Tipps und Tricks aus der Praxis

Lysogel: Emulsionen stabilisieren

Manchmal sind es kleine Dinge, die unseren Rühralltag vereinfachen. In diesem Sinne habe ich Lysogel »entwickelt«, ein Compound, mit dem Sie leichte Cremegele erzeugen und Ihre Lotionen haptisch und hinsichtlich ihrer Stabilität optimieren können.

Lysogel basiert auf einem enzymatisch veränderten und dadurch stark hydrophilen Lecithin und einem Gelbildner. Ich habe mich für Xanthan transparent entschieden; durch bekannte Synergieeffekte sollten Mischungen, z. B. aus Xanthan mit Konjac Mannan oder einer Hydroxyethylcellulose wie Natrosol™ 250 HX noch stabiler sein.

Lysogel ermöglicht es, Lotionen und Fluids zu stabilisieren, ihre Haptik zu verbessern (man spricht gerne von phospholipid touch, um das weiche, nicht fettende Auftragsverhalten lecithinbasierter Emulsionen zu beschreiben) und macht das Abwiegen einfacher: Einmal angerührt lässt sich Lysogel problemlos mit einem Spatel dosieren, vor allem, wenn man es im Kühlschrank aufbewahrt, was sich wegen des Lecithins empfiehlt.

Die Basisrezeptur von Lysogel ist absolut simpel:

  • 38,5 g Lysolecithin, flüssig (77 %)
  • 11,5 g Xanthan transparent (23 %)

Für eine Testcharge des Compounds (10 g Lysogel, Feinwaage erforderlich) verrühren Sie 7,7 g Lysolecithin und 2,3 g Xanthan. Ergebnis ist eine viskose Paste, die sich gut mit Spatel entnehmen und dosieren lässt. Ich bewahre sie im Kühlschrank auf. Die Haltbarkeit wird sich an der der Ausgangsmaterialien orientieren und sollte ca. 1 Jahr betragen.

4%ig dosiert haben wir in 100 g Emulsion demnach ca. 3 % Lysolecithin und 1 % Xanthan. Interessanterweise wirkt Lysolecithin in dieser Mischung nicht nur viskositätsmindernd (was ich erwartet hatte), sondern zudem konsistenzverändernd: Die innerhalb der 4-wöchigen Testphase bei Zimmertemperatur gelagerte und absolut stabile Emulsion erinnert an Milch. Sie weist keinerlei gelartigen Charakter auf, und dies erstaunt angesichts der 1 % Xanthan. Es ist die spezifische Kombination aus beiden Komponenten. Ich habe in den letzten 4 Wochen verschiedene Einsatzbereiche getestet: Die ultraleichte Emulsion ergibt eine hervorragende Basis für hydratisierende, leichte Gesichts- und Augenfluids, Haarspitzenfluids sowie für sprühbare Körper- oder Haarmilch. Ich empfehle Ihnen eine Dosierung von 4 % als alleiniger Emulgator und 2–3 % als Koemulgator und Stabilisator in Lotionen. Die Emulsion im Film und auf dem Foto ist übrigens im Kaltverfahren hergestellt, das heißt, ohne Erhitzen.

Um Ihnen diese Konsistenz zu zeigen, habe ich ein kleines Video aufgenommen:

Andere Fluidlecithine (Fluidlecithin CM, Sojalecithin flüssig), so vermute ich, werden nicht das gleiche Ergebnis erzeugen: Die spezifische Emulsionsstruktur, die der Molekülaufbau von Lysolecithin forciert, ist grundlegend für diese milchartige Konsistenz und den Verlust des Gelcharakters von Xanthan.

Als ich das Compound gerührt hatte, suchte ich nach einem griffigen Namen und hatte spontan den Begriff »Lecigel« vor Augen. Um mich rechtlich abzusichern, googelte ich nach ihm, um zu prüfen, ob er bereits registriert ist – ich möchte keine Urheberrechte verletzen. Tja, was soll ich sagen: Es gibt ein Handelsprodukt, das exakt dieses Prinzip aufgreift, nämlich die Kombination eines Lysolecithins mit einem Gelbildner, in diesem Fall Sodium Acrylates Copolymer, einem anionischen Gelbildner. Xanthan ist übrigens auch anionisch – und mir persönlich sympathischer.

Mittlerweile haben viele meiner Leserinnen und Leser das Lysogel ausprobiert und schreiben mir ihren Eindruck. Kosmetisch scheint es voll zu überzeugen: Die Emulsionen bleiben stabil, ziehen schnell ein und spenden schnell Feuchtigkeit. Kein Wunder, gibt Lysolecithin bekanntermaßen bereitwillig Wasser frei.
Interessant ist das Phänomen, dass die meisten ein Cremegel erhalten und nicht die von mir beschriebene und filmisch dokumentierte Milch. Auch wenn die Rezepturen in der Regel verändert sind: Ich habe eindeutig mehr »Milch« erwartet.

Ich wollte es genauer wissen und startete neue Tests:

  1. Die erste Emulsion ist mit der von August identisch; ich habe sie mit dem seit Sommer im Kühlschrank lagernden Lysogel gerührt,
  2. Die zweite Emulsion basiert auf einem frisch hergestellten Lysogel.

Die Ergebnisse sehen Sie im folgenden Film, den ich bewusst mit einem ironischen Augenzwinkern gestaltet habe:

https://www.youtube.com/watch?v=Yw_BrCG5RAg

Fakt ist: Ich weiß bis heute nicht exakt, warum sich nicht immer die flüssige Milch reproduzieren lässt. Der Wirksamkeit des Compounds tut dies jedoch keinen Abbruch.