Beiträge und Informationen im Kontext

Online-Rechner

Tensid-Rechner
Berechnen Sie die notwendigen Anteile an Tensiden in Ihrer Rezeptur mit dem Tensid-Rechner

Quellen/Literatur

  1. Wilfried Umbach (Hrsg.), Kosmetik. Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel. Thieme, 2. Auflage 1995
  2. S. Ellsässer, Körperpflegekunde und Kosmetik. Springer Verlag 2000
  3. Eberhard Heymann, Haut, Haar und Kosmetik. Verlag Hans Huber 2003

Weitere Ressourcen

 

Shampoos und Duschgele planen

Reinigungspräparate wie Duschgele oder Shampoos sind in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich. Im Folgenden erfahren Sie, welche Komponenten in diesen Produkten notwendig und sinnvoll enthalten sind, um milde, wirksame und pflegende Rezepte zu entwickeln. Diese Kenntnisse helfen auch, vorliegende Rezepte einschätzen zu können und Ingredienzien ggfs. sinnvoll auszutauschen. Die zum Teil angebene Einsatzkonzentration basiert primär auf Rahmenrezepturen und Hinweisen aus rechts aufgeführter Fachliteratur.

Die Basis: Wasser

Hauptingredienz in einem Reinigungspräparat ist Wasser. Sie können stilles Mineralwasser bzw. destilliertes Wasser verwenden; wundervolle und sehr luxuriöse Wasserphasen ergeben duftende Hydrolate. Von der Verwendung der beliebten Teeaufgüsse und Pflanzengele rate ich Ihnen nach meinen bisherigen Erfahrungen dringend ab. Durch die immer enthaltenen Schwebstoffe ist die Gefahr mikrobieller Instabilität sehr groß. Ich persönlich bevorzuge daher mittlerweile Hydrolate und abgekochtes Wasser als Wasserphase; als Verdicker nutze ich bevorzugt Xanthan oder Lamesoft® PO 65.

Tenside und die WAS-Konzentration

Die Mischung der verwendeten Tenside ist grundlegend für die Wirkung des fertigen Produkts. Üblicherweise werden in einem guten Produkt immer mehrere Tenside gemischt, um ihre Charakteristika (Schaumbildung, Waschvermögen, Viskositätsregelung, Pflegeverhalten) auf ein gewünschtes Endergebnis abzustimmen. Im naturkosmetischen Bereich standen wir bis ca. 2008 vor dem »Problem«, dass wir primär nichtionische und amphotere Tenside verfügbar hatten, während die waschaktiveren anionischen Tenside nicht erhältlich waren. Mittlerweile stehen uns mit dem anionischen, pulverförmigen Tensid SLSA (Sodium Lauryl Sulfoacetate), vor allem jedoch mit der ecocertifizierten Tensidmischung Plantapon® SF zwei professionelle Produkte zur Verfügung, die ein breites Spektrum an Formulierungen zulassen.

Sie können mit Augenmerk auf die rückfettenden Komponenten ein gutes Shampoo aus anionischen Basistensiden und nichtionischen und/oder amphoteren Ko-Tensiden mischen. Hier gilt es einen Kompromiss zwischen der notwendigen reinigenden Wirkung und pflegenden Komponenten zu finden. Das Schaumverhalten hat übrigens nur zum Teil mit der Konzentration an WAS zu tun; dieses wird vor allem durch die Auswahl der Tenside gesteuert (nähere Hinweise zum Schaumvermögen einzelner Tenside finden Sie in den Rohstoff-Portraits).
Duschgele benötigen in der Regel einen weniger ausgeprägten Reinigungs-Effekt (am Körper ist die Talgproduktion geringer als auf dem Kopf und im Gesicht); zudem werden sie meistens direkt auf die Haut aufgetragen und nicht, wie Shampoos häufig, vor der Wäsche mit Wasser verdünnt. Die Konzentration an waschaktiven Substanzen (WAS) für Duschgele und Shampoos wird in der Literatur mit ca. 10–15 % angegeben. Diese Einsatzmenge orientiert sich zum einen an einer Konzentration, die – auch pur aufgetragen  – die Haut nicht reizt, auf der anderen Seite genügend Ergiebigkeit gewährleistet. Ein weiterer Vorteil ist, dass Produkte in diesem WAS-Bereich geringer konserviert werden müssen, weil sie eine gewisse Eigenkonservierung mitbringen. Ich rate Ihnen daher, ihre Produkte lieber vor der Verwendung mit Wasser zu verdünnen, in der Flasche jedoch die 10–15 % WAS als Orientierung beizubehalten. Entscheidend ist die Konzentration der WAS auf ihrer Haut, nicht die in der Flasche, wobei höhere WAS-Werte im Endprodukt aufgrund der nicht notwendigen oder geringer ausfallenden Konservierung und der höheren Ergiebigkeit aus dieser Perspektive sehr sinnvoll sind.

