Sucro-Gel als Emulsionsbasis

Eine wundervolle und einfache Möglichkeit (nicht nur für Rühreinsteiger), die eigene Naturkosmetik herzustellen, ist die Verwendung meines 2009 entwickelten und in der Rührküche vorgestellten Sucro-Gels, das Sie ganz einfach selbst herstellen können. Surcrogel ist eine selbstemulgierende Emulsionsbasis aus Glycerin, Öl, Sucrosestearat und Wasser (oder, noch angenehmer, einem duftenden Hydrolat), die kalt und heiß weiterverarbeitet werden kann.

Einmal hergestellt ist diese Mischung ohne weitere Konservierungsstoffe über Wochen stabil und dient zur Produktion von Reinigungsgel oder -milch, leichten Gesichtsfluids, Lotionen und, in Kombination mit Fettalkoholen, Pflanzenbuttern und Wachsen, zur Herstellung viskoser Cremes. Mit diesem Gel und wenigen weiteren Zutaten können Sie in kurzer Zeit eine ganze Palette an schönen, pflegenden Naturkosmetik-Produkten herstellen. Auch nach dem Abkühlen der Emulsion lässt sich noch Wasser oder Öl einarbeiten und stabil emulgieren – Sucrogel ist eine unkomplizierte und vielseitige Emulgatorbasis.

Zu dieser »Erfindung« inspiriert hat mich ein Kaufprodukt, das statt mit Sucrosestearat mit Sucroselaurat arbeitet und dessen exakte Zusammensetzung wir natürlich nicht kennen. Unabhängig davon: Mein Sucro-Gel funktioniert hervorragend und ist, weil Sucrosestearat auf längeren Fettsäureketten basiert, lipophiler und milder als das originale Produkt. Diese Rezeptur finden Sie auch in meinem Buch Naturkosmetik selber machen.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie das Sucro-Gel herstellen, verarbeiten, aufbewahren und ergänze eine kleine Auswahl an möglichen Einsteiger-Rezepten, die alle auf Sucro-Gel basieren.

Herstellung des Sucro-Gels

Folgende Ingredienzen benötigen Sie für 50 g Sucro-Gel (prozentuale Anteile sind ergänzt, so dass Sie sich beliebige Mengen herstellen können):

Grundrezeptur Sucrogel mit 99%igem Glycerin

  • 25,0 g Glycerin (dies entspricht ca 50 % reinem Glycerin im Gel)
  • 15,0 g Pflanzenöl (dies entspricht 30 %)
  • 5,0 g Sucrosestearat (dies entspricht 10 %)
  • 5,0 g Hydrolat oder Wasser (dies entspricht 10 %)

Alternativ, wenn Sie »nur« normales Glycerin (86,5 %) zuhause haben, mischen Sie das Sucro-Gel wie folgt (da das Glycerin bereits 13,5 % Wasser enthält, berücksichtigen wir dies bei der Konzeption):

Grundrezeptur Sucrogel mit 86,5%igem Glycerin

  • 29,0 g Glycerin (dies entspricht ca. 50 % reinem Glycerin im Gel und 8,0 % Wasser)
  • 15,0 g Pflanzenöl (dies entspricht 30 %)
  • 5,0 g Sucrosestearat (dies entspricht 10 %)
  • 1,0 g Hydrolat oder Wasser (dies entspricht 2 %)

Es ist nicht tragisch, wenn es zu geringen Abweichungen kommt. Orientieren Sie sich an ungefähren Einsatzkonzentrationen des Glycerins zwischen 50–55 %, des Öls zwischen 25–30 %; das Sucrosestearat sollte 10 % nicht überschreiten (das Gel wird ansonsten sehr fest), der Wassergehalt ebenfalls nicht 10 % (aus Gründen der mikrobiellen Stabilität). Als Ölkomponenten eignen sich stabile Öle: Jojobaöl, Meadowfoamöl, Squalan, Neutralöl, aber auch Öle aus der Ölgruppe B-1. Noch schöner als sorgfältig (mehrere Minuten im offenen Topf) abgekochtes, weiches Wasser sind Hydrolate, da sie dem Gel einen wunderbaren Duft verleihen und die angenehme Optik des Gels unterstützen. Diese sollten frisch und einwandfrei sein.

Die Herstellung des Sucro-Gels ist einfach (die ordnungsgemäße Vorbereitung des Arbeitsplatzes inklusive der Desinfektion von Arbeitsplatz und Rührutensilien setze ich als gegeben voraus!):

  1. Glycerin und Wasser in einem Becherglas weitgehend homogen verrühren, Sucrosestearat hinzufügen, verrühren und die Mischung anschließend auf dem Herd (eventuell im Wasserbad) auf ca. 70–80 °C erhitzen, bis das Sucrosestearat ganz aufgeschmolzen ist. Die Masse muss homogen sein (Sie können das Becherglas vom Herd nehmen und vor Ölzugabe mit Knethaken oder Flügelrührer sanft nachhelfen).
  2. Das gleich auf 70–80 °C temperierte Öl langsam zu dieser Mischung geben und sanft dispergieren, bis sich ein milchiges Cremegel bildet (Knethaken oder Flügelrührer bei niedrigen U/min. sind gut geeignet; keinen Stabmixer oder Milchschäumer verwenden).
  3. Das fertige Sucro-Gel in ein desinfiziertes Töpfchen füllen (Deckel ebenfalls desinfizieren) und mit Bezeichnung und Herstellungsdatum beschriften.

