
Im September ist es soweit: mein erstes Buch über naturkosmetische
Rohstoffe, ihre Wirkung, Verarbeitung und ihren kosmetischen Einsatz
wird im Buchhandel erhältlich sein. Eine Leseprobe und weitere Informationen
zu diesem Buch habe ich auf olionatura.com zusammengestellt,
der neuen Plattform für Publikationen rund um das Thema »Naturkosmetik
selbst herstellen«.
Zu
olionatura.com
Drei neue Begriffe warten im Glossar auf Entdeckung: »Oleogele« (auch Ölgele genannt), Esteröle und »Emollentien«. Ich bin mir (fast) sicher, sie verwenden das eine oder andere in Ihrer Pflege. [11.06.2010]
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[zurück] 1978, ich war 15 Jahre jung, fiel mir ein Buch von Stephanie Faber in die Hände, »Das Rezeptbuch für Natur-Kosmetik«. Ich rührte mit Begeisterung und wenig Wissen meine ersten kosmetischen »Produkte«. Die gerührten Cremes waren in ihrer Konsistenz jedoch sehr fest, wachsig und unangenehm auf der Haut; sie erinnerten wenig an die geschmeidigen Texturen käuflicher Präparate, so dass ich mich schnell auf einfache Rezepte beschränkte, wie Gesichtsmasken, Haarspülungen und Gesichtswässer auf Kräuterbasis – zumal es damals schwierig war, die gewünschten Zutaten zu beschaffen (in diesem Zusammenhang wird mir immer ganz besonders bewusst, wie phantastisch Internet ist!). Meine schönste Erinnerung an die Produkte »damals« ist eine Schüttellotion aus Mandelöl und Rosenwasser aus der Apotheke – sie roch göttlich und machte zarte und rosige Haut (auch wenn, wie ich heute weiß, das Rosenwasser garantiert synthetisch und das Mandelöl raffiniert und verschnitten war).
Dann kam er: Jean Pütz und seine »Hobbythek«, und endlich gab es eine breite Palette an Inhaltsstoffen »nebenan« zu kaufen. Für mich war das Konzept der Hobbythek faszinierend und barg eine wahre Fundgrube an Ideen und Möglichkeiten. Dennoch war ich auch von diesem Konzept nicht überzeugt – vielleicht weil ich vielen Zutaten nicht recht »traute« und das Gefühl hatte, nun einen anderen kommerziellen Markt zu bedienen? Wissen Sie, was ich meine? Zu wenig pflanzliche Öle und Buttern, zu viele isolierte Wirkstoffe, Fluids und Substanzen, bei denen nicht klar war, was wirklich dahinter steckt. Fakt ist, dass ich das Rühren ließ, vorwiegend (Natur-Kosmetik-) Cremes kaufte und nur hin und wieder einfachste Rezepte umsetzte. So richtig packte es mich nicht. Diese Kosmetik hatte nach meinem Gefühl keine »Seele«.