Wirk- und Pflegestoffe

In Rinse-Off-Produkten (also solchen, die wieder abgewaschen werden und nicht auf Haut und Haar verbleiben), sind einige pflegende Substanzen sinnvoll, da sie einen direkten rückfettenden oder irritationsmildernden Effekt bewirken, andere sehe ich eher als werbewirksame Ingredienzen. Im Wesentlichen nutzen wir folgende Gruppen:

  1. Rückfetter: Um den reinigenden Effekt zu mildern, der naturgemäß auch mit einem Herauslösen von Fetten aus der Haut- oder Haaroberfläche verbunden ist, werden Reinigungspräparaten Lipide (also Fette wie Öle, Wachse, Fettsäuren usw.) zugesetzt, die sich zudem als dünne Schicht auf den Haaren verteilen und ihre Kämmbarkeit verbessern. Fette in einem tensidischen Produkt binden sich an die Tensidmoleküle und mindern in Folge die Waschkraft und das Schaumvermögen; es gilt daher, die Konzentration an WAS und die Menge an hinzugefügten Fetten gezielt auf einander abzustimmen. Bei trockener Haut oder sprödem Haar ist ein Zusatz unabdingbar, weil die zugefügten Fette durch ihre Haftung an der Haut- oder Haaroberfläche immer auch einen schützenden Film hinterlassen – gut geeignet sind z. B. gut spreitende pflanzliche Öle wie Brokkolisamenöl oder Squalan oder leicht emulgierende Sterole wie Lanolin und Unverseifbares der Avocado. Die Einsatz-Konzentration ist vom Haut- bzw. Haarzustand abhängig und kann bis zu 3 % betragen. Bei stark geschädigtem Haar ist eine höhere Dosierung möglich; bei normalem oder schnell fettendem Haar reduzieren Sie den Anteil auf 1 % oder verzichten auf zusätzliche Fette. Ein konsistenzerhöhendes, rückfettendes Lipid ist Lamesoft® PO 65, als »Haarsoft HT« im Handel.
  2. Konditionierer: Haut- oder Haarkonditionierer haben die Aufgabe, auf das Keratin der Oberfläche substantiv aufzuziehen und sich dort anzulagern. Das können sie, weil sie eine andere Ladung aufweisen als die Haut- oder Haaroberfläche. Sie wirken glättend, schützend und mildern die entfettende Wirkung des Produkts. Neben einigen (vorwiegend kationischen) Tensiden, die deutlich konditionierend wirken, aber ökologisch und dermatologisch kritisch bewertet werden (z. B. Incroquat), verwenden wir vor allem Proteinderivate: Seiden- und Weizen-, Kollagen- und Milchproteine. Als ein neuerer Rohstoff hat sich der auf Milchproteinen basierende natürliche Emulgator Emulprot® als sehr pflegendes (und konsistenzgebendes) Additiv bewährt. In mir vorliegenden Rahmen-Rezepturen liegt die Einsatzkonzentration für diese Substanz-Gruppe bei ca. 0,5–2 %. Ein hervorragender hautfreundlicher Konditionierer ist Lecithin, und hier zeigt sich vor allen anderen das hydrophile Lysolecithin als hervorragend geeignet. In Verbindung mit einem leicht sauer eingestellten pH-Wert wirkt es kationisch und ausgesprochen pflegend.
  3. Feuchtigkeitsspender: Auch sie sollen die entfettende Wirkung des Reinigungs-Produkts mildern und der Haut oder dem Haar Feuchtigkeit zuführen. Hier verwenden wir gerne Glycerin, Sorbit oder Natriumlaktat (1–2 %) sowie Panthenol (0,5–1 %). Ihr Einsatz wird unterschiedlich diskutiert; einige Quellen betonen, dass die Zeit des Einwirkens viel zu gering sei, um einen wirklichen kosmetischen Effekt zu erzielen. Auf der anderen Seite sind die schützenden, austrocknungsmildernden Wirkungen von Sorbit und Glycerin in der Kombination mit Tensiden durch die Forschung belegt. Panthenol vermag nach verschiedenen Quellen in den Haarschaft einzudringen und dort kleine Haarschäden auszugleichen. Bei letzterem darf jedoch bezweifelt werden, dass die kurze Zeit einer Shampoowäsche ausreicht, um diese Effekte nutzen zu können. Panthenol scheint mir persönlich möglicherweise in einem Leave In (einem Produkt, dass auf dem Haar verbleibt) sinnvoller eingesetzt.
  4. Spezielle Wirkstoffe: Für bestimmte Haut- oder Haarzustände oder gewünschte Wirkungen können pflanzliche Extrakte, ätherische Öle, Essigauszüge usw. ein Produkt anreichern. Gerne werden anregende, erfrischende Zusätze gewählt (z. B. Menthol), straffende und durchblutungsanregende (Extrakte aus Algen, Efeu, Rosmarin usw.), beruhigende und entspannende (ätherisches Lavendel-, Rosenöl), Meersalz (0,5–3 %) und andere. Sichtbare kosmetische Effekte sind bei einigen Zusätzen wahrscheinlich weniger zu erwarten; die stimulierende Wirkung ätherischer Öle jedoch auf das limbische System (einer Region im menschlichen Gehirn, das Gefühle verarbeitet) und eine daraus resultierende positiven Beeinflussung des Gesamtbefindens ist nachgewiesen und wird sicher jeder selbst bestätigen können. Pflanzenextrakte werden in Rahmenrezepturen mit ca. 1 % eingesetzt, ätherische Öle ebenfalls mit ca. 1 % (das entspricht ca. 18 bis 25 Tropfen auf 100 g Produkt).
    Peelingkörper unterstützen die durchblutungsfördernde Wirkung eines Duschgels und wirken abrasiv, d. h. sie entfernen abgestorbene Hautschüppchen (Korneozyten) und erzeugen ein weiches Hautgefühl. Für Selbstrührer sind verschiedene Granulate im Handel (Mandelkern-Olivenstein-Granulat, Jojobakügelchen) und klassische Produkte wie Seesand oder Mandelmehl.

