Emulgatoren

Hydriertes Lecithin

Hydriertes Lecithin zeichnet sich dadurch aus, dass seine ungesättigten Fettsäuren mit Wasserstoff gesättigt wurden, dadurch keine Doppelbindungen mehr aufweisen und eine festere Struktur und höhere oxidative Stabilität zeigen. Es fungiet als Emulgator und Koemulgator mit feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften und dienen daneben zum Benetzen von kosmetischen Pigmenten.


INCI: Hydrogenated Lecithin

  • CAS-Nummer: 92128-87-5
  • Funktion: O/W-Emulgator
  • Klasse: amphoter

Auf dem Markt für Endverbraucher sind aktuell 2 verschiedene Produkte erhältlich:

  1. Emulmetik® 320 ist ein Phospholipidprodukt auf Basis von Sojalecithin und besteht aus 97 % Phospho- und Glycolipiden, darunter 18–26 % Phosphatidylcholin.
  2. Phospholipon® 80 H basiert ebenfalls auf Sojaöllecithin, ist jedoch in seiner Zusammensetzung aufkonzentriert auf ± 76 % Phosphatidylcholin.

Phospholipon® 80 H ist das kosmetisch hochwertigere (weil konzentriertere), aber auch teurere Produkt: Der aufkonzentrierte Gehalt an Phosphatidylcholin erfordert einen aufwändigen Herstellungsprozess, der sich im Preis niederschlägt, verbessert jedoch auch die emulgierenden Eigenschaften des hydrierten Lecithins.

Wir kaufen beide Produkte als leicht gelbliches bis mattweißes, feines Pulver mit dezentem Geruch; trocken und bei Zimmertemperatur nicht über 25 °C gelagert weisen hydrierte Lecithine eine Haltbarkeit von ca. 3 Jahren auf.

Wirkung und kosmetischer Einsatz

Gesättigte Phospholipide dringen aufgrund fehlender Flexibilität nur geringfügig in die Hornschicht ein, haften sich dort jedoch an das Keratin der Keratinozyten, wo sie fetthaltige Pflegestoffe binden und als effektive Feuchtigkeitsspender wirken – so wie es naturgemäß Ceramide tun, die mit den äußeren Proteinen der Hornhülle der Keratinozyten verknüpft sind und die Hornschicht wasserabweisend machen. Dadurch kann die Barriereschicht wirkungsvoll stabilisiert und restrukturiert werden.

Hydrierte Lecithine sind ausgesprochen einhüllend, schützend und wirken haptisch weniger fettend als Fluidlecithine. Sie mindern die Spreitfähigkeit einer Emulsion und eignen sich daher insbesondere für Augencremes. Daneben lassen sich auch bei geringem Fettphasengehalt pflegende Gesichtsfluids, Lotionen und, mit entsprechenden Konsistenzgebern, gehaltvolle Cremes konzipieren. Ihre Affinität zum Hautkeratin prädestinieren diese Lecithine für nicht fettende, mattierende Emulsionen mit hohem Schutzcharakter und wasserabweisender Wirkung, wie sie in Handpflege-Präparaten erwünscht sind. Auch in Fußcremes bewirken sie eine deutliche Abnahme der Hautrauigkeit.

In Lippenstiften sind sie eine pflegende Lipidkomponente; als Orientierung können 3 % dienen. Lecithine benetzen die Pigmente und verbessern ihre Haftfähigkeit; daneben verringert ein Zusatz den Feuchtigkeitsverlust und mindert die Austrocknung der zarten Lippenhaut.

