
Selbst gerührte Kosmetika ist »Frische-Kosmetik«. Gerade die natürlichen Ingredienzen und der bewusste Verzicht auf Füllstoffe und starke Konservierungsmittel macht ihren besonderen Wert aus. Dennoch ist es für viele Menschen wenig praktikabel, die eigene Kosmetik alle Tage frisch anzurühren oder sich den Cremetopf jeden Abend aus dem Kühlschrank zu holen. Auch im Bereich der Natur-Kosmetik gibt es Methoden, selbst hergestellte Produkte für einen gewissen Zeitraum zu konservieren: 4–12 Wochen Haltbarkeit sind mit hautverträglichen Methoden zu erzielen, ohne dass der Cremetopf im Kühlschrank stehen muss. Dennoch empfehle ich Ihnen, selbstgerührte Kosmetik als »Frische-Kosmetik« wahrzunehmen und Ihre Ansprüche hinsichtlich wochenlanger Aufenthalte Ihrer Cremetöpfe in warmen, feuchten Bädern kritisch zu hinterfragen.
Warum sind Mikroorganismen in Kosmetika überhaupt gefährlich?
Zuviel Hygiene ist nach neuesten Erkenntnissen doch eher kontraproduktiv – oder?
Fakt ist: wir haben körpereigene Mikroorganismen auf der Haut, z. B. Staphylococcus
epidermidis, Micrococcus luteus und andere Bakterien, die
die so genannte residente Flora bilden. Manche dieser Mikroorganismen
produzieren Stoffwechselprodukte, die das Wachstum anderer vorhandener
Bakterien und Pilze hemmen. Kurz: eine gesunde Haut zeichnet sich durch
ein sinnvolles Zusammenspiel einer aus wenigen Arten bestehenden, symbiotischen
Population an hauteigenen Mikroorganismen aus, die sich gegenseitig begrenzen
und verhindern, dass sich Fremdkeime ausbreiten. Unsere Haut ist alles
andere als steril, das ist korrekt.
Auch Kosmetika sind nicht keimfrei, unsere selbstgerührte
schon gar nicht. Es ist jedoch unabdingbar, die Anzahl dieser Fremdkeime
möglichst gering zu halten. Mit einer begrenzten Menge kann unsere
hauteigene Keimbesiedlung durchaus umgehen und Fremdkeime eliminieren.
Gefährlich wird es, wenn die Anzahl der Fremdkeime Überhand
nimmt und durch ihre Stoffwechselprodukte sensible Prozesse unserer körpereigenen
Mikroorganismen aus dem Gleichgewicht bringen. Meiner Wahrnehmung nach
haben ein Großteil der Hautirritationen, die von Selbstrührern
auf Wirkstoffe zurückgeführt werden, ihren Ursprung in nicht
sorgfältig genug hergestellten, unzureichend konservierten oder
zu lange aufbewahrten kosmetischen Produkten. Die Hautreaktionen können
vielfältig sein: Unreinheiten und Unterlagerungen treten auf, die
Haut wirkt gereizt, beginnt zu spannen, schuppt, zeigt Rötungen.
Schnell wird der Verursacher in einem Rohstoff vermutet, die Rezeptur
entsprechend geändert, neu gerührt, und alles scheint in Ordnung – bis
nach 2–3 Wochen das Spiel von vorne beginnt und die gleichen Symptome
auftreten.
Fakt ist: eine Emulsion kann bereits eine für unsere Haut kritische Verkeimung aufweisen, ohne dass wir es ihr ansehen oder es am Geruch feststellen. Es ist sogar möglich, dass diese Emulsion von anderen problemlos vertragen wird, auf unsere Haut jedoch irritativ wirkt, weil sie reaktiver ist als normale Haut. Vor allem Spaltprodukte (durch Zersetzung von Inhaltsstoffen in der Rezeptur) und Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen wirken hautreizend und zelltoxisch. Niemand wird bewusst eine keimbelastete Creme verwenden, aber ich erlebe in Gesprächen durchgehend eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit den eigenen Produkten; solange nichts Ungewöhnliches sicht- oder riechbar ist, wird davon ausgegangen, dass die Emulsion »in Ordnung« ist – und das kann ein Irrtum mit unangenehmen gesundheitlichen Folgen sein. Die Angaben in diversen Internetforen und auf privaten Webseiten, wie lange eine nicht konservierte Creme ungekühlt einwandfrei bleibt, variieren zwischen 5 Tagen und vier Wochen. Unkonserviert verwende ich keine Emulsion länger als 7 Tage, und zwar auch nur dann, wenn sie im Kühlschrank steht. Jede Veränderung der Emulsionen – Verflüssigung, Schaumbildung, Farbveränderungen, sichtbare Punkte usw. sind so gut wie sicher Hinweise darauf, dass in dem Produkt Abbau- und Stoffwechselprozesse von Mikroorganismen abgelaufen sind (und zwar schon einige Zeit). In diesem Falle sollten Sie keine Kompromisse eingehen: weg damit!
