Pflanzliche Wirkstoffe
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Pflanzenmazerate

Ölige Pflanzenmazerate sind Auszüge aus frischen oder getrockneten Pflanzenteilen, die öllösliche (lipophile) Wirkstoffe der Ursprungspflanze enthalten. Einige bekannte Heilpflanzen werden traditionell als Ölauszug genutzt, so z. B. die Calendula oder das Johanniskraut (Hypericum perforatum). Industriell wird aus Preisgründen häufig raffiniertes Sojaöl als Trägeröl verwendet. Bei selbst angesetzten Auszügen ist natives Olivenöl die bessere Wahl, da es relativ lange haltbar ist und ausgezeichnete Pflegeeigenschaften besitzt. Auch Jojobaöl eignet sich hervorragend, zumal es einen geringen Eigengeruch aufweist. Gerne nehme ich Mandelöl, weil es ausgesprochen pflegend, geruchsdezent und universal einsetzbar ist, allerdings sollte hier ein Blick auf seine relativ beschränkte Haltbarkeit erfolgen.


INCI:

  • Funktion: Teil der Fettphase
  • Dosierung: Bis 100 %
  • Wirkung: rückfettend, ansonsten abhängig von der ausgezogenen Pflanze
  • Verarbeitung: In die heiße Fettphase oder – optimal, wenn nur eine kleine Menge verarbeitet wird – in das handwarme Produkt einarbeiten.

Hinweise zur Herstellung eines Ölmazerats finden Sie in diesem Basisbeitrag.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Das Öl extrahiert u. a. ätherische Öle, fettlösliche Flavonoide, Karotinoide, Phytosterole und andere Substanzen. Die Verbindung pflegender Öle und der Wirkstoffe bewirkt eine gute Aufnahme in die Haut, die auch in medizinischen Rezepturen (denken Sie an Calendula-Salbe) genutzt werden.

Verarbeitung

Kräuterauszüge nehmen in besonderem Maße den Duft der Trägerpflanze an und eignen sich sehr gut als Basis für pflegende Produkte, da sie auch ätherische Öle extrahieren. Je nach Trägeröl und Pflanze können Sie die Fettphase eines Rezepts dominieren oder nur in geringen Mengen eingesetzt werden. Pflanzenauszüge sollten, wenn möglich, kalt verarbeitet oder nur kurz erhitzt werden, um die Inhaltsstoffe zu schonen. Eine Einarbeitung in die heiße Fettphase ist auf Grund der Kürze des Kontakts mit Hitze durchaus möglich, wenn die Rezeptur dies erfordert; kritischer für die oxidative Stabilität des Öls und der Wirkstoffe sind eher die teilweise langen Auszugszeiten in der Sonne oder das stundenlange Simmern von Heißauszügen auf dem Herd. Hervorragend eingesetzt (sozusagen als naturkosmetischer »Klassiker«) sind sie in wasserfreien Balsamen in Verbindung mit Bienen- oder Sonnenblumenwachs, eventuell kombiniert mit auf den Hautzustand abgestimmten ätherischen Ölen.
Ich habe zeitweise sehr viele Mazerate angesetzt und dann feststellen müssen, dass ich doch sehr wenig verbrauche. Mein Tipp für Sie lautet daher: überschlagen Sie selbstkritisch das, was Sie benötigen, setzen Sie nur kleine Mengen an und verbrauchen Sie diese innerhalb von 6–12 Monaten (mehr als 12 sollte kein Mazerat aufbewahrt werden). Saisonal begrenzt sind Frischpflanzenmazerate wie Calendula- oder Johanniskrautöl, solche aus getrockneten Pflanzen und aus Vanille (wunderbar in Mandel- oder Jojobaöl!) lassen sich das ganze Jahr über nachproduzieren.

Quellen

  1. M. Augustin und Y. Hoch: Phytotherapie bei Hauterkrankungen. München: Urban & Fischer 2004
  2. Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Grundlagen – Anwendung – Therapie. Stuttgart: Sonntag-Verlag, 2004

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