Die selbstkonservierende Wirkung ergibt sich durch den hohen Anteil an Öl und Glycerin und der niedrigen Wasserphase. Das originale Produkt, das mir als Inspiration diente, basiert auf Sucroselaurat, das für seine konservierenden Eigenschaften bekannt ist, doch auch unser Stearat ist nicht anfällig für mikrobielle Kontamination. Ich empfehle Ihnen dennoch, das Sucro-Gel im Kühlschrank aufzubewahren, da wir bei der Heimherstellung nie den Grad der Keimfreiheit erreichen wie in industrieller Produktion. Sie können, gekühlt und gut verschlossen, von einer Haltbarkeit von mindestens 3 Monaten ausgehen, wenn Sie sauber gearbeitet haben.

Rezepturen mit Sucro-Gel

Die Verarbeitung des Sucro-Gels ist im Folgenden annähernd identisch:

  1. Geben Sie die gewünschte Menge Sucro-Gel in ein Becherglas und fügen Sie langsam, tropfenweise, die Fettphase hinzu. Die Verarbeitung kann kalt erfolgen (wenn sie nur flüssige Öle verarbeiten) oder bei ca. 70–80 °C (wenn die Fettphase Buttern, Wachse, Unverseifbares usw. umfasst, die aufgeschmolzen verarbeitet werden). Dispergieren Sie die Komponenten gut. Fettphase und Sucrogel sollten idealerweise beide die gleiche Temperatur (kalt oder erhitzt) aufweisen.
  2. Nun wird die mit ca. 0,2–0,5 % Gelbildner angedickte Wasserphase ergänzt: geben Sie diese in kleinen Schlucken zur Sucro-Gel-Fettphase und arbeiten Sie diese jeweils gut ein. Emulgieren Sie anschließend ca. 2 Minuten hochtourig. Bei heißer Verarbeitung und hitzeempfindlichen Zutaten werden diese (eventuell in einem kleinen Teil der Wasserphase gelöst) bei Handwärme zugegeben.
  3. Ergänzen Sie die Konservierung (auf Wunsch eine Beduftung) und stellen Sie den pH-Wert auf ca. 5–5,5 ein.

Milde Reinigungslotion (ca. 22,5 % Fettphase)

Diese Formulierung ergibt ein sanft reinigende Lotion mit einer geringen Menge an Sucrose Cocoate (Sanfteen) als rückfettendes Emollient. Für 100 g benötigen Sie:

  • 20,0 g Sucro-Gel
  • 15,0 g Mandelöl (oder ein anderes Öl nach Wunsch)
  • 60,0 g Wasser oder Hydrolat
  • 0,2 g Xanthan
  • 3,0 g Kaolin
  • 0,8 g Sanfteen
  • 1 g Rokonsal™ BSB-N

Herstellung: Sucro-Gel in ein Becherglas geben, Öle nach und nach hinzufügen und gut einarbeiten. Xanthan in Wasser auflösen, Sanfteen einrühren, Kaolin ergänzen und gut dispergieren. Wasser-Sanfteen-Kaolin-Mischung langsam unter Rühren zur Sucro-Gel-Öl-Mischung geben und 2 Minuten moderat dispergieren. Langsam bis auf Handwärme rühren, Konservierung und eventuell ätherische Öle ergänzen.

Feuchtigkeitsgel (27 % Fettphase)

Dieses leichte Cremegel ist eine feuchtigkeitsspendende Pflege und eignet sich je nach Ölmischung für verschiedene Hauttypen. Für 40 g (passend für einen 30 ml-Pumpspender) benötigen Sie:

  • 4,0 g Sucro-Gel
  • 7,5 Öle nach Wunsch
  • 2,0 g Pflanzenbutter
  • 26 g Wasser oder Hydrolat
  • 0,1 g Xanthan (oder einen anderen Gelbildner)
  • 0,4 g Rokonsal™ BSB-N

Herstellung: Sucro-Gel in ein Becherglas geben, geschmolzene Lipide nach und nach hinzufügen und gut einarbeiten. Xanthan in frisch aufgekochtes Wasser einrühren, Wasser-Xanthan-Gel langsam unter Rühren zur Sucro-Gel-Öl-Mischung geben und 2 Minuten moderat dispergieren. Langsam bis auf Handwärme rühren, Konservierung und eventuell ätherische Öle ergänzen.

Fresh Body Scrub Gel

Vrana aus der Rührküche hatte eine wundervolle Idee und kreierte ein Basisrezept für ein Peeling-Gel. Unter der Dusche emulgiert es weiß auf und hinterlässt ein weiches, gepflegtes Hautgefühl. Das folgende Rezept lehnt sich an ihre Variante an; für 50 gr Body Scrub benötigen Sie ungefähr:

  • 10,0 g Sucro-Gel
  • 20,0 g Öle nach Wunsch
  • 20,0 g Meersalz (fein oder mittel, eventuell auch mehr))
  • 10–20 Tropfen ätherische Öle: Orange, Minze, Sandelholz
  • Sanddornfruchtfleischöl zum Färben (1–2 Tropfen pro 10 g Scrub Gel)

Herstellung (Zimmertemperatur): Sucro-Gel in ein Becherglas geben, Öle langsam nach und nach hinzufügen und jeweils gut einarbeiten. Meersalz hinzufügen, ätherische Öle ergänzen und auf Wunsch mit Sanddornfruchtfleischöl oder Lebensmittelfarbe einfärben. Das obige Rezept habe ich mit ein wenig Physalis-Glycerit ergänzt. Sie können auch mehr Salz verwenden, so wie Sie es als angenehm empfinden. Je mehr Salz, desto rauher wird der Scrub; bei sensibler Haut würde ich die Menge nicht wesentlich erhöhen.