Persönliches

Interview: Dirk Schönemann von Aliacura

Dirk Schönemann, Inhaber von aliacura.de

Seit April 2013 ergänzt ein neuer Onlineshop das für Endverbraucher verfügbare Produktsortiment an kosmetischen Rohstoffen auf erfreuliche Weise: alicacura. Neben klassischen Hobbythek-Produkten offeriert Dr. Dirk Schönemann, Chemiker aus Hamburg, eine sinnvolle Auswahl an Handelsprodukten aus dem Naturkosmetik-Segment.

Nach meiner Shopvorstellung im Blog und im Rührküchen-Forum wurden erste Bestellungen getätigt und nach Erhalt der Ware von Rührküchen-Mitgliedern ausgesprochen positiv bewertet: Kaufabwicklung, Verpackung, Kundenservice gefielen. Mein Interesse war geweckt – offen gestanden auch, weil Dirk Schönemann eine Besonderheit auszeichnet: Er ist als promovierter Chemiker tatsächlich vom Fach.

Dirk, ich danke Dir, dass Du Dir die Zeit für unser Gespräch nimmst. 🙂

Sehr gern Heike. Gleich mal als Erstes: über die positive Resonanz in der Rührküche habe ich mich riesig gefreut!

Du kommst, so liest man es auch auf der Webseite aliacura.de, ursprünglich aus der Kosmetikindustrie. Was waren dort Deine Arbeitsschwerpunkte?

In einem Entwicklungslabor eines Produzenten von kosmetischen Rohstoffen habe ich mich im Wesentlichen mit Muster- bzw. Rahmenrezepturen, der Entwicklung von Wirkstoffträgersystemen und Prozessoptimierung beschäftigt. Kurz gesagt, ich entwickelte mit meinen damaligen Kollegen für Kosmetikhersteller neue Rezepte, überlegte, wie man Wirkstoffe mit Hilfe von Emulgatoren, Ölen und Wachsen möglichst einfach und effizient in Formulierungen einarbeiten kann und dabei gleichzeitig optimal zur Wirkung kommen läßt.

Wie entstand Deine Idee, kosmetische Rohstoffe in einem Onlineshop u. a. auch Endverbrauchern anzubieten?

Da muss ich etwas weiter ausholen …

Wir – d.h. meine Frau Anja und ich – machen sehr gern viele Dinge selbst: Kochen, backen, Kaffee rösten, Pralinen herstellen, Marmelade kochen usw. Dazu lieben wir es, auf den Markt zu gehen und frische Zutaten (am liebsten von regionalen Produzenten) einzukaufen und daraus einfache oder auch raffinierte Sachen herzustellen. Die Qualität stimmt, wir wissen, was drin ist und es schmeckt einfach besser.

Über meinen Beruf bin ich dann dazu gekommen, auch einige Pflegeprodukte für den Eigenbedarf herzustellen. Erst nur für Anja und mich, später auch für andere Familienmitglieder, speziell solche, die Hautprobleme haben. Nach mehrmaligem Eigentümerwechsel, Umstrukturierung und Ausstieg des Investors verkleinerte sich die Firma, für die ich arbeitete. Das hieß für mich – ich brauchte einen neuen Job. Was nun? Ich wollte ungern wieder von »anderen« abhängig sein, also war dann die Überlegung, mich selbständig zu machen. Anfangs war mir noch nicht ganz klar, was es konkret sein soll. Bei der Suche nach geeigneten Rohstoffen für die selbstgemachten Kosmetika stellte ich fest, dass die von mir hoch geschätzten Rohstoffe entweder gar nicht oder nur recht teuer zu haben waren.  Damit kam mir der Gedanke, einen eigenen Rohstoffhandel aufzubauen – zum einen für Selbstrührer, kleinere Manufakturen, aber auch für Kosmetikfirmen, die z. B. für die Entwicklung neuer Rezepturen kleinere Rohstoffmengen benötigen. Die Vorbereitungsphase war nicht so einfach und dauerte länger als ich dachte. Würden die von mir favorisierten Rohstoffe auch bei den Kunden ankommen? Welche Produktpalette biete ich überhaupt an? Bei diesen Entscheidungen hat mir Olionatura sehr geholfen.

Von Anfang an stand für mich fest, dass ich Feststoffe in verschließbaren Dosen versende. Aus eigener langjähriger Erfahrung weiß ich, dass die Rohstoffe in solchen Behältnissen am besten vor dem schädigenden Einfluss von Licht und vor Schmutz geschützt sind. Die Rohstoffe sind daraus einfacher und sauberer zu entnehmen, und die Dosen sind wiederverwendbar. Das Angebot möchte ich natürlich nach und nach ausbauen. Ich habe noch so einige Ideen … Da sind Feedbacks von Selbstrührern – wie aus der Rührküche – als Hilfe und Anregung enorm wichtig.

Du führst primär naturkosmetische Rohstoffe, obwohl Du als Chemiker und durch Deine vorherige berufliche Tätigkeit vermutlich wenig »Berührungsängste« vor konventionellen Rohstoffen hast. Folgst Du damit dem bekannten Trend oder gab es andere Gründe, sich für ein naturkosmetisch ausgerichtetes Produktportfolio zu entscheiden?

Du hast Recht, Berührungsängste vor den konventionellen Rohstoffen habe ich nicht, schließlich habe ich damit lange genug gearbeitet. Aber als gelernter Chemiker habe ich große Achtung vor den Syntheseleistungen der Natur und den natürlichen Kreisläufen. Es war mir deswegen besonders wichtig, in meinem Shop auf Produkte zu setzen, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Außerdem haben wir mit unserer empfindlichen Haut immer häufiger mit konventionellen Pflegeprodukten Probleme gehabt. Mit unserer selbst hergestellten Naturkosmetik kommen wir dagegen sehr gut zurecht. Letztendlich bestätigen sich hier unsere Erfahrungen, die wir bereits beim »Selbstkochen mit guten Zutaten« gemacht haben: Qualität und Nachhaltigkeit zahlen sich aus und tun einfach nur gut!

Als überzeugte Selbstrührerin interessiert mich (und meine LeserInnen) natürlich brennend: Stellst Du auch für Dich Deine eigenen Pflegeprodukte her?

Na klar! Bevor ich meinen Shop eröffnete, habe ich nur einige Sachen wie Shampoo oder Handcreme für den Eigengebrauch selbst hergestellt. Mittlerweile benutzen wir fast ausschließlich »Selbstgemachtes«. Auch immer mehr Freunde und Familienmitglieder schwören darauf. Anja habe ich ebenfalls mit dem »Selbstrührvirus« infiziert … Außerdem bin ich dabei, speziell für mein Rohstoffangebot Rezepturen zu entwickeln.

Welches sind deine persönlichen Favoriten unter den Rohstoffen – und warum?

Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate – nachdem ich feststellte, dass die doch stark entfettenden Natrium Lauryl bzw. Cocoyl Sulfate Hauptverursacher meiner Hautprobleme waren, bin ich froh, mit dem Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate eine sehr gut verträgliche Alternative gefunden zu haben. Es ist das mildeste verfügbare Tensid und sorgt z.B. in Shampoos für einen sehr feinen und cremigen Schaum.

Lara Care A 200 – wegen des guten Hautgefühls in Cremes, seinen pflegenden Eigenschaften – gerade bei empfindlicher Haut – und seines unkomplizierten Verhaltens bei der Verarbeitung.

Aliacura richtet sich nicht nur an Endverbraucher. Dein Sortiment und Deine Erfahrungen im Kosmetiksegment machen Deinen Shop auch für kleinere Naturkosmetikmanufakturen interessant, die an den großen Abnahmemengen der Hersteller scheitern. Nicht wenige träumen von einer eigenen Kosmetikserie auf dem Markt, auch ich erhalte regelmäßig Anfragen nach Tipps zur Selbstständigkeit. Offen gesprochen: Was würdest Du jemandem raten, der seine Kosmetik verkaufen möchte?

  1. Klein anfangen! Eine Rezeptur kann aus 10-20 Rohstoffen bestehen. Für eine ganze Produktpalette kommen dann aber ganz schnell hundert und mehr Bestandteile zusammen. Die Kosten können da sehr leicht aus dem Ruder laufen.
  2. Freunde und Familie zum Testen und dann um eine ehrliche Meinung bitten! Dabei lernen, Kritik zu akzeptieren und als Hilfe und Anregung zu verstehen.
  3. Umfassend informieren über rechtliche Anforderungen (Kosmetikverordnung, Gewerbeaufsicht, Handelskammer). Gerade Mitarbeiter der Handelskammer sind i.d.R. sehr hilfsbereit beim Start in die Selbstständigkeit.
  4. Eine günstige Produktionsmöglichkeit suchen. Bitte daran denken, dass ein kommerzieller Lohnhersteller Mindestabnahmemengen verlangt. Eine Möglichkeit wäre auch, sich nach Kooperationspartnern umzuschauen, mit denen man sich z. B. eine Produktionsstätte teilt.

Die Gestaltung Deines Sortiments »outet« Dich ganz eindeutig als Olionatura- bwz. Rührküchen-Leser. Wie bist Du auf Olionatura aufmerksam geworden?

Ich habe mal für ein Projekt über Baobab-Öl, ich glaube es war 2008, recherchiert und bin dabei auf Olionatura gestoßen. Aus dem Projekt ist zwar nichts geworden, aber Olionatura nutze ich seitdem immer wieder gern als Informationsquelle.

Danke für das Interview, Dirk – ich wünsche Dir weiterhin gute Ideen und viel Erfolg bei ihrer Umsetzung!

Aliacura online: www.aliacura.de | © Bildmaterial: Dirk Schönemann, aliacura