Pflanzen

Melisse

Zitronenmelisse

Die Melisse, auf Grund ihres zitronigen Duftes auch Zitronenmelisse genannt, ist eine ausdauernde, ca. 70–90 cm hohe Staude aus der Familie der Lippenblütler (Labiatae bzw. Lamiaceae) mit vierkantigem, gering behaartem Stängel und eiförmigen, gesägten Blättern. Ihre Blüten sind klein und variieren von blassgelber bis zu weiß-bläulicher Farbe.

INCI: Melissa officinalis L.

  • Familie: Lippenblütler (Labiatae, Lamiaceae)
  • Synonym(e): Zitronenmelisse, Citronelle, Herztrost, Bienenkraut
  • englisch: Lemon Balm
  • französisch: Mélisse officinale
  • Inhaltsstoffe: 0,01–0,25 % ätherisches Öl (u. a. Citral, Geranial, Neral, β-Carophyllen, Germacren D, Citronellal), Gerbstoffe, Phenylcarbonsäuren (Rosmarinsäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure), Flavonoide (Luteolin 3′-glucuronide), Bitterstoffe

Die Melisse bevorzugt einen feuchten, sonnig- bis teilsonnigen Standort. Ursprünglich in Nord- und Westafrika sowie Südeuropa beheimatet, wird sie heute vor allem in Europa als Kulturpflanze angebaut.

Der Name geht auf das griechische Wort µελισσα, Melissa für »Biene« zurück: Bereits im Altertum wurde sie als Bienenweide genutzt. In Europa war es vor allem die Klosterapothekerin Maria Clementine Martin (1775–1843) aus einem Karmeliterorden, die 1828 in Köln ein eigenes Unternehmen gründete und begann, den seit 1611 für den klostereigenen Bedarf hergestellten Melissengeist als »Klosterfrau Melissengeist« zu vermarkten und die Pflanze bis heute bekannt gemacht hat. Im Rückblick betrachtet hat die Melisse eine mehr als 2000-jährige Tradition als Heilpflanze.

Der Chemotyp der Melisse und ihr Gehalt an ätherischen Ölen schwankt je nach Herkunft, Anbau und Erntezeitpunkt sehr stark, so dass es deutliche Unterschiede geben kann. Eliane Zimmermann empfiehlt den Citral-Chemotyp als stärker antiviral wirksam und hautfreundlicher als den Citronellal-Typ. Das ätherische Öl befindet sich primär in Drüsenhaaren auf den Blättern und, in kleinen Mengen, in Öldrüsen; ein sanftes Reiben setzt bereits das intensiv duftende Öl frei. Da ihr Gehalt an ätherischen Ölen sehr gering ist, wird das teure ätherische Melissenöl leider vielfach verfälscht angeboten; üblich sind Beimischungen von Melissa indicum (Citronella), Cymbopogon citratus (Lemongras) oder Citrus x limon (Zitrone). Viele Händler bieten das günstigere Melissa indicum (Citronella) als naturreines ätherisches Melissenöl an; achten Sie daher dringend auf den lateinischen Namen Melissa officinalis L., wenn Sie die echte Melisse wünschen. Ätherisches Melissenöl ist in der Herstellung kostenintensiv: 1 Milliliter qualitativ hochwertiges, reines Öl kostet im Handel derzeit durchschnittlich 20 Euro.

Kosmetische Wirkung von Melisse

Aufgrund ihrer ausgeprägten antiviralen, antimikrobiellen und fungiziden Wirkung ist die Melisse prädestiniert für die Behandlung von Herpes labialis, Herpes simplex, Ekzemen und Wunden. Eine Untersuchung der antiviralen Wirkung von ätherischem Melissenöl unter Leitung von Dr. Schnitzler in der Abteilung für Virologie am Hygiene-Institut des Universitätsklinikums Heidelberg 2008 (1) zeigte in vitro eine beeindruckende antivirale Wirkung gegen Herpes simplex-Viren des Typs HSV-1 (verantwortlich für Herpes labialis) und des Typs HSV-2 (primär Verursacher des Herpes genitalis): die Infektion einer Zellkultur mit Herpes-Viren konnte in einer Zellkultur um mehr als 98.8 % (HSV-1) bzw. 97.2 % (HSV-2) verringert werden. Diese herausragende Wirkung war jedoch an den Zeitpunkt der Behandlung gebunden.

Die antivirale Wirkung in der Behandlung von Lippenbläschen beruht offenbar primär auf den in den Lamiaceen-Gerbstoffen enthaltenen Phenolcarbonsäuren, die sich sowohl an die Proteine des Herpes-Simplex-Virus (Typ HSV-1) als auch an die der Hautzellmembrane binden und ein Eindringen der Viren in die Zellen verhindern. Daher muss eine wirksame Behandlung vor Eindringen der Viren in die Zellmembrane erfolgen, um wirksam zu sein, also bei den ersten Anzeichen einer Infektion: »These results indicate that Melissa oil affected the virus before adsorption, but not after penetration into the host cell, thus lemon balm oil is capable of exerting a direct antiviral effect on herpesviruses.« (a. a. O.)

