Kosmetikrohstoffe im Test

Splashs, Fluids, Seren?
Dermofeel® G 10 LW!

Im Oktober 2011 habe ich ihn das erste Mal in der Rührküche vorgestellt: Dermofeel® G 10 LW, ein pflanzliches Tensid auf Basis von Glycerin und Laurinsäure, das mir zuvor durch verschiedene naturkosmetische Produkte ins Auge gefallen war. »Polyglyceryl-10 Laurate« ist das Zauberwort, das uns in den INCI klarer Deo- und Aroma-Roll-Ons, in Body Splashs, in Gesichts-Seren, -wasser und -fluids begegnet. Lange Wochen wartete mein Muster geduldig auf mich, bis ich nach Weihnachten endlich Zeit für einige Tests fand. Mein Fazit entspricht meinen Erwartungen, mit dem ich ihn gezielt ausgesucht habe: Dermofeel® G 10 LW ist ein innovatives, naturkosmetik-konformes Tensid, das – so denke ich – eine wichtige Lücke innerhalb der Palette uns verfügbarer grenzflächenaktiver Substanzen füllen wird.

Was macht ihn so interessant? Dermofeel® G 10 LW ist mit einem HLB-Wert von 15 Emulgator, Tensid und Lösungsvermittler zugleich. Seine Stärke ist die Solubilisierung, also die Lösung von Lipiden in einer Wasserphase zu einer klaren bis milchigen Flüssigkeit. Mit Lipide sind nicht nur pflanzliche Öle gemeint, sondern fettartige Substanzen im weitesten Sinne: ätherische Öle (dies ist sehr interessant für meine aromatherapeutisch orientierten Leserinnen und Leser) und lipophile Wirkstoffe wie z. B. Tocopherol und Bisabolol. Sie möchten einen duftenden Aroma-Roll-On kreiieren? Ein stabiles, nichtfettendes Haarpflege-Spray? Einen erfrischenden Body Splash auf Basis von Hydrolaten, ätherischen Ölen und einem Hauch pflegenden Öls oder ein transparentes Deo-Roll-On, das nicht unter den Achseln klebt? Ich auch. 🙂 Das ist der Grund, warum mich dieses Produkt so neugierig gemacht hat. Das vollständige, aktuelle Rohstoffportrait zu Dermofeel® G 10 LW finden Sie hier auf Olionatura, denn dort ergänze ich alles, was ich zwischenzeitlich gefunden oder getestet habe.

Ein wenig Chemie

In der Flasche befindet sich eine niedrigviskose, farblose Flüssigkeit mit dezentem Geruch, ecocertifiziert und naturkosmetik-konform.»Polyglyceryl-10 Laurate« ist ein mildes Tensid, basierend auf sogenannten Polyglycerolen, die das wasserliebende (hydrophile) Molekülteil darstellen. Polyglycerole gewinnt man durch Polymerisierung von Glycerin im alkalischen Milieu.  Mehrere Glycerin-Monomere sind miteinander kondensiert (durch Etherverbindungen verknüpft) und mit Laurinsäure verestert, einer C-12-Fettsäure, die vor allem in Kokos- und Palmöl vorkommt. Die Zahl »10« bezeichnet die Anzahl der miteinander verbundenen Glycerin-Monomere. Grundsätzlich gilt: je höher diese Zahl ist, desto hydrophiler ist der Emulgator; hier sind es 10 Bindungsstellen. Die beiden Buchstaben im Namen kennzeichnen die besondere Produktform, in der Dermofeel® G 10 LW vorliegt: Das »L« im Produktnamen steht für Laurinsäure, das »W« bedeutet Wasser; als weiterer Zusatz ist Zitronensäure enthalten. Im Gegensatz zu dem puren und wasserfreien Dermofeel® G 10 L liegt unser Dermofeel® G 10 LW in einer 50%igen wässrigen Lösung vor, das seine Verarbeitung besonders einfach macht.

Verarbeitung und Kompatibilität mit anderen Rohstoffen

Die einfache Verarbeitung ist (neben seiner biologischen Abbaubarkeit und Hautfreundlichkeit) ein Aspekt, der dieses Tensid für uns Selbstrührer besonders interessant macht. Im Prinzip werden lediglich zwei Kern-Phasen vorbereitet: die eine, in der lipophilen Rezeptbestandteile in Polyglyceryl-10 Laurate gelöst werden, und die wässrige, in der wir vor Zusammengeben alle hydrophilen Ingredienzien auflösen. Wichtig ist tatsächlich, die lipophilen Komponenten vor Hinzufügen der wässrigen Phase zu vermischen: nur dann kann das Tensid die Grenzflächenspannung der Ölphase schnell herabsetzen, sie in kleinste Tröpfchen teilen und stabil umhüllen, sodass sie in der Wasserphase spreiten und eine transparente Lösung ergeben. Ein Nachdosieren des Tensids, aber auch von öligen Komponenten ist aus diesem Grund nicht optimal.

