Öle und Buttern

Weizenkeimöl

Weizen gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte und steht nach Mais in der Reihenfolge der am meisten angebauten Getreidearten an zweiter Stelle, gefolgt von Reis. Durch Züchtung ist dieses in seiner Kultur anspruchsvollere und vermutlich ursprünglich aus Persien stammende Getreide mittlerweile auf allen Kontinenten zuhause.


Weizen ist ein Gras aus der Familie der Poaceae (Süßgräser), das es in zwei Fruchtarten gibt, Sommer- und den etwas robusteren Winterweizen. Das kostbare Weizenkeimöl ist ein Nebenprodukt der Mehlproduktion: heute werden neben Kleie und Mehl die Keimlinge separiert, die Vollkornmehl oxidativ anfällig machen und aus denen durch Pressung, Lösungsmittel- oder CO²-Extraktion das dunkel- bis rötlich-gelbe Öl gewonnen wird. Weizenkeimöl kosmetischer Qualität ist häufig mit anderen Ölen verschnitten; achten Sie daher auf native Lebensmittel-Qualität aus kontrolliert-biologischem Anbau (oder, bei Ölen aus konventionellem Anbau, auf pestizid-geprüfte Qualitäten, da Weizenkeimöl häufig belastet ist). Hochwertiges natives Weizenkeimöl ist von kräftiger, orange-gelber Farbe und weist einen charakteristischen Getreidegeruch auf, der in Ölmischungen meiner Wahrnehmung nach jedoch gut »aufgefangen« werden kann. Raffinierte Qualitäten sind hellgelblich und riechen dezent; durch die Raffination sind die Anteile an Phospholipiden, Sterolen und Tocopherolen deutlich vermindert. Interessant ist die Beobachtung, dass CO²-extrahiertes Weizenkeimöl eine besonders gute Haltbarkeit aufweisen soll, da diese Gewinnungsmethode enzymatische Aktivitäten durch Lipasen und Peroxidasen mindert und der fehlende Sauerstoffkontakt oxidative Prozesse minimiert. (G. Panfili et al: Extraction of Wheat Germ Oil by Supercritical CO²: Oil and Defatted Cake Characterization. Journal of the American Oil Chemist’s Society, 80(2), 157–161, 2003. In: S. Krist, G. Buchbauer, C. Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Wien: Springer-Verlag, 2008)

Inhaltsstoffe

Weizenkeimöl ist das pflanzliche Öl mit dem höchsten Gehalt an Tocopherolen, darunter vor allem das im Stoffwechsel antioxidativ wirkende α-Tocopherol. Sie sind es, die dem Öl trotz seines hohen Gehalts an der zweifach ungesättigten Linolsäure (ω6) und α-Linolensäure (ω3) bei optimaler Lagerung eine verhältnismäßig gute oxidative Stabilität verleihen. Neben Vitamin E punktet dieses wunderbare Öl mit Phospholipiden aus dem Keim und Phytosterolen, primär β-Sitosterol, Campesterin und Δ5-Avenasterol; Carotinoide schenken ihm seine gold- bis orangegelbe Farbe.

Fettsäurezusammensetzung von Weizenkeimöl (%)
Fettsäure Chargen-Analyse¹ Chargen-Analyse²
Quelle: ¹ Henry Lamotte Oils GmbH, Bremen (2008) ² Panfili et al. (2003)
Palmitinsäure 16,8 18,0
Palmitinoleinsäure 0,2 1,3
Stearinsäure 0,9 1,3
Ölsäure 17,7 21,6
Linolsäure 55,8 51,3
α-Linolensäure 5,8 6,4

Kosmetischer Einsatz

Weizenkeimöl ist durch seinen extrem hohen Gehalt an Tocopherolen (im Durchschnitt 250 mg/100 gr), den unverseifbaren Bestandteilen wie Phospholipiden und Phytosterolen sowie den Carotinoiden nahezu prädestiniert für die Pflege reifer, barrieregestörter und fahler, schlecht durchbluteter Haut. Seine Wirkungen sind vielfätig: Vitamin E fördert die Blutzirkulation in den Gefäßen und bedingt eine deutliche Durchblutungssteigerung der Haut. Phospholipide bilden wesentliche Bausteine der Zellmembrane und bewirken zusammen mit den lipophilen Tocopherolen eine ausgezeichnete, wenn auch langsame Penetration in das Stratum Corneum. Die Phytosterole festigen die Lipidlayer der Barriereschicht und mindern den transepidermalen Wasserverlust der Haut. Seine durchblutungssteigernde, elastizitätsfördernde Wirkung und seine intensive Penetration haben es vor allem in der Haut- und Dammpflege schwangerer bzw. entbundener Frauen zu einem unentbehrlichen Kosmetikum gemacht.

Mit Wildrosen- und Granatapfelsamenöl kombiniert bildet es eine hervorragende Nachtpflege für reife Haut; mit Sheabutter und Nachtkerzenöl lassen sich intensiv wirkende Oleogele konzipieren, die barrieregestörte, atopische Hautpartien stabilisieren und restrukturieren. Der hohe Tocopherolgehalt und sein Gehalt an Unverseifbarem gibt diesem wundervollen Öl eine gute Penetrationstiefe, allerdings zieht es nur langsam in die Haut ein und wirkt dadurch haptisch deutlich rückfettender und reichhaltiger als beispielsweise Avocadoöl. Dies resultiert u. a. aus seinem relativ hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, dem höchsten unter europäischen Ölpflanzen. Im Weizenkeimöl finden wir daher ein außergewöhnliches Öl, das gleichzeitig schützend »einhüllt« und durch seine Penetrationsfähigkeit und seine Inhaltsstoffe tiefenwirksam pflegt.

Oft wird dem Weizenkeimöl eine »straffende« Wirkung zugeschrieben. Das, was viele Frauen unter Hautstraffung verstehen – eine dauerhafte Erhöhung des Zellturgors und Hebung schlaffer Gesichtskonturen – kann kein Öl leisten. Die durchblutungsfördernde Wirkung des Weizenkeimöls bewirkt jedoch eine bessere Versorgung der Hautkapillare (Mikrozirkulation), fördert Stoffwechselprozesse und lässt fahle Haut wieder lebendig wirken (ich sehe diese Wirkung vor allem morgens, wenn ich das Öl kurweise abends über ein Feuchtigkeitsserum auftrage). Daneben wird es auch zur Pflege von Haaren und Kopfhaut geschätzt.

Triticum Vulgare (Wheat Germ) Oil

Fettsäurediagramm von Weizenkeimöl (Triticum Vulgare (Wheat Germ) Oil)

  • Basisöl | Ölgruppe: B-3
  • Jodzahl: 120–132
  • Verseifungszahl: 180–195
  • Schmelzbereich: 0 bis –5 °C
  • Typ: halb trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem (%): bis 5 %
  • Zusammensetzung: Linolsäure (ca. 53 %), Palmitinsäure (ca. 16 %), Ölsäure (ca. 19 %), α-Linolensäure (ca. 6 %), Stearinsäure (bis ca. 1 %), Tocopherole (ca. 250 mg/100 g), vor allem α-Tocopherol), Unverseifbares (ca. 5 %, vor allem Phytosterole wie β-Sitosterol, Campesterol und Δ5-Avenasterol; Phospholipide)
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 9 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Reife, trockene, schlecht durchblutete Haut. Hervorragend in der Narbenpflege.