Pflanzen

Johanniskraut

Blüte des Echten Johanniskrauts

Es gibt weltweit hunderte von Johanniskraut-Arten; Heilpflanzen-Status hat nur das getüpfelte Johanniskraut mit den wie durchstochen wirkenden Blättern (daher der lateinische Name Hypericum perforatum, d. h. durchbohrtes Kraut) und dem zweikantigen Stängel.


INCI: Hypericum perforatum L.

  • Familie: Hypericaceae (Johanniskrautgewächse)
  • Synonym(e): Johannisblut, Tüpfel-Hartheu
  • englisch: (Perforated) Saint John’s Wort
  • französisch: Herbe de la Saint Jean, Millepertuis perforé
  • Inhaltsstoffe: Der rote Farbstoff Hypericin in den Blüten (0,1–0,3 %), Flavonoide (5–11 %), ätherisches Öl (in den Blättern), Catechingerbstoff (3–6 %), Hyperforin (in den reifen Samenkapseln).

Die pharmakologisch wirksamen Substanzen befinden sich vor allem in den Blüten, die kurz vor der vollen Blüte geerntet werden; die Blätter enthalten ätherisches Öl in ihren kleinen Vacuolen, die Samenknospen Hyperforin. Beim Zerreiben der in Trugdolden stehenden Blüten färbt der austretende, hypericinhaltige Saft die Haut sichtbar rötlich.

Der Inhaltsstoff Hypericin wirkt photosensibilisierend, steigert also die Lichtempfindlichkeit der Haut; entsprechende Hautpartien zeigen sonnenbrandähnliche Entzündungsreaktionen mit Rötungen und Schwellungen. Für Johanniskrautöl liegen entsprechende Nachweise vor, bei einer Anwendung in einer Cremerezeptur konnte diese Wirkung nicht nachgewiesen werden. Ich rate dennoch, Johanniskrautauszüge nicht in Tagespräparaten einzuarbeiten.

Das Blatt des Echten Johanniskrauts zeigt im Gegenlicht deutlich die Ätherisch-Öl-Drüsen und die typischen schwarzen Punkte am Rand:

Blatt des Echten Johanniskrauts

Kosmetische Wirkung von Johanniskraut

Als Kosmetikum überzeugt Johanniskraut durch seine entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkungen. Es wird traditionell erfolgreich bei schlecht heilenden Wunden eingesetzt; auch bei Ekzemen, Dermatosen und Quetschungen hat sich Johanniskraut bewährt. Hyperforin hemmt das Wachstum von multiresistenten Staphylococcos-aureus-Stämmen, die vor allem Neurodermitikern aufgrund deren verringerten Barrierefunktion der Haut zusetzen. Dabei gilt es als ausgesprochen verträglich, Kontaktsensibilisierungen sind bisher nicht bekannt.

Ernte:

Nach mindestens 2 Sonnentagen vormittags zwischen 10 und 11 Uhr: Blüten, Blätter und junge Samenkapseln der oberen 10 cm der voll erblühten Pflanze.

Verwendung:

Einsatz äußerlich als Ölauszug aus frischen Blüten, Blättern und Samenkapseln, als Hydrolat oder als Frischpflanzensaft (Reformhaus oder Bioladen), innerlich getrocknet als Tee.

  • Herstellung von »Rotöl«: Frische Blüten, Knospen, Blätter sorgfältig verlesen, locker in ein Glasgefäß geben und mit einem ölsäurebetonten Öl bedecken (optimal: Olivenöl, alternativ Sesamöl). Die Auswahl eines stabileren, ölsäurebetonten Öls ist wichtig, um oxidative Prozesse durch den Feuchtigkeitsgehalt des frischen Pflanzenmaterials zu vermeiden; ungesättigte Öle sind nicht geeignet. Mit Gaze verschließen (damit Feuchtigkeit entweichen kann) und eher dunkel 1 Woche ziehen lassen, bis das Öl durch das Hypericin eine rötliche Farbe angenommen hat. Täglich gut bewegen. Dann sorgfältig filtern, in dunkle Flaschen füllen und dunkel und kühl lagern. Dieses Mazerat ist hervorragend als Salbengrundlage und Massage- und Wirkstofföl geeignet. Bitte verzichten Sie darauf, das Öl in der Sonne ziehen zu lassen; wohl kann ein roterer Farbton, vor allem jedoch ein oxidativ belastetes Öl erzeugt werden. Bereits in alten Schriften wird der Auszug in lichtundurchlässigen Tontöpfen empfohlen.
  • Herstellung von Hydrolat: die ersten 10 cm des blühenden Krauts schneiden, die zarten Zweige vom verholzten Stängel ziehen und alles (Blätter, junge Triebe, Blüten, Blütenkapseln) mit einem scharfen Messer zerkleinern (ca. 3–5 mm breit). Im Verhältnis 1:1 destilliert (also pro 100 g Kraut 100 ml geplantes Destillat) erhalten Sie ein klares Hydrolat mit frisch grüner, krautiger Basisnote und einem Honigton, ein überraschender Duft. Geeignet als Gesichtswasser oder als Wasserphase bei entzündlicher Haut, Akne und bei Dermatosen.