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Das Handbuch

Naturkosmetik selber machen. Das Handbuch
Im Frühjahr 2012 wird mein neues Buch erscheinen: Das Handbuch kombiniert verständlich aufbereitete Theorie mit fundierter Herstellungspraxis und lädt mit über 100 Naturkosmetikrezepten zum Nachrühren und Selbstentwickeln ein. Sie können es bereits beim Verlag oder bei Amazon vorbestellen.

Beiträge für Einsteiger

Online-Shops
Wo bekommt man all die beschriebenen Zutaten? In dieser Liste finden Sie eine Auswahl an bewährten Bezugsquellen.
Emulgator-Tabelle
Jeder Emulgator hat bestimmte Eigenschaften: diese Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, welche.
Wirkstoff-Tabelle
Diese Tabelle listet die Eigenschaften von Wirkstoffen auf und gibt Hinweise zu ihrer Dosierung und Verarbeitung.

Emulsionen konservieren

Selbst gerührte Kosmetika ist »Frische-Kosmetik«. Gerade die natürlichen Ingredienzen und der bewusste Verzicht auf Füllstoffe und starke Konservierungsmittel macht ihren besonderen Wert aus. Dennoch ist es für viele Menschen wenig praktikabel, die eigene Kosmetik alle Tage frisch anzurühren oder sich den Cremetopf jeden Abend aus dem Kühlschrank zu holen. Auch im Bereich der Natur-Kosmetik gibt es Methoden, selbst hergestellte Produkte für einen gewissen Zeitraum zu konservieren: 4–12 Wochen Haltbarkeit sind mit hautverträglichen Methoden zu erzielen, ohne dass der Cremetopf im Kühlschrank stehen muss. Dennoch empfehle ich Ihnen, selbstgerührte Kosmetik als »Frische-Kosmetik« wahrzunehmen und Ihre Ansprüche hinsichtlich wochenlanger Aufenthalte Ihrer Cremetöpfe in warmen, feuchten Bädern kritisch zu hinterfragen.

Die verkannte Gefahr: Verkeimung

Warum sind Mikroorganismen in Kosmetika überhaupt gefährlich? Zuviel Hygiene ist nach neuesten Erkenntnissen doch eher kontraproduktiv – oder? Fakt ist: wir haben körpereigene Mikroorganismen auf der Haut, z. B. Staphylococcus epidermidis, Micrococcus luteus und andere Bakterien, die die so genannte residente Flora bilden. Manche dieser Mikroorganismen produzieren Stoffwechselprodukte, die das Wachstum anderer vorhandener Bakterien und Pilze hemmen. Kurz: eine gesunde Haut zeichnet sich durch ein sinnvolles Zusammenspiel einer aus wenigen Arten bestehenden, symbiotischen Population an hauteigenen Mikroorganismen aus, die sich gegenseitig begrenzen und verhindern, dass sich Fremdkeime ausbreiten. Unsere Haut ist alles andere als steril, das ist korrekt.
Auch Kosmetika sind nicht keimfrei, unsere selbstgerührte schon gar nicht. Es ist jedoch unabdingbar, die Anzahl dieser Fremdkeime möglichst gering zu halten. Mit einer begrenzten Menge kann unsere hauteigene Keimbesiedlung durchaus umgehen und Fremdkeime eliminieren. Gefährlich wird es, wenn die Anzahl der Fremdkeime Überhand nimmt und durch ihre Stoffwechselprodukte sensible Prozesse unserer körpereigenen Mikroorganismen aus dem Gleichgewicht bringen. Meiner Wahrnehmung nach haben ein Großteil der Hautirritationen, die von Selbstrührern auf Wirkstoffe zurückgeführt werden, ihren Ursprung in nicht sorgfältig genug hergestellten, unzureichend konservierten oder zu lange aufbewahrten kosmetischen Produkten. Die Hautreaktionen können vielfältig sein: Unreinheiten und Unterlagerungen treten auf, die Haut wirkt gereizt, beginnt zu spannen, schuppt, zeigt Rötungen. Schnell wird der Verursacher in einem Rohstoff vermutet, die Rezeptur entsprechend geändert, neu gerührt, und alles scheint in Ordnung – bis nach 2–3 Wochen das Spiel von vorne beginnt und die gleichen Symptome auftreten.