Wasserhaltige Emulsionen sind grundsätzlich mikrobiell nicht stabil und bieten einen idealen Nährboden für Bakterien, Pilze und Hefen; ungesättigte Fette können vor allem oxidieren; durch eventuell vorhandene geringe Restfeuchte sind jedoch auch Pflanzenbuttern potentiell von Schimmel und Hefen betroffen.
Erlauben Sie mir eine Bemerkung zu den bei Selbstrührern so beliebten,
weil völlig natürlichen Pflanzengelen (aus selbst pürierten
Aloe-Pflanzen, Eibischwurzeln, Quitten- oder Leinsamen usw.) und Teeaufgüssen
(Infus) aus eigener Produktion: sie sind als Rohstoffe für kosmetische
Produkte mit verlängerter Anwendungsdauer nicht geeignet,
auch wenn selbst in Selbstrührer-Büchern neueren Datums (leider)
und in Internetforen solcher Unsinn steht. Winzige Schwebstoffe fördern
schnelle Verkeimung, die per se höhere Grundkontamination lässt
selbst Konservierer nach kurzer Zeit an ihre Grenzen stoßen.
Mein dringender Rat: verwenden Sie diese Zubereitungen ausschließlich
frisch. In Frische-Kosmetik für den sofortigen Gebrauch sind
sie hervorragend geeignet, und genau so werden diese pflanzlichen Präparate
seit Jahrhunderten eingesetzt: frisch hergestellt, frisch verbraucht – etwas,
das »moderne Kräuterhexen« gerne vergessen. Auch Frischmilch
sollte nur als Zutat zu frisch angerührter Kosmetik für den
sofortigen Gebrauch verwendet werden, da die vorhandenen Mikroorganismen,
Proteine usw. zu einer extrem schnellen Zersetzung mit Spalt- und Stoffwechselprodukten
führen. Hydrolate hingegen eignen sich durch ihre Herstellung hervorragend
als Wasserphase, hier sollte im Zweifelsfall kurzes Aufkochen reichen. Hydrolate
hervorragender Qualität, penibel sauber hergestellt und abgefüllt,
sind an sich steril.
Wer pflanzliche Wirkstoffe und Milchproteine in Kosmetika für
den längeren Gebrauch einsetzen möchte, sollte im Interesse
seiner Haut auf kosmetische Alternativen zurückgreifen: Aloe-Vera-
oder Milchpulver sind zwar industriell aufbereitet, jedoch mikrobiell
geprüft; Tinkturen und Öle bieten per se keine Angriffsfläche
für Mikroben.
Jede Konservierung bedeutet einen Kompromiss zwischen dem Wunsch nach naturbelassener Kosmetik und dem Schutz unserer Haut vor schädlichen Stoffwechsel-Produkten von Mikroorganismen, die ihr nicht minder schaden können wie manche Konservierungsmittel. Ich habe in der Rubrik »Rohstoffe« eine Auswahl an Konservierungs-Alternativen zusammen gestellt, die ich persönlich als akzeptable Alternative ansehe. Weingeist (Alkohol), Kaliumsorbat und Rokonsal™ BSB-N gehören zu den »membranaktiven Konservierern«, die durch die Cytoplasma-Membrane der Mikroorganismen aufgenommen werden, deren Proteinproduktion stören und die Synthese wichtiger Enzyme hemmen. Lesen Sie dort exakte Details zur Wirkungsweise, Verarbeitung und zur Einsatzkonzentration der Konservierer. Wichtig ist sich zu verdeutlichen, dass die hautfreundlichen Einsatzkonzentrationen unserer Konservierer, so wie der Hersteller sie empfiehlt, auf die extrem saubere Produktionspraxis in der Industrie ausgerichtet sind. In der heimischen Küche können wir diesen Standard nicht erreichen. Um so wichtiger ist, die Grundkontamination (das bedeutet: die mikrobielle Besiedlung, die ein Rohstoff und Produkt nach Herstellung hat – danach setzt die Vermehrung der Mikroorganismen und eine wachsende Verkeimung ein) eines selbst hergestellten Kosmetikums so gering wie möglich zu halten, um für 4–8 Wochen ein zuverlässig (sowie möglichst niedrig) konserviertes, hautgesundes Produkt verwenden zu können. Eine geringe Besiedlungsdichte ist Voraussetzung dafür, dass ein Konservierungsstoff überhaupt zuverlässig wirken und vorhandene Keime abtöten kann. Ist diese Besiedlungsdichte von Beginn an zu hoch, hilft auch ein korrekt dosierter Konservierer nicht mehr, weil Keime überleben und sich zu vermehren beginnen.
