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Das Handbuch

Naturkosmetik selber machen. Das Handbuch
Im Frühjahr 2012 wird mein neues Buch erscheinen: Das Handbuch kombiniert verständlich aufbereitete Theorie mit fundierter Herstellungspraxis und lädt mit über 100 Naturkosmetikrezepten zum Nachrühren und Selbstentwickeln ein. Sie können es bereits beim Verlag oder bei Amazon vorbestellen.

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Jeder Emulgator hat bestimmte Eigenschaften: diese Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, welche.
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Diese Tabelle listet die Eigenschaften von Wirkstoffen auf und gibt Hinweise zu ihrer Dosierung und Verarbeitung.

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Duschgel mit Plantapon SF und Lamepon PO 65
Ein klares Duschgel mit Plantapon® SF und ein wenig grüner Lebensmittelfarbe. Ich habe es noch ein drittes mit Rot gefärbt. ;)

Um Haut und Haare zu reinigen, benötigen wir Tenside. Tenside sind, wie Emulgatoren, »oberflächenaktive Substanzen«, die zwischen Wasser und dem aus Hauttalg, Schweiß, Cremerückständen, Make up usw. bestehenden Schmutz vermitteln, damit sie zusammen entfernt werden können. Die folgende Grafik visualisiert das Reinigungsprinzip eines Tensids:

Wirkung eines Tensids
Die Tensid-Moleküle verringern die Grenzflächenspannung des Wassers und können so in kleinste Zwischenräume zwischen Schmutzpartikeln und Oberfläche eindringen. Sie lagern sich mit ihrem lipophilen (fettliebenden) Teil an den Schmutzpartikel an (sie bilden um ihn herum eine so genannte Mizelle) und »lösen« ihn auf diese Weise im Wasser, so dass er nun abgespült werden kann.

Tensidtypen

In der kosmetischen Industrie werden verschiedene Tenside verwendet, die sich nach der Ladung ihrer Ionen (positiv, negativ, zwittrig oder nicht geladen) in wässriger Lösung unterscheiden und, damit verbunden, unterschiedliche Merkmale aufweisen. Tenside können mehr oder weniger stark reinigen und schäumen (Beispiel: Duschgel und Shampoo), Oberflächen benetzen, sich aber auch durch ihre (positive) Ladung an negativ geladene Haare anlagern, sie glätten und weich machen (Beispiel: Haar-Konditioner). Wir unterscheiden grob folgende Tensid-Typen mit ganz typischen Eigenschaften:

