Kosmetikrohstoffe im Test

Rezepturen mit BergaMuls® ET 1
(Teil 4)

rezepturen mit BergaMuls® ET 1

Seit kurzem ist meine aktuelle Neuentdeckung erhältlich: BergaMuls® ET 1, ein fettfreier, auf pflanzlichen Obst- und Getreidefasern basierender Verdicker und Emulgator. Damit Ihre ersten Pflegeprodukte gelingen, habe ich in diesem Beitrag die wichtigsten Informationen zu seiner Verarbeitung aus den letzten Tests zusammengefasst und Rezepturen mit BergaMuls® ET 1 ergänzt, die garantiert gelingen. Vor allem für Aromapraktikerinnen und Naturkosmetikerinnen eröffnen sich neue Möglichkeiten in der eigenen Praxis!

Die Verarbeitung

BergaMuls® ET 1 ist ein leicht zu verarbeitender Emulgator. Im Wesentlichen gibt es zwei Verfahren:

Herstellung heißgerührter Emulsionen

  1. Ich persönlich wiege Bergamuls® Et-1 gerne in die heiße Fettphase ein (alle Fette müssen homogen aufgeschmolzen sein),
  2. gebe die Wasserphase als Ganzes hinzu und starte dann das Dispergieren (ein Verfahren, das sich One-Pot-Methode nennt, weil man beide Phasen in ein Gefäß gibt – eben »one pot« – bevor man mit dem Rühren beginnt). Die Emulsion bildet sich schnell, wie die untere Abbildung zeigt. Rühren Sie bis zu 4 Minuten hochtourig und anschließend sanft bis Handwärme.
  3. Bei Handwärme können dann, wie üblich, Wirkstoffe hinzugefügt werden,
  4. und ganz zum Schluss ergänzen wir Konservierung und das Einstellen des pH-Werts.

Als Temperatur habe ich 70 °C gewählt; sind weitere Emulgatoren im Spiel, orientieren Sie sich in der erforderlichen Temperatur an diesen. Meiner Erfahrung nach ist BergaMuls® ET 1 nicht hitzeempfindlich und kann im üblichen Rahmen verarbeitet werden.

Herstellung kaltgerührter Emulsionen

Bei kