Öle und Buttern

Baobaböl

Baobabfrucht

Der Baobabbaum gehört zur Familie der Bombacaceae, der Kapok- oder Wollbaumgewächse, und prägt aufgrund seiner außergewöhnlichen Form die Landschaften, in denen er wächst. Der Baobabbaum ist ein bis zu 25 m hoher, massiver Baum mit einem kantigen Stamm, der unten sehr ausladend werden kann und sich nach oben konisch verjüngt; im Alter neigt er zu flaschenförmigem Wuchs.

Die harte, faserige Rinde ist bis zu 25 mm dick, rotbraun bis gräulich und kann glatt bis zerfurcht sein, seine nur 4 Monate im Jahr belaubte Krone erinnert an ein Wurzelwerk: einer afrikanischen Sage zufolge strebte der Baobabbaum danach, schöner zu sein als alle anderen Bäume. Als er gewahr wurde, dass ihm das nie gelingen sollte, steckte er seinen Kopf in die Erde und zeigt seitdem, so wird erzählt, seine Wurzeln. In den übrigen Monaten lebt der Baum von seinen Wasserreserven im Stamm und einer Schicht photosynthese-aktiver Zellen unter der Rinde. Hauptsächlich verbreitet ist er in Afrika; es gibt jedoch auch Bäume in Indien, Kuba und Indonesien. Alles an ihm wird genutzt: Blätter, die Rinde, das Öl, das Fruchtfleisch – als Nahrungsmittel, Getränk, Klebstoff, Baumaterial, Brennholz, Heilmittel.

Kosmetisch verwendet werden neben dem Öl vor allem die gerbstoff-, catechin- und flavonoidreichen Blätter gegen Akne und Entzündungen und Extrakte aus den roten Fasern der getrockneten Fruchtpulpe als Antioxidantien. Aus den großen, wachsweißen und unangenehm riechenden Blüten entwickeln sich an langen Stielen herabhängende Früchte, die je nach Herkunftsgebiet sehr unterschiedlich aussehen; ihre Größe reicht von 25–54 cm Länge, ihre Form variiert von kugelförmig, länglich bis eiförmig. Innen befinden sich viele, ca. 13 x 9 mm große, braune Samen in einer rotbraunen, faserigen Pulpa, die ca. 15 % Öl enthalten. Bis die Bäume das erste Mal tragen, können 20 Jahre vergehen. Sein deutscher Name ist »Affenbrotbaum« (engl. Monkey Bread), da seine Früchte gerne von Affen verzehrt werden. Humar, homeira oder tebeldi wird er im Sudan genannt; gunguleiz nennen die Einheimischen die Früchte.

Inhaltsstoffe von Baobaböl

Im Hinblick auf sein Fettsäurespektrum ist der hohe Palmitinsäuregehalt zu nennen, der mit ca. 23 % den anderer Öle übertrifft und dem Öl eine gute oxidative Stabilität verleiht. Daneben weist Baobaböl Öl- (ca. 34–38 %) und Linolsäure (ca. 29 %) in einem sehr ausgewogenen Verhältnis auf. Auffällig sind die starken Schwankungen in den konkreten Fettsäure-Werten verschiedener Öle, die ich aus der Literatur entnommen habe und die für Ölsäure teilweise bis 59 %, für Palmitinsäure bis 30 % notieren. Eventuell spiegelt sich in ihnen die Varianz der Lebensbedingungen in den Herkunftsgebieten wieder; möglicherweise sind die Analysen auch nicht korrekt oder die Öle waren verschnitten. Meine Werte habe ich den mir freundlicherweise zur Verfügung gestellten Analysezertifikaten zweier deutscher Firmen entnommen, die ihre Öle in deutschen Laboren analysieren lassen und bei denen ich sicher sein kann, dass diese Öle aus seriöser Herkunft stammen; hier liegen die Werte dicht an einander.

Palmitinsäure ist mit ca. 37 % das am häufigsten vertretene Lipid innerhalb der Bilayer im Stratum Corneum; allerdings enthalten die meisten kosmetisch eingesetzten Pflanzenöle genügend Palmitinsäure, um die Haut mit notwendigen Lipidbausteinen zu versorgen. Die Baobabfrucht selbst ist außergewöhnlich reich an Vitamin C; im Öl selbst ist, entgegen üblicher Werbeversprechen, die bisweilen unreflektiert kursieren, kein Vitamin C enthalten.

Kosmetischer Einsatz von Baobaböl

Baobaböl ist ein vielseitig einsetzbares Öl und eignet sich als stabilisierende Komponente vor allem in Ölmischungen für trockene und barrieregestörte Haut. Sein hoher Gehalt an gesättigten Fettsäuren prädestiniert es als Ersatz für Pflanzenbuttern in feuchtigkeitsbindenden, fluideren Emulsionen oder als Basisöl in Verbindung mit linolensäure-betonten Ölen wie Wildrosen-, Granatapfel- und Nachtkerzenöl sowie den oxidationsempfindlichen »grünen« Ölen wie Johannisbeersamen- oder Holundersamenöl. Es schützt die Haut vor transepidermalem Wasserverlust und wirkt glättend, ausgesprochen »einhüllend« und barriereschützend.

INCI: Adansonia Digitata Seed oil

Fettsäurediagramm von Baobaböl (Adansonia Digitata Seed Oil)
Basisöl | Ölgruppe: B-2
Jodzahl: 65–95
Verseifungszahl: 185–200
Typ: nicht trocknend
Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
Anteile an Unverseifbarem: 1–3,8 %
Zusammensetzung: Palmitinsäure (ca. 23 %), Ölsäure (ca. 34–38 %), Linolsäure (ca. 29 %), Stearinsäure (ca. 2–4 %), Unverseifbares (ca. 1–3,8 %, vor allem β-Sitosterol, Δ7-Avenasterol, Campesterol, Cholesterol, Stigmasterol).
Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 12 Monate
Kosmetischer Einsatz: Trockene, spröde, barrieregestörte Haut. Gutes Massageöl.

Quellen

  1. J. Gebauer, K. El-Siddig, G. Ebert: Baobab (Adansonia digitata L.): A Review on a multipurpose Tree with Promising Future in the Sudan. Gartenbauwissenschaft, 2002, 67 (4), S. 155–160
  2. A. Hughes, N. Haq, R.W. Smith (Hrsg): Baobab. Adansonia digitata L. Southhampton: International Centre of Underutilised Crops, 2002
  3. I. A. Ajayi, F. A. Dawodu, R. A. Oderinde, A. Egunyomi: Fatty acid composition and metal content of Adansonia digitata seeds and seed oil. Rivista Italiana delle Sostanze Grasse, 2003, vol. 80, Nr. 1, pp.  41–43