhältnissen erlauben. Daneben gibt es Kooperativen mit vorwiegend traditioneller Produktion wie die U.C.F.A. (Union des Coopératives des Femmes de l'Arganeraie), die allerdings für die Produktion ungerösteten Arganöls ebenfalls auf Ölpressen zurück greift, sowie industrielle Mühlen in den Städten, die teilweise unter Wärmezufuhr pressen, um die Ausbeute zu erhöhen. Einfluss auf Familienstrukturen und Lebensbedingungen verschiedener Produktionsmethoden beschreibt die GTZ (Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) in ihrem Report »Wertschöpfungsketten zum Erhalt der biologischen Vielfalt für Landwirtschaft und Ernährung« von Mai 2006 (Download der Broschüre als PDF); problematisch seien vor allem städtische Produktionen: statt den gesamten Prozess eigenverantwortlich zu betreuen, beschränke sich bei industriellen Produktionsmethoden der Part der Berberfrauen auf die reine Anlieferung der Arganmandeln, die vergleichsweise gering bezahlt würde; zum Auslasten der Mühlen seien zudem Zukäufe von Nüssen nicht kontrollierter Herkunft üblich.²

Inhaltsstoffe

Arganöl weist eine sehr ausgewogene Zusammensetzung an Ölsäure, Linolsäure und Palmitinsäure auf, so dass es zu den wenigen Ölen gehört, die, mit einem linolensäurereichen Öl kombiniert, bereits ein breites Fettsäurespektrum abdecken. Sein Gehalt an Phytosterolen ist mit ca. 1 % nicht auffallend hoch, liegt jedoch in einer außergewöhnlichen Zusammensetzung vor: Schottenol und α-Spinasterol sowie Tocopherole (70 % davon Alpha-Tocopherol) unterstützen die Hautfunktionen und wirken oxydativen Prozessen entgegen. Schottenol zeigte in verschiedenen Studien deutliche Wirkungen gegen Tumore; zellstimulierende Wirkungen sind für Schottenol und α-Spinasterol bekannt. Aus diesem Grund wird Arganöl gerne in Anti-Aging-Rezepturen eingesetzt. Neben ca. 20 % Phytosterolen und 8 % Tocopherolen enthält die unverseifbare Fraktion von Arganöl 37 % Carotinoide, 20 % Triterpenalkohole, 5 % Xanthophylle (die zu den Carotinoiden gehören) und Kohlenwasserstoffe.¹
Prof. Charrouf hat 1998 Muster von Arganöl aus traditioneller und industrieller Produktion analysieren lassen; beide weisen sehr ähnliche Fettsäuremuster auf, wie folgende Tabelle zeigt:

Fettsäurezusammensetzung von Arganöl nach Prof. Charrouf (%)
Fettsäure Tradionell hergestellt Industriell hergestellt
Quelle: Zoubida Charrouf, Dominique Guillaume: Ethnoeconomical, Ethnomedical, and Phytochemical Study of Argania spinosa (L.) Skeels: A Review. Journal of Ethnopharmacology, 11/1998
Myristinsäure 0.2 0–0.2
Palmitinsäure 11.7–14.3 13.5–14.9
Stearinsäure 5–5.9 5.6
Ölsäure 46.4–48.1 45.2–46.9
Linolsäure 31.5–34.9 31.6–34.6
Linolensäure 0–0.6 0–0.1

Qualitätsproblem: Gepantschtes Öl

Arganöl wird, seit es einen Boom erlebt, häufig mit preiswerten Ölen verschnitten angeboten, ohne dass dies deklariert würde. Davon scheinen auch bekannte Markenöle nicht ausgenommen zu sein, wie Ökotest 2007 nachweisen konnte.

In Marokko ist die Verschneidung mit Fremdölen nicht unüblich, teilweise um die Haltbarkeit des Öls zu erhöhen, teilweise um den Gewinn zu maximieren: Arganöl wird häufig am Straßenrand und auf Märkten an Touristen verkauft.