Neben dem Cold Process, das bedeutet dem kalten Verarbeiten beider Phasen, kann Dermofeel® G 10 LW auch heiß (z. B. bei 80 °C) verarbeitet werden, wenn dies z. B. wegen höher schmelzender Lipide oder eines O/W-Emulgators in der Formulierung notwendig ist. Im Hinblick auf den pH-Wert ist Dermofeel® G 10 LW tolerant; er findet sich in sogenannter Basen-Kosmetik ebenso wie in Produkten, die auf einen hautphysiologisch sauren pH-Wert eingestellt sind. Auch die Zugabe von Salzen ist im üblichen Rahmen problemlos. Ein Test mit 15 % Urea steht noch aus. Konservierungstechnisch lässt sich Dermofeel® G 10 LW mit allen üblichen naturkosmetik-konformen Konservierungssystemen kombinieren.

Dosierung

Um Lipide zuverlässig zu lösen, ist ein bestimmtes Verhältnis zwischen Solubilisator und Öl wichtig. Die übliche Dosierung von Dermofeel® G 10 LW beginnt bei einem Verhältnis zwischen 1:3 und 1:5 Anteilen Lipid zu Solubilisator. Dies bedeutet konkret: auf 1 Teil Öle können Sie minimal ca. 3–5 (Gewichts-)Teile Dermofeel® G 10 LW rechnen, um diesen Ölanteil zuverlässig zu solubisieren. Toxikologisch ist nach oben theoretisch keine exakte Grenze gesetzt; sie ergibt sich jedoch alleine durch die Tatsache, dass auch ein mildes Tensid mit der Barriereschicht der Haut interagiert und wir aus hautphysiologischen Gründen immer einen Blick auf die Dosierung haben sollten.  Ich habe verschiedene Rahmenrezepturen unterschiedlichster Produkte analysiert; Dermofeel® G 10 LW findet sich dort in einer absoluten Dosierung zwischen 2–4 % auf gesamt in Gesichts- und Körperpflegeprodukten – für uns eine gute Orientierung. In der Herstellungspraxis, so teilte mir eine mir bekannte Firmenmitarbeiterin mit (herzlichen Dank an dieser Stelle für die kompetente Beantwortung meiner Fragen!), seien mehr als 8 % Dermofeel® G 10 LW (auf gesamt) nicht üblich.

Ein hervorragendender Partner für Dermofeel® G 10 LW ist Alkohol. Wer klare Lösungen wünscht, sollte 3–20 % Alkohol hinzufügen (abhängig von der zu solubilisierenden Menge an Lipiden) – in der Konzeption von Body Splash, Körpersprays, Deo- und Aroma-Roll-Ons bietet sich dies für uns nahezu an, weil wir auf diese Weise unsere pflanzlichen Auszüge wunderbar einplanen können. Ohne Alkohol tendiert Dermofeel® G 10 LW je nach Lipidzusatz zu milchigen Lösungen.

Neben seiner Aufgabe als Solubilisator und mildes Tensid fungiert Dermofeel® G 10 LW als Koemulgator in O/W-Emulsionen. Hier ist seine primäre Funktion, die Sprühbarkeit der Emulsionen zu garantieren: Dermofeel® G 10 LW verringert die Viskosität von Emulsionen auch bei höheren Lipidphasen.

Haben Sie Lust auf erste Versuche? Zwei meiner Test-Produkte möchte ich Ihnen nicht vorenthalten; in beiden wirkt Alkohol konservierend und unterstützt die Solubilisierung der Lipide. Ich hätte gerne Fotos gemacht, aber leider ist die Lichtsituation momentan so schlecht, dass ich nichts Vernünftiges hinbekomme: klare bis milchige Lösungen vor ruhigem weißen Hintergrund haben mein Objektiv kapitulieren lassen. 😉 Ich kann nur eins sagen: Klasse! Für mein Aroma-Roll-On habe ich Lavendel gewählt; momentan tut mir seine beruhigende Wirkung sehr gut: abends vor dem Schlafengehen auf Schläfen und Handgelenke aufgerollt … wunderbar! Der Bodysplash basiert auf einem ganz frischen Rosenhydrolat von Rose Office und Arganöl.

Aroma-Roll-On

  • Phase A
  • 20,0 % Alkohol (95 % vol.)
  • 0,2 % Xanthan (optional)

Gelbildner in Alkohol dispergieren

  • Phase B
  • 75,0 % Hydrolat nach Wunsch

unter Rühren zur Alkohol-Xanthan-Mischung geben, gut dispergieren und 10 Minuten quellen lassen

  • Phase C
  • 4,0 % Dermofeel® G 10 LW
  • 0,8 % ätherische Öle nach Wunsch

Ätherisches Öl in Dermofeel® G 10 LW lösen,
Phase A/B in Phase C einrühren und zu einem milchigen leichten Gel verarbeiten.

Body Splash

  • Phase A
  • 1,0 % natives Pflanzenöl nach Wunsch
  • 0,5 % Fluidlecithin CM
  • 5,0 % Dermofeel® G 10 LW

Alle Komponenten in Dermofeel® G 10 LW auflösen

  • Phase B
  • 66,4 % Hydrolat nach Wunsch
  • 18,0 % Weingeist (95 %)
  • 0,1 % Hyaluronsäure
  • 2,0 % Sodium PCA
  • 5,0 % Pflanzliches Glycerin
  • 2,0 % Glycinbetain

Alle Komponenten in Hydrolat und Alkohol lösen,
Phase B zu Phase A geben und zu einer milchigen Flüssigkeit dispergieren.

Ich freue mich auf weitere Tests mit diesem interessanten Rohstoff und kann mir gut vorstellen, dass er bald die verfügbare Produktpakete bereichert.