Neben einer verkürzten Heilungsperiode bewirken Melissenauszüge, wie eine randomisierte Doppelblindstudie bereits 1999 aufwies, deutlich verminderte Begleitsymptome der Herpesinfektion wie Brennen, Schwellungen und Rötungen der betroffenen Regionen. Auch scheint Melisse die Intervalle der Infektionen (der Herpes-Virus befindet sich nach einer Erstinfektion virulent in den Nervenganglien und wird normalerweise vom Immunsystem an einer Vermehrung gehindert) hinauszuzögern (2).

Gegen bei Wundinfektionen häufig vertretenen Keime (Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Bacilus subtilis und Proteus vulgaris) zeigte ätherisches Melissenöl in Studien eine relativ hohe Wirksamkeit; konzentrationsabhängig kann es das Wachstum verschiedener Hefen vollständig hemmen (hier scheint das Citral eine hervorragende Rolle zu spielen). Interessant ist seine in vitro festgestellte Hemmung von Lipidperoxidation, vermutlich durch die antioxidativ wirkenden phenolischen Substanzen bedingt.

Das Hydrolat mit einem pH-Wert von ca. 4,8–5 ist nach Erfahrungen Suzanne Cattys sehr stabil (bis zu 2 Jahre) und hervorragend zur Pflege irritierter Haut und bei Hautausschlägen geeignet. Seine Wirkung gegen Herpes simplex soll vergleichbar der des ätherischen Öls sein (eine Auffassung, die auch Eliane Zimmermann teilt). Es eignet sich wunderbar als beruhigendes Gesichtswasser.

Weiterhin ist Melisse ein entspannender und duftender Zusatz in Massageölen, Öl- und Duschbädern.

Ernte

Geernet wird das Kraut vor der Blüte (ca. Anfang Juni), wenn sich die ersten Knospen zeigen, zwischen 11 und 12 Uhr morgens, da dann der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist. Wenn es getrocknet werden soll, sanft die Blätter abstreifen, im Schatten luftig trocknen und als Ganzblatt aufbewahren.

Für eine Wasserdampfdestillation wird das frische (!) Kraut mit einem sehr scharfen Messer fein geschnitten und direkt 1:1 destilliert. Wenn die Möglichkeit besteht, kann kohobiert werden (das bedeutet, dass das Destillat bei einem zweiten Durchgang mit frischem Kraut erneut verwendet wird, um den Gehalt an flüchtigen Bestandteilen aufzukonzentrieren). Melisse gibt ihre Inhaltsstoffe sehr schnell frei; der Abschlussbericht der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (3) ermittelte 20 Minuten als ausreichend. Bei Destillation der getrockneten Droge wurden Verluste an Komponenten bis zu 70 % analysiert; einige Bestandteile fehlten völlig, daher wird Melisse traditionell in fahrbaren Destillen noch auf dem Feld destilliert.

Für eine wässrig-alkoholische Tinktur oder ein Ölmazerat die Blätter im Schatten einige Stunden anwelken lassen, dann mit 50%igem Alkohol oder einem stabilen Öl (Oliven-, Mandelöl) übergießen und 10 Tage (Tinktur) bis 14 Tage (Mazerat) ziehen lassen; Ansatz täglich mehrmals bewegen, sorgsam filtern, in dunkle Flaschen füllen und gut verschlossen, kühl und dunkel aufbewahren.

Verwendung

Die Blätter können, je nach Verwendung, frisch oder getrocknet verwendet werden. Einsatz äußerlich vor allem als ätherisches Öl, Hydrolat, wässrig-alkoholischer Auszug (50 % vol.), als Frischpflanzensaft und als Infus. Wirksam ist auch frischer Pressaft aus frisch zerriebenen Blätter zum lokalen Betupfen beginnender Herpes-Bläschen.

Bei der Behandlung von Herpes labialis ist es wichtig, die betroffenen Stellen über den Tag mehrfach lokal und dringend (!) jeweils frisch zu behandeln, d. h. Einmalmaterial zu verwenden und auf Hygiene zu achten, um eine Infektion anderer Menschen oder Hautareale zu verhindern. Empfohlen wird eine Konzentration des ätherischen Öls von 0,5–1 %, das bedeutet ca. 1–2 Tropfen auf 10 ml fettes Trägeröl, da Citronellal leicht hautreizend wirken kann.

Quellen

  1. P. Schnitzler, A. Schuhmacher, A. Astani, J. Reichling: Melissa officinalis oil affects infectivity of enveloped herpesviruses. Phytomedicine. 2008 September; 15(9): 734–40
  2. R. Koytchev, R. G. Alken, S. Dundarov: Balm mint extract (Lo-701) for topical treatment of recurring herpes labialis. Phytomedicine. 1999 October; 6(4): 225–30.
  3. Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft: Abschlussbericht. Gewinnung ätherischer Öle aus Blatt-, Blüten- und Körnerdrogen einheimischer Produktion. Jena, 2005
  4. Suzanne Catty, The Next Aromatherapy. Healing Arts Press, 2001