Pflanzliche Wirkstoffe

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind flüchtige, fettlösliche, stark riechende Stoffwechsel-Produkte von Pflanzen, die ihnen in unterschiedlicher Weise dienen: als Lockmittel für Insekten, um die eigene Fortpflanzung sicher zu stellen, als Kommunikationsmittel mit anderen Pflanzen, als Schutz vor Bakterien, Pilzen und Insekten, als Schutz vor UV-Strahlung oder übermäßigem Wasserverlust durch Verdunsten. Die Pflanze »lagert« sie in speziell dafür vorgesehenen Drüsen, Kammern und Kanälen in Blüten, Blättern, Wurzeln, Rinden, Früchten und Stängeln.

Sie werden, je nach Ursprungspflanze und Lokalisation in der Pflanze, durch verschiedene Methoden gewonnen: typische Gewinnungsverfahren sind Wasserdampfdestillation, Pressung, Extraktion mit Lösungsmitteln (Alkohol, Hexan, CO2 u. a.) oder mit Fett (die sog. Enfleurage). Hauptinhaltsstoffe ätherischer Öle sind Terpene und Terpenoide sowie Phenole und Phenylderivate.

INCI: entspricht dem INCI-Namen der Ursprungspflanze

  • Funktion: Duft-/Wirkstoff
  • Dosierung: In Gesichtspflegeprodukten: 1 Tropfen pro 10 ml Produkt (0,5%ig).
    In Körperpflegeprodukten: 2 Tropfen pro 10 ml Produkt (1 %).
    In Massageöl: 2–6 Tropfen pro 10 ml Produkt (1–3 %).
    Im Vollbad: 6–10 Tropfen.
  • Wirkung: Je nach Pflanze: Antibakteriell, entzüdungshemmend, durchblutungsfördernd.
  • Verarbeitung: Öl- und alkohollöslich. In Emulsionen und Oleogelen pur in das handwarme Produkt einarbeiten. In wässrigen Produkten: Mit einem Solubilisator und Öl mischen, dann ins Endprodukt geben. Optimal nicht erhitzen.

Ätherische Öle: Wirkung und kosmetischer Einsatz

Ätherische Öle wirken zum einen über den Geruchssinn auf das sog. limbische System im menschlichen Hirn, in dem u. a. Gefühle verarbeitet werden; zum anderen können die Moleküle die Haut durchdringen, über die Blutbahn aufgenommen werden, sich in Zellmembrane integrieren, in den Zellen Enzyme und Rezeptoren beeinflussen und damit in wichtige körpereigene Prozesse eingreifen. Sie entsprechen in ihrer Wirkung dem Charakter der Pflanze: manche wirken antibakteriell, andere fördern die Granulation (Neubildung von Zellen) der Haut, beruhigen sie, fördern Stoffwechselprozesse. Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass sie nicht nur »gut riechen«, sondern hochkonzentrierte und äußerst wirksame Substanzen beinhalten, die wir gezielt, aber auch mit Bedacht nutzen sollten.

Einsatzgebiet geeignete ätherische Öle*
* Die Auswahl folgt Empfehlungen von Eliane Zimmermann und nennt im allgemeinen als verträglich geltende ätherische Öle mit geringem Irritationspotential. Individuelle allergische Reaktionen sind selbstverständlich dennoch möglich.
normale Haut Rose, Lavendel, Rosengeranie
Mischhaut, fettende Haut Cistrose, Myrte, Rosengeranie, Vetiver
unreine Haut, Akne Kamille blau, Manuka, Myrrhe, Myrte, Rosenholz, Schafgarbe, Teebaum, Vetiver
trockene Haut, reife Haut Ylang-Ylang, Karottensamen, Linaloe, Rose, Rosengeranie, Rosenholz, Vetiver, Weihrauch
barrieregestörte Haut,
Neurodermitis
Benzoe Siam, Immortelle, Manuka, Patchouli, Rosengeranie, Schafgarbe, Tolubalsam, Vetiver
Cellulite, Bindegewebsschwäche Niaouli, Palmarosa, Rosmarin, Sandelholz, Wacholder, Zypresse, Blutorange

Da ich keine ausgebildete Aromatherapeutin bin, bitte ich Sie, exaktere Beschreibungen in entsprechender Fachliteratur (siehe unten) nachzuschlagen.

Verarbeitung

In wässrigen Produkten werden ätherische Öle vor Einarbeitung mit einem Solubilisator (einem Lösungsmittel wie Dermofeel® G 10 LW vermischt, bevor man sie hinzufügt. In rein fettbasierten Kosmetika und in Emulsionen können sie ohne weitere Hilfsmittel eingearbeitet werden.

Optimal ist eine Verarbeitung bei Zimmertemperatur. Höhere Temperaturen sollten wegen der Flüchtigkeit der Öle vermieden werden.

Dosierung

Als Orientierung werden von vielen Autoren 20–25 Tropfen eines ätherischen Öls mit 1 ml gleichgesetzt – dies ist ein Anhaltswert, da die Viskosität ätherischer Öle sehr unterschiedlich ist, ebenso wie die Dosierung der Tropfeinsätze in den Flaschen. Für Anwendungen im Gesicht ist im Allgemeinen eine 0,5%ige Verdünnung (1 Tropfen auf 10 ml Emulsion) gut verträglich; bei Produkten für den Körper kann eine 1%ige Dosierung (ca. 2 Tropfen pro 10 ml) verwendet werden. In Deodorants auf alkoholischer oder Hydrolatbasis sind 5 % ätherische Öle empfehlenswert (10 Tropfen auf 10 ml Basis), im Vollbad 6–10 Tropfen. Geben Sie die ätherischen Öle erst ganz zum Schluss in das abgekühlte Produkt, da sie sehr flüchtig sind.

Quellen

  1. Dietrich Wabner, Christine Beier (Hrsg.): Aromatherapie. Grundlagen · Wirkprinzipien · Praxis. München: Urban & Fischer-Verlag, 2008
  2. Eliane Zimmermann: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Das Kursbuch zur Aromapraxis. Stuttgart: Sonntag-Verlag ³2006
  3. Kurt Schaubelt: Neue Aromatherapie. Gesundheit und Wohlbefinden durch ätherische Öle. Köln: vgs-Verlagsgesellschaft, 4. Auflage 1996