Öle und Buttern

Sesamöl

Geschichtlich gilt Sesam als älteste Ölsaat der Welt; die Sesampflanze wird heute primär im Sudan und in Mexiko, Indien, China und Burma angebaut; ca. 10 % werden exportiert. Da die Samenkapseln mit ca. 70–100 Samen nicht gleichzeitig reifen, erfolgt die Ernte vorwiegend mit der Hand; die Pflanzen werden geschnitten, zum Trocknen aufgestellt und ausgeschüttelt.

Inhaltsstoffe von Sesamöl

Zwei phenolische Verbindungen, die zu den Phytoöstrogenen zählenden Lignane Sesamin (3,4-Methylendioxyphenol) und Sesamolin bewirken eine ausgesprochen gute oxidative Stabilität des Öls, trotz des hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren wie Öl- und Linolsäure. Natives Öl ist daher nachweislich oxidativ stabiler als raffinierte Qualitäten; unterstützend wirkt auch der hohe γ-Tocopherolgehalt. Für den Einsatz in Naturkosmetik würde ich immer das native, nicht erhitzte und ungeröstete Öl bevorzugen, das hellgelb ist und sehr dezent duftet. Interessanterweise scheint eine Erhitzung des Öls, wie beim Rösten, den Gehalt an antioxidativem Sesamol zu erhöhen, das aus dem thermischen Abbau des Sesamolin gebildet oder »nachgeliefert« wird.¹ Sehr hohe Temperaturen beim Rösten, wie in Asien bevorzugt, zerstören jedoch Phytosterole und andere wertvolle Bestandteile des Öls; der europäische Markt bevorzugt mild geröstete Varianten. Möglicherweise findet hier das aus dem Ayurveda bekannte »Reifen« des Sesamöls durch kurzes Erhitzen auf 100 °C seine wissenschaftliche Erläuterung, da sich durch die kurze thermische Behandlung seine antioxidative Wirkung offensichtlich erhöht.

Kosmetischer Einsatz von Sesamöl

Sesamöl hat (u. a. in der ayurvedischen Medizin) eine lange Tradition als Massageöl und wird im Rahmen von Entgiftungskuren innerlich und äußerlich angewandt. Durch seinen Gehalt an Lecithin und anderen unverseifbaren Bestandteilen (dazu gehören u. a. auch die Lignan-Abkömmlinge Sesamin und Sesamolin) dringt es gut in die Haut ein (hier übertrifft es sogar das in dieser Eigenschaft bekannte Avocadoöl), ist ein hervorragendes Trägeröl für Wirkstoffe und vermag durch seinen Gehalt an Phytosterolen und Linolsäure die Lipidschichten der Hornschicht zu regenerieren. Sesamöl wird in der Literatur oft als Öl mit leichtem Lichtschutzeffekt beschrieben; dieser liegt neueren Untersuchungen zufolge jedoch lediglich bei Faktor 1,2.
Hinsichtlich seiner Eignung für bestimmte Hauttypen habe ich widersprüchliche Aussagen gefunden. Einige Quellen betonen, es sei nicht für unreine oder neurodermitische Haut geeignet – andere empfehlen es explizit gegen entzündliche Prozesse. Ich war aus diesem Grund lange Zeit sehr vorsichtig bei der Anwendung des Öls in Gesichtspflege-Präparaten, empfinde es heute jedoch als sehr angenehm und intensiv pflegend bei fahler, zu Trockenheit neigender Haut.

INCI: Sesamum Indicum (Sesame) Oil

Fettsäurediagramm von Sesamöl (Sesamum Indicum (Sesame) Oil)

  • Basisöl  | Ölgruppe: B-2
  • Jodzahl: 103–118
  • Verseifungszahl: 186–195
  • HLB-Wert: 7
  • Schmelzbereich: -3 bis -6 °C
  • Typ: halb trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem: Bis 2 %
  • Zusammensetzung: Linolsäure (ca. 42 %), Ölsäure (ca. 40 %), Palmitinsäure (ca. 9 %), Stearinsäure (ca. 6 %), Tocopherole (ca. 40 mg/100 g Öl, davon zum großen Teil γ-Tocopherol), Phenole (Sesamol), Lignane (jeweils ca. 0,5 % Sesamolin und Sesamin), Unverseifbares (bis 2 %, darunter Lecithin und Phytosterole)
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 12 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Schlecht durchblutete, fahle Haut, trockene Haut, ausgezeichnetes Massageöl.

Quellen

  1. Jeong Seon Kim: Einfluss der Temperatur beim Rösten von Sesam auf Aroma und antioxidative Eigenschaften des Öls. Dissertation. Berlin, 2001