Beiträge und Informationen im Kontext

Quellen/Literatur

  1. M. Augustin und Y. Hoch, Phytotherapie bei Hauterkrankungen. München: Urban & Fischer 2004
  2. Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Grundlagen, Anwendung, Therapie. Stuttgart: Sonntag-Verlag, 2004
  3. R. Hänsel, O. Sticher: Pharmakologie – Phytopharmazie. Heidelberg: Springer, 2010
  4. Michael Heldmaier: Phytochemische Charakterisierung öliger Extrakte aus pflanzlichen Drogen. Dissertation. Hamburg, 2007
  5. Rudolf Voigt: Pharmazeutische Technologie. Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag, 2006

Weitere Ressourcen

 

Ölauszüge herstellen

Lavendel
Lavendel eignet sich hervorragend für duftende Ölmazerate. (© H. Käser)

Ölauszüge lösen vor allem lipophile (fettlösliche) Wirkstoffe der Pflanzendroge, insbesondere Carotinoide, ätherische Öle und Phytosterole. Für den Ölauszug sind nur noch drei Faktoren wesentlich, wobei Faktor 1 (Dauer der Extraktion) und Faktor 3 (Temperatur) in einem Wechselverhältnis stehen (je wärmer die Auszugstemperatur, desto kürzer die benötigte Extraktionszeit):

  1. Dauer der Extraktion
  2. Zerkleinerungsgrad der Pflanzendrogen
  3. Temperatur
Johanniskraut in Olivenöl
Frische, leicht angetrocknete Johanniskrautblüten in Olivenöl: hier sehen Sie, warum es auch »Rotöl« genannt wird. Die Farbe wird durch Hypericin aus den Blüten bewirkt. (© H. Käser)

Üblicherweise werden Ölauszüge »kalt« angesetzt, d. h. über einen gewissen Zeitraum zieht das Pflanzenöl die Inhaltsstoffe der Drogen bei Zimmertemperatur oder, in der Sonne stehend, bei erhöhten Temperaturen aus. Tatsächlich gibt es auch die Methode des sog. Warmauszugs, und er erhöht die Ausbeute in kurzer Zeit: man lässt die Pflanzen für 2–3 Stunden in einem Topf simmern; dies bietet sich z. B. für stark wasserhaltige Pflanzen an, bei denen dieses Wasser beim Simmern verdunstet und sich die Schimmelgefahr verringert, oder auch für Holz- oder Rinden- Drogen. Ich persönlich nehme mir gerne Zeit und bevorzuge den schonenderen Kaltauszug.
Hier sind die Schritte zur Herstellung eines kalten Ölauszugs im Einzelnen beschrieben und erläutert:

