Pflanzliche Wirkstoffe

Hydrolate

Hydrolate destillieren: Aus der Destille tropfendes Hydrolat

Echte Hydrolate fallen bei der Wasserdampfdestillation von Pflanzen an und enthalten fett- und wasserlösliche Komponenten ätherischer Öle der Pflanze (ca. 0,5–3 %, essential oil und water oil) sowie weitere wasserlösliche Substanzen, allerdings nicht generell wasserlösliche, wie man oft liest, sondern nur die, die flüchtiger als Wasser sind (so werden z. B. wasserlösliche Gerbstoffe oder Vitamine nicht ins Destillat überführt, weil sie nicht flüchtig sind).

INCI: Pflanzenname (nach Linné) + Pflanzenbestandteil (englisch) + Zusatz »Water«

  • Funktion: Teil der Wasserphase
  • Dosierung: Bis 100 %
  • Wirkung: Als Gesichtswasser oder Teil der Wasserphase
  • Verarbeitung: Wenn notwendig, kurz erhitzen oder (schonender) in die heiße Wasserphase einrühren.

Hydrolate werden aus verschiedenen Pflanzenteilen destilliert. Seit dem Altertum als Therapeutikum geschätzt, verändert sich mit Beginn des 18. Jahrhunderts und der kommerziellen Produktion ätherischer Öle ihre Bedeutung hin zum Neben- (um nicht zu sagen Abfall-)Produkt der Ätherisch-Öl-Produktion, während sie heute vor allem in Frankreich in der Aromatherapie wieder eigenständig neben ätherischen Ölen eingesetzt und gewürdigt werden. Hydrolate entstammen jedoch nicht ausschließlich Ätherisch-Öl-Pflanzen, manche werden gezielt als Hydrolate produziert, obwohl die Ausgangsdrogen kaum ätherische Öle enthalten, z. B. Holunderblütenhydrolat. In der Fachliteratur werden diese Wässer gerne zur besseren Abgrenzung zu klassischen Hydrolaten als Destillate bezeichnet. Wie Sie hochwertige echte Hydrolate selbst herstellen können, zeigt dieser Beitrag.

Hydrolate kaufen: Marktanalyse

Auf dem Markt werden unterschiedliche Produkte als »Hydrolat« angeboten, nicht alle entsprechen dem echten Produkt aus der Wasserdampfdestillation der Stammpflanze. Geläufig sind u. a. Bezeichnungen wie Aromawasser (Aquarom), Pflanzen- oder Blütenwasser. Die amerikanische Aromatherapeutin Jeanne Rose prägte 1989 den Begriff Hydrosol, der den Charakter der in Wasser gelösten flüchtigen pflanzlichen Inhaltsstoffe beschreibt: »“Hydro“ means water and „sol“ means solution. Thus, the word hydrosol means the watery solution of destillation that contains both water-soluble plant components and micro-dops of essential oil … the „hydrosol“« (5). Der Terminus Hydrolat spielt auf das bisweilen milchige (französisch: »lait«) wirkende Erscheinungsbild mit ätherischen Ölen gesättigter Destillate an.

Ein bekanntes Beispiel für Produktwirrwarr und fehlende Transparenz ist das Rosenwasser, ein Produkt, das ganz oder teilweise aus in destilliertem Wasser verschütteltem ätherischen Rosenöl besteht, wie z. B. nach DAB (dem Deutschen Arzneimittelbuch) hergestellte aromatische Wässer, so genannte Aquae aromaticae: Eine Beispielrezeptur für »Aqua Rosae« nach DAB 6, die mir vorliegt, beschreibt die Herstellung eines Rosenwassers aus 0,0033 Teilen Oleum Rosae verumOleum Rosae artific. und 99,9780 Teilen Aqua conservata – dies ist eine Mischung aus echtem und künstlichem ätherischen Rosenöl in (mit PHB-Methyl- und Propylestern) konserviertem Wasser. Letzteres (Oleum Rosae artific.) wird definiert als »künstliches Rosenöl aus Aromaextrakten, naturidentischen und künstlichen Aromastoffen, u. a. Geranium-, Muskatellersalbei-, synthetischem Citronellöl und synthetischem Geraniol«. Fazit: Rosenwasser oder andere Pflanzenwässer nach DAB sind keine echten Hydrolate.

