Öle und Buttern

Traubenkernöl

Das Öl aus den Traubenkernen gehört zu den Kostbarkeiten einheimischer Öle; die Ausbeute aus den sehr harten Kernen, die zudem nur ca. 10–14 % Öl enthalten, ist sehr gering. Nach dem Keltern der Trauben wird der zurück gebliebene Trester (bestehend aus Kernen, Stielen, Stengeln und Beerenhäuten) gesiebt und die dadurch isolierten Kerne mit warmer Luft getrocknet. Eine entsprechende Anlage bläst anschließend aus dem Kerngut getrocknete Häutchen und kleine Stengel fort. Nun kann das Öl (in der Regel in einer Schneckenpresse) gepresst werden.

Natives Öl wird gefiltert und dann frisch abgefüllt; es ist von goldgrüner bis grüner Farbe und duftet tresterartig und nussig-fruchtig. Raffiniertes Öl hingegen ist weitgehend farb- und geruchslos. Insgesamt beträgt die Ölausbeute ca. 40–50 % des in den Kernen enthaltenen Öls; raffinierte Öle erreichen durch Lösungsmittel-Einsatz an die 98 % Ausbeute. So wird schnell deutlich, dass hochwertiges Traubenkernöl seinen Preis hat.

Inhaltsstoffe und kosmetischer Einsatz

Traubenkernöl gilt wegen seines Gehalts an Polyphenolen (darunter das sehr wirksame Prozyanidin, auch OPC, Oligomere Proantho-Cyanidine genannt, sowie Resveratrol) und Tocopherolen als Öl mit außergewöhnlichen antioxidativen, zellmembran-schützenden Eigenschaften. Im Traubenkernöl sind jedoch entgegen gängiger Werbeaussagen nur geringe Mengen der OPC enthalten; der größte Teil verbleibt im Traubenkernmehl.

Durch seinen Gehalt an Lecitihin zieht Traubenkernöl sehr gut ein und fungiert als »Gleitschiene« für hautpflegende Wirkstoffe, insbesondere fettlösliche Vitamine wie E und K. Emulsionen auf der Basis von Traubenkernöl liegen leicht auf der Haut und bewähren sich in Rezepturen für fettige Haut und Mischhaut; der hohe Gehalt an Linolsäure bewahrt die Flexibilität der Bilayer im Stratum Corneum, wirkt gegen Verhornungen und bewahrt den Talgfluss. Aber auch reife Haut profitiert von den antioxidativen Eigenschaften und dem »Gleitschienen-Effekt« des Traubenkernöls, das lipophile Wirkstoffe tief in die Epidermis einschleust. In Kombination mit Unverseifbarem (z. B. in nativer Sheabutter, nativem Avocadoöl und/oder in Form konzentrierter Compounings wie Unverseifbarem des Avocadoöls) und linolensäurehaltigen Ölen ermöglicht es wirksame regenerierende Rezepturen für trockene, reife und barrieregestörte Haut.

INCI: Vitis Vinifera (Grape) Seed Oil

Fettsäurediagramm von Traubenkernöl (Vitis Vinifera (Grape) Seed Oil)

  • Basisöl | Ölgruppe: B-3
  • Jodzahl: 134–144
  • Verseifungszahl: 188–194
  • HLB-Wert: 7
  • Schmelzbereich: 10 °C
  • Typ: halb trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem (%): 0,3–2 %
  • Zusammensetzung: Linolsäure (ca. 70 %), Ölsäure (ca. 16 %), Palmitinsäure (ca. 7 %), Stearinsäure (ca. 4 %), Polyphenole (Flavonoide u. a.), Tocopherole (ca. 32–52 mg/100 g, darunter ca. 29 mg/100 g α-Tocopherole), Vitamin K, Lecithin, Spuren von Resveratrol.
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 9 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Fettige Haut, Mischhaut, Unreine Haut. Reife Haut.

Quellen

  1. Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL): Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids)
  2. Matthäus, B./Münch, E. W. (Hrsg.): Warenkunde Ölpflanzen/Pflanzenöle. Agrimedia, 2009
  3. Chargenbezogene Analysen der Henry Lamotte Oils GmbH, Bremen