Öle und Buttern
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Haferöl

Haferöl | Urheber: Mojo Creative Ltd, fotolia.com

Haferöl, auch Hafersamen- oder Haferkernöl genannt, wird in der Naturkosmetik als Oat Oil oder Avena sativa (Oat) Kernel Oil gerne da verwendet, wo eine hautberuhigende und restrukturierende kosmetische Wirkung gewünscht wird, z. B. in der Beruhigenden Creme Kamille Borretsch von Primavera. Meine Erfahrungen mit diesem Öl haben mich veranlasst, auf Basis meiner Recherchen ein Portrait zusammenzutragen.

Das folgende Foto zeigt das Muster des Haferöls, das mir All Organic Trading damals freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat: Goldgelb in der Farbe, im Geruch dezent, mit einer leicht nussigen Hafernote. Es zeigt eine gewisse Viskosität; im Kühlschrank sind nach einigen Stunden leichte Trübungen festzustellen, die bei Zimmertemperatur wieder verschwinden: Auskristallisierte Fettbestandteile mit höherem Schmelzpunkt. Auf der Hand verrieben zeigt ein Tropfen des Öls seine schützende Präsenz, ohne dominant zu wirken, und hinterlässt ein weiches Hautbild.

Muster des Hafersamenöls von All Organic Trading

Das Fettsäuremuster von Haferöl

Mein erster Blick gilt immer dem Fettsäurespektrum, und hier fallen mir gewisse Ähnlichkeiten auf. Betrachten wir zunächst einmal Haferöl:

Fettsäurediagramm Haferöl

Fettsäurediagramm von Haferöl

Ich habe verschiedene chargenbezogene Analysezertifikate ausgewertet, folgende Werte geben typische Spannen in % an (Mittelwert/Wert meines Musters):

Myristinsäure (C 14:0): 0,5–1,5 (1,0/0,2) %
Palmitinsäure (C 16:0): 14–18 (16/15,7) %
Stearinsäure (C 18:0): 1–2,2 (1,5/1,3) %
Ölsäure (C 18:1): 35–45 (40/39,8) %
Linolsäure (C 18:2): 35–43 (39/40) %
Alpha-Linolensäure (C 18:3): 1–2 (1,5/1,5) %

Jodzahl: 100 (Spezifikation: 86–123)
Verseifungszahl: 190 (Spezifikation:185–190)

Hafer enthält im Vergleich zu anderen Getreiden einen relativ hohen Lipidanteil in den Samen. Der höchste dokumentierte Gehalt liegt bei 18 %, in der Regel schwankt der Fettgehalt (je nach Extraktionsmethode und Sorte) zwischen 2 und 12 %. Ungewöhnlich ist der hohe Anteil an Glyco- und Phospholipiden (um die 10 bzw. 11 %, auf den Gesamtlipidgehalt gerechnet). Dieser Gehalt prägt auch seinen kosmetischen Einsatz: Haferöl ist ein reichhaltiges Öl, das schützende, die Befeuchtung der Haut unterstützende Eigenschaften mitbringt: Palmitinsäure ist wesentlicher Bestandteil der Hautbarriere, öleigene Phospholipide fördern die Benetzung der Haut, binden Wasser und bieten wertvolle Lipidbausteine. Der hohe Linolsäuregehalt ist haptisch nicht spürbar; es dominiert der schützende Charakter dieses Öls.

Wenn wir Haferöl mit den Fettsäurespektren anderer Öle der Ölgruppe B-2 vergleichen, finden wir formal durchaus Ähnlichkeiten (bei Mausklick auf das Bild können Sie es in Originalgröße sehen, links Haferöl, Mitte Arganöl, rechts Reiskeimöl):

Legende: Ölsäure | Linolsäure | Palmitinsäure | Stearinsäure | Alpha-Linolensäure

Fettsäuremuster von Haferöl im Vergleich

Im Vergleich zu den anderen beiden Ölen punktet Haferöl mit einem Anteil an der kosmetisch aktiven α-Linolensäure, abgesehen davon sind sich vor allem Reiskeimöl und Haferöl sehr ähnlich, hier sogar im Hinblick auf den sehr geringen Stearinsäureanteil. Erstaunlich, wie unterschiedlich diese Öle dennoch in ihrer Haptik sind! Es ist der Anteil an Phospho- und Glycolipiden, der dies im Wesentlichen bewirkt.

Tocopherole in Haferöl

Je nach Extraktionsmethode ergeben sich überraschend unterschiedliche Gehalte an Tocopherolen und Tocotrienolen; dabei ergibt die sogenannte Verseifungsmethode durchschnittlich höhere Werte. Eine Vermutung ist, dass durch die Verseifung an Ester gebundene Tocols (»Tocols« ist der Sammelbegriff für Tocopherole und Tocotrienole) frei werden. Eine andere sieht das alkalische Milieu dieser Methode als Ursache, die durch Quellung der Zellwände in Cellulosefasern fixierte Tocols der Extraktion zugänglich macht. Durchschnittliche Gehalte an Tocopherolen im Öl betragen, abhängig von der Methode 13–32 mg/kg (Methode: direkte Extraktion) bzw. 16–50 mg/kg, in einigen Studien bis 80 g/kg (Methode: Saponifikation). Eine Produktspezifikation eines Anbieters in UK nennt einen Mindestgehalt von 100 mg/kg. Mein Muster ist eine CO2-Extraktion, der Tocopherolgehalt nicht ausgewiesen – was nicht verwundert, denn dies wird nur selten gemacht.

Innerhalb der Tocols befinden sich nach meinen Recherchen:

Alpha-Tocotrienol: 9,1–18,5 mg/kg
Alpha-Tocopherol: 7,2–9,6 mg/kg

Lipidkomponenten der Samen in %

(hier dokumentiert der mir vorliegende Artikel Lipidgehalte bis 8,8%)
Totaler Lipidgehalt: 5,5–8,8
Sterolester: 0,1–2
Triglyceride: 3,2–3,6
Partialglyceride: 0,7–1,5
Glycolipide: 0,1–0,7
Phospholipide: 0,3–2,6
Sterole: 350–491 µg/g vom Trockengewicht der Samen
davon:
Beta-Sitosterol (237–321 µg/g)
Campesterol (32–46 µg/g)
Delta-5-Avenasterol (15–47 µg/g)
Stigmasterol (11–21 µg/g)

Daneben fand ich in diversen Berichten Hinweise auf Antioxidantien, u. a. Phytic Acid, phenolische Komponenten und Avenanthramide.

Bisheriges Resümee

Eingesetzt habe ich Haferöl bisher in meinem Ceramide-Protect-Fluid, als Solo-Öl in meiner Jasmin-Haarmilch (beide Formulierungen aus meinem Buch »Naturkosmetik selber machen«) und in meiner Haarpflege pur als Pre Wash (also 1–2 Stunden vor der Haarwäsche).

Artikelbild: oat oil: © Mojo Creative Ltd – Fotolia.com

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