In Geschäften, die asiatische Produkte anbieten, wird mitunter auch Rosenwasser verkauft – hier handelt es sich häufig um ein vollkommen synthetisch hergestelltes Produkt, das keinerlei kosmetische oder medizinische Wirkung mehr aufweist; es dient vor allem der Aromatisierung von Tee oder Speisen. Daneben gibt es unter bekannten Firmenlabels lebensmitteltaugliches Rosenwasser aus Rosenextrakt, das sind Produkte auf Basis von aus ätherischen Ölen extrahierten wasserlöslichen Komponenten, die sich klar in Wasser lösen; sie werden mit und ohne Konservierung angeboten.

Konservierungs- und Zusatzstoffe

Hydrolate gibt es pur und mit Zusatzstoffen versehen. Konserviert wird gerne mit Alkohol (bis zu 18 %) oder mit Konservierern aus dem Lebensmittel-Bereich wie Sorbinsäure und Benzoesäure. Als Wasserphase für eine Emulsion ist beispielsweise mit Kaliumsorbat oder Alkohol vorkonserviertes Hydrolat bisweilen eine akzeptable Alternative, da Sie in den meisten Fällen sowieso eine leichte Konservierung des Endprodukts vornehmen wollen. Durch die Vorkonservierung des Hydrolats kann diese eventuell überflüssig werden. Dennoch ist eine gewisse Aufmerksamkeit wichtig: Alkohol lässt Emulsionen je nach verwendetem Emulgator instabil werden. Puristen wie ich werden die reinen Hydrolate vorziehen; sie sind in ihrem Anwendungsspektrum am vielseitigsten und bei guter Qualität und Lagerung ausreichend lange haltbar.

Tipps zum Hydrolatkauf

Beim Kauf eines Hydrolats sollten Sie kritisch auf die Produktangaben achten; folgende Angaben sind auf dem Gebinde eines echten Hydrolats obligatorisch:

  • Nennung von Trivialname und botanischem Namen der Pflanze
  • Bezeichnung des verwendeten Pflanzenmaterials (Blätter, Rinde, Blüten, Früchte usw.)
  • Angabe des Herkunftlandes und der Sammlungsart (Wildsammlung, Kultur, kbA, konventioneller Anbau u. a.)
  • Bezeichnung der Produktionsmethode (Wasserdampfdestillation)
  • Hinweise auf eventuelle Zusätze wie chemische Konservierungsmittel, Salz oder Alkohol
  • Chargennummer und/oder Abfüll-/Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Tipp: Wenn die ätherischen Öle im Hydrolat belassen werden, ist das ein Zeichen für besonders herausragende Qualität, die allerdings ihren Preis hat. Manche Anbieter geben entsprechende Hinweise.

Hydrolate lagern

Durch ihren Gehalt an ätherischen Ölen und hydrolytischen Prozessen während der Destillation, die zur Spaltung von Estern und zur Freisetzung von Alkoholen und Säuren führen, weisen die meisten Hydrolate einen leicht sauren pH-Wert und eine gewisse Eigenkonservierung auf, und bei sorgfältiger Herstellung sind sie nach Aussagen renommierter Aromatherapeuten wie Suzanne Catty und Shirley Price durchaus mehrere Monate bis ein Jahr, in seltenen Einzelfällen bis zu 2 Jahren haltbar (2).

Als optimal gilt dunkle und kühle Lagerung (8–13 °C; auch die Kühlschranktür ist im Zweifelsfall möglich), allerdings sollten schwankende Temperaturen vermieden werden, da das entstehende Kondenswasser in der Flasche den mikrobiellen Verderb beschleunigen kann. Als Orientierung gilt: 6–12 Monate sollte ein qualitativ hochwertiges Hydrolat bei optimaler Lagerung einwandfrei bleiben. Hinweise auf die leichte Verderblichkeit und die dringend notwendige Konservierung mit Alkohol werden häufig von Anbietern gegeben, für die konservierte Hydrolate verständlicherweise weniger Risiko bergen.