Fakt ist: eine Emulsion kann bereits eine für unsere Haut kritische Verkeimung aufweisen, ohne dass wir es ihr ansehen oder es am Geruch feststellen. Es ist sogar möglich, dass diese Emulsion von anderen problemlos vertragen wird, auf unsere Haut jedoch irritativ wirkt, weil sie reaktiver ist als normale Haut. Vor allem Spaltprodukte (durch Zersetzung von Inhaltsstoffen in der Rezeptur) und Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen wirken hautreizend und zelltoxisch. Niemand wird bewusst eine keimbelastete Creme verwenden, aber ich erlebe in Gesprächen durchgehend eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit den eigenen Produkten; solange nichts Ungewöhnliches sicht- oder riechbar ist, wird davon ausgegangen, dass die Emulsion »in Ordnung« ist – und das kann ein Irrtum mit unangenehmen gesundheitlichen Folgen sein. Die Angaben in diversen Internetforen und auf privaten Webseiten, wie lange eine nicht konservierte Creme ungekühlt einwandfrei bleibt, variieren zwischen 5 Tagen und vier Wochen. Unkonserviert verwende ich keine Emulsion länger als 7 Tage, und zwar auch nur dann, wenn sie im Kühlschrank steht. Jede Veränderung der Emulsionen –  Verflüssigung, Schaumbildung, Farbveränderungen, sichtbare Punkte usw. sind so gut wie sicher Hinweise darauf, dass in dem Produkt Abbau- und Stoffwechselprozesse von Mikroorganismen abgelaufen sind (und zwar schon einige Zeit). In diesem Falle sollten Sie keine Kompromisse eingehen: weg damit!

Wasserhaltige Emulsionen sind grundsätzlich mikrobiell nicht stabil und bieten einen idealen Nährboden für Bakterien, Pilze und Hefen; ungesättigte Fette können vor allem oxidieren; durch eventuell vorhandene geringe Restfeuchte sind jedoch auch Pflanzenbuttern potentiell von Schimmel und Hefen betroffen.

Natur pur? Frische Pflanzengele und Tee als Wasserphase

Erlauben Sie mir eine Bemerkung zu den bei Selbstrührern so beliebten, weil völlig natürlichen Pflanzengelen (aus selbst pürierten Aloe-Pflanzen, Eibischwurzeln, Quitten- oder Leinsamen usw.) und Teeaufgüssen (Infus) aus eigener Produktion: sie sind als Rohstoffe für kosmetische Produkte mit verlängerter Anwendungsdauer nicht geeignet, auch wenn selbst in Selbstrührer-Büchern neueren Datums (leider) und in Internetforen solcher Unsinn steht. Winzige Schwebstoffe fördern schnelle Verkeimung, die per se höhere Grundkontamination lässt selbst Konservierer nach kurzer Zeit an ihre Grenzen stoßen. Mein dringender Rat: verwenden Sie diese Zubereitungen ausschließlich frisch. In Frische-Kosmetik für den sofortigen Gebrauch sind sie hervorragend geeignet, und genau so werden diese pflanzlichen Präparate seit Jahrhunderten eingesetzt: frisch hergestellt, frisch verbraucht – etwas, das »moderne Kräuterhexen« gerne vergessen. Auch Frischmilch sollte nur als Zutat zu frisch angerührter Kosmetik für den sofortigen Gebrauch verwendet werden, da die vorhandenen Mikroorganismen, Proteine usw. zu einer extrem schnellen Zersetzung mit Spalt- und Stoffwechselprodukten führen. Hydrolate hingegen eignen sich durch ihre Herstellung hervorragend als Wasserphase, hier sollte im Zweifelsfall kurzes Aufkochen reichen. Hydrolate hervorragender Qualität, penibel sauber hergestellt und abgefüllt, sind an sich steril.
Wer pflanzliche Wirkstoffe und Milchproteine in Kosmetika für den längeren Gebrauch einsetzen möchte, sollte im Interesse seiner Haut auf kosmetische Alternativen zurückgreifen: Aloe-Vera- oder Milchpulver sind zwar industriell aufbereitet, jedoch mikrobiell geprüft; Tinkturen und Öle bieten per se keine Angriffsfläche für Mikroben.

Naturkosmetische Konservierung

Jede Konservierung bedeutet einen Kompromiss zwischen dem Wunsch nach naturbelassener Kosmetik und dem Schutz unserer Haut vor schädlichen Stoffwechsel-Produkten von Mikroorganismen, die ihr nicht minder schaden können wie manche Konservierungsmittel. Ich habe in der Rubrik »Rohstoffe« eine Auswahl an Konservierungs-Alternativen zusammen gestellt, die ich persönlich als akzeptable Alternative ansehe. Weingeist (Alkohol), Kaliumsorbat und Rokonsal™ BSB-N gehören zu den »membranaktiven Konservierern«, die durch die Cytoplasma-Membrane der Mikroorganismen aufgenommen werden, deren Proteinproduktion stören und die Synthese wichtiger Enzyme hemmen. Lesen Sie dort exakte Details zur Wirkungsweise, Verarbeitung und zur Einsatzkonzentration der Konservierer. Wichtig ist sich zu verdeutlichen, dass die hautfreundlichen Einsatzkonzentrationen unserer Konservierer, so wie der Hersteller sie empfiehlt, auf die extrem saubere Produktionspraxis in der Industrie ausgerichtet sind. In der heimischen Küche können wir diesen Standard nicht erreichen. Um so wichtiger ist, die Grundkontamination (das bedeutet: die mikrobielle Besiedlung, die ein Rohstoff und Produkt nach Herstellung hat – danach setzt die Vermehrung der Mikroorganismen und eine wachsende Verkeimung ein) eines selbst hergestellten Kosmetikums so gering wie möglich zu halten, um für 4–8 Wochen ein zuverlässig (sowie möglichst niedrig) konserviertes, hautgesundes Produkt verwenden zu können. Eine geringe Besiedlungsdichte ist Voraussetzung dafür, dass ein Konservierungsstoff überhaupt zuverlässig wirken und vorhandene Keime abtöten kann. Ist diese Besiedlungsdichte von Beginn an zu hoch, hilft auch ein korrekt dosierter Konservierer nicht mehr, weil Keime überleben und sich zu vermehren beginnen.

Hier besteht oft eine grundsätzlich falsche Vorstellung bei Selbstrührern: »Unsere Produkte müssen ja nicht 30 Monate haltbar sein, sondern nur 4 Wochen, da reicht's ja« denken so manche – ein fataler Irrtum. Zuverlässige Konservierung bedeutet, dass ein Konservierer die mikrobielle Besiedlung (die Grundkontamination) eines Kosmetikums abtötet, so dass keine Vermehrung stattfinden kann. Industrielle Kosmetikhersteller arbeiten mit einer zusätzlichen Konservierungsreserve: das Konservierungsmittel wird so hoch dosiert, dass auch neu eingebrachte Keime (z. B. durch Produktentnahme mit den Fingern) abgetötet werden können. Wir dosieren nach Herstellerangaben entsprechend, haben aber naturgemäß Produkte mit einer bereits deutlich höheren Grundkontamination. Konkret bedeutet dies: unseren Emulsionen fehlt die Konservierungsreserve, und dies kann dazu führen, dass sie bereits nach 2 Wochen (!) eine kritische Besiedlungsdichte aufweisen, die zu negativen Hautreaktionen führen kann – noch bevor sie optisch, geruchlich oder in der Konsistenz verändert ist. Lesen Sie in einschlägigen Foren: es ist erschreckend, wie viele Selbstrührer die Herstellung von Gesichtspflegeprodukten aufgegeben haben, weil ihre Haut diese nicht verträgt. Nun kennen sie den Grund.

Daher rate ich Ihnen dringend: arbeiten Sie extrem sauber, sehen Sie das Selbstrühren als professionelles Handwerk. Es lohnt sich; unsere Produkte können qualitativ mit jedem industriellen Produkt konkurrieren. Es liegt einzig und allein an Ihnen.

