Pflanzliche Wirkstoffe
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Pflanzenauszüge

Der Begriff »Pflanzenauszug« meint hier im weitesten Sinne eine Extraktion von pflanzlichen Inhaltsstoffen aus frischen oder getrockneten Pflanzen mit einem Auszugsmittel. Naturkosmetisch zu bevorzugen sind Pflanzenauszüge auf Basis wässrig-alkoholischer oder wässrig-alkoholisch-glycerolischer Basis. Diese Auszüge können in ihrem ursprünglichen Alkoholgehalt belassen oder (durch teilweise oder völlige Entfernung des Auszugsmittels) aufkonzentriert sein. In diesem Fall spricht man üblicherweise von einem »Extrakt«. Es werden jedoch auch durch CO2-Extraktion gewonnene fette Öle als Extrakte bezeichnet.

INCI: Pflanzenname (nach Linné) + Pflanzenbestandteil (englisch) +  Zusatz »Extract«

  • Funktion: Wirkstoff
  • Dosierung: 1–5 %
  • Wirkung: Je nach Pflanze und Auszugsmittel unterschiedlich
  • Verarbeitung: In das handwarme bzw. erkaltete Produkt einarbeiten.

Industriell wird als hydrophiles Auszugsmittel sehr häufig das günstige Propylenglycol bevorzugt. Für unsere eigenen Extrakte bietet sich reiner unvergällter Ethanol (Trinkalkohol, Weingeist, 96 % vol.), der mit destilliertem Wasser oder Hydrolat, eventuell auch mit einem Anteil Bio-Glycerin verdünnt wird. Aromatic Tinctures™ nennt Suzanne Catty ihre Extrakte, die sie statt mit Wasser mit Hydrolaten ansetzt (Suzanne Catty: Hydrosols. The Next Aromatherapy. Rochester: Healing Art Press, 2001, S. 48).

Tinctura simplex sind wässrig-alkoholische Auszüge aus einer Pflanze, Tinctura composita solche aus mehreren Pflanzen. Wie Sie zuhause hochwertige pflanzliche Auszüge herstellen, beschreibt der Beitrag »Wässrig-alkoholische Pflanzenauszüge herstellen«.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Pflanzenauszüge beinhalten – je nach Auszugsmittel – hydrophile und lipophile öllösliche Bestandteile der jeweiligen Pflanze, unter anderem Flavonoide, Carotinoide, Alkaloide, Glycoside, Saponine, einige Bitterstoffe und ätherische Öle.  Pflanzenwirkstoffe können die Haut tonisieren, die Durchblutung anregen, Entzündungen hemmen und die Haut in ihren Funktionen unterstützen.

Verarbeitung der Pflanzenauszüge

Pflanzenauszüge werden optimal in das handwarme oder erkaltete Produkt eingerührt.

Dosierung

Dosieren Sie Pflanzenauszüge in ihrer Funktion als Wirkstoff mit ca. 1–5 %.

Alternativ können Pflanzenauszüge auch in einer konservierenden Funktion eingesetzt werden: 12–15 % reiner Alkohol auf die Wasserphase einschließlich aller Wirkstoffe gerechnet garantiert bei sauberer Arbeitsweise eine ca. 4–6-wöchige Haltbarkeit der Produkte. Da der Alkoholgehalt Ihrer Extrakte in der Regel zwischen 40 und 70 Vol.-% liegt, müssen Sie, um diese Konzentration zu erreichen, entsprechend höhere Mengen einsetzen. Dabei ergeben sich eventuell Probleme mit der Stabilität der Produkte. Bitte berücksichtigen Sie auch, dass der Gehalt an kosmetisch wirkenden Pflanzenstoffen bei dieser Konzentration schnell eine therapeutische Dosierung erreicht.

In Gesichtswässern können wässrig-alkoholische Pflanzenauszüge in höherer Konzentration eingesetzt werden. Da Alkohol schnell verdunstet, sind dort auch Konzentrationen bis ca. 20 Vol.-% bei gesunder Haut unproblematisch. Die genannten Konzentrationen, die wir in Emulsionen verwenden, trocknen nach meiner Erfahrung nicht aus. Alkohol erleichtert zudem die Aufnahme von Wirkstoffen in die Haut.

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