Hilfsstoffe

Zu den Hilfsstoffen gehören Gelbildner (0,5–1 %) als Verdickungsmittel, Konsistenzgeber, Emulgatoren, Konservierungsmittel, Farb- und Duftstoffe sowie pH-Wert-Regler wie Zitronen- oder Milchsäure. Einige Tenside (z. B. Kokosbetain und -glucosid) haben eine gewisse viskositätserhöhende Wirkung. In geringer Menge (um die 0,5 %) zugesetztes Salz kann in Kombination mit manchen Tensiden ebenfalls viskositätserhöhend wirken (bei höherer Dosierung »kippt« dieser Effekt; zuviel Salz verflüssigt wieder).
Verdickungsmittel sind neben manchen Tensiden vor allem 2–5 % Lamesoft® PO 65 (Haarsoft HT), Salz sowie Xanthan. Die Hobbythek empfiehlt für diesen Zweck Rewoderm; ich selbst mag diese Substanz nicht, weil sie ein PEG-basiertes Produkt ist. PEG, Polyethylenglycol, und seine Derivate sind aus verschiedenen Gründen umstritten; so werden sie aus gesundheitlich kritischen Substanzen wie Ethylenoxid gewonnen, gelten als hautirritierend, sind nicht biologisch abbaubar. Erwiesen ist, dass sie die Haut durchlässiger machen können und auf diese Weise Schadstoffe in den Körper schleusen.
Zur Färbung eignen sich sehr gut Lebensmittelfarben, wie sie für Backwaren, Puddings usw. üblich sind. Sie lösen sich sehr gut und sind gesundheitlich unbedenklich.

Konservierung

Konservieren müssen Sie Reinigungsprodukte nicht in gleichem Maße wie Emulsionen, da die enthaltenen Ingredienzien bereits selbst teilweise konservierend wirken. Alkohol ist durchaus geeignet (um Menthol aufzulösen, brauchen Sie ihn in jedem Falle), vermindert aber bei höherer Dosierung die Schaumbildung. Ich konserviere bevorzugt mit 0,2 % Rokonsal™ BSB-N. Hier noch ein Wort zu den WAS: je weniger WAS sie verwenden, desto stärker muss das Produkt konserviert werden. Konservierungstechnisch ist es sinnvoller, einen WAS-Anteil von 12–15 % anzustreben und das Produkt frisch vor der Anwendung zu verdünnen. Achten Sie bei Verwendung von Rokonsal™ BSB-N (oder Kaliumsorbat) auf einen pH-Wert nicht über 5,5.
Den pH-Wert regulieren gehört bei Reinigungs-Präparaten dazu; einige Tenside sind deutlich basisch. Stellen Sie den pH-Wert mit etwas Milch- oder Zitronensäure auf ca. 5–5,5 ein. Diese Maßnahme soll nicht nur die Hautverträglichkeit erhöhen, sondern auch gewährleisten, dass die Tenside ihre andickenden Eigenschaften nicht verlieren. Lamesoft® PO 65 dickt beispielsweise erst bei einem pH-Wert unter 5,5 an.

Produktvarianten

Neben Duschgels kann man mit entsprechenden Emulgatoren auch eine Duschcreme oder Duschmilch entwickeln. Sie unterscheiden sich von »normalen« Emulsionen durch einen höheren Anteil pflegender Lipide und einem Zusatz an O/W-Emulgatoren bei gleichzeitiger Verringerung des Tensidanteils. Für trockene Haut sind Duschmilch oder -creme eine pflegende Alternative!

Zu Favoriten hinzufügen  Beitrag drucken  Beitrag empfehlen