Öle und Buttern

Marulaöl

Marulafrüchte | © Jaroslaw Grudzinski, fotolia.com

Der frostempfindliche, jedoch trockenheits- und salzresistente Marulabaum der Suspecies caffra ist überwiegend im Süden Afrikas heimisch; dort bewächst er gerne offenes, bewaldetes Grasland, man findet ihn jedoch auch im Kongo, in Eritrea, Äthiopien, Gambia, Kenia, Malawi, Mozambique, Niger, Senegal, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania und Uganda. Anfang der 90er Jahre hat es erfolgreiche Bemühungen gegeben, den Marulabaum in der israelischen Negevwüste anzusiedeln. In Afrika wächst er ausschließlich wild und wird nicht systematisch kultiviert.

Marula-Region in Afrika

Marula-Region in Afrika | © Heike Käser

Der Marula-Baum gehört zur Familie der Anacardiaceae, der Sumachgewächse und damit zur gleichen Familie wie Mango (Mangifera indica), Akajou-Baum (Anacardium occidentale, Cashew) und Pistazienbaum (Pistacia vera). Er ist ein ca. 15–20 Meter hoher Baum mit breiter Krone, typisch silbrig gesprenkelten Rinde und kleinen roten Blüten. Seine etwa pflaumengroßen, gelben Steinfrüchte enthalten ein aromatisches, süßsaures und weiß-durchscheinendes Fruchtfleisch und einen sehr harten Samen mit zwei oder mehr ölreichen Kernen (bis zu 56 % Öl), die sehr nussig schmecken sollen und pur gegessen werden, da sie mit ca. 30 % reich an Proteinen sind; zudem enthalten sie Zitronensäure (2 %), Apfelsäuren und Zucker, Phosphor, Magnesium, Kupfer, Zink, Thiamin und Nikotinsäure. Die Frucht dient als Grundlage für erfrischende Getränke und für Spirituosen, traditonell werden jedoch auch Holz (als Bauholz), das gerbstoffreiche Gummi (mit Ruß gemischt als Tinte) und Rinde, Wurzel und Blätter für verschiedene volksmedizinische Zwecke genutzt, u. a. als Extrakt oder Aufguss gegen diverse Infektionskrankheiten, Fieber und Durchfall, die Wurzeln gegen Augenerkrankungen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Extrakte aus den Blättern die Glucosetoleranz von Diabetikern positiv beeinflussen können.

Archäologische Höhlenfunde weisen darauf hin, dass der Marulabaum seit Jahrtausenden in der südafrikanischen Kultur verankert ist; das Öl selbst scheint auch heute noch in manchen Kulturen einen rituellen und symbolischen Wert zu haben: Anfang der 70er Jahre berichten E. Palmer und N. Pitman von traditionellen Zeremonien bei den Zulu, in denen Marulaöl bei der Geburt von Mädchen eine wichtige Rolle spielt, um sie »in der Welt willkommen zu heißen«. Das Öl symbolisiere, so die Autoren, »weibliche Fruchtbarkeit, Weichheit und Zärtlichkeit«.

Inhaltsstoffe von Marulaöl

Phenolische Bindungen im Öl scheinen dafür verantwortlich zu sein, dass Marula als stabiles, lange haltbares Öl gilt; 2005 ergab eine Untersuchung eine deutliche Verbesserung der Oxidationsstabilität von Ölmischungen mit Marulaöl, die vermutlich auf enthaltene phenolische Verbindungen (die bisher identifizierbaren phenolischen Verbindungen sind einfache phenolische Säuren wie die Derivate der Hydroxybenzoesäure bzw. der Hydroxyzimtsäure) zurückzuführen sind, eine spezielle Stoffklasse von Alkoholen, bei denen eine OH-Gruppe an einem Ring aus C-Molekülen hängt (1). Auch der Gehalt an γ-Tocopherol fördert die antioxidativen Eigenschaften dieses Öls; er ist jedoch zu gering, um alleine überzeugende Ergebnisse zu erklären. Andere Untersuchungen schreiben dem Anteil an Unverseifbarem, der mit ca. 3800–4300 mg/kg angegeben wird, seine antioxidative Wirkung zu; hier stehen noch weitere Untersuchungen aus. Noch sind nicht alle Bestandteile des Unverseifbaren identifiziert, scheinen aber stärker antioxidativ zu wirken als andere Öle mit höheren Anteilen, wenn man den Aussagen glauben darf. Bis hierzu nähere Ergebnisse vorliegen, würde ich diese Informationen unter Vorbehalt zur Kenntnis nehmen.

Kosmetischer Einsatz von Marulaöl

Marulaöl ist ein noch relativ unbekanntes Öl, das sehr gute Pflege-Eigenschaften aufweist. Traditionell wird es von südafrikanischen Frauen in der Körperpflege als rückfettendes und feuchtigkeitsbindendes Kosmetikum gegen trockene, rissige Haut und in der Haarpflege, aber auch zum Kochen verwendet; viele Quellen nennen seine Verwendung für Nasen- und Ohrentropfen. Es ist geruchsdezent und eignet sich daher hervorragend als Basisöl zum Mischen mit ätherischen Ölen. Rezepturen mit Marula sind angenehm leicht und hinterlassen ein ausgesprochen weiches, angenehmes Hautgefühl; ich habe es sowohl in Pflegepräparaten für das Gesicht wie auch als Massageöl verwendet und es als sehr angenehm empfunden. Es stärkt den hauteigenen Lipidfilm durch seinen relativ hohen Gehalt an den gesättigten Fettsäuren Palmitin- und Stearinsäure, zieht jedoch durch den hohen Gehalt an Ölsäure sehr gut ein. Ich nenne Marulaöl gerne »Schutzöl«, weil es durch seine spezifische Zusammensetzung eine »Hülle« gegen Umwelteinflüsse bildet und den transepidermalen Wasserverlust verringert; auch soll es Hautrötungen verringern. In einer ausgewogenen Emulsion sollte Marulaöl mit einem linolsäurebetonten Öl gemischt werden. Ein hervorragendes Öl zum Kombinieren ist z. B. Hanföl, das im Gegenzug durch das Marulaöl oxidationsstabilisiert wird.

INCI: Sclerocarya birrea (Marula) Oil

Fettsäurediagramm von Marulaöl (Sclerocarya birrea (Marula) Oil)

  • Basisöl | Ölgruppe: B-0
  • Jodzahl: 64–76
  • Verseifungszahl: 192–200
  • Typ: nicht trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteil an Unverseifbarem: ca. 0,8 %
  • Zusammensetzung: Ölsäure (ca. 65–70 %), Palmitinsäure (ca. 13 %), Stearinsäure (ca. 9 %), Linolsäure (wird in vielen Analysen nicht genannt, in anderen sind ca. 6 % notiert), γ-Tocopherol (ca. 22 mg/100 g)
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 18 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Normale bis trockene Haut. Oxidationsstabiles Öl für Mischungen mit mehrfach ungesättigten Ölen, gutes Massageöl.

© Artikelbild: Jaroslaw Grudzinski, fotolia.com

Quellen

  1. Nerd, A. and Y. Mizrahi. 1993. Domestication and introduction of marula (Sclerocarya birrea subsp. Caffra) as a new crop for the Negev desert of Israel. p. 496-499. In: J. Janick and J.E. Simon (eds.), New crops. Wiley, New York.