Öle und Buttern

Nachtkerzenöl

Nachtkerzenblüte

Die zweijährige Nachtkerze ist eine Pflanze der »Alten Welt« und wurde vor ca. 400 Jahren aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt; sie konnte sich hier als so genannter »Neophyt« (als »neue Pflanze«, außerhalb ihres Herkunftsgebiets) erfolgreich ansiedeln. Die Samen enthalten ca. 24 % fettes Öl. Naturkosmetische Qualitäten werden bevorzugt gepresst; besonders hohe Qualität liefern CO2-extrahierte Öle, da dieses Verfahren nicht nur schonend, sondern auch rückstandsfrei arbeitet. Bedingt durch die oxidative Instabilität wird Nachtkerzenöl in der Regel mit Tocopherol stabilisiert in den Handel gebracht.

Inhaltsstoffe von Nachtkerzenöl

Das Öl der Nachtkerze ist durch seinen außergewöhnlich hohen Gehalt an Linolsäure und der seltenen Gamma-Linolensäure (ca. 9 %) geprägt; im Vergleich zum bekannten Borretschsamenöl mit über 21 % dieser Omega-6-Fettsäure bietet es diese nicht in gleicher Konzentration, wird von manchen jedoch wegen des niedrigeren Gehalts an gesättigten Fettsäuren kosmetisch bevorzugt. Borretschsamenöl enthält zudem auch geringe Mengen Erucasäure, die im Hinblick auf eine langfristige innere Einnahme in manchen Publikationen kritisch gesehen wird.

Kosmetischer Einsatz von Nachtkerzenöl

Das Öl der Nachtkerze ist sowohl innerlich als auch äußerlich prädestiniert für schuppige, entzündliche und dermatitische Haut. Essentielle Fettsäuren (so nennt man Fettsäuren, die nicht selbst vom Körper hergestellt werden können) sind wesentliche Bausteine für die Synthese von Phospholipiden, aus denen die Membrane der Hautzellen gebildet werden. Studien konnten belegen, dass Linol- und γ-Linolensäure bei topischem (also äußerlichem) Auftrag in die Lipidstrukturen der Haut eingebaut werden und sie regenerieren; Hautrauigkeit und transepidermaler Wasserverlust konnten deutlich gesenkt werden. Auch unreine Haut profitiert von Rezepturen mit diesem Öl.

Nachtkerzenöl ist aufgrund seines Fettsäurespektrums ein ausgezeichnetes Wirkstofföl und optimiert jede Mischung mit einem ölsäurebetonten Basisöl wie z. B. Aprikosenkern- oder Mandelöl. In Kombination mit α-linolenreichem Wildrosenöl deckt es die wesentlichen Linolensäuren ab; es ist eine meiner Lieblingsmischungen für reife, trockene Haut.

INCI: Oenothera Biennis (Evening Primrose) Oil

Fettsäurediagramm von Nachtkerzenöl (Oenothera Biennis (Evening Primrose) Oil)

  • Wirkstofföl | Ölgruppe: W-2
  • Jodzahl: 145–162
  • Verseifungszahl: 184–194
  • HLB-Wert: 7
  • Schmelzbereich: -10 °C
  • Typ: halb trocknend/trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem: 1,5–2 %
  • Zusammensetzung: Linolsäure (ca. 75 %), γ-Linolensäure (ca. 9 %), Ölsäure (ca. 7 %), Palmitinsäure (ca. 6 %), Stearinsäure (ca. 2 %), ca 58 mg/100 g Tocopherole (davon ca. 43 mg γ-Tocopherol und 23 mg α-Tocopherol) sowie ca. 2 % Unverseifbares, darunter 44 % Sterole
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 3 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Trockene und entzündliche Haut. Neurodermitis, Schuppenflechte.