Hier besteht oft eine grundsätzlich falsche Vorstellung bei Selbstrührern: »Unsere Produkte müssen ja nicht 30 Monate haltbar sein, sondern nur 4 Wochen, da reicht's ja« denken so manche – ein fataler Irrtum. Zuverlässige Konservierung bedeutet, dass ein Konservierer die mikrobielle Besiedlung (die Grundkontamination) eines Kosmetikums abtötet, so dass keine Vermehrung stattfinden kann. Industrielle Kosmetikhersteller arbeiten mit einer zusätzlichen Konservierungsreserve: das Konservierungsmittel wird so hoch dosiert, dass auch neu eingebrachte Keime (z. B. durch Produktentnahme mit den Fingern) abgetötet werden können. Wir dosieren nach Herstellerangaben entsprechend, haben aber naturgemäß Produkte mit einer bereits deutlich höheren Grundkontamination. Konkret bedeutet dies: unseren Emulsionen fehlt die Konservierungsreserve, und dies kann dazu führen, dass sie bereits nach 2 Wochen (!) eine kritische Besiedlungsdichte aufweisen, die zu negativen Hautreaktionen führen kann – noch bevor sie optisch, geruchlich oder in der Konsistenz verändert ist. Lesen Sie in einschlägigen Foren: es ist erschreckend, wie viele Selbstrührer die Herstellung von Gesichtspflegeprodukten aufgegeben haben, weil ihre Haut diese nicht verträgt. Nun kennen sie den Grund.
Daher rate ich Ihnen dringend: arbeiten Sie extrem sauber, sehen Sie das Selbstrühren als professionelles Handwerk. Es lohnt sich; unsere Produkte können qualitativ mit jedem industriellen Produkt konkurrieren. Es liegt einzig und allein an Ihnen.
Neben den oben genannten naturkosmetischen Konservierern gibt es verschiedene Substanzen, die ebenfalls eine konservierende oder keimtötende Wirkung zeigen, z. B. bestimmte ätherische Öle, Harnstoff, Sorbit, Glycerin und andere (z. B. antioxidativ wirkende) Stoffe. Das Problem ist, dass die erforderliche minimale Hemmkonzentration, um eine Wirkung zu erzielen, so hoch ist, dass sie oft nicht mehr im kosmetisch sinnvollen Rahmen liegt, weil zugleich andere, unerwünschte Wirkungen auftreten. Sie können gewisse ko-konservierende Eigenschaften mitbringen, die wir jedoch leider nicht exakt bestimmen können. Dennoch unterstützen Glycerin, ätherische Öle, manche Extrakte (z. B. Bartflechtenextrakt), Hydrolate (z. B. Rosenhydrolat) oder Tinkturen (z. B. Benzoetinktur) die mikrobielle Stabilität und können die Gesamtwirkung der enthaltenen Konservierer optimieren. Es spricht nichts dagegen, sie zusätzlich einzusetzen – alleine auf sie verlassen sollten sich Selbstrührer nicht.
In den letzten Monaten habe ich ein Haushaltsgerät ausprobiert und seine Effektivität schätzen gelernt: den Dampfdrucktopf. Im Dampfdrucktopf können Sie Bechergläser, Glasstäbe, Spenderflaschen und Cremedosen aus Porzellan oder Glas annähernd sterilisieren: 20 Minuten bei 2 bar töten Mikroben und Sporen weitgehend ab. Auch Gele auf Cellulose-Derivat-Basis oder Hyaluronsäure-Gele lassen sich im Dampfdrucktopf »autoklavieren« und annähernd keimfrei herstellen. Nutzen Sie dieses wertvolle Hilfsmittel – vor allem für hypersensible und neurodermitische Haut sind diese keimarmen Wasserphasen eine Wohltat. Mittlerweile hat sich die Methode des Autoklavierens im Dampfdrucktopf bei vielen Selbstrührern etabliert und wird auch auf anderen Selbstrührer-Webseiten empfohlen.