Mir selbst liegen verschiedene chargenbezogene Analysezertifikate von Arganöl aus unterschiedlicher Produktion vor (nativ, desodoriert, traditionell und industriell gepresst), auch die Datenbank SOFA liefert verschiedene Analysen; alle von mir betrachteten bewegen sich ausnahmslos in dem von Frau Prof. Charrouf veröffentlichen Rahmen, wie untere Tabelle exemplarisch an zwei Analysen von 1994 und 2008 zeigt:

Fettsäurezusammensetzung von Arganöl (%)
Fettsäure Aitzetmüller (1994)¹ Chargen-Analyse (2008)²
Quelle: Quelle: ¹ Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids) der BfEL Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel), ² Lamotte Oils GmbH, Bremen (2008)
Myristinsäure 0.1 0.1
Palmitinsäure 12.7 12.4
Stearinsäure 5.5 5.5
Ölsäure 44.8 46.5
Linolsäure 34.7 33.6
Linolensäure 0.2 0.1

Die Verfälschung von Arganöl wurde bereits in Studien untersucht: Interessant ist ein Vergleich verschiedener Arganöl-Proben 1998, u. a. von einem Markt in Agadir; letztere wies einen erstaunlich hohen Gehalt an Linolsäure auf (51,4 %), der Ölsäuregehalt hingegen betrug lediglich 22,9 %. Diese Fettsäureverschiebung, so die Autoren der Studie, sei als deutliches Zeichen für verschnittenes Arganöl zu werten (J. Seidemann: Falsification of seed oil of Argania spinosa. Deutsche Lebensmittel-Rundschau 94 (1), 26–27, 1998. In: S. Krist, G. Buchbauer, C. Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Wien: Springer-Verlag 2008). Deutliche Abweichungen des Fettsäuremusters sind daher mit Vorsicht zu betrachten. Diese können stärker ölsäurebetont sein (z. B. durch den Verschnitt mit Mandelöl) oder sich in Richtung Linolsäure verschieben; hier wird häufig Sonnenblumenöl verwendet.
Im Hinblick auf fixierte Qualitätskriterien von Arganöl existieren bis heute nur Empfehlungen; die 2005 von dem Service de Normalisation Industrielle Marocaine (SNIMA) veröffentlichte Norm für Arganöl ist bisher in Marokko nicht gesetzlich bindend. Europäische Firmen orientieren sich daher teilweise an EG-Verordnungen für Olivenöl.

Kosmetischer Einsatz

Das kostbare, nach dem Pressen (rot-)goldgelbe und nach dem Filtern leicht gelbliche Arganöl gilt als hervorragendes Öl für trockene und reife Haut. Auch erkrankte Haut profitiert vom Fettsäurespektrum dieses Öls, das sich durch eine ausgewogene Kombination an Öl-, Palmitin- und Linolsäure auszeichnet. Traditionell wird Arganöl bei Dermatosen, Akne und Allergien eingesetzt. In Kombination mit trocknenden Ölen (mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, z. B. Wildrosenöl oder Granatapfelsamenöl) ergibt es ausgesprochen pflegende Rezepturen mit einer langfristigen Optimierung der hauteigenen Barrierefunktion und bietet sich insbesondere in Rezepturen für reife und barrieregestörte Haut an.

Arganöl wird auf dem europäischen Markt im Wesentlichen in zwei Varianten verkauft: Eine wird aus zuvor gerösteten Kernen gepresst und hat ein nussiges Aroma und einen charakteristischen Geruch (das ist das traditionelle Berberöl), die andere entstammt den naturbelassenen Kernen und ist im Geruch dezenter, aber typisch (nicht jeder mag es). Kosmetisch ist die ungeröstete Variante optimal; sie ist es auch, die in Marokko bevorzugt als kosmetisches Öl gehandelt wird. Sie sollten wissen: Manche Händler verkaufen »kosmetisches Arganöl« mit einem erheblichen Preisaufschlag (teilweise über 200 %); dabei handelt es sich in der Regel um ungeröstetes oder desodoriertes Öl, das mit heißem Wasserdampf von bis zu 250 °C behandelt wurde, um unerwünschte Geruchsstoffe zu entfernen. Der Preisaufschlag ist nicht gerechtfertigt; Speiseöle unterliegen strengen gesetzlichen Bestimmungen und sind für den kosmetischen Einsatz hervorragend geeignet. Achten Sie auf entsprechende anerkannte (Bio-)Zertifikate.

Arganöl | Basisöl | Ölgruppe B-2

Anteile an Unverseifbarem (%)
ca. 1 %
Zusammensetzung
Ölsäure (ca. 45–48 %), Linolsäure (ca. 31–35 %), Palmitinsäure (ca. 12–15 %), Stearinsäure (ca. 5–6 %). Unverseifbare Bestandteile (ca. 1 %): Phytosterole (α-Spinasterol und Schottenol), α-Tocopherole (ca. 62 mg/100 g Tocopherole, darunter ca. 70 % α-Tocopherol), Carotinoide, Triterpenalkohole, Kohlenwasserstoffe.
Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes)
ca. 12 Monate
Kosmetischer Einsatz
Hervorragendes Öl zur Pflege reifer und trockener Haut, bei Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte.
Fettsäurespektrum von Arganöl
Fettsäurespektrum von Arganöl mit den dominierenden Fettsäuren.