Öle und Buttern

Hanföl

Die Hanfpflanze gehört, wie Sesam, zu den ältesten Kulturpflanzen. Ursprünglich aus Mittelasien stammend, wurde sie auch in Europa kultiviert; ihre weltwirtschaftliche Bedeutung war enorm: Blüten, Blätter, Fasern, Samen fanden Verwendung im Textilgewerbe, im Schiffsbau (Seile und Segeltuch), als Nahrungsmittel und in der Medizin. Die Einführung von Baumwolle und Kunstfasern verdrängten die Hanfpflanze; aber auch der Gehalt an dem Rauschmittel Tetrahydrocannabinol (THC) führten zu einem Anbauverbot. Bis heute dürfen nur Hanfsorten angebaut werden, die einen THC-Gehalt von weniger als 0,3 % aufweisen und in einem »Gemeinsamen Sortenkatalog der EU« gelistet sind.

Inhaltsstoffe von Hanföl

Das Fettsäurespektrum von Hanföl (der Anteil an der Omega-6-Fettsäure Linolsäure zur Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure beträgt 3:1) weist große Ähnlichkeit mit dem ernährungsphysiologisch optimalen Verhältnis von 4:1 auf, daher gilt es als ausgesprochen wertvolles und empfehlenswertes Speise- und Pflegeöl. Eine weitere, sehr interessante Fettsäure, die 4-fach ungesättigte Stearidonsäure (eine Omega-3-Fettsäure, C18:4) spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Prostaglandinen, menschlichen Hormonen. Untersuchungen verschiedener Hanfsorten hinsichtlich ihres Fettsäurespektrums ergaben erstaunlich konstante Gehalte an Linol- und α-Linolensäure; vermutlich sind diese Merkmale genotypisch stark gefestigt – oder dies deutet darauf hin, dass bisher wenig auf diese Eigenschaften züchterisch Einfluss genommen wurde. Unter den wertvollen Fettbegleitstoffen nehmen Phytosterole, darunter vor allem Sitosterin mit ca. 66–72 % an der Gesamtmenge, ca. 0,5–1,5 % Anteil ein, die als wesentlicher Bestandteil der Hautbarriereschicht den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) verringern und die Lipidlayer intakt halten.

Kosmetischer Einsatz von Hanföl

Seine entzündungshemmende Wirkung bewährt sich auch bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Dies liegt u. a. am geringen Gehalt an Gamma-Linolensäure, die nur in Nachtkerzen-, Borretschsamen- und Johannisbeersamenöl in nennenswerter Menge vorkommt. Die wertvolle α-Linolensäure verleiht dem Hanföl stark regenerierende und zellerneuernde Eigenschaften, die es sowohl für einen Einsatz bei trockener als auch bei reifer Haut prädestinieren.

Hanföl mit seinen über 80 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren sollte daher kühl, gut verschlossen und dunkel gelagert werden; sein hoher Gehalt an antioxidativ wirksamem γ-Tocopherol gibt ihm jedoch einen gewissen »Eigenschutz«. Hanföl profitiert von einer Kombination mit ölsäurehaltigen Ölen wie z. B. Avocado-, Mandel-, Argan- oder Haselnussöl. Besonders empfehlenswert ist es in einer Mischung mit dem außerordentlich oxidationsstabilen Marulaöl, das nicht nur das Fettsäurespektrum hervorragend ergänzt, sondern auch das Hanföl stabilisiert. Im Hautgefühl ist es dem Wildrosenöl sehr ähnlich; es zieht haptisch gut ein und macht die Haut ausgeprochen glatt und weich.

INCI: Cannabis Sativa (Hemp) Seed Oil

Fettsäurediagramm von Hanföl (Cannabis Sativa (Hemp) Seed Oil)

  • Wirkstofföl | Ölgruppe: W-1
  • Jodzahl: 148–167
  • Verseifungszahl: 190–195
  • HLB-Wert: 7
  • Schmelzbereich: -27 bis -15 °C
  • Typ: halb trocknend/trockend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Anteile an Unverseifbarem: 0,5–1,5 %
  • Zusammensetzung: Linolsäure (ca. 56 %), α-Linolensäure (ca. 16 %), Ölsäure (ca. 13–16 %), γ-Linolensäure (ca. 0,5–3 %), Stearinsäure (ca. 3 %), Tocopherole (γ-Tocopherol ca. 63 mg/100 g, α-Tocopherol ca. 13 mg/100 g, δ-Tocopherol ca. 10 mg/100 g und ca. 3 mg/100 g β-Tocopherol), Phytosterole (ca. 0,5–1,5 %).
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 6 Monate