Ein Produkt wird nach wie vor auf Internetseiten und in Online-Shops
als natürliche Konservierungs-Alternative vorgestellt und ist Thema
diverser populärwissenschaftlicher Buchpublikationen: Grapefruitkernextrakt
(GKE). Grapefruitkernextrakt wird aus Pressrückständen der
Saftproduktion (Fruchtfleisch und Kernen) in einem Walz- und Mahlverfahren
unter Einsatz von Glycerin als Auszugsmittel erzeugt; fertige Produkte
bestehen aus ca. 33 % V/V (Volume to Volume, Volumenanteil)
Grapefruitkernextrakt und 67 % Glycerin; der prozentuale Reinanteil
des Extrakts beträgt daher real ca. 20 %.
Die Wirkungsversprechen sind hoch: neben angeblich antibiotischen Eigenschaften
soll GKE Wirksamkeit gegen 800 verschiedene Bakterien- und Virusstämme
sowie gegen 100 Pilzstämme aufweisen – ohne toxische,
irritative oder allergene Nebenwirkungen zu zeigen. In wissenschaftlicher
Literatur fehlen jedoch entsprechende Nachweise bis auf wenige Ausnahmen,
bei denen sich jedoch herausstellte, dass die beschriebene Wirkung Folge
eines Zusatzes an Methylparabenen, Triclosan oder Benzethoniumchlorid
war.
Eine Studie¹ im Rahmen einer Diplomarbeit testete 1999 daher handelsübliche
Grapefruitkernextrakte auf ihre inhaltliche Zusammensetzung und Wirksamkeit – mit
dem Ergebnis, dass alle 5 Produkte, die eine gewisse antimikrobielle
Wirkung zeigten, Benzethoniumchlorid sowie z. T. auch Triclosan
und Methylparaben enthielten, die Lösung auf Basis reinem GKE (Produkt CitroBiotic,
Sanitas GmbH Steinheim) jedoch völlig wirkungslos blieb, ebenso
wie ein aus Vergleichsgründen im Rahmen der Studie selbst hergestellter
Extrakt. Die Tatsache, dass die meisten Produkte die gleichen Konservierungsstoffe
enthielten, wurde auf ihre Herstellung aus der gleichen Stammlösung
aus USA zurückgeführt. Umstrittene Konservierungsmittel enthielten
zum Zeitpunkt der Studie (1999) die Produkte Citricidal und NutriBiotic (Sanitas
GmbH, Steinheim), Grapefruit Kern Extrakt (Bergland-Pharma,
Heimertingen), Grapefruitkern Extrakt (Tierra Verde, Reutlingen)
und Grapefruit-Samen-Extrakt (GSE-Vertrieb, Saarbrücken).
2004 untersuchte das Kantonale Laboratorium Basel/Schweiz² Proben
eines Kosmetikums und zweier GKE; die untersuchte Lotion wies 0,2 %
des nicht zugelassenen Benzethoniumchlorid auf, das nachweislich aus
dem zur Konservierung verwendeten GKE stammte.
Überraschung bot die 2. GKE-Probe: statt der üblichen
Konservierer wurden 0,25 % Didecyldimoniumchlorid, ein zur Schwimmbad-Desinfizierung
und zur Holzkonservierung eingesetzten Biozids nachgewiesen. Bis heute
finden sich immer wieder nicht entsprechend deklarierte Produkte mit
diesem Desinfektionsmittel auf dem Markt; sie stammen offensichtlich
vor allem aus den USA.
Immer wieder tauchen auf dem Markt vereinzelt Kosmetika auf, die angeblich
mit wirksamem natürlichen GKE konserviert seien; bei näherer
Untersuchung handelt es sich um kosmetische Formulierungen, die (neben
entsprechend steriler Produktionsweise) durch die Gesamtkomposition und
Synergie verschiedener Substanzen (z. B. ätherische Öle,
Vitamine, mehrwertige Alkohole und Antioxidantien) konserviert werden.
