Emulgatoren
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BergaMuls® ET 1

BergaMuls® ET 1 ist ein rein pflanzlicher Emulgator und Verdicker der Firma Berg + Schmidt GmbH auf Basis von teils löslichen, teils unlöslichen Getreide- und Fruchtfasern: Der Anteil an Beta-Glucan beträgt laut Angabe des Herstellers ca. 45–60 %, der von Pektin 40–55 %. Das feine, weiße Pulver ist frei von Nanopartikeln und unkonserviert.

INCI: Beta-Glucan and Pectin

  • Funktion: O/W-Emulgator
  • Dosierung: Unter 2 % als Ko-Emulgator und Stabilisator; 2–3 % in Verbindung mit 1–2 % Lecithinen, Zuckerestern oder Partialglycerid-Estern für Fluids und Lotionen, ab 3 % als Solo-Emulgator (siehe Hinweise im Portrait)
  • Wirkung: Nicht fettender, haptisch mattierender Emulgator für Cremegele, Fluids, Lotionen und leichte Cremes.

 

BergaMuls® ET 1 arbeitet nach einem sehr interessanten und innovativen Prinzip: Die Fasern dieses natürlichen Emulgators bilden ein Gelnetzwerk, in das die Öltröpfchen eingebunden sind; kleine unlösliche Faserpartikel in dieser Gelmatrix wirken zusätzlich grenzflächenstabilisierend.

BergaMuls® ET 1 ist ein effektiver Emulgator, Koemulgator und Verdicker für O/W-Emulsionen. Er gibt schnell Konsistenz und stabilisiert Emulsionen zuverlässig. Wer Fettalkohole in Gesichtspflegeprodukten nicht verträgt, findet in BergaMuls® ET 1 eine wunderbare Alternative: In Kombination mit anderen O/W-Emulgatoren erzeugt er haptisch leichte Emulsionen, die schnell einziehen, kaum fetten und in keiner Weise weißeln. Auch Gelbildner sind bei Einsatz dieses Emulgators nicht mehr notwendig. Neben seinen emulgierenden Eigenschaften zeigt BergaMuls® ET 1 leicht feuchtigkeitsbindende Eigenschaften. Seine gute Elektrolyttoleranz, PH-Wert-Toleranz und die leichte Verarbeitbarkeit machen ihn zu einem vielseitigen Emulgator, auch für Einsteiger.

Als besonders angenehm habe ich Kombinationen mit Phospholipiden (Lecithinen) empfunden. Kosmetisch pflegende, leichte Fluids und Lotionen ergeben z. B. Kombinationen aus BergaMuls® ET 1 und hydrierten Lecithinen wie Phospholipon® 80 H oder Emulmetik® 320. Auch Fluidlecithine sind ausgezeichnete »Partner«. Daneben bieten sich selbstemulgierende Partialglyceride (wie Glycerinstearat SE) oder Zuckerester an. Palmölfreie Konzepte lassen sich mit BergaMuls® ET 1, Glyceryl Stearate Citrate (Dermofeel® GSC palm oil free) und einem Lecithin umsetzen. Solo eingesetzt zeigt er kurz nach dem Auftragen bisweilen, abhängig von der Dosierung und dem Gesamtkonzept der Rezeptur, eine leichte Adhäsion (»Klebrigkeit«), wie Sie es von hochdosierten Gelbildnern kennen, die jedoch schnell nachlässt.

In der Kombination sind Sie frei: BergaMuls® ET 1 kann als Hauptemulgator eingesetzt werden, aber auch als koemulgierende und konsistenzgebende Ingredienz sowie als Ersatz für Fettalkohole. Creme-Konsistenzen erreichen Sie durch die Zugabe von Fettalkoholen, Wachsestern, Partialglyceriden (Glycerinstearat, nicht selbstemulgierend) Wachsen.

BergaMuls® ET 1 ermöglicht durch seine Leichtigkeit und seinen unfettigen Charakter eine individuell auf die spezifische Hautsituation angepasste Balance der Okklusivität, von der vor allem fettende Hautzustände profitieren. Bei tendenziell trockener Haut sind Emulsionskonzepte mit Unverseifbarem wie Avocadin®, Phytosteryl Macadamiate oder Lanolin, barriereschützenden Ceramiden (z. B. in meiner Barriereschutzbasis) sowie feuchtigkeitsbindenden NMF-Substanzen sinnvoll.

Als Koemulgator mit kationischen Emulgatoren (z. B. TEGO® Amid S 18), eignet sich BergaMuls® ET 1 nicht, ebenso wenig als Verdicker von tensidischen Lösungen wie Shampoos oder Duschgele. Judy aus der Rührküche schätzt jedoch seine Fähigkeit, als Ingredienz eines Shampoos die Kämmbarkeit zu verbessern.