Neben den oben genannten naturkosmetischen Konservierern gibt es verschiedene Substanzen, die ebenfalls eine konservierende oder keimtötende Wirkung zeigen, z. B. bestimmte ätherische Öle, Harnstoff, Sorbit, Glycerin und andere (z. B. antioxidativ wirkende) Stoffe. Das Problem ist, dass die erforderliche minimale Hemmkonzentration, um eine Wirkung zu erzielen, so hoch ist, dass sie oft nicht mehr im kosmetisch sinnvollen Rahmen liegt, weil zugleich andere, unerwünschte Wirkungen auftreten. Sie können gewisse ko-konservierende Eigenschaften mitbringen, die wir jedoch leider nicht exakt bestimmen können. Dennoch unterstützen Glycerin, ätherische Öle, manche Extrakte (z. B. Bartflechtenextrakt), Hydrolate (z. B. Rosenhydrolat) oder Tinkturen (z. B. Benzoetinktur) die mikrobielle Stabilität und können die Gesamtwirkung der enthaltenen Konservierer optimieren. Es spricht nichts dagegen, sie zusätzlich einzusetzen – alleine auf sie verlassen sollten sich Selbstrührer nicht.

Hilfe aus dem Haushalt: der Dampfdrucktopf

In den letzten Monaten habe ich ein Haushaltsgerät ausprobiert und seine Effektivität schätzen gelernt: den Dampfdrucktopf. Im Dampfdrucktopf können Sie Bechergläser, Glasstäbe, Spenderflaschen und Cremedosen aus Porzellan oder Glas annähernd sterilisieren: 20 Minuten bei 2 bar töten Mikroben und Sporen weitgehend ab. Auch Gele auf Cellulose-Derivat-Basis oder Hyaluronsäure-Gele lassen sich im Dampfdrucktopf »autoklavieren« und annähernd keimfrei herstellen. Nutzen Sie dieses wertvolle Hilfsmittel – vor allem für hypersensible und neurodermitische Haut sind diese keimarmen Wasserphasen eine Wohltat. Mittlerweile hat sich die Methode des Autoklavierens im Dampfdrucktopf bei vielen Selbstrührern etabliert und wird auch auf anderen Selbstrührer-Webseiten empfohlen.

Ein Mythos lebt: Grapefruitkernextrakt

Ein Produkt wird nach wie vor auf Internetseiten und in Online-Shops als natürliche Konservierungs-Alternative vorgestellt und ist Thema diverser populärwissenschaftlicher Buchpublikationen: Grapefruitkernextrakt (GKE). Grapefruitkernextrakt wird aus Pressrückständen der Saftproduktion (Fruchtfleisch und Kernen) in einem Walz- und Mahlverfahren unter Einsatz von Glycerin als Auszugsmittel erzeugt; fertige Produkte bestehen aus ca. 33 % V/V (Volume to Volume, Volumenanteil) Grapefruitkernextrakt und 67 % Glycerin; der prozentuale Reinanteil des Extrakts beträgt daher real ca. 20 %.
Die Wirkungsversprechen sind hoch: neben angeblich antibiotischen Eigenschaften soll GKE Wirksamkeit gegen 800 verschiedene Bakterien- und Virusstämme sowie gegen 100 Pilzstämme aufweisen – ohne toxische, irritative oder allergene Nebenwirkungen zu zeigen. In wissenschaftlicher Literatur fehlen jedoch entsprechende Nachweise bis auf wenige Ausnahmen, bei denen sich jedoch herausstellte, dass die beschriebene Wirkung Folge eines Zusatzes an Methylparabenen, Triclosan oder Benzethoniumchlorid war.
Eine Studie¹ im Rahmen einer Diplomarbeit testete 1999 daher handelsübliche Grapefruitkernextrakte auf ihre inhaltliche Zusammensetzung und Wirksamkeit – mit dem Ergebnis, dass alle 5 Produkte, die eine gewisse antimikrobielle Wirkung zeigten, Benzethoniumchlorid sowie z. T. auch Triclosan und Methylparaben enthielten, die Lösung auf Basis reinem GKE (Produkt CitroBiotic, Sanitas GmbH Steinheim) jedoch völlig wirkungslos blieb, ebenso wie ein aus Vergleichsgründen im Rahmen der Studie selbst hergestellter Extrakt. Die Tatsache, dass die meisten Produkte die gleichen Konservierungsstoffe enthielten, wurde auf ihre Herstellung aus der gleichen Stammlösung aus USA zurückgeführt. Umstrittene Konservierungsmittel enthielten zum Zeitpunkt der Studie (1999) die Produkte Citricidal und NutriBiotic (Sanitas GmbH, Steinheim), Grapefruit Kern Extrakt (Bergland-Pharma, Heimertingen), Grapefruitkern Extrakt (Tierra Verde, Reutlingen) und Grapefruit-Samen-Extrakt (GSE-Vertrieb, Saarbrücken).
2004 untersuchte das Kantonale Laboratorium Basel/Schweiz² Proben eines Kosmetikums und zweier GKE; die untersuchte Lotion wies 0,2 % des nicht zugelassenen Benzethoniumchlorid auf, das nachweislich aus dem zur Konservierung verwendeten GKE stammte. Überraschung bot die 2. GKE-Probe: statt der üblichen Konservierer wurden 0,25 % Didecyldimoniumchlorid, ein zur Schwimmbad-Desinfizierung und zur Holzkonservierung eingesetzten Biozids nachgewiesen. Bis heute finden sich immer wieder nicht entsprechend deklarierte Produkte mit diesem Desinfektionsmittel auf dem Markt; sie stammen offensichtlich vor allem aus den USA.
Immer wieder tauchen auf dem Markt vereinzelt Kosmetika auf, die angeblich mit wirksamem natürlichen GKE konserviert seien; bei näherer Untersuchung handelt es sich um kosmetische Formulierungen, die (neben entsprechend steriler Produktionsweise) durch die Gesamtkomposition und Synergie verschiedener Substanzen (z. B. ätherische Öle, Vitamine, mehrwertige Alkohole und Antioxidantien) konserviert werden.
Fazit: was immer Grapefruitkernextrakt auch für Vorteile haben mag, konservierende Wirkungen weist er nur dann auf, wenn höchst umstrittende Konservierungsstoffe enthalten sind – und zu denen haben wir verträglichere Alternativen. Reiner GKE ist konservierungstechnisch wirkungslos, auch wenn Ihnen gegenüber beratungsresistente Shopinhaber das Gegenteil behaupten. Entlarvend sind in diesem Kontext Hinweise, man möge die Produkte doch lieber im Kühlschrank aufbewahren und sie portionsweise verbrauchen, da es sich ja nicht um einen 100 % sicheren chemischen Konservierer handle oder der Hinweis, man verwende ihn gerne »in Kombination« mit Kaliumsorbat« oder einem anderen Konservierungsmittel. Dass in den gleichen Shops umstrittene Parabene angeboten werden (siehe nächstes Kapitel), macht die Bewerbung von Grapefruitkernextrakt als favorisierte »natürliche« Konservierung als Abgrenzung zu den unerwünschten »chemischen« um so unglaubwürdiger, sind sie doch das kritischste für Selbstrührer angebotene konservierende Produkt. Auch Kaliumsorbat und Rokonsal™ BSB-N werden heute synthetisch (sprich: chemisch) hergestellt, weil eine Herstellung aus natürlichen Substanzen die Stoffe extrem verteuern würden.

Parabene?

Die Hobbythek® hat ein Gemisch aus Parabenen als Lösung im Angebot, Paraben K aus Estern der Para-Hydroxy-Benzoesäure (4-Hydroxy-benzoesäure), exakt Methylester und Propylester. Sie sind im schwach sauren bis neutralen Bereich am wirksamsten und dürfen als Gemisch in Kosmetika bis zu 0,8 % eingesetzt werden, Monosubstanzen bis zu 0,4 %. Da ihre Wasserlöslichkeit schlecht ist, werden sie oft als Lösung angeboten; Paraben K verwendet dazu den leicht mandelartig riechenden Benzylalkohol. Ihre Verwendung in Natur-Kosmetik ist umstritten, obwohl Methyl- und Propylester als gesundheitlich unbedenklich gelten, für Lebens- und Arzneimittel zugelassen und gut erforscht sind.
2004 gerieten Parabene durch Ergebnisse einer Studie (veröffentlicht in: Journal of Applied Toxicology, 2004; 24: 5–13) über parabenhaltige Deodorantien in Verbindung mit Brustkrebs in die Schlagzeilen. Bis heute sind ursächliche Zusammenhänge zwischen der Verwendung parabenhaltiger Produkte und möglicher östrogener und karzinogener Wirkungen von Parabenen nicht eindeutig geklärt; das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt in einer Stellungsnahme von Februar 2004 zu dem Schluss: »Allein aufgrund der Tatsache, dass Parabene in Tumorgewebe von Brustkrebskranken enthalten sein könnten, lässt sich nach Meinung des Institutes noch kein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Stoffen und der Entstehung von Brustkrebs herstellen.« Tatsächlich ergeben sich bei näherer Betrachtung der Studie Faktoren, die mindestens ebenso in den Fokus genommen werden müssen, beispielsweise andere gentoxische Substanzen wie Aluminium und Zirkoniumsalze oder kritische Substanzen wie Phtalate, die ebenfalls Verwendung in Deodorantien finden. Das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fasst wesentliche Aspekte der Diskussion um die Ergebnisse der umstrittenen Studie zusammen.
Auf Grund der bis heute publizierten, sehr kritischen Stimmen und ungeklärten Aspekte habe ich für mich die Entscheidung getroffen, keine Parabene zu verwenden. Die östrogenen Wirkungen werden aktuell durch die alltägliche Präsenz dieser Substanzen sehr kritisch diskutiert. Im Zweifelsfalle sind Parabene jedoch aktut weniger gefährlich als eine verkeimte Creme. Treffen Sie Ihre persönliche Entscheidung.

Was wir tun können

  1. Alle Gefäße, Utensilien, Hände, den Arbeitsplatz desinfizieren: im Schnellkochtopf lassen sich Bechergläser, Glasflaschen und -stäbe, -töpfchen und -pumpspender 20 Minuten bei 120 °C sterilisieren; großzügiges Besprühen aller Gerätschaften und Werkzeuge mit 70%igem Alkohol und anschließendem Lufttrocknen auf alkohol-getränktem Zellstoffpapier bieten einen guten Schutz.
  2. Wasser sprudelnd 5 Minuten abkochen, Hydrolate im Zweifelsfall kurz aufkochen (nicht zwingend notwendig, wenn sie absolut (!) frisch sind und aus seriöser Quelle stammen), Rohstoffe nur mit desinfizierten Utensilien entnehmen; Rohstoffe gut verschlossen und in der Regel kühl (ideal: 9–14 °C) und gut verschlossen aufbewahren.
  3. Arbeitsfläche peinlich sauber halten, mit alkoholgetränktem Zellstoffpapier auslegen, um desinfizierte Gegenstände abzulegen.
  4. Falls Sie sie nicht im Dampfdrucktopf autoklaviert (sterilisiert) haben: Tiegel und Spender vor Befüllen mit 70%igem Alkohol auffüllen, diesen einige Minuten einwirken lassen, abgießen und Gefäße umgedreht auf Zellstoffpapier abtropfen lassen. Auf saubere Deckel und Pumpspender-Köpfe achten (Deckel und Pumpspender auf Vorrat kaufen, so dass Sie sie regelmäßig auswechseln können. Vor allem Pumpspender-Köpfe sind nicht mehr ausreichend zu säubern und sollten grundsätzlich Einweg-Artikel sein; im Deckel-Inlay aus Schaumstoffen setzen sich ebenfalls Produktreste ab, die die neue Charge kontaminieren können. Tipp: nach der ersten Verwendung die Eimlage entfernen und den Deckel »nackt« weiterverwenden), neue Pumpköpfe vor Gebrauch mit 70%igem Alkohol durchspülen, Deckel tropfnass einsprühen und abtropfen lassen.
  5. Nutzen Sie den Dampfdrucktopf zur Sterilisierung von Hydroxycellulose- oder Hyaluronsäure-Gelen als Wasserphase: Gel herstellen, in einem hohen Becherglas mit Alufolie abgedeckt 20 min. bei 2 bar (höchste Stufe) annähernd keimfrei machen. Für extrem sensible und neurodermitische Haut ist dies eine hervorragende Möglichkeit, mikrobiell einwandfreie Produkte herzustellen. Wichtig: der Topf muss selbstsändig abgekühlt sein, bevor sie ihn öffnen, sonst kocht das Gel aus dem Becherglas.
  6. Last not least: einwandfreie, frische Rohstoffe verwenden. Überalterte unterliegen Zersetzungsprozessen, die wir nicht unbedingt sehen oder riechen können. Auch Spaltprodukte von Rohstoffen können irritative und toxische Wirkungen zeigen.

