2151 Leserinnen und Leser beziehen bereits den Newsletter von Olionatura.


1978, ich war 15 Jahre jung, fiel mir ein Buch von Stephanie Faber in die Hände, »Das Rezeptbuch für Natur-Kosmetik«. Ich rührte mit Begeisterung und wenig Wissen meine ersten kosmetischen Produkte. Die gerührten Cremes waren in ihrer Konsistenz jedoch sehr fest, wachsig und unangenehm auf der Haut; sie erinnerten wenig an die geschmeidigen Texturen käuflicher Präparate, sodass ich mich schnell auf einfache Rezepte beschränkte, wie Gesichtsmasken, Haarspülungen und Gesichtswässer auf Kräuterbasis – zumal es damals schwierig war, die gewünschten Zutaten zu beschaffen (in diesem Zusammenhang wird mir immer ganz besonders bewusst, wie phantastisch Internet ist!). Meine schönste Erinnerung an die Produkte damals ist eine Schüttellotion aus Mandelöl und Rosenwasser aus der Apotheke – sie roch göttlich und machte zarte und rosige Haut (auch wenn, wie ich heute weiß, das Rosenwasser garantiert synthetisch und das Mandelöl raffiniert und verschnitten war).
In den 80ern kam er: Jean Pütz und seine »Hobbythek«, und endlich gab es eine breite Palette an Inhaltsstoffen »nebenan« zu kaufen. Für mich war das Konzept der Hobbythek faszinierend und barg eine wahre Fundgrube an Ideen und Möglichkeiten. Dennoch war ich auch von diesem Konzept nicht überzeugt – vielleicht weil ich vielen Zutaten nicht recht traute und das Gefühl hatte, nun einen anderen kommerziellen Markt zu bedienen? Wissen Sie, was ich meine? Zu wenig native pflanzliche Öle und Buttern, zu viele isolierte Wirkstoffe, Fluids und Substanzen, bei denen vor allem damals für den Verbraucher nicht nachzuvollziehen war, welche Handelsprodukte wirklich dahinter stecken. Auch die Haptik der Cremes empfand ich als unangenehm: Filmbildend, wachsig, »unelegant«. Fakt ist, dass ich die Hobbythek nur kurz streifte, das Rühren ließ, vorwiegend Natur-Kosmetik kaufte und nur hin und wieder einfachste Rezepte umsetzte. So richtig packte es mich nicht. Die Jahre darauf waren im Rückblick betrachtet mein »rührtechnischer Dornröschenschlaf«. Haarspülungen auf Kräuterbasis, Gesichtsdampfbäder, Tonerdemasken stellten bis 2004 in etwa das Repertoire an selbst hergestellter Naturkosmetik dar.
2004 endete dieser Schlaf durch ein Schlüsselerlebnis: Mit
dem Umstieg auf Pflanzenhaarfarben. Innerhalb weniger Monate wurde aus meinem von blondierten
Strähnchen spröde, glanzlos und störrig gewordenen Haarschopf ein schimmernder,
gesunder und frisierwilliger. Diese überzeugende Wirkung reiner Naturprodukte beeindruckte
mich absolut. Die Preise meiner Gesichtspflege-Präparate aus einer Natur-Kosmetik-Serie
beeindruckten mich allerdings auch – und ich fragte mich 2005,
ob ich nicht einen neuen Versuch starten solle, meine eigene Naturkosmetik herzustellen.
Die ersten, nach dieser langen Pause ausprobierten Rezepte von einer privaten Hobby-Kosmetik-Internetseite
überzeugten mich gar nicht: Zu fest in der Konsistenz, mit zu hohen Emulgatormengen
konzipiert (wie ich heute weiß), schwer aufzutragen. Das sollte State of the Art
nach gut 20 Jahren sein? Ich war ernüchtert – und mein Ehrgeiz geweckt.
Durch verschiedene Foren angeregt nahm ich den Faden wieder auf und begann, ein Ersatzrezept
für mein geliebtes Kauf-Feuchtigkeitsfluid zusammenzustellen. Ich wusste, was ich wollte:
eine leichte, fluide Cremetextur, native Pflanzenöle, Hyaluronsäure
(weil ich mit einem Kauf-Fluid sehr gut zurechtkam, das diese Substanz enthielt) und
Kräuterauszüge. Was ich nicht wollte, wusste ich auch: Mineralöl,
Parabene und PEG-Derivate, unnötige Hilfsstoffe. Erfahrungsaustausch bot das Internet,
aber dort stieß ich in den gängigen Foren und auf privaten Webseiten
auf viele Aussagen, die nicht eindeutig, widersprüchlich oder
– leider – schlicht und einfach falsch waren.
