Reinigungspräparate wie Duschgele oder Shampoos sind in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich. Im Folgenden erfahren Sie, welche Komponenten in diesen Produkten notwendig und sinnvoll enthalten sind, um milde, wirksame und pflegende Rezepte zu entwickeln. Diese Kenntnisse helfen auch, vorliegende Rezepte einschätzen zu können und Ingredienzien ggfs. sinnvoll auszutauschen. Die zum Teil angebene Einsatzkonzentration basiert primär auf Rahmenrezepturen und Hinweisen aus rechts aufgeführter Fachliteratur.
Hauptingredienz in einem Reinigungspräparat ist Wasser. Sie können stilles Mineralwasser bzw. destilliertes Wasser verwenden; wundervolle und sehr luxuriöse Wasserphasen ergeben duftende Hydrolate. Von der Verwendung der beliebten Teeaufgüsse und Pflanzengele rate ich Ihnen nach meinen bisherigen Erfahrungen dringend ab. Durch die immer enthaltenen Schwebstoffe ist die Gefahr mikrobieller Instabilität sehr groß. Ich persönlich bevorzuge daher mittlerweile Hydrolate und abgekochtes Wasser als Wasserphase; als Verdicker nutze ich bevorzugt Xanthan oder Lamesoft® PO 65.
Die Mischung der verwendeten Tenside ist grundlegend für die Wirkung des fertigen Produkts. Üblicherweise werden in einem guten Produkt immer mehrere Tenside gemischt, um ihre Charakteristika (Schaumbildung, Waschvermögen, Viskositätsregelung, Pflegeverhalten) auf ein gewünschtes Endergebnis abzustimmen. Im naturkosmetischen Bereich standen wir bis ca. 2008 vor dem »Problem«, dass wir primär nichtionische und amphotere Tenside verfügbar hatten, während die waschaktiveren anionischen Tenside nicht erhältlich waren. Mittlerweile stehen uns mit dem anionischen, pulverförmigen Tensid SLSA (Sodium Lauryl Sulfoacetate), vor allem jedoch mit der ecocertifizierten Tensidmischung Plantapon® SF zwei professionelle Produkte zur Verfügung, die ein breites Spektrum an Formulierungen zulassen.
Sie können mit Augenmerk auf die rückfettenden Komponenten
ein gutes Shampoo aus anionischen Basistensiden und nichtionischen und/oder
amphoteren Ko-Tensiden mischen. Hier gilt es einen Kompromiss zwischen
der notwendigen reinigenden Wirkung und pflegenden Komponenten zu finden.
Das Schaumverhalten hat übrigens nur zum Teil mit der Konzentration
an WAS zu tun; dieses wird vor allem durch die Auswahl der Tenside gesteuert
(nähere Hinweise zum Schaumvermögen einzelner Tenside finden
Sie in den Rohstoff-Portraits).
Duschgele benötigen in der Regel einen weniger ausgeprägten
Reinigungs-Effekt (am Körper ist die Talgproduktion geringer als
auf dem Kopf und im Gesicht); zudem werden sie meistens direkt auf die
Haut aufgetragen und nicht, wie Shampoos häufig, vor der Wäsche
mit Wasser verdünnt. Die Konzentration an waschaktiven Substanzen
(WAS) für Duschgele und Shampoos wird in der Literatur mit ca. 10–15 %
angegeben. Diese Einsatzmenge orientiert sich zum einen an einer Konzentration,
die – auch pur aufgetragen – die Haut
nicht reizt, auf der anderen Seite genügend Ergiebigkeit gewährleistet.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Produkte in diesem WAS-Bereich geringer
konserviert werden müssen, weil sie eine gewisse Eigenkonservierung
mitbringen. Ich rate Ihnen daher, ihre Produkte lieber vor der Verwendung
mit Wasser zu verdünnen, in der Flasche jedoch die 10–15 %
WAS als Orientierung beizubehalten. Entscheidend ist die Konzentration
der WAS auf ihrer Haut, nicht die in der Flasche, wobei höhere WAS-Werte
im Endprodukt aufgrund der nicht notwendigen oder geringer ausfallenden
Konservierung und der höheren Ergiebigkeit aus dieser Perspektive
sehr sinnvoll sind.