Ein kritischer Aspekt ist der von Flockungen im Hydrolat. Ihr Ursprung sind pflanzliche Feinstpartikel: diese »[…] vegetal particles belong to algae (Protococcus, Haematococcus), to fungi (Hygrococcis) and to bacteria (Leptothrix, Micrococcus)« (1), die sich im Laufe der Lagerung zusammenballen und sichtbar werden. Eine sorgfältige Filterung durch Mikrofilter um die 0,3μm vor Abfüllung (!) ist für eine gute Qualität obligatorisch, wird jedoch offensichtlich nicht durchgehend konsequent durchgeführt; deutlich sichtbare Ausflockungen bei gerade gekauften Hydrolaten, insbesondere dann, wenn sie sich wie Schleier oder Wolken durch das Hydrolat ziehen, sollten Sie im eigenen Interesse nicht akzeptieren und dringend bei Ihrem Händler reklamieren.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Die Wirkung des Hydrolats spiegelt – ein qualitativ hochwertiges Hydrolat mit enthaltenem, nicht abgezogenem ätherischen Öl vorausgesetzt – weitgehend den Charakter der Stammpflanze und lehnt sich an die des jeweiligen ätherischen Öls an, weist jedoch aufgrund von zu diesem abweichenden, wasserlöslichen Inhaltsstoffen charakteristische und spezifische Besonderheiten auf, die das ätherische Öl nicht oder nicht in der Ausprägung hat. Ein typisches Beispiel ist Rosenhydrolat, dessen Wirkstoffspektrum zu einem wesentlichen Teil aus wasserlöslichem (und den typischen Rosenduft charakterisierenden) Phenylethylalkohol besteht, der im ätherischen Öl nur gering enthalten ist. Hydrolate wirken je nach Pflanze z. B. anregend, beruhigend, adstringierend, entzündungshemmend, epithelisierend, antiviral – und sie duften zum Teil sehr angenehm. Ihre Wirkung geringzuschätzen wird modernen Erkenntnissen aus der Aromatherapie nicht mehr gerecht: es sind die kleinen Impulse, die einer Haut den notwendigen Anstoß geben, eigene Funktionen zu regulieren. Ihr Vorteil ist, dass sie die Wirkung ätherischer Öle synergetisch mit den spezifisch wasserlöslichen des Hydrolats vereint in einer hautverträglichen Dosierung aufweisen. Suzanne Catty sieht in Hydrolaten Hologramme der Pflanze: »Hydrosols contain all oft the the plant in every drop, just like a hologramm. Here we have the water-soluble components, the essential-oli molecules, the very fluid that was flowing through the plant cells when the plant was collected. It’s all there in a matrix of water, one of the most recognized holographic substances in healing.« (Suzanne Catty: Hydrosols. The Next Aromatherapy. Rochester, Vermont, 2001, S. 10)

Verarbeitung

Hydrolate werden entweder pur (als erfrischendes Gesichtswasser oder Splash z. B. oder zum Anrühren einer Gesichtsmaske) oder als Wasserphase einer Rezeptur eingesetzt. Sehr wirkungsvoll sind sie, mit oder ohne feuchtigkeitsbindenden Substanzen angereichert, als separate Wasserphase unter einem lipidbetonten Pflegepräparat, das auf der Haut emulgiert. Weiterhin können sie Basis eines Deos sein, als abschließende Haarspülung fungieren, als Kompressen oder als Badezusatz verwendet werden.

Quellen

  1. Len Price, Shiley Price: Understanding Hydrolats. The Specific Hydrosols for Aromatherapy. Edinburgh: Churchill Livingstone, 2004
  2. Suzanne Catty, Hydrosols: The Next Aromatherapy. Healing Arts Home, 2001
  3. Eliane Zimmermann, Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Das Kursbuch zur Aromapraxis. Stuttgart: Sonntag-Verlag, 3. Auflage 2006
  4. Jeanne Rose: 375 Essential Oils and Hydrosols. Berkley/California: Frog Ltd., 1999
  5. Jeanne Rose: Hydrosols & Aromatic Waters©. San Francisco, 2007
  6. Jeanne Rose: Destillation. A How-To Booklet. San Francisco, 2001
  7. D. Wabner, C. Beier: Aromatherapie. Grundlagen · Wirksprinzipien · Praxis. München: Urban & Fischer, 2008