Pigmente und Puderstoffe

Tonerden

Es gibt verschiedene Tonerden, die wir innerlich oder äußerlich als kosmetischen Rohstoff nutzen können. Die Bezeichnungen haben Sie sicher schon oft gehört: Heilerde, Lavaerde, Wascherde, Rhassoul oder Ghassoul, rote, grüne und weiße Tonerde, Kaolin, um nur einige zu nennen – wobei verschiedene Begriffe oft das gleiche Produkt meinen. Allen Erden ist gemein, dass sie in der letzten Eiszeit (dem Deluvium) entstanden sind, als Gletscher Felsen und Gestein zu feinem Staub zermahlen haben. Es gibt Erden, die der Wind zusammen getragen hat (Ablagerungs-Tonerden), solche, die aus zersetztem Feldspat stammen (Kaolinite) oder aus zerfallenem Eruptivgestein (Montmorillonite).

INCI: Argile (französisch), clay (englisch)

  • Funktion: Pigment, Puderbestandteil
  • Dosierung:  bis 100 %
  • Wirkung: reinigend, beruhigend, klärend, als sanftes Peeling

Grundlage aller Tonerden ist Löss. Er besteht primär aus Quarz (Sand, ca. 40– 70 %), Tonerde-Silikaten (Feldspat, Glimmer, Montmorrillonit, ca. 10–30 %), Kalk (ca. 10–30 %), Mineralien und Spurenelementen. Je nach Anteilen der einzelnen Stoffgruppen und Mineralstoffe haben sie Eigenschaften, die ihren optimalen Einsatzbereich bedingen, Eisen-, Kupfer- und Magnesiumoxide erzeugen die bekannte Palette an Farben.

Tonerden enthalten fast alle essentiellen Mineralstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung; allerdings sind viele derart kristallin gebunden, dass sie nicht verwertet werden können. Löslich sind in der Regel Kalzium, Kalium, Magnesium, Silizium, Eisen, Natrium und Aluminium (letzteres jedoch in so geringer Menge, dass sie keine negativen Wirkungen befürchten müssen). Die Mineraloxide bewirken auch die jeweilige spezifische Färbung der Erden.

Natürlich müssen Erden keimfrei sein; zum einen gewinnt man sie aus sehr großen Erdtiefen, in denen keine Verunreinigungen enthalten sind, zum anderen werden sie, je nach Herkunft und Tradition, in Öfen, in praller Sonne oder durch Pasteurisieren keimfrei gemacht. probematisch können Schwermetallverbindungen sein, von denen vor allem natürliche Eden betroffen sind. Hochwertige Qualitäten werden daher aufgereinigt und auf Rückstände analysiert.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Die Partikel der Tonerden verfügen über unregelmäßige, z. T. zerklüftete und raue Oberflächen, die eine enorme Vergrößerung der Oberfläche bedingen und an denen andere Stoffe leicht haften bleiben. Diese Bindungsfähigkeit (auch Sorptionsvermögen genannt) ist ein typisches Merkmal aller Erden: auf eine Oberfläche (Haut, Wunde usw.) aufgebracht, vermögen sie Flüssigkeiten und Substanzen aufzusaugen und zu binden. Erden verfügen über eine »kapillare Saugkraft«: Wasser steigt in die Hohlräume der Partikel – je feiner eine Erde, desto stärker ist der absorbierende Effekt. Allerdings muss auch eine gewisse Wasserdurchlässigkeit gegeben sein; daher wählt man i. d. R. für den äußeren Gebrauch eine Erde, die nicht ultrafein zerrieben ist, sondern eine mittelgroße Teilchengröße aufweist.
Ein weiteres Prinzip unterstützt die Sorptionsfähigkeit verschiedener Erden: die Partikel enthalten Kalzium-, Magnesium-, Kalium- oder Natrium-Ionen, die gegen andere Ionen ausgetauscht werden können. Die Intensität dieses Ionentauschs ist von den Ionen abhängig, die ursprünglich an der Oberfläche des Partikels hafteten – daher unterscheiden sich die diversen Erden nicht nur in ihrer Partikelgröße, sondern auch durch ihre spezifische Zusammensetzung und absorbierenden Wirkung von einander.

Heilerde

Heilerde besitzt ein gutes Sorptionsvermögen und eignet sich als Grundlage für Packungen, als Badezusatz und zum Gurgeln.

Grüne Mineralerde (Illite)

Grüne Mineralerde wird innerlich und äußerlich verwendet und eignet sich als vielseitige Grundlage für Masken, Peelings, Reinigungscremes und als Badezusatz. In kleinen Mengen wird sie auch gerne zum Korrigieren von tönenden Mineralmischungen und Pudern verwendet, da sie Rötungen optisch mildert.

Farbige Tonerden (rot, gelb, rosa)

In der Zusammensetzung und Wirkung ähnlich sind gelbe, rosa und rote Tonerde, die ihre Farbe einer unterschiedlichen Menge an Eisenoxiden verdanken und bevorzugt äußerlich angewendet werden. Rosa Tonerde ist eine Mischung aus ca. zwei Dritteln weißer und einem Drittel roter Tonerde. Neben ihrer Eignung als Maske und in Reinigungspräparaten werden sie auch gerne zum Abtönen von Emulsionen oder als färbender Zusatz in Pudern und Seifen verwendet.

Lavaerde (Ghassoul, Wascherde)

Frisch als Gel angerührt eignet sich diese Erde für die Haar- und Körperreinigung, als Gesichtspeeling oder Zusatz in Reinigungscremes für fettende, unreine Haut. Als Haarreinigungsgel ist es wichtig, Ghassoul (in Wasser zu einem Gel angerührt) nur sanft aufzutragen und nicht einzumassieren, da die winzigen Kanten der Partikel leicht zu Haarschäden und in Folge zu Haarbruch führen können. Das Ghassoul-Gel wird nach kurzer Einwirkzeit sanft und ohne Reiben und Massieren (!) gründlich ausgewaschen.

Kaolin (Bolus Alba, Porzellanerde)

Kaolin ist ideal als Maskenbasis, für Reinigungspasten und als Grundlage für Gesichts- und Körperpuder (dort erhöht Kaolin die Haftfähigkeit und absorbiert Hautfett und Feuchtigkeit). Sehr gut eignet sich Kaolin mit 0,5–1 % Einsatzkonzentration auch zur Stabilisierung von Emulsionen, in denen es zudem ein weniger fettendes Hautgefühl erzeugt. Kaolin reinigt nach meiner Erfahrung ausgesprochen sanft und wird in der Regel auch von reifer, trockener Haut als Peeling (pur, mit Wasser angerührt) ausgezeichnet vertragen.