  1. Die Vorbereitung der Pflanzendrogen entsprechen denen des wässrig-alkoholischen Auszugs: die Pflanzenteile müssen sauber, frei von abgestorbenen, bräunlichen, welken Stellen sein. Sie sollten sie zerkleinern, um mehr Ansatzfläche für das Öl zu bieten. Frische Pflanzen können auch angemörsert oder im kurz (!) im Blitzhacker zerkleinert werden, um die Zellwände aufzubrechen.
    Die bekanntesten Rezepturen erfordern frische Pflanzenteile (z. B. Calendula - oder Arnikablütenblätter für Salben oder Johanniskrautblüten für das bekannte Rotöl; auch kulinarisch verwendete Öle mit Rosmarin, Thymian oder Basilikum werden bevorzugt mit frischen Pflanzen angesetzt), manche Rührer(innen) verwenden auch getrocknete Drogen. Fakt ist, dass die Schimmelgefahr bei frischen Pflanzenteilen steigt und sie den Ölauszug gut beobachten müssen. Ich persönlich bevorzuge ihn dennoch, da er mir intensiver erscheint. Tipp: Frisches Pflanzenmaterial einige Stunden bis zu einem Tag anwelken lassen und dann zerkleinern und ansetzen; dies mindert die Schimmelgefahr.
  2. Die verlesenen und zerkleinerten Pflanzenteile werden mit nativem, fettem Öl übergossen und 10–14 Tage stehen gelassen. Achten Sie bitte darauf, dass alle Pflanzenteile gut bedeckt sind – hier entwickelt sich Schimmel rasend schnell. Nehmen Sie hochwertiges naturbelassenes, nicht raffiniertes und vor allem oxidativ stabiles Öl: Olivenöl, Sesamöl, Jojobaöl sind Klassiker. In Öl laufen Zersetzungsprozesse schneller ab als in alkoholischen Tinkturen, daher müssen wir einen Kompromiss finden zwischen ausreichender Extraktion der Inhaltsstoffe und einem möglichst geringen Grad an Zersetzung. Die genannten höchstens 14 Tage versuchen dem Rechnung zu tragen. Interessanterweise verbrauchen sich ausgezogene Carotinoide in gleichem Maße, wie das Auszugsöl durch die Wärme oxidativ gestresst wird; je stabiler das Öl, desto geringer der Abbau an wertvollen Carotinoiden im fertigen Ölauszug im Laufe der Lagerung – daher die Empfehlung der oben genannten Öle. Durch die Extraktion entsteht nach einiger Zeit ein Konzentrationsgleichgewicht an Wirkstoffen in der Droge und im Öl; es macht also keinen Sinn, den Ansatz wochenlang stehen zu lassen. Die vielerorts angegebenen langen Auszugszeiten von mehreren Wochen kann ich nach meinem heutigen Wissensstand nicht unterstreichen.
    Auch hier gibt es zwei methodische Varianten: einige schwören darauf, das Öl in die Sonne zu stellen. Wesentlich für die Extraktion sind jedoch die Temperaturen, nicht das Licht als solches; sie fördern enzymatische Prozesse. Für den Ansatz von Johanniskrautblüten (siehe Abbildung oben) wird der Einfluss der Sonne regelmäßig betont, dies hat aber eher traditionelle Gründe. Ich setze meine Ölauszüge auch hell an, stelle sie jedoch bei sehr heißem Wetter nicht in die pralle Sonne, sondern in hellen Schatten. Einer meiner Johanniskrautansätze letztes Jahr war auf meiner Terasse so hohen Temperaturen ausgesetzt, dass das Öl bald nicht mehr appetitlich aussah, sondern voll von zersetztem Pflanzenmaterial war. Michael Heldmaier beobachtete, dass Olivenölauszüge nach 7–14 Tagen bei 65 °C Auszugszeit ranzig waren¹. Seitdem mäßige ich die Einwirkung von Sonne und von Temperaturen, falls notwendig. Wie bereits oben notiert: Wärme fördert enzymatische Prozesse, die z. B. bei Johanniskrautöl unabdingbar sind, aber sie muss kontrolliert wirken.
  3. Nach spätestens 2 Wochen wird das Öl abgeseiht. Ein Leinentuch eignet sich sehr gut dafür. Füllen Sie anschließend den Auszug in eine dunkle Flasche und beschriften Sie sie sorgfältig: Pflanzenart und Öl (z. B. »Lavendelblüten/Olivenöl«) und Abfüllungsdatum sollten nicht fehlen. Bewahren Sie das Mazerat nun kühl, dunkel und gut verschlossen auf. Ölauszüge sind nicht sehr stabil und sollten innerhalb von 6 Monaten aufgebraucht werden.

Spezialöle für Ihre Haut

Mazerat von Centella in Arganöl
Kleine Chargen an besonderen Pflanzenmazeraten, wie hier Centella in Arganöl, machen unsere Naturkosmetik-Produkte zu wahren Kostbarkeiten. (© H. Käser)

Für meine eigene Hautpflege bevorzuge ich mittlerweile sehr kleine Chargen an Ölauszügen (nicht mehr als 50 ml) mit bevorzugt frischem Pflanzenmaterial, die ich innerhalb von 3 Monaten aufbrauchen kann. Auf diese Weise ist es möglich, auch ungewöhnliche und oxidativ nicht so stabile Öle als Auszugsöle zu nehmen. Diese Spezialöle verwende ich entweder pur (z. B. abends über einem passenden Hydrolat, alternativ mit der üblichen Creme in der Handfläche vermischt), als Gesichts-Massageöl nach der Sauna oder einem Gesichtsdampfbad oder als Wirkstofföl in meinen Emulsionen. Meine Lieblingsmischungen sind folgende:

  • Für reife, trockene Haut: Centellakraut in Arganöl oder Granatapfelsamenöl
  • Für fettende, unreine Haut: Kamillen-, Lavendelblüten und Schafgarbenkraut in Traubenkernöl

¹Michael Heldmaier: Phytochemische Charakterisierung öliger Extrakte aus pflanzlichen Drogen. Dissertation. Hamburg, 2007

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