Fazit: was immer Grapefruitkernextrakt auch für Vorteile haben mag,
konservierende Wirkungen weist er nur dann auf, wenn höchst umstrittende
Konservierungsstoffe enthalten sind – und zu denen haben
wir verträglichere Alternativen. Reiner GKE ist konservierungstechnisch
wirkungslos, auch wenn Ihnen gegenüber beratungsresistente Shopinhaber
das Gegenteil behaupten. Entlarvend sind in diesem Kontext Hinweise, man möge
die Produkte doch lieber im Kühlschrank aufbewahren und sie portionsweise
verbrauchen, da es sich ja nicht um einen 100 % sicheren chemischen Konservierer
handle oder der Hinweis, man verwende ihn gerne »in Kombination«
mit Kaliumsorbat« oder einem anderen Konservierungsmittel. Dass in den gleichen
Shops umstrittene Parabene angeboten werden (siehe nächstes Kapitel),
macht die Bewerbung von Grapefruitkernextrakt als favorisierte »natürliche« Konservierung
als Abgrenzung zu den unerwünschten »chemischen« um
so unglaubwürdiger, sind sie doch das kritischste für Selbstrührer
angebotene konservierende Produkt. Auch Kaliumsorbat und Rokonsal™ BSB-N werden
heute synthetisch (sprich: chemisch) hergestellt, weil eine Herstellung
aus natürlichen Substanzen die Stoffe extrem verteuern würden.
Die Hobbythek® hat ein Gemisch aus Parabenen als Lösung im
Angebot, Paraben K aus Estern der Para-Hydroxy-Benzoesäure
(4-Hydroxy-benzoesäure), exakt Methylester und Propylester. Sie
sind im schwach sauren bis neutralen Bereich am wirksamsten und dürfen
als Gemisch in Kosmetika bis zu 0,8 % eingesetzt werden, Monosubstanzen
bis zu 0,4 %. Da ihre Wasserlöslichkeit schlecht ist, werden
sie oft als Lösung angeboten; Paraben K verwendet dazu
den leicht mandelartig riechenden Benzylalkohol. Ihre Verwendung in Natur-Kosmetik
ist umstritten, obwohl Methyl- und Propylester als gesundheitlich unbedenklich
gelten, für Lebens- und Arzneimittel zugelassen und gut erforscht
sind.
2004 gerieten Parabene durch Ergebnisse einer Studie (veröffentlicht
in: Journal of Applied Toxicology, 2004; 24: 5–13) über
parabenhaltige Deodorantien in Verbindung mit Brustkrebs in die Schlagzeilen.
Bis heute sind ursächliche Zusammenhänge zwischen der Verwendung
parabenhaltiger Produkte und möglicher östrogener und karzinogener
Wirkungen von Parabenen nicht eindeutig geklärt; das Bundesinstitut
für Risikobewertung (BfR) kommt in einer
Stellungsnahme
von Februar 2004 zu dem Schluss: »Allein aufgrund
der Tatsache, dass Parabene in Tumorgewebe von Brustkrebskranken enthalten
sein könnten, lässt sich nach Meinung des Institutes noch kein
ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Stoffen und der Entstehung
von Brustkrebs herstellen.« Tatsächlich ergeben sich
bei näherer Betrachtung der Studie Faktoren, die mindestens ebenso
in den Fokus genommen werden müssen, beispielsweise andere gentoxische
Substanzen wie Aluminium und Zirkoniumsalze oder kritische Substanzen
wie Phtalate, die ebenfalls Verwendung in Deodorantien finden. Das Bayerisches
Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fasst
wesentliche Aspekte der Diskussion um die Ergebnisse der umstrittenen Studie zusammen.
Auf Grund der bis heute publizierten, sehr kritischen Stimmen und ungeklärten
Aspekte habe ich für mich die Entscheidung getroffen, keine Parabene zu verwenden.
Die östrogenen Wirkungen werden aktuell durch die alltägliche
Präsenz dieser Substanzen sehr kritisch diskutiert. Im Zweifelsfalle sind Parabene
jedoch aktut weniger gefährlich als eine verkeimte Creme.
Treffen Sie Ihre persönliche Entscheidung.
Neben den oben genannten empfehlenswerten und bewährten Konservierern bleibt noch eine sehr konsequente, aber sicher nicht die schlechteste Lösung: Emulsionen portionieren, in Kleinmengen einfrieren, im Kühlschrank (!) aufbewahren, nur mit Spatel entnehmen und binnen 7 Tagen aufbrauchen. Es bewährt sich, jedes Produkt mit einem kleinen Etikett des Herstellungsdatums oder des errechneten Mindesthaltbarkeits-Datums zu kennzeichnen, um die begrenzte Haltbarkeit im Blick zu haben. Vor allem aber gilt: extrem sauber arbeiten!