Öle und Buttern

Avellanaöl

Blühende Avellana (Gevuina avellana), © Leo Ridano, fotolia.com

Botanisch gesehen gehört Gevuina avellana zu den Silberbaumgewächsen und damit zur gleichen Familie wie die Macadamianuss, die auch als »australische Haselnuss« bezeichnet wird. Die Samen beinhalten hohe Anteile an Proteinen und bis zu knapp 50 % Öl, das üblicherweise durch Pressung gewonnen wird: Vor dem Pressen werden die Nüsse geschält, gemahlen und erhitzt; gewonnen wird Öl und eine Nusspaste, die noch einen relativ hohen Restgehalt an Öl aufweist. Aus diesem Grund werden daneben alternative Extraktionsmethoden mit Enzymen eingesetzt, die die Ausbeute erhöhen und die Qualität des Öls verbessern sollen.

Inhaltsstoffe von Avellanaöl

Das helle Öl aus der chilenischen Haselnuss weist einen zarten, leicht »erdigen» Geruch auf und ist in seinem Fettsäurespektrum vollkommen anders als das europäische Haselnussöl, wie Sie unten im Vergleich beider Diagramme sehen können. Besonders herausragend ist sein hoher Gehalt an Palmitoleinsäure, der es für sensible und reife Haut prädestiniert. Durch seinen hohen Gehalt an α-Tocotrienol ist es oxidativ stabil und kann hervorragend in lichtexponierten kosmetischen Präparaten eingearbeitet werden.

Fettsäurezusammensetzung von Avellanaöl (%)
Fettsäure Bertoli (1998)¹ Aitzetmüller (2004)²
Quelle: ¹ und ² Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids) der BfEL Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel)
Palmitoleinsäure 22,7 24,2
Palmitinsäure 1,9 1,6
Stearinsäure 0,5 0,5
Ölsäure 39,4 (Δ9c) 29,3 (Δ9c)
Linolsäure 5,6 8,8
Linolensäure 0,1 0,2

Kosmetischer Einsatz von Avellanaöl

Avellanaöl ist ausgesprochen verträglich auch bei gereizter oder neurodermitischer Haut. Ihm wird ein gewisser Lichtschutzfaktor zugeschrieben; es absorbiert offenbar kurzwellige UV-Strahlung und lässt nur bräunende Strahlen passieren¹. Ein Mann schilderte mir in einem Mail sehr positive Erfahrungen mit diesem Öl, er selbst habe »mit Avellanaöl und Sonnenschutz bisher gute Erfahrungen gemacht«, selbst einen mehrstündigen Aufenhalt im Garten habe seine Haut ohne Rötungen überstanden.
Das Öl zieht sehr schnell ein und hinterlässt ein weiches Hautgefühl. Da sein Linolsäuregehalt gering ist, bietet sich in nächtlichen Pflegepräparaten eine Kombination z. B. mit Hanföl oder anderen Ölen an, die Linol- und Linolensäuren mitbringen. Johannisbeersamen-, Wildrosen- und Nachtkerzenöl sind sehr gute Begleiter. In Sonnenschutz-Formulierungen sollte Avellanaöl ausschließlich mit lichtstabilen Ölen kombiniert werden.

INCI: Gevuina Avellana Molina Seed Oil

Fettsäurediagramm von Avellanaöl (Gevuina Avellana Molina Seed Oil)

  • Basisöl | Ölgruppe B-1
  • Jodzahl: 87
  • Typ: nicht trocknend
  • Spreitwert nach Olionatura®: mittelspreitend
  • Zusammensetzung: Ölsäure (ca. 29–39 %), Palmitoleinsäure (ca. 23 %), Linolsäure (ca. 6–9 %), Eicosansäure (ca. 9 %). Tocopherole (ca. 26 mg/100 g, vor allem α-Tocotrienol)
  • Unverseifbares: 0,4–1,3 %
  • Haltbarkeit (nach Anbruch des Gebindes): ca. 9 Monate
  • Kosmetischer Einsatz: Gutes Basisöl bei trockener, gereizter und reifer Haut. Für intensiv pflegende Haut- und Sonnenpflegeprodukte.

Quellen

  1. R. I. Santamaria, C. Soto, M. E. Zúñinga, R. Chamy, A. López-Munguía: Enzymatic Extraction of Oil from Gevuina avellana, the Chilean Hazelnut. Journal of the American Oil Chemists‘ Society, Vol. 80, 1 (2003)