In Rinse-Off-Produkten (also solchen, die wieder abgewaschen werden und nicht auf Haut und Haar verbleiben), sind einige pflegende Substanzen sinnvoll, da sie einen direkten rückfettenden oder irritationsmildernden Effekt bewirken, andere sehe ich eher als werbewirksame Ingredienzen. Im Wesentlichen nutzen wir folgende Gruppen:
Zu den Hilfsstoffen gehören Gelbildner (0,5–1 %) als
Verdickungsmittel, Konsistenzgeber, Emulgatoren, Konservierungsmittel,
Farb- und Duftstoffe sowie pH-Wert-Regler wie Zitronen- oder Milchsäure.
Einige Tenside (z. B. Kokosbetain
und -glucosid) haben eine gewisse viskositätserhöhende Wirkung.
In geringer Menge (um die 0,5 %) zugesetztes Salz kann in Kombination
mit manchen Tensiden ebenfalls viskositätserhöhend wirken (bei
höherer Dosierung »kippt« dieser Effekt; zuviel Salz
verflüssigt wieder).
Verdickungsmittel sind neben manchen Tensiden vor allem
2–5 % Lamesoft® PO 65 (Haarsoft HT), Salz
sowie Xanthan. Die Hobbythek empfiehlt für diesen Zweck Rewoderm;
ich selbst mag diese Substanz nicht, weil sie ein PEG-basiertes Produkt
ist. PEG, Polyethylenglycol, und seine Derivate sind aus verschiedenen
Gründen
umstritten; so werden sie aus gesundheitlich kritischen Substanzen wie
Ethylenoxid gewonnen, gelten als hautirritierend, sind nicht biologisch
abbaubar. Erwiesen ist, dass sie die Haut durchlässiger machen können
und auf diese Weise Schadstoffe in den Körper schleusen.
Zur Färbung eignen sich sehr gut Lebensmittelfarben,
wie sie für Backwaren, Puddings usw. üblich sind. Sie lösen
sich sehr gut und sind gesundheitlich unbedenklich.
Konservieren müssen Sie Reinigungsprodukte nicht in gleichem Maße
wie Emulsionen, da die enthaltenen Ingredienzien bereits selbst teilweise
konservierend wirken. Alkohol ist durchaus geeignet (um Menthol aufzulösen,
brauchen Sie ihn in jedem Falle), vermindert aber bei höherer Dosierung
die Schaumbildung. Ich konserviere bevorzugt mit 0,2 % Rokonsal™
BSB-N. Hier noch ein Wort zu den WAS: je weniger WAS sie verwenden, desto
stärker muss das Produkt konserviert werden. Konservierungstechnisch
ist es sinnvoller, einen WAS-Anteil von 12–15 % anzustreben
und das Produkt frisch vor der Anwendung zu verdünnen. Achten Sie
bei Verwendung von Rokonsal™ BSB-N (oder Kaliumsorbat) auf
einen pH-Wert nicht über 5,5.
Den pH-Wert regulieren gehört bei Reinigungs-Präparaten
dazu; einige Tenside sind deutlich basisch. Stellen Sie den pH-Wert mit
etwas Milch- oder Zitronensäure auf ca. 5–5,5 ein. Diese Maßnahme
soll nicht nur die Hautverträglichkeit erhöhen, sondern auch
gewährleisten, dass die Tenside ihre andickenden Eigenschaften nicht
verlieren. Lamesoft® PO 65 dickt beispielsweise erst bei
einem pH-Wert unter 5,5 an.
Neben Duschgels kann man mit entsprechenden Emulgatoren auch eine Duschcreme oder Duschmilch entwickeln. Sie unterscheiden sich von »normalen« Emulsionen durch einen höheren Anteil pflegender Lipide und einem Zusatz an O/W-Emulgatoren bei gleichzeitiger Verringerung des Tensidanteils. Für trockene Haut sind Duschmilch oder -creme eine pflegende Alternative!