Mein Schlüsselerlebnis war 2004 der Umstieg auf pflanzliche Haarfarbe. Innerhalb weniger Monate wurde aus meinem von blondierten Strähnchen spröde und störrig gewordenen Haarschopf eine glänzende, gesunde und frisierwillige »Mähne«. Diese überzeugende Wirkung reiner Naturprodukte beeindruckte mich absolut. Die Preise meiner Gesichtspflege-Präparate aus einer Natur-Kosmetik-Serie beeindruckten mich auch – und ich fragte mich, ob ich nicht einen neuen Versuch starten solle, eigene Kosmetika herzustellen. Leider hatten mich die bisher ausprobierten Rezepte aus dem Internet und aus der Literatur nie richtig überzeugt: zu fest in der Konsistenz, zu viel Emulgator (wie ich heute weiß), zu schwer im Auftrag. Durch Recherchen im Internet und verschiedene Foren angeregt nahm ich »den Faden wieder auf« und begann, ein Ersatzrezept für mein geliebtes Feuchtigkeitsfluid zusammen zu stellen. Ich wusste, was ich wollte: Hyaluronsäure sollte »drin« sein, pflanzliche naturbelassene Öle, Kräuterauszüge und leichte, fluide Cremetexturen. Was ich nicht wollte, wusste ich auch: Mineralöl, Parabene und PEG-Derivate, unnötige Hilfsstoffe. Erfahrungsaustausch bot das Internet, aber dort stieß ich in den gängigen Foren und auf privaten Selbstrührer-Webseiten auf viele Aussagen, die nicht eindeutig, oft widersprüchlich oder – leider – schlicht und einfach falsch waren. Ich wollte mehr wissen, ich wollte objektive Informationen, Antworten auf meine unzähligen, auch kritischen Fragen und vor allem: Produkt-Transparenz. Viele Monate recherchierte ich, sprach persönlich mit Chemikern von Herstellerfirmen, durchforstete wissenschaftliche Veröffentlichungen, kaufte und entlieh dermatologische Bücher, besuchte und befragte Wissenschaftler an Universitäten und erstellte mir nach und nach meinen ganz persönlichen Fundus an vielfältigen und nach meinem Empfinden seriösen Informationen. Diese Informationen habe ich offen gesagt zunächst für mich gesammelt – daraus ist eine Website geworden, die (so verraten mir unzählige eMails und Telefonate von Leserinnen und Lesern) für viele Selbstrührer zu einem völlig neuen Verständnis des Selbstrührens und, in Folge, zu gesunderer Haut geführt haben – das ist etwas, was mich sehr glücklich macht. Im Rückblick weiß ich, dass Olionatura dem Bedürfnis vieler nach transparenter, vertiefender und verständlicher Information nachgekommen ist. Für mich ist in dieser Hinsicht ganz besonders (!) wichtig, dass Sie die Quellen der Informationen nachvollziehen, ihre Seriosität einschätzen und sich Ihre eigene Meinung bilden können.
Basis meines Natur-Kosmetik-Konzepts sind, wie ich bereits betonte, pflanzliche Öle, Buttern und Wachse,
selbst angesetzte Kräutermazerate, -extrakte sowie selbst destillierte Hydrolate.
Mich fasziniert der Prozess der Entstehung dieser kostbaren Ingredienzien, an dem ich selbst intensiv
beteiligt bin: Wer einmal morgens mit einem Korb losgezogen ist und
Kräuter gesammelt, sie verlesen und in Öl oder Alkohol angesetzt
oder zu einem duftenden Destillat verarbeitet hat, wer
die Gläser täglich gedreht und zugesehen hat, wie die Blüten
oder Blätter ihren Duft, ihre Farbe und ihre Wirkstoffe an
die Trägersubstanz abgeben, verfügt über einen anderen
Grundstoff als wenn er eine Pflanzenessenz im Internet bestellt. Es
ist eine Erfahrung, Jahreszeiten bewusst wahrzunehmen und ihren Rhythmus
im Wachstum der Pflanzen mit zu erleben. Frühjahr, Sommer, Herbst
und Winter sind nicht nur eine Abfolge unterschiedlicher Wetterprozesse
und kalendarischer Ereignisse, sondern kennzeichnen Perioden, in denen
ich meine
»Schätze« sammle und aufbereite. Ich habe die Umgebung,
in der ich wohne, unter einer ganz anderen Perspektive kennen gelernt:
nun kenne ich Orte, wo echtes Johanniskraut wächst, wo ich Beinwell
finde, Odermennig oder wild wachsende Kamille. Auch wenn ich Wirkstoffe ergänze, in bestimmten Situationen zu einem die Rezeptur stabilisierenden Esteröl greife, so sind die natürlichen Rohstoffe das Herz jeder Formulierung. Jede Entscheidung ist begründet und hat ihren Sinn.
Lassen Sie sich begeistern, erobern Sie sich ein wunderbares Hobby, das
Seele und Sinne berührt!