Daneben eignet sich BergaMuls® ET 1 sehr gut zur Stabilisierung von Pigmenten.

Verarbeitung von BergaMuls® ET 1

Prinzipiell sind keine hohen Scherkräfte notwendig, um stabile Emulsionen zu erzeugen.  Die Verarbeitungshinweise des Herstellers weichen jedoch von den gewohnten Routinen ab, die wir als Selbstrührer favorisieren: BergaMuls® ET 1 wird nach diesen Empfehlungen in die Fettphase eingewogen und dispergiert, die Wasserphase unter Rühren ergänzt, beide Phasen kurz hochtourig vermischt und anschließend bis zu 40 Minuten bei ca. 800 rpm (rotations per minutes, also Umdrehungen pro Minute) gerührt. Nach Erkalten wird die Emulsion 30–60 Sekunden hochtourig bei ca. 9500 rpm homogenisiert. Grund für diese lange Rührdauer ist, dass Pektine diese Zeit benötigen, um zu hydratisieren, also Wasser aufzunehmen und ein Gelgerüst zu bilden. Bleibt diese Phase aus oder wird sie zu kurz angesetzt, spüren wir dies durch die in meinen Tests beschriebenen »Piddelchen« bei höherer Dosierung.

40 Minuten Kaltrühren ist für Selbstrührer nicht ohne Probleme realisierbar. Daher habe ich verschiedene Verarbeitungsmethoden getestet und kann folgende, für Selbstrührer geeignete empfehlen, die nicht über ein Rührwerk verfügen:

Herstellung heißgerührter Emulsionen

BergaMuls® ET 1 wird bevorzugt mit der Fettphase erhitzt, bis alle Fette homogen aufgeschmolzen sind. Anschließend geben Sie die gesamte, auf gleiche Temperatur erhitzte Wasserphase hinzu (die One-Pot-Methode) und starten mit dem Dispergieren. Rühren Sie (abhängig vom verwendeten Rührwerkzeug) 1–4 Minuten hochtourig und im Anschluss sanft bis auf Handwärme. Nun lassen sich, wie gewohnt, Wirkstoffe ergänzen. Die kalte Emulsion wird konserviert und der pH-Wert bei Bedarf korrigiert. Nach 24 Stunden Ruhezeit sollten Sie die Emulsion noch einmal hochtourig aufrühren.

Herstellung kaltgerührter Emulsionen

BergaMuls® ET 1 wird in die kalte Wasser-Phase eingerührt, bis es homogen aufgequollen ist). Lösen Sie wasserlösliche Wirkstoffe vorher in der Wasserphase auf. Nun werden unter moderatem Rühren die gewünschten Öle hinzugefügt. Auch bei ihnen sollten ätherische Öle und andere flüssige Fettkompontenten (Tocopherol, Defensil® usw.) vorher homogen in diese eingearbeitet worden sein. Im Anschluss werden beide Phasen je nach Rührgerät 2–4 Minuten hochtourig dispergiert. Wurden in der Fettphase vorher höherschmelzende Fette, z. B, Buttern aufgeschmolzen, sollten Sie die Emulsion nach 60 Minuten noch einmal kräftig dispergieren, um Rekristallisationen zu vermeiden. Optimal ist ein letztes Aufrühren nach 24 Stunden.

Dosierung

  • Unter 2 % fungiert BergaMuls® ET 1 als emulsionsstabilisierende und konsistenzgebende Komponente in Kombination mit anderen Emulgatoren (insbesondere als Ersatz für Fettalkohole).
  • Ab 2 % kann BergaMuls® ET 1 mit 1–2 % eines weiteren Emulgators wie Lecithinen, Zuckerestern oder Partialglycerid-Estern (z. B. Dermofeel® GSC palm oil free) stabile fluide Emulsionen bilden.
  • Ab 3 % emulgiert BergaMuls® ET 1 auch solo zuverlässig – bitte beachten Sie die Hinweise oben bezüglich der haptischen Schwächen bei höherer Dosierung (die sich deutlich verringern, wenn man die langen Rührzeiten von 40 Minuten einhält). Die Konsistenz kann mit Erhöhung seiner Einsatzkonzentration, alternativ mit Partialglyceriden, Fettalkoholen und Wachsestern (Glycerinstearat, Cetylalkohol, Cetearylalkohol, Cetylpalmitat, Myristylmyristat usw.) sowie die Kombination mit anderen Emulgatoren eingestellt werden.

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