Das Handbuch »Naturkosmetik selber machen« kombiniert verständlich
aufbereitete Theorie mit fundierter Herstellungspraxis und lädt mit über 120 Naturkosmetikrezepten
zum Nachrühren und Selbstentwickeln ein. Sie erhalten das Buch im Buchhandel vor Ort, beim
Verlag, bei
Amazon, Thalia,
Hugendubel und in anderen Online-Buchhandlungen.
In meinem Blog habe ich Informationen zum Buch und eine Leseprobe veröffentlicht.
Native pflanzliche Öle sind das Herz unserer Naturkosmetik.
Im Folgenden finden Sie eine Gruppierung verschiedener Öle, die
Ihnen eine Kombination (oder ein Austausch von Ölen in einem Rezept)
erleichtern soll. Bitte sehen Sie diese Auflistung als Anregung,
nicht als Vorgabe. Die Gruppierung orientiert sich im Wesentlichen an
den spezifischen Fettsäuremustern; die anschließenden Empfehlungen
versuchen, ein breites Fettsäurespektrum zu erzielen, in dem Öl-,
Linol- und Palmitinsäure die Basis bilden und Linolensäuren
die Rezepturen vervollständigen. Natürlich kann es auch Ihre
Strategie sein, gezielt linolsäure- oder ölsäurehaltige
Rezepturen zu erstellen, dann mischen Sie eben innerhalb einer Teilgruppe.
Im Forum von Olionatura, der Rührküche finden
Sie Anregungen und Erfahrungsberichte zu erprobten Ölkombinationen
und können eigene Erfahrungen und Ihre »Ölfavoriten« zur
Diskussion stellen.
Lichtexponiertheit und oxidative Stabilität
Bei den Ölen in den Listen weiter unten werden Sie bei einigen
den Hinweis finden »Nicht in lichtexponierten Pflegepräparaten
verwenden«. Dieser Hinweis betrifft insbesondere Öle mit hohen
Anteilen mehrfach ungesättigter Fettsäuren. (Sonnen-)Licht
und Wärme beschleunigen die Oxidation und Zersetzung von Ölen
mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf und in der Haut;
ihre z. T. toxisch wirkenden Spaltprodukte können bei entsprechender
Disposition Zellmembrane schädigen und zu Pigmentflecken, Sonnenallergien
(bekannt ist die Acne aestivalis, die so genannte Mallorca-Akne) und
Irritationen führen. Beachten Sie daher die Empfehlungen in den jeweiligen
Ölgruppen und den Artikel über Sonnenschutz.
Gut geeignete Öle für den Einsatz in Sonnencremes und anderen
stark lichtexponierten Situationen sind im Folgenden entsprechend gekennzeichnet.
»Lichtexponiert« bedeutet ein Einsatz in kosmetischen Präparaten,
mit denen man sich über längere Zeit intensiverer Sonneneinstrahlung
aussetzt (längerer Aufenthalt in der Sonne, Strand usw.).
Daneben hat es sich als kosmetisch sinnvoll erwiesen, Kosmetika mit einem
hohen Anteil an oxidativ anfälligen nativen Ölen für normale
Tagespräparate durch Basislipide wie Jojoba-, Wiesenschaumkrautöl,
Squalan (alternativ Neutralöl) zu stabilisieren. Diese Öle
verlängern die Haltbarkeit mehrfach ungesättigter Fettsäuren
und ermöglichen hautphysiologisch sinnvolle und reizfreie Kompositionen.
Eine gute Strategie ist, sehr instabile Öle bei entsprechender Dispositon
in die Nachtpflege auszulagern, um oxidativen Stress für die Haut
zu minimieren.
Stabilisierende Basisöle: Gruppe B-0 (20–50 % der Mischung)
Jojobaöl ist durch seine spezifische Zusammensetzung
ein universelles, oxidativ hochstabiles Öl, das auf der Haut enzymatisch
nur langsam gespalten, von Bakterien nicht verstoffwechselt werden kann und damit
eine sehr lang anhaltende, schützende Wirkung erzeugt, ohne haptisch zu fetten.
Es begleitet (oder fundiert) jede Mischung sinnvoll.
Ähnliches gilt für das weniger bekannte Wiesenschaumkrautöl.
Das in der Regel aus Olivenöl isolierte Squalan (Phytosqualan)
ist ein im menschlichen Sebum enthaltendes, hautanaloges und niedrigviskoses Lipid mit
ausgezeichneter Spreitfähigkeit. Es fundiert oder ergänzt Rezepturen als
oxidationsstabile und reizfreie Lipidkomponente.
Auch Marulaöl hat sich in Studien als extrem oxidationsstabil
erwiesen.
Brokkolisamenöl ist wegen des hohen Erucasäuregehalts
kein klassisches Hautpflegeöl; es ist vor allem ein Öl, das sich als »pflanzlicher
Silikonersatz« und seine gute Spreitung in Foundation hervorragend bewährt.
Neutralöl, eine Komposition auf Basis von Caprin- und Caprylsäure
aus Kokos- oder Palmkernöl, ist eine reizfreie, nach dem naturkosmetischen Spreitmodell
von Olionatura® sehr gut spreitende Lipidkomponente. Es eignet sich vor allem für
wenig aktivierende, milde Formulierungen mit hoher oxidativer Stabilität.
Pflegende Basisöle: Ölgruppen B-1, B-2, B-3 (50–70 % der Mischung)
Gruppe B-1 sind ölsäuredominierte Öle, oxidativ recht stabil,
schützend, leicht bis stärker rückfettend.
Gruppe B-2 sind Öle mit sehr ausgeglichenem Fettsäuremuster
hinsichtlich einfach und zweifach gesättigten Fettsäuren, die
gut solo verwendet werden können.
