Öle und Buttern

Schwarzkümmelöl

Schwarzkümmelblüte

Der Schwarzkümmel gehört zur Familie der Ranunculaceae, den so genannten Hahnenfußgewächsen, von denen es ca. 20 Arten gibt, darunter auch in Europa heimische Zierpflanzenarten (bekannt ist z. B. die »Jungfer im Grünen«, Nigella damascena, der Damaszener Schwarzkümmel) und der verwilderte Ackerschwarzkümmel, Nigella arvensis.

Die größte Bedeutung hat der primär im Nahen Osten sowie in Indien, der Türkei und Griechenland heimische Schwarzkümmel Nigella sativa, bereits im alten Testament (Jes 28, 25, 27; siehe auch Fritz Rieneker, Lexikon zur Bibel. Brockhaus, 1998) als (hebräisch) käzach, als Gewürz für Brot und Kuchen erwähnt. Der römische Schriftsteller Plinius sagt im 1. Jhd. n. Chr. vom Schwarzkümmel (er bezeichnet ihn als gith), je stärker er rieche, je schwärzer er sei, desto besser sei er (Plinius, Naturalis historia, 20, 70, 71).

Nigella ist der Diminutiv von (lateinisch) niger (= schwarz) und zielt auf die Farbe der kleinen Samen, die das therapeutisch wirksame, gelbe bis grünbraune Öl enthalten. Charakteristisch sind Geruch und Geschmack des Öls, die als pfeffrig-scharf bis bitter beschrieben werden.
Heute wird Nigella sativa in vielen Ursprungsländern kultiviert. Besonders milde Sorten stammen aus Ägypten; es gibt Quellen, die ägyptisches Schwarzkümmelöl als das wertvollste bezeichnen.
Nigella sativa L. ist eine ca. 30–60 cm hohe, krautige, einjährige Pflanze, die nach der Reife abgemäht, getrocknet und gedroschen wird, bevor das Öl kalt gepresst wird. Es gibt auch mit Lösungsmitteln extrahierte, die raffiniert angeboten werden. Therapeutisch vorzuziehen ist immer das native Öl.

Inhaltsstoffe von Schwarzkümmelöl

Schwarzkümmelöl ist aufgrund des enthaltenen ätherischen Öls ein konzentriertes Öl, das seine Stärke vor allem als Wirkstoff ausspielt. Das Fettsäurespektrum ist durch Linolsäure, Ölsäure und Palmitinsäure geprägt und für sich genommen wertvoll, aber nicht außergewöhnlich; allerdings weist Schwarzkümmelöl geringe Anteile an sehr seltenen Fettsäuren auf, darunter die langkettige, zweifach ungesättigte Eicosadiensäure (C 20:2). Seine Besonderheit ist ätherisches Öl, darin primär Monoterpene wie p-Cymen, Limonen, Carvon und Thymoquinon sowie Phenylether wie z. B. trans-Anethol; u. a. letzteres ist eine Komponente des typischen Geruchs (siehe auch: Bahman Nickavar, Faraz Mojab, Katayoun Javidnia, Mohammad Ali Roodgar Amoli, Chemical Composition of the Fixed and Volatile Oils of Nigella sativa L. from Iran, hier als PDF zum Download). Das ätherische Öl schützt die Pflanze vor Oxidation und bewirkt unter guten Lagerbedingungen (dunkel, kühl, gut verschlossen) eine Haltbarkeit von ca. 1 Jahr.
Sein Tocopherolgehalt ist mit durchschnittlich 30 mg/100 g Öl nicht sehr hoch, es enthält stoffwechsel- und kosmetisch aktives α-Tocopherol (ca. 12 mg/100 g, vergleichbar mit Avocadoöl) und die eher anti-autooxidativ wirkenden γ- und δ-Tocopherole. An Phytosterolen dominieren Sitosterol, Cholesterol, Stigmasterol, Campesterol; ihr Anteil liegt jedoch im üblichen Rahmen pflanzlicher Öle.

Kosmetischer Einsatz von Schwarzkümmelöl

Die dominierenden mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Linolsäure und, wenn auch nur gering vorhanden, γ-Linolensäure, erfüllen wichtige Funktionen: beide sind an der Synthese von Prostaglandinen beteiligt, die das Immunsystem regulieren. Kosmetisch fördern mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Flexibilität der Zellmembrane, unterstützen Stoffwechselprozesse, regulieren Verhornungen und erhalten langfristig die Feuchtigkeitsbalance durch Unterstützung der Hautbarriere: vor allem die Linolsäure leistet als Bestandteil der hauteigenen Ceramide I einen wesentlichen Beitrag zur Regeneration der Lipidbarriere.
Das Schwarzkümmelöl verdankt seinen Ruf jedoch vor allem dem enthaltenen ätherischen Öl, das antiallergische, entzündungshemmende und leicht antibakterielle Eigenschaften aufweist. p-Cymen hat nachweisbare schmerzlindernde Eigenschaften, die auch bei Muskelverspannungen wirksam sind. Schleimlösend und entkrampfend wirkt trans-Anethol, das als östrogenähnlich gilt (siehe auch: E. Zimmermann, Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, Stuttgart, Sonntag-Verlag 2006). Die entzündungshemmende Wirkung wird neueren Studien zufolge vor allem dem Thymochinon zugeschrieben, das Radikalfänger-Eigenschaften besitzt; nun wird geprüft, in wieweit es auch für schmerzlindernde Wirkungen verantwortlich ist. Für allergisch reagierende, entzündliche Haut ist Schwarzkümmelöl ein hervorragendes Wirkstofföl. In seiner Konzentration (ca. 0,5–1 %) an ätherischem Öl ist es bereits per se gezielt pur als Wirkstofföl für bestimmte Indikationen einsetzbar, wird jedoch in der Regel in Pflegepräparaten verdünnt verwendet. Da ihm nennenswerte Mengen an γ-Linolensäure fehlen (auch wenn mitunter gerne damit geworben wird), ist es sehr wirksam in Kombinationen mit Nachtkerzenöl, Hanföl und Johannisbeersamenöl, kombiniert mit Sheabutter. Irritierte, juckende Haut profitiert von Mischungen mit Granatapfelsamenöl. Auch Arganöl ist ein ausgezeichneter Partner für Nigella sativa.

INCI: Nigella Sativa (Black Cumin) Seed Oil

Fettsäurediagramm von Schwarzkümmelöl (Nigella Sativa (Black Cumin) Seed Oil)

  • Wirkstofföl | Ölgruppe: W-3
  • Jodzahl: 115–130
  • Verseifungszahl: 182–197
  • Typ: halb trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem: ca. 0,5 %
  • Zusammensetzung: Linolsäure (ca. 56 %), Ölsäure (ca. 24 %), Palmitinsäure (ca. 12 %), Stearinsäure (ca. 3 %), Eicosadiensäure (C20:2, ca. 2,5 %), ätherisches Öl (0,5–1 %, darin die Monoterpe Thymochinon und Thymol-p-Cymen), Phytosterole (Sitosterol, Cholesterol, Stigmasterol, Campesterol), Tocopherole (ca. 30 mg/100 g), Flavonoide, Saponine (Melanthin, Hederaginin, Hederidin) und Alkaloide (Nigellamine)
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 12 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Entzündliche Haut, allergische Dermatosen, Psoriasis.