Ich wollte mehr wissen, ich wollte objektive Informationen,
Antworten auf meine unzähligen, auch kritischen Fragen und vor
allem: Produkt-Transparenz. Viele Monate recherchierte ich, sprach
persönlich mit Chemikern und Produktentwicklern von Herstellerfirmen, durchforstete wissenschaftliche
Veröffentlichungen, kaufte und entlieh dermatologische Bücher, besuchte
und befragte Fachleute an Universitäten und erstellte mir nach und nach
meinen ganz persönlichen Fundus an vielfältigen und nach meinem Empfinden seriösen
Informationen. Diese Informationen habe ich offen gesagt
zunächst für mich gesammelt.
Im Herbst 2006 ist aus dieser Arbeit eine Website online gegangen,
die (so verraten mir täglich eMails und Telefonate meiner Leserinnen und Leser)
für viele Selbstrührer zu einem völlig neuen Verständnis
des Selbstrührens und, in Folge, zu gesunderer Haut geführt
haben. Im Rückblick weiß ich, dass Olionatura dem Bedürfnis
vieler nach transparenter, vertiefender und verständlicher
Information nachgekommen ist. Für mich ist in dieser Hinsicht ganz besonders
(!) wichtig, dass Sie die Quellen der Informationen nachvollziehen, ihre Seriosität
einschätzen und sich Ihre eigene Meinung bilden können.
2013 habe ich meine individuelle Pflege seit langem gefunden. Wenige pflanzliche
Bioöle und Blütenwachse, native Sheabutter, selbst destillierte Hydrolate
und Pflanzenextrakte bilden die Grundlage meiner Naturkosmetik, sinnvoll ergänzt
mit Ceramiden, Unverseifbarem, hydrierten und ungesättigten Lecithinen.
Meine Haut ist gut versorgt, spannt nicht, kommt im Vergleich zu 2004 gut über den Winter
und benötigt nur noch sehr wenig Pflege. Das ist übrigens sehr typisch für exzellente,
selbst hergestellte Naturkosmetikprodukte: Man braucht extrem wenig von ihnen.
Mein Dank gilt an dieser Stelle den innovativen Händlern und Firmen, die meine
Anregungen aufgegriffen und einige sinnvolle pflanzliche Rohstoffe von meiner persönlichen
Wunschliste in ihr Sortiment aufgenommen haben.
Ganz besonders fasziniert mich am Selbstrühren, dass ich am Prozess der Entstehung
vieler pflanzlichen Ingredienzien selbst intensiv beteiligt bin: Wer einmal morgens mit
einem Korb losgezogen ist und Kräuter gesammelt, sie verlesen und in Öl oder
Alkohol angesetzt oder zu einem duftenden Destillat verarbeitet hat, wer die Gläser
täglich bewegt und zugesehen hat, wie die Blüten oder Blätter ihren Duft,
ihre Farbe und ihre Wirkstoffe an die Trägersubstanz abgeben, verfügt über
einen anderen Grundstoff als wenn er eine Pflanzenessenz im Internet bestellt. Es
ist eine Erfahrung, Jahreszeiten bewusst wahrzunehmen und ihren Rhythmus im Wachstum der
Pflanzen mit zu erleben. Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter sind nicht nur eine
Abfolge unterschiedlicher Wetterprozesse und kalendarischer Ereignisse, sondern kennzeichnen
Perioden, in denen ich meine »Schätze« sammle und aufbereite. Ich habe
die Umgebung, in der ich wohne, unter einer ganz anderen Perspektive kennen gelernt:
nun kenne ich Orte, wo echtes Johanniskraut wächst, wo ich Beinwell
finde, Odermennig oder wild wachsende Kamille. Auch wenn ich Wirkstoffe ergänze,
in bestimmten Situationen zu einem die Rezeptur stabilisierenden Esteröl greife,
so sind die natürlichen Rohstoffe das Herz jeder Formulierung. Jede Entscheidung
ist begründet und hat ihren Sinn.
Lassen Sie sich begeistern, erobern Sie sich ein wunderbares Hobby, das Seele und Sinne berührt!