Öle und Buttern

Wiesenschaumkrautöl

Wiesenschaumkraut (Limnanthes alba)

Das Öl aus den Samen der Sumpfblume (das ist der botanisch korrekte Name des Wiesenschaumkrauts) ist ein grünes, charakteristisch duftendes Öl mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Der englische Name Meadowfoam, Wiesenschaum, spielt auf den Anblick von Feldern voller blühender Sumpfblumen an, die aussehen, als trieben Schaumkronen auf Wasser.

Die Bezeichnung »Meadowfoam Seed Oil« bezieht sich auf die amerikanische Pflanze, die botanisch nicht mit dem europäischen Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis, identisch ist, und durch einen amerikanischer Anbieter patentrechtlich geschützt ist. Da das Sumpfblumenöl, wir wir korrekterweise schreiben müssten, auch in der Kosmetik vorwiegend als Wiesenschaumkrautöl bezeichnet wird, habe ich mich dieser Nomenklatur angeschlossen.

Heute wird Meadowfoam vor allem im Süden Origons in den USA angebaut, findet sich jedoch auch ursprünglich in Nordkalifornien und in Britisch-Kolumbien. Da das Öl im unraffinierten Zustand einen sehr ausgeprägten Geruch aufweist, wird es in der Regel raffiniert angeboten; es ist dann hell gelblich und nahezu geruchlos. Nicht nur kosmetisch, sondern vor allem in der Oleochemie ist Wiesenschaumkrautöl durch seine Eigenschaften in den Fokus wirtschaftlicher Interessen geraten und wird in engem Kontext mit Rapsöl gesehen. In diesem Portrait werde ich mich auf seine kosmetischen Eigenschaften beschränken.

Inhaltsstoffe von Wiesenschaumkrautöl

Dieses Öl weist ein ungewöhnliches Fettsäurespektrum auf: es besteht zu über 95 % aus langkettigen ungesättigten Δ5-Fettsäuren über 20 C-Ketten, die ihm ungewöhnliche oxidative Stabilität verleihen. Natives Wiesenschaumkrautöl gilt als oxidationsstabilstes aller Öle; in Studien hat es sich nativ als noch stabiler erwiesen als Jojobaöl (1).
In seiner Zusammensetzung ähnelt es dem Walrat und wird heute kosmetisch u. a. als Ersatz dafür verwendet. Die langkettigen Fettsäuren haben eine ausgeprägte feuchtigkeitserhaltende Wirkung, indem sie die Haut einhüllen, ohne abdichtend (okklusiv) zu wirken. Die Doppelbindungen der ungesättigten Fettsäuren verleihen dem Wiesenschaumkrautöl, analog zum Jojobaöl, eine flüssige Konsistenz.

Kosmetischer Einsatz von Wiesenschaumkrautöl

Wiesenschaumkrautöl erinnert im Hautgefühl und in seinem Einziehverhalten an Jojobaöl. Es bewirkt ein sehr seidiges, glattes, nicht fettendes Hautgefühl. Aufgrund seiner hohen oxidativen Stabilität eignet es sich hervorragend als Basisöl in Mischungen mit oxidationsempfindlichen linolensäurereichen Wirkstoffölen wie Wildrosen- oder Nachtkerzenöl. Es spreitet nur wenig und eignet sich daher sehr gut für Pflegepräparate am Auge; daneben kann es auch in Haarpflegeprodukten eingesetzt werden.

Limnanthes alba (Meadowfoam) Seed Oil

Fettsäurediagramm von Wiesenschaumkrautöl (Limnanthes alba (Meadowfoam) Seed Oil)

  • Basisöl | Ölgruppe: B-0
  • Jodzahl: 85–105
  • Verseifungszahl: 160–175
  • HLB-Wert: 6,5–7
  • Typ: nicht trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Zusammensetzung: Gadoleinäure (C20:1) ca. 58–77 %, Erucasäure (ca. 18 %), Docosadiensäure (C22:2) ca. 17 %, Ölsäure (ca. 2 %), andere Fettsäuren nur in Spuren.
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 24 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Normale bis trockene Haut, in Haarpflegeprodukten. Hervorragendes Basisöl mit herausragender oxidativer Stabilität, verlängert in Mischungen die Haltbarkeit mehrfach ungesättigter Öle.

© Bildrechte: Henry Lamotte Oils GmbH

Quellen

  1. T. A. Isbell, T. P. Abbott, K. D. Carlson: Oxidative stability index of vegetable oils In binary mixtures with meadowfoam oil. Industrial Crops and Products 9 (1999) 115–123