  1. Anionische Tenside, die eine negative Ladung in ihrem hydrophilen (wasserliebenden) Teil tragen. Es sind in der Regel Salze mit Natrium (INCI: Sodium), Kalium (INCI: Potassium), Ammoninium (INCI: Ammonium), Magnesium (INCI: Magnesium), Monoethanolamin (INCI: MEA), Diethanolamin (INCI: DEA) oder Triethanolamin (INCI: TEA). In der Industrie nehmen sie den größten Teil an allen Tensiden ein (unter anderem auch, weil sie sehr preiswert zu produzieren sind); unter ihnen befinden sich die meisten industriell als Basis-Tenside bezeichneten Produkte. Ihre Eigenschaften unterscheiden sich je nach Untergruppe; in der Regel haben sie jedoch eine sehr gute Reinigungswirkung und bilden einen ausgeprägten Schaum. Für Shampoos eignen sich vor allem anionische Tenside aus Protein-Kondensaten (z. B. Potassium Cocoyl Hydrolyzed Collagen), weil sie auf das Haar aufziehen und es glätten. Anionische Tenside können in der Regel gut mit nicht ionischen (neutralen) und amphoteren Tensiden kombiniert werden. Ein sehr bekanntes anionisches Tensid haben Sie garantiert im Haus: Seife. Mittlerweile gibt es mit Lathanol® LAL (Sodium Lauryl Sulfoacetate, kurz SLSA) und in der Tensidmischung Plantapon® SF mit Sodium Lauryl Glucose Carboxylat und Sodium Cocoyl Glutamate pflanzliche anionische Tenside für Selbstrührer, die als Basistensid fungieren können. Vor allem Plantapon® SF hat sich als mildes, vielseitiges Tensid erwiesen.
  2. Kationische Tenside, die eine positive Ladung in ihrem hydrophilen Teil tragen. Diese positive Ladung bewirkt, dass sich die Tensid-Moleküle an der negativ geladenen Haut- und Haaroberfläche anlagern (dass Haare elektrisch aufgeladen sein können, kennen Sie sicher aus dem Alltag: denken Sie an fliegende Haare!). Auf diese Weise neutralisieren Sie die Ladung, verhindern das Fliegen der Haare, wirken glättend, erhöhen den Haarglanz und verbessern die Nasskämmbarkeit  – bis zur nächsten Haarwäsche, denn dieser Effekt ist nur von kurzer Dauer. Einen Pflegeeffekt weisen kationische Tenside nicht auf; sie suggerieren nur gepflegtes Haar. Alleine haben sie keine reinigende Wirkung; aufgrund ihrer bakteriziden (bakterientötenden) Wirkung werden sie teilweise auch als Konservierungsmittel eingesetzt. Kationische Tenside gelten als hautreizend und sind im Hinblick auf ihre biologische Abbaubarkeit kritisch zu sehen; auch das in Selbstrührer-Kreisen bekannte Incroquat gehört zu dieser Tensid-Gruppe. Ich muss zugeben, dass ich aus diesen Gründen Incroquat nicht mehr verwende. Eine mögliche Alternative stellt das ecocertifizierte und BDIH-konforme TEGO® Amid S 18 (INCI: Stearamidopropyl Dimethylamine) dar, der »Conditioner Emulsifier« von Aroma-Zone/Frankreich, in Deutschland bei aleXmo cosmetics erhältlich.
  3. Amphotere Tenside, die eine negative und positive Ladung in ihrem hydrophilen Teil tragen; ihre Ladung ist vom pH-Wert der Lösung abhängig: bei einem pH-Wert von unter 7 sind sie positiv geladen (kationisch), bei einem pH-Wert über 7 negativ (anionisch). Die größte Gruppe der amphoteren Tenside gehört zur Stoffgruppe der Betaine. Sie gelten als haut- und schleimhautverträglich, biologisch gut abbaubar und besitzen neben einer guten Reinigungs-Wirkung leicht viskositätserhöhende Eigenschaften. Ihr Schaumbildungsvermögen ist gut. Daneben wird ihre Fähigkeit geschätzt, irritative Wirkungen anionischer und kationischer Tenside zu mildern. In industriellen Produkten werden sie in der Regel als Ko-Tenside verwendet, um die Gesamtformulierungen hautfreundlicher einzustellen; in naturkosmetischen Rezepturen spielen sie hingegen eine große Rolle, da dort Hautverträglichkeit, Ressourcenschonung und biologische Abbaubarkeit wesentliche Kriterien für Rohstoffe darstellen. In der Produktion sind sie, da ihre chemische Struktur sehr komplex ist, deutlich teurer als anionische Tenside. Wir verwenden beispielsweise Kokosbetain und Sanfteen oder das in der Tensidmischung Plantapon® SF enthaltene Sodium Cocoamphoacetate.
  4. Nicht ionische (neutrale) Tenside, die keine Ladung tragen; sie gelten als die hautverträglichsten und mildesten Tenside auf dem Markt. Viele neutrale Tenside schäumen kaum, eine der Ausnahmen sind Alkylpolyglucoside, zu denen Kokosglucosid und Decylglucosid gehört. Wie amphotere Tenside mildern sie das irritative Potential anionischer Tenside und lassen die Hautbarriere weitgehend intakt. In Haarpflegeprodukten optimieren Sie die Kämmbarkeit und Geschmeidigkeit des Haares durch ihre leichte Substantivität, d. h. sie ziehen leicht auf die Haaroberfläche auf. Während sie in industriellen Produkten als Ko-Tensid gelten, die das irritative Potential der anionischen Tenside mildern (auch aufgrund der hohen Produktionskosten werden sie dort nur sparsam eingesetzt), spielen sie in naturkosmetischen Rezepturen eine Hauptrolle.

Im Vergleich zu Emulgatoren ist die Fettlösekraft von Tensiden ungleich höher: während Emulgatoren im Emulsionen ohne Weiteres bis zu 10 % eingesetzt werden, wirken Tenside bereits in Einsatzkonzentrationen von 0,5 % (gerechnet auf die Wassermenge, die man beim Duschen oder Haarewaschen benötigt).

Basis-Tenside und Ko-Tenside

Grundsätzlich ist es sinnvoll, Basis-Tenside und so genannte Ko-Tenside zu unterscheiden, da anionische, kationische und andere Tensid-Typen gezielt gemäß ihrer Wirkungen kombiniert werden. In der Regel wählt man als Basistensid ein anionisches, in unserem Falle wäre dies an erster Stelle Plantapon® SF, eine Mischung aus anionischen und nichtionischen Tensiden, oder alternativ – wenn auch nicht so mild, SLSA.
Als Ko-Tensid agieren die sehr milden nichtionischen und amphoteren Tenside wie Kokosbetain, Kokosglucosid und Sanfteen, die pur verwendet schnell fettende und feine Haare auf Dauer beschweren können; diesen Effekt kennen viele, die auf Natur-Kosmetik-Shampoos umgestiegen sind oder sich in eigenen Shampoo-Rezepten versuchen. Ein gutes Shampoo selbst herzustellen ist tatsächlich nicht leicht. Wer kein Plantapon® SF oder SLSA verwenden möchte, wählt bei oben genannten Haartypen ein nichtionisches Tensid mit ausgeprägterer Reinigungskraft (hier empfehle ich Kokosglucosid oder Decylglucosid) als Basis ihrer Tensidmischung und ergänzen amphotere Tenside als stärker konditionierende Ko-Tenside. Bei trockener und spröder Haut sind milde amphotere und nichtionische Zucker-Tenside (ohne anionische Tenside) wunderbar geeignet und können in Duschgelen als Basistenside eingesetzt werden.
Viele Selbstrührer geben den Rat, Shampoos zu variieren und abwechselnd Produkte mit stärker reinigenden und pflegenderen Tensiden einzusetzen. Gleiches praktiziere ich auch bei meinen Natur-Kosmetik-Shampoos, die ich bisweilen kaufe. Wenn ich eines längere Zeit verwende, fetten sie subjektiv empfunden stärker nach, weil sich die aufziehenden amphoteren Tensidmoleküle mit der Zeit anlagern. Ein Shampoo-Wechsel mit einer anderen Tensidkomposition kann diesen Effekt ausgleichen.

Einsatzkonzentrationen an »waschaktiven Substanzen«

Die Konzentration an waschaktiven Substanzen in einem Tensid (man bezeichnet sie mit dem Kürzel »WAS«) wird in Prozent angegeben. Orientieren Sie sich bei der Planung Ihrer Rezepte an folgenden empfohlenen Einsatzkonzentrationen von waschaktive Substanzen (WAS), gerechnet auf das Endprodukt (dies bedeutet: wir müssen, ausgehend vom WAS-Wert des Tensids, die konkrete Einsatzmenge in Gramm noch berechnen. Eine konkrete Beispiel-Berechung finden Sie weiter unten, als bequeme Alternative empfehle ich den Tensid-Rechner.

  1. Shampoos und Duschgele für normale bis fettige Haut bzw. normales bis schnell fettendes Haar: WAS-Konzentration von 12–15 %
  2. Shampoos und Duschgele für trockene und sensible Haut bzw. trockenes, sprödes Haar: WAS-Konzentration von 10–12 %
  3. Gesichtsreinigungspräparate (je nach Hautzustand), Babypflege: 1–3 % (bei Reinigungsmilch wirken die Emulgatoren in höherer Einsatzkonzentration ebenfalls schmutzlösend, daher ist eine geringe Dosierung des Tensids ausreichend; in Waschcremes ohne Emulgatoren und für fettige Haut kann die Dosierung sich an der oberen Grenze orientieren).
  4. Badezusätze: 20–35 %

Berechung der Tensidmenge mit dem Tensidrechner

Mit dem Tensid-Rechner ist es möglich, kleine Mengen von z. B. 20 g Shampoo oder Duschgel anzumischen und zu testen. So ist ein Herantasten an das eigene »Traum-Shampoo« oder das wunderbarste Duschgel möglich. Allerdings ist hier eine Feinwaage vorteilhaft.

Berechnung konkret

Sie möchten 100 g Duschgel mit 10 % waschaktiven Substanzen auf das Gesamtprodukt entwickeln und eine Tensidmischung aus Kokosbetain (55 %), Kokosglucosid (45 %) und Sanfteen (5 %) verwenden? Das rechnen Sie dann so:

  • Bei jeweils alleiniger Verwendung der drei Tenside würden wir folgende Mengen benötigen, um ihre WAS auf die gewünschten 10 % zu verdünnen:
  • Kokosbetain: 100 (g Endprodukt) x 10 (% WAS) geteilt durch 40 (% WAS des Tensids) = 25 (g Kokosbetain).
  • Kokosglucosid: 100 (g Endprodukt) x 10 (% WAS) geteilt durch 51 (% WAS des Tensids) = 19,6 (g Kokosglucosid).
  • Sanfteen: 100 (g Endprodukt) x 10 (% WAS) geteilt durch 65 (% WAS des Tensids) = 15,38 (g Sanfteen).
  • Da wir nur anteilige Mengen und nicht 100 % eines Tensids benötigen, müssen wir nun die jeweiligen prozentualen Anteile berechnen:
  • 55 % vom Kokosbetain = 0,55 x 25 (g) = 13,7 gr (aufgerundet: 14 g).
  • 45 % vom Kokosglucosid = 0,45 x 19,6 (g) = 8,8 gr (aufgerundet: 9 g).
  • 5 % vom Sanfteen = 0,05 x 15,38 (g) = 0,76 gr (aufgerundet: 0,8 g).
  • Ergebnis: Wir benötigen demnach ca. 14 g Kokosbetain, 9 g Kokosglucosid und 0,8 g Sanfteen, um 100 g Duschgel mit einer 10%igen Konzentration an WAS zu erhalten.

Wenn Ihnen das alles zu aufwändig ist: der Tensid-Rechner nimmt Ihnen die Arbeit ab.

Was aber brauchen wir für ein sinnvolles Reinigungs-Produkt wie Shampoos oder ein Duschgel? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick.