Naturkosmetik selber machen
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Heike Käser
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Olionatura, Naturkosmetik selber machen Olionatura | Basiswissen · Tensidprodukte herstellen

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Duschgel mit Plantapon SF und Lamepon PO 65
Ein Duschgel mit Plantapon® SF, mit Lebensmittelfarbe gefärbt.

Wir haben an Shampoos und Duschgele hohe Erwartungen: Sie sollen mild sein, Haut und Haare nicht austrocknen, einen angenehm üppigen und feinen Schaum entwickeln, sich gut aus der Flasche entnehmen und auftragen lassen. In der Kosmetikindustrie kann die Entwicklung eines Shampoos daher sehr lange dauern, bis es Marktreife erlangt. Die unterschiedlichen chemischen Wechselwirkungen zwischen Tensiden unter einander, abhängig vom pH-Wert und vom Grad der Wasserhärte erfordern viele Tests, bis die Formulierung in sich stimmig ist. Ich möchte hier einige Informationen zusammenstellen, die es Ihnen leichter macht, Shampoos und Duschgele für Ihre individuellen Bedürfnisse zu entwickeln.

Um Haut und Haare zu reinigen, benötigen wir in erster Linie Tenside. Tenside sind, wie Emulgatoren, »oberflächenaktive Substanzen«, die zwischen Wasser und dem aus Hauttalg, Schweiß, Cremerückständen, Make up usw. bestehenden Schmutz vermitteln, damit sie zusammen entfernt werden können. Die folgende Grafik visualisiert das Grundprinzip der schmutzlösenden Wirkung eines Tensids:

Wirkung eines Tensids

Die Tensid-Moleküle verringern die Grenzflächenspannung des Wassers und können so in kleinste Zwischenräume zwischen Schmutzpartikeln und Oberfläche eindringen. Sie lagern sich mit ihrem lipophilen (fettliebenden) Teil an den Schmutzpartikel an (sie bilden um ihn herum eine so genannte Mizelle) und »lösen« ihn auf diese Weise im Wasser, so dass er nun abgespült werden kann. Daneben verhindern sie, dass sich der Schmutz wieder an der Oberfläche anlagern kann.

 

Tensidklassen

In der kosmetischen Industrie werden verschiedene Tensidklassen verwendet, die sich nach der Ladung ihrer Ionen (positiv, negativ, zwittrig oder nicht geladen) in wässriger Lösung unterscheiden und, damit verbunden, unterschiedliche Merkmale aufweisen. Tenside können mehr oder weniger stark reinigen und schäumen, Oberflächen benetzen, sich aber auch durch ihre (positive) Ladung an negativ geladene Haare anlagern, sie glätten und weich machen (Beispiel: Haar-Konditioner). Auch reagieren sie sehr unterschiedlich auf pH-Werte und die spezifische Wasserhärte. Wir unterscheiden grob folgende Tensid-Typen mit ganz typischen Eigenschaften:

Anionische Tenside

Aniontenside tragen eine negative Ladung in ihrem hydrophilen (wasserliebenden) Teil. Chemisch handelt es sich in der Regel um Salze von Natrium (INCI: Sodium), Kalium (INCI: Potassium), Ammoninium (INCI: Ammonium), Magnesium (INCI: Magnesium), Monoethanolamin (INCI: MEA), Diethanolamin (INCI: DEA) oder Triethanolamin (INCI: TEA). In der konventionellen Kosmetikindustrie nehmen Fettalkoholsulfate wie die als hautreizend bekannte Tenside Natriumlaurylsulfat (Sodium Lauryl Sulfate, kurz SLS) oder Natriumlaurylethylsulfat (Sodium Laureth Sulfat, kurz SLES) den größten Teil an einer Tensidmischung ein, weil sie sehr preiswert in der Herstellung sind. Aniontenside haben eine sehr gute Reinigungswirkung; viele bilden einen ausgeprägten Schaum. Allerdings reagieren sie in der Regel sensibel auf zunehmende Wasserhärte und verlieren ihre Reinigungskraft. Mittlerweile haben wir naturkosmetisch empfehlenswerte, im Hinblick auf ihre Hautverträglichkeit ausgesprochen gut bewertete Aniontenside verfügbar, u. a. zwei aminosäurebasierten Tenside (Perlastan® SC und Perlastan® L 30):

Nichtionische Tenside

Noniontenside (auch Niotenside genannt) tragen keine Ladung. Sie gelten als die hautverträglichsten und mildesten Tenside auf dem Markt. Viele neutrale Tenside schäumen kaum, Ausnahmen sind die modernen und hochpreisigen Alkylpolyglucoside. Analog zu amphoteren Tenside mildern sie das irritative Potential von Tensidmischungen mit anionischen Tensiden und lassen die Hautbarriere weitgehend intakt. In Haarpflegeprodukten optimieren Sie die Verträglichkeit und den Glanz des Haares. Während sie in industriellen Produkten aufgrund der hohen Produktionskosten primär als Ko-Tensid eingesetzt werden, fungieren sie in naturkosmetischen Rezepturen als Basistenside. Weitere Vorteile sind ihre Verträglichkeit mit anderen Tensiden (sie lassen sich mit allen Typen kombinieren) und ihre Unabhängigkeit von der Wasserhärte: Sie reinigen auch bei hartem Wasser ausgezeichnet. Was man wissen sollte: Hinsichtlich der Nasskämmbarkeit »schwächeln« AGPs; viele Anwenderinnen machen die Erfahrung, dass sich ihre Haare nach dem Waschen nicht so gut durchkämmen lassen. Bei der Planung eines Shampoos sollten daher konditionierende Substanzen eingeplant werden, die diese Eigenschaft ausgleichen. Ihre ausgeprägte Hautverträglichkeit macht den Nachteil wieder wett.

Amphotere Tenside

Amphotertenside tragen eine negative und positive Ladung in ihrem hydrophilen Teil. Ihre Ladung ist vom pH-Wert der Lösung abhängig: Bei einem pH-Wert von unter 5 sind sie positiv geladen (kationisch). Die größte Gruppe der amphoteren Tenside gehört zur Stoffgruppe der Betaine. Sie gelten als haut- und schleimhautverträglich, biologisch gut abbaubar und besitzen neben einer guten Reinigungs-Wirkung leicht viskositätserhöhende und schaumfördenrde Eigenschaften. Primär wird ihre Fähigkeit geschätzt, hautirritative Wirkungen anionischer Tenside zu mildern, den Verlust deren Reinigungskraft bei hartem Wasser auszugleichen und den Schaum zu stabilisieren. In der Produktion sind sie, da ihre chemische Struktur sehr komplex ist, deutlich teurer als Fettalkoholsulfate (Natriumlaurylsulfat, SLS und Natriumlaurylethylsulfat, SLES). Daher kombiniert man sie hier in geringer Menge, um das Irritationspotential der Tensidmischung zu senken und gleichzeitig die Kosten niedrig zu halten. Solo eingesetzt sind beide Produkte für Shampooformulierungen nicht geeignet, da sie auf das Haarkeratin aufziehen und beschwerend wirken. Ihre kosmetischen Vorteile entwickeln sie in Mischungen.

Kationische Tenside

Kationtenside tragen eine positive Ladung in ihrem hydrophilen Teil. Diese positive Ladung bewirkt, dass sich die Tensid-Moleküle an der negativ geladenen Haut- und Haaroberfläche anlagern. Auf diese Weise neutralisieren Sie die Ladung, verhindern das Fliegen der Haare, wirken glättend, erhöhen den Haarglanz und verbessern die Nasskämmbarkeit  – bis zur nächsten Haarwäsche, denn dieser Effekt ist nur von kurzer Dauer. Einen echten Pflegeeffekt im Sinne einer Restrukturierung beschädigter Haarpartien weisen sie nicht auf. Primär werden sie in Haarspülungen und -kuren eingesetzt, selten in Shampoos. Kationische Tenside gelten als hautreizend und sind im Hinblick auf ihre biologische Abbaubarkeit kritisch zu sehen; auch das in Selbstrührer-Kreisen bekannte Incroquat gehört zu dieser Tensid-Gruppe. Eine mögliche Alternative stellt TEGO® Amid S 18 (Stearamidopropyl Dimethylamine) dar. Daneben weisen Kationtenside aufgrund ihrer bakteriziden (bakterientötenden) Wirkung in kosmetischen Produkten eine kokonservierende Wirkung auf.

Basis- und Ko-Tenside

Grundsätzlich ist es sinnvoll, Basis-Tenside und so genannte Ko-Tenside zu unterscheiden, da anionische, nichtionische, amphotere und kationische Tensid-Klassen gezielt gemäß ihrer Wirkungen kombiniert werden. Manche Tenside können sowohl als Basistenside als auch als Kotenside fungieren; dies ergibt sich aus dem Produktkonzept. In naturkosmetischen Konzepten werden Tenside bevorzugt wie folgt genutzt:

  1. Basistenside sind anionische und nichtionische Tenside. Beide sind reinigungsaktiv und ergänzen sich hervorragend: Die nichtionischen Alkylpolyglucoside haben einen niedrigen CMC-Wert (was bedeutet, dass sie schon in geringer Konzentration die niedrigst mögliche Oberflächenspannung erreichen und damit optimal Schmutz benetzen und lösen können), zusammen ergeben sie gut reinigende, schaumstabile Produkte mit einer breiten Akzeptanz unterschiedlicher Wasserhärten. Moderne anionische, aminosäurebasierte Tenside wie Perlastan® SC und Perlastan® 30 sowie Alkylpolyglucoside wie Kokosglucosid und Decylglucosid zeigen gleichzeitig eine ausgeprägte Haut- und Schleimhautverträglichkeit, sodass in vielen Fällen auf amphotere Tenside verzichtet werden kann. Die Einsatzkonzentration dieser Tensidgruppe beträgt daher in Shampoos durchaus 100 %. Vor allem, wenn Ihre Haare mit naturkosmetischen Rezepturen schnell zu beschwert wirken, sollten Sie Ihre Rezepturen ohne Amphotenside einplanen bzw. ihre Dosierung begrenzen.
  2. Als klassische Ko-Tenside werden amphotere Produkte wie Kokosbetain oder Glycintensid wegen ihrer irritationsmildernden Wirkung gerne mit Aniontensiden (hier vor allem Laurylethersulfate wie SLS und SLES) kombiniert. Typisch ist eine Dosierung im Verhältnis 1:3 bis 1:4 Cocamidopropylbetain (»Kokosbetain«) zu SLS. In Duschgelen können Sie höher dosiert werden. Sie fördern in einer Mischung die Stabilität und Qualität des Schaums und wirken leicht viskositätserhöhend. In hochwertigen naturkosmetischen Formulierungen, in denen sehr hochpreisige und milde Aniontenside und Alkylpolyglucoside eingesetzt werden, spielen sie keine große Rolle mehr. Häufiger findet man in günstiger Naturkosmetik die Kombination von z. B. Sodium Coco Sulfate (SCS) mit Cocamidopropyl Betaine. Cocomidypropylbetain (oft als Kokosbetain bezeichnet) ist jedoch nicht so mild wie gerne behauptet wird; es hat ein gewisses allergenes Potential.

Nutzen Sie den Überblick über die Zusammensetzung von Naturkosmetik-Shampoos, um die Tenside Ihres Lieblings-Kaufshampoos nachzuschlagen.

Ein persönlicher Rat

Wenn ich naturkosmetische Shampooos (gleich ob gekaufte oder selbst hergestellte) einen längeren Zeitraum über verwende, scheinen sie schneller nachzufetten. Ein Shampoo-Wechsel mit einer anderen Tensidkomposition gleicht diesen Effekt in der Regel aus. Daher habe ich mir angewöhnt, immer zwei Formulierungen zu rühren und sie abwechselnd einzusetzen.