Gruppe B-3 notiert linolsäuredominierte Öle, die haptisch leichter
einziehen, wenig rückfettend wirken und ausgesprochen pflegende,
regenerierende Eigenschaften haben.
Wirkstofföle: Ölgruppen W-, W-2, W-3 (bis 10 % der Mischung)
Wirkstofföle zeichnen sich durch hohe Anteile an mehrfach ungesättigten,
teilweise seltenen Fettsäuren aus, die oxidativ sehr instabil sind, kosmetisch
jedoch intensiv regenerierende und aktivierende Eigenschaften aufweisen. Je nach
dominierender mehrfach ungesättigter Fettsäure sind sie in die Gruppen
W-1, W-2 und W-3 unterteilt.
Sie werden grundsätzlich niedrig, ca. 5–10%ig dosiert.
Pflanzenbuttern: Ölgruppe PF-1 und PF-2 (zählen zum Anteil von B-0)
PF-1 ist die Pflanzenbutter-Gruppe: Der hohe Gehalt an gesättigten
langkettigen Fettsäuren und ihre bei Zimmertemperatur feste
Konsistenz kennzeichnen die pflanzlichen Buttern: Sheabutter, Mangobutter,
Cupuaçubutter sind die bekanntesten. Sie weisen in der Regel höhere Anteile
an unverseifbaren Bestandteilen auf, wirken haptisch stark rückfettend,
schützend und ziehen nur langsam, allerdings tief in die Haut ein. In Emulsionen geben sie
leichte Konsistenz und eine ausgeprägte sensorische »Reichhaltigkeit«.
Kokosöl und Babassuöl, zur Ölgruppe PF-2 gehörend,
sind durch hohe Gehalte an gesättigten kurz- bis mittelkettigen
Fettsäuren geprägt. Sie spreiten ausgezeichnet, bewirken eine leichte,
nicht fettende Haptik der Emulsionen und gleichen in dieser Hinsicht stärker
rückfettende Lipidkomponenten aus. Gruppe PF-2 ist die MCT-Gruppe
(MCT meint »Medium Chain Triglyceride« also
»mittelkettige Triglyceride«). Sie dringen schnell,
aber nur oberflächlich in die Hornschicht ein.
Konzeption einer Ölmischung
Wählen Sie 1–2 Basisöle aus der Gruppe B-0 als
stabilisierende Komponenten.
Wählen Sie 1–2 (oder mehr) Öle aus den Basisölen (B1/B2, B2/B3 oder B1/B3); Gruppe B2 enthält Öle mit
einem sehr ausgewogenen Verhältnis an Öl- und Linolsäure,
die eventuell auch solo als Basisöl verwendet werden können.
Wünschen Sie gezielte Fettsäure-Dominanzen, um die spezifischen
Wirkungen dieser Gruppe zu nutzen, kombinieren Sie Öle aus einer
Basisöl-Teilgruppe. Für kosmetische Produkte im Sommer
bzw. bei stärkerer Lichtexponiertheit sollten Öle der Gruppe
B-1 und B-2 dominieren; Öle der Gruppe B-3 tendieren bereits
zu den Wirkstoffölen.
Dann wählen Sie 1–2 Öle aus den Wirkstoffölen
W1, W2 oder W3. Auch hier können Sie gezielt das gesamte
Spektrum an Linolensäuren ins Auge fassen.
Kosmetisch reichhaltigere Emulsionen werden durch Pflanzenbuttern
ergänzt; sie bieten (wenn sie nativ ist) eine reiche Auswahl an
pflegenden Fettbegleitstoffen. Sie können pur, mit 10–50% Ölen
gemischt oder als Bestandteil einer Emulsion mit ca. 5–30 %
Anteil an der gesamten Fettphase eingesetzt werden. Wählen Sie
eventuell 1–2 Pflanzenbuttern aus der Gruppe PF-1.
Öle aus der Gruppe PF-2 erzeugen haptisch leichte Emulsionen,
da sie sich schnell auf der Haut ausbreiten (spreiten) und nicht »kleben«;
daher sind sie vor allem in Lotionen beliebt. Ergänzen Sie ein Öl
aus der Gruppe PF-2, wenn Sie die spezifischen Wirkungen (siehe Ölportraits)
nutzen wollen. Haben Sie bereits Squalan in der Rezeptur, ist ein Zusatz
aus haptischen Gründen nicht mehr notwendig.
Gruppe B: Basisöle (ca. 70–90 % Gesamtanteil an den Ölen)
Gruppe B-0 (stabilisierende Basisöle)
oxidationsstabil, reizfrei, nicht reaktiv, gut geeignet für
lichtexponierte Pflegepräparate
(Brokkolisamenöl)
Jojobaöl
Marulaöl
Meadowfoamöl (Wiesenschaumkrautöl)
Neutralöl (MCT-Öl)
Squalan
Gruppe B-1 (Ölsäure-dominiert)
gute Massageöle, schützend, pflegend, gut geeignet für
lichtexponierte Pflegepräparate
barrierefördernd und -regenerierend, fluidisierend, nicht in lichtexponierten
Präparaten verwenden, in Tagespräparaten mit Ölen der
Gruppen B-0 und B-1 bzw. B-2 mischen.
Amaranthöl
Distelöl
Mohnöl
Sojaöl
Sonnenblumenöl (normal)
Traubenkernöl (raffiniert für Tages-Pflegepräparate geeignet)
Weizenkeimöl
Gruppe W: Wirkstofföle (ca. 5–10 % Gesamtanteil an den Ölen)
Gruppe W-1 (Alpha-linolenhaltige Öle)
stark zellregenerierend, zellaktivierend (nicht in lichtexponierten
Pflegepräparaten verwenden)