Alle Artikel in: Kosmetikrohstoffe

Wer fortan seine individuelle Naturkosmetik herstellen möchte, benötigt Grundlagenwissen über sinnvolle Kosmetikrohstoffe. In dieser Rubrik finden Sie sorgfältig recherchierte Portraits, die Ihnen einen Überblick über die jeweilige Wirkung, Verarbeitung und einen sinnvollen kosmetischen Einsatz naturkosmetischer Rohstoffe geben. Vertiefende Informationen und Tipps aus meiner persönlichen Rührpraxis finden Sie in meinem Buch »Naturkosmetische Rohstoffe«.

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Glycerin

Glycerin entsteht als Nebenprodukt der Oleochemie u. a. durch Spaltung von pflanzlichen oder tierischen Fetten in Glycerin und Fettsäuren (wie bei der Verseifung), wird heute jedoch verstärkt aus Propylen gewonnen, einem ungesättigten Kohlenwasserstoff, und in letzter Zeit vor allem als Nebenprodukt der Biodieselerzeugung. Chemisch gesehen ist es ein 3-wertiger Alkohol mit 3 OH-Gruppen mit dem Namen 1, 2, 3-Propantriol.

Glycerinstearat SE

Glycerinstearat SE ist ein rein kosmetisch eingesetzter, nichtionischer Emulgator auf pflanzlicher Basis, den wir als elfenbeinfarbenes grobes Pulver kaufen. Er wird jedoch, je nach Hersteller und Produkt, auch in Form kleiner Pellets angeboten. Der Zusatz SE in der Handelsbezeichnung bedeutet selbstemulgierend und charakterisiert die emulgierenden Fähigkeiten des Produkts, die chemisch durch einen Zusatz an Alkali- oder Kaliumstearat (je nach Hersteller) erzeugt werden.

Guarkernmehl

Guarkernmehl ist das zu Pulver vermahlene Endosperm (das den Keimling umgebende Nährgewebe) des Samens einer in Indien heimischen Leguminose (einer Hülsenfrucht), Cyamopsis tetragonolba. Die Pflanzen werden heute auch in Pakistan und in den USA angebaut. Wir kaufen Guarkernmehl als weißgelbliches Pulver. Es wird auch im Lebensmittelbereich als Stabilisator und Verdickungsmittel als Zusatzstoff E 412 eingesetzt. Durch sein hohes Molekulargewicht kann es nicht in die Haut eindringen; es ist daher ausgesprochen verträglich.

Harnstoff

Rein chemisch gesehen ist Harnstoff ein stickstoffhaltiges, hygroskopisches (wasseranziehendes) alkalisches Stoffwechselprodukt, das heute synthetisch hergestellt wird und einen pH-Wert von ca. 9 aufweist. Seine dermatologische Anwendung als wundheilende Substanz weist bis in vorchristliche Zeiten zurück und wurde im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts wieder populär. Seinen Durchbruch erlebte die Anwendung von Harnstoff als 10%ige Zubereitung in der Behandlung von Neurodermitis, Psoriasis und Ichthyosen in den 1970ern; so verdanken wir Prof. Wohlrab, Halle, viele aktuelle Erkenntnisse über seine Wirkungsweise.

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid und natürlicher Bestandteil u. a. der Dermis (Lederhaut). Sie wird heute biotechnologisch mit Hilfe von Bakterienkulturen erzeugt. Ihr Molekulargewicht liegt in der Regel ca. zwischen 20.000 Dalton und 1,5 MDa (1 Megadalton, MDa, entspricht 1.000.000 Dalton). Wir verwenden im Selbstrührerbereich in der Regel ein hochmolekulares Natriumsalz der Hyaluronsäure (Sodium Hyaluronate, CAS-Nummer 9067-32-7), reine Hyaluronsäure hat die CAS-Nummer 9004-61-9. In den letzten Jahren befinden sich auch niedermolekulare Handelsprodukte im Shopsortiment für Endkunden.

Hydriertes Lecithin

Hydriertes Lecithin zeichnet sich dadurch aus, dass seine ungesättigten Fettsäuren mit Wasserstoff gesättigt wurden, dadurch keine Doppelbindungen mehr aufweisen und eine festere Struktur und höhere oxidative Stabilität zeigen. Es fungiet als Emulgator und Koemulgator mit feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften und dienen daneben zum Benetzen von kosmetischen Pigmenten.

Hydrolate destillieren: Aus der Destille tropfendes Hydrolat

Hydrolate

Echte Hydrolate fallen bei der Wasserdampfdestillation von Pflanzen an und enthalten fett- und wasserlösliche Komponenten ätherischer Öle der Pflanze (ca. 0,5–3 %, essential oil und water oil) sowie weitere wasserlösliche Substanzen, allerdings nicht generell wasserlösliche, wie man oft liest, sondern nur die, die flüchtiger als Wasser sind (so werden z. B. wasserlösliche Gerbstoffe oder Vitamine nicht ins Destillat überführt, weil sie nicht flüchtig sind).

Imwitor® 375

Imwitor® 375 ist ein palmölfreier und für Lebensmittel zugelassener O/W-Emulgator und Koemulgator für unterschiedliche kosmetische Produkte, u. a. Gesichts- und Körperemulsionen, Haarshampoos und -conditoner, Badeöle und sprühbare Formulierungen. Er wird aus europäischem Sonnenblumenöl sowie Milch- und Zitronensäure pflanzlicher Herkunft in Deutschland hergestellt. Imwitor® 375 ist nicht pH-Wert-sensibel und arbeitet in einem pH-Wertbereich von 4–7; er stellt einen kosmetisch und ökologisch überzeugenden O/W-Emulgator mit einer ausgezeichneten Verträglichkeit (auch auf Schleimhäuten) und effektiver Emulgierfähigkeit bereits in geringen Dosierungen dar.

Japanwachs

Japanwachs, auch Sumachwachs oder Japantalg genannt, ist ein reines Pflanzenfett aus dem Mesocarp (dem Fruchtfleisch) der Früchte von Rhus succedanea, eines in Japan und China heimischen Baumes namens Hazenoki aus der Familie der Sumachgewächse (Anarchadiaceae). Im Westen kennen wir diesen Baum als Japanischen Talgsumach oder Japanischen Wachsbaum.

Kaliumsorbat

Kaliumsorbat ist das Kaliumsalz der Sorbinsäure und wird im Handel alternativ als reines, weißes Granulat und als flüssige Lösung 1:5 angeboten. Im Gegensatz zu Sorbinsäure ist es gut wasserlöslich und daher unkomplizierter in der Handhabung; auch wandert es nicht, wie andere eher lipophile Konservierer, in die Fettphase ab. Es wird sowohl in der Kosmetik als auch im Lebensmittelbereich (unter der Bezeichnung E 202) als Konservierer eingesetzt und gilt als unbedenklich, da es im Körper des Menschen wie eine Fettsäure verstoffwechselt wird.

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