Was wir vermeiden sollten

  1. Erwärmen Sie eine fertige Emulsion nicht noch einmal (auch wenn man Ihnen das im freundlichen Internetforum von nebenan rät). Bei der Herstellung bringen wir – da wir zuhause nicht steril arbeiten können – zwangsläufig Keime in das Produkt. Eine Erhöhung der Temperatur beschleunigt mikrobielle Vermehrung und kann chemische Prozesse initiieren, die Rohstoffe instabil werden lassen und ihre Zersetzung fördern. Dies minimiert zusätzlich die mikrobielle (und physikalische) Stabilität der Emulsion.
  2. Konservieren Sie nicht erst einige Tage später (weil Sie sich plötzlich doch anders entschlossen haben). Mittlerweile hat die Keimbelastung eventuell so zugenommen, dass mit der üblichen Dosierung keine minimale Hemmkonzentration des Konservierers mehr erreicht werden kann. Wenn konservieren, dann direkt frisch nach der Herstellung.
  3. Entnehmen Sie Ihre kosmetischen Produkte nicht mit den Fingern. Bevorzugen Sie Pumpspender, Airless-Spender, Tuben oder verwenden Sie zur Entnahme einen desinfizierten Spatel.

Neben den oben genannten empfehlenswerten und bewährten Konservierern bleibt noch eine sehr konsequente, aber sicher nicht die schlechteste Lösung: Emulsionen portionieren, in Kleinmengen einfrieren, im Kühlschrank (!) aufbewahren, nur mit Spatel entnehmen und binnen 7 Tagen aufbrauchen. Es bewährt sich, jedes Produkt mit einem kleinen Etikett des Herstellungsdatums oder des errechneten Mindesthaltbarkeits-Datums zu kennzeichnen, um die begrenzte Haltbarkeit im Blick zu haben. Vor allem aber gilt: extrem sauber arbeiten!

Quellenangaben und weiterführende Informationen

  1. Th. von Woedtke, B. Schlüter, P. Pflegel, U. Lindequist, Die wundersame Natur des Grapefruitkernextrakts. Institut für Pharmazie Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald. In: Pharmazeutische Zeitung, 06/1999
  2. Kantonales Laboratorium Basel: Kosmetika und Grapefruitkern-Extrakte / Quaternäre Ammoniumverbindungen. Bericht 46/2004.
  3. M. Gloor, K. Thoma, J. Fluhr: Dermatologische Externatherapie. Berlin: Springer-Verlag, 2000
  4. Eberhard Heymann, Haut, Haar und Kosmetik. Verlag Hans Huber 2003
  5. Dr. Hans Lautenschläger: Mindesthaltbarkeit und Konservierung. Beauty Forum 2004 (6), 68–69
  6. Dr. F. Ibarra: Konservierungsmittelfreie Konzepte für die Natur-Kosmetik. Natürliche Rohstoffe für natürliche Produkte. In: B. Ziolkowsky (Hrsg.): Kosmetikjahrbuch 2007. Augsburg: Verlag für chemische Industrie 2007
  7. Ulrike Alberg: Wasserhaltige Hydrophile Salbe DAB mit suspendiertem Hydrocortisonacetat – Einfluss von Ethanol auf die Mikrostruktur der Creme, Arzneistofffreigabe und Arzneistoffpermeation durch humanes Stratum corneum. Dissertation, Universität Braunschweig, 1998