Verarbeitung

Hydrierte Lecithine eignen sich insbesondere für einen Fettphasenbereich zwischen 20 und 35 %. Es gibt 2 Verarbeitungsvarianten. Nach Herstellerangaben wird es bevorzugt wie im Folgenden beschrieben verarbeitet:

  1. Hydrierte Lecithine in der Wasserphase einwiegen und bei ca. 78 °C ca. 20 Minuten quellen lassen. (Tipp: Ich decke das Becherglas mit einem Stück Alufolie ab; dies mindert den Wasserverlust durch Verdunsten. Alternativ kann man das Becherglas vor und nach dem Quellen wiegen und die Differenz mit Wasser auffüllen.)
  2. Anschließend die Wasserphase in die aufgeschmolzene Fettphase einrühren und 2–4 Minuten mittel- bis hochtourig emulgierten. Auch ein umgekehrtes Arbeiten (das Hinzufügen der Fettphase in die Wasserphase) ist möglich.
  3. Die Emulsion moderat bis auf Handwärme rühre, dann die Wirkstoffphase ergänzen.
  4. Nach Kaltrühren Konservierung und Beduftung ergänzen, bei Bedarf den pH-Wert korrigieren.

Der Wasserkontakt bei dieser hohen Temperatur, der so genannten Krafft-Temperatur, führt zur Ausbildung von Hydrathüllen (durch Wasserstoffbrücken gebundenem Wasser) um den hydrophilen (wasserliebenden) Kopf der Lecithinmoleküle und erhöht so ihre Hydrophilie und damit den HLB-Wert. Konkret bedeutet dies, dass das Lecithin durch das Quellen in Wasser bevorzugt O/W-Emulsionen bilden wird.

Alternativ kann hydriertes Lecithin in der Fettphase aufgeschmolzen werden und auf diese Weise die Emulsionsform tendenziell Richtung Misch-Emulsion gestalten, dies bedeutet u. a. einen ausgeprägteren Rückfettungsgrad, weil der HLB-Wert geringer ist. Viele Anwender bevorzugen diese Variante, da sie bequemer ist.

Dosierung von hydriertem Lecithin

Von Haus aus sind Lecithine eher Koemulgatoren: Sie gewinnen deutlich an Stabilität und im Hinblick auf ihre Haptik, wenn sie mit anderen Emulgatoren kombiniert werden. In meinen persönlichen Tests haben sich sowohl Emulmetik® 320 als auch Phospholipon® 80 H, mit 0,5–1 % Wachs ergänzt, als ausgezeichneter Partner für andere Lecithine erwiesen. Auch mit klassischen Emulgatoren lassen sich sehr angenehme Formulierungen entwickeln, so mit dem niedrigviskosen TEGO® Care CG 90, Dermofeel® GSC palm oil free, Bergamuls® ET-1 oder Xyliance. Mein persönlicher Favorit für Cremefluids ist eine Kombination mit TEGO® Emulprot® und Surcroestearat. Zusammen 3%ig dosiert, eventuell mit 0,5 % Wachs kombiniert, ergeben stabile, in Haptik und Konsistenz angenehme Fluids und Cremegele, die sich hervorragend aus einem Pumpspender entnehmen lassen.

Als Solo-Emulgator sind 3 % hydriertes Lecithin in der Regel ausreichend. Je nach Gesamtkonzeption können sie mit koemulgierenden Lipiden, Wachsen und Sterolen kombiniert werden. Beachtet werden sollte jedoch, dass beide eine ausgeprägte »trockene« Okklusivität entwickeln können, wenn sie höher dosiert werden; hier gilt es, die Gesamtrezeptur daraufhin anzupassen. Von Vorteil ist, dass Sie in Rezepturen mit hydrierten Lecithinen gerne auf Fettalkohole verzichten können; ihre schützende und mattierende Wirkung ist vollkommen ausreichend. Die sonst für Lecithine charakteristische puddingartige Viskosität fehlt beiden völlig; die Emulsionen sind absolut glatt, homogen und – wenn man die Fettphase entsprechend plant – angenehm weiß.

In Verbindung mit anderen Lecithinen lässt sich hydriertes Lecithin sehr gut in ihrer kosmetischen Wirkung »korrigieren«: Lysolecithin verringert ihre Okklusivität, bricht die rigiden lamellaren Emulsionsstrukturen auf, Wasser wird schneller frei gegeben. Auch verringert sich die Viskosität einer Emulsion.