Kosmetikrohstoffe im Test
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Weitere Tests mit BergaMuls® ET (Teil 2)

Weitere Tests mit BergaMuls® Et 1

Im September 2012 habe ich weitere Tests mit BergaMuls® ET 1 durchgeführt und als Beitrag am 17.09. auf Olionatura.com veröffentlicht. Gerührt wurden Variationen bewährter Rezepturen, in denen ich eine Komponente mit diesem neuartigen Emulgator und Verdicker austauschte: Ein Gesichtsfluid mit Phospholipon® 80 H, eine Haarspülung mit TEGO® Amid S 18 und ein kaltgerührtes Hydrodispersionsgel.

BergaMuls® ET 1
und Phospholipon® 80 H

Ganz besonders interessierte mich die Kombination von Bergamuls® ET-1 mit meinem Favoriten, Phospholipon® 80 H. Ich wählte eine bewährte Rezeptur, das Ceramide-Protect-Fluid aus meinem Buch Naturkosmetik selber machen, im Original der Ausgabe von 2012 mit 2 % Sucrosestearat (einem Zuckerester) und 1 % Phospholipon® 80 H (hydriertem Lecithin) konzipiert. Das Sucrosestearat ersetzte ich mit BergaMuls® ET-1 und verzichtete auf 0,2 % Xanthan; ansonsten blieb die Rezeptur identisch.

Das mit meiner Barriereschutzbasis konzipierte, originale Fluid entspricht in der Konsistenz einer leichten Gesichtsmilch, die trotz der geringen Fettphase von 22 % ausgesprochen schützend und restrukturierend wirkt. Die Variante mit BergaMuls® ET 1 unterscheidet sich, sofort feststellbar, durch eine höhere Konsistenz: Das auf dem Handrücken durch die Gelpumpe des Pumpspenders entnommene Fluid bleibt als kleiner Klecks »stehen«, während das originale Produkt flach ausläuft, eben wie eine Lotion.

Im Hautgefühl ist die neue Rezeptur »cremiger«. Das Fluid hat mehr Gehalt, ohne fettig zu sein. In Kombination mit Phospholipon® 80 H ist dieses Fluid nun seit 14 Tagen absolut stabil. Das Ceramide-Protect-Fluid sehen Sie im Beitragsbild oben.

Kaltgerührte Emulsionen

Mein nächster Test war eine kaltgerührte Emulsion (12 % Fettphase), mit Sheabutter, Sonnenblumenöl High Oleic, 3 % Glycerin und Wasser, emulgiert mit 2,8 % BergaMuls® ET 1. Das weiße Pulver wurde mit den anderen Fetten sanft im Wasserbad aufgeschmolzen (natürlich muss die Temperatur für das Aufschmelzen der Sheabutter reichen, dies erfordert ca. 40 °C). Das ebenfalls auf 40 °C erwärmte Wasser wurde unter Rühren zur Fettphase gegeben, dann erfolgte eine 4-minütige Dispergierung beider Phasen bei ca. 2000 rpm.

Wichtig bei diesen kaltgerührten Formulierungen ist, sie einmal nach ca. 10 Minuten, dann noch einmal nach ca. 40 Minuten hochtourig zu homogenisieren, um eine Rekristallisation hochschmelzender Partikel zu verhindern. Ein Stabmixer oder Dremel sollte dafür ausreichen. Meine erste Probe habe ich nicht auf diese Weise nachbehandelt, und so zeigten sich nach einigen Tagen kleine Partikel im Cremegel. Ein weiterer Test mit der Nachhomogenisierung blieb bisher einwandfrei.

In ihrer Charakteristik erinnern mich meine kaltgerührten Emusionen an Hydrodispersionsgele, allerdings sind sie im Vergleich zu vielen mit üblichen Gelbildnern gerührten (die ja gerne ein wenig Öl abscheiden) vollkommen stabil. Die öltypischen Eigenschaften (Geruch, Spreitverhalten, Grad der Rückfettung) bleiben bei diesem Emulsionstyp deutlich spürbar.

BergaMuls® ET 1 und kationische Emulgatoren

Schließlich habe ich BergaMuls® ET 1 als Emulgator für eine Haarspülung eingesetzt, Basis war mein Mimosen-Haarbalsam aus meinem oben  genannten Handbuch (S. 408). Hier tauschte ich den dort verwendeten Emulgator (Montanov™ 68) gegen BergaMuls® ET 1.

Leider funktionierte dieser Tausch nicht: Die Emulsion, zu Beginn sehr geschmeidig und haptisch angenehm (auch im Haar, denn ich habe die Reste aus dem Becherglas sofort getestet), trennte sich am 2. Tag. Auch ein Aufschütteln machte den Prozess nicht reversibel. Ich habe dann dieses Produkt mit der originalen Haarspülung gemischt (aus rein praktischen Gründen, denn die kostbaren Rohstoffe wegwerfen wollte ich nicht), und in dieser Kombination bleibt die Emulsion stabil. Mein Fazit: In Kombination mit kationischen Emulgatoren (hier: TEGO® Amid S 18) kann BergaMuls® ET 1 nichtionische Emulgator nicht ersetzen, aber er kann seine Einsatzkonzentration verringern.

Mein bisheriges Fazit

BergaMuls® ET 1 ist ein neuartiger Emulgator und Verdicker, der sich sehr unkompliziert verarbeiten lässt und damit auch als Einsteiger-Emulgator punktet. Ich sehe ihn, solo eingesetzt, als Alternative zu klassischen, fettsäurebasierten Emulgatoren für alle, die auf Fettalkohole, aber nicht auf »echte« Cremes verzichten möchten. Dass er sich mit anderen Emulgatoren einschließlich Lecithinen kombinieren und kalt verarbeiten lässt, macht ihn zusätzlich interessant. Insgesamt gesehen kann er auch bisher bewährte Konzepte sinnvoll variieren, vor allem da, wo Konsistenz gewünscht ist, ohne Anteile gesättigter Fettsäuren zu erhöhen.

Haptisch fehlt manchen Rezepturen allerdings eine manchmal durchaus angenehme Trockenheit, wie sie Fettalkohole bewirken; direkt nach dem Auftragen zeigen manche Formulierungen eine leichte Adhäsion auf der Haut (konkret: Es klebt ein wenig, aber eben nur ganz kurz – wie man es von Gelen bisweilen kennt).

Es sind immer noch Testreihen offen: Kombinationen mit Tensiden für eher cremeartige Shampoos beispielsweise, Verhalten in höheren Fettphasen … der Herbst wartet mit verregneten Wochenenden und Zeit für Experimente. 🙂

Alle Beiträge der Reihe im Überblick

Die Erfahrungen aus diesen Tests sind in mein Rohstoffportrait eingeflossen. 2012 haben wir zudem Erfahrungen mit BergaMuls® ET 1 in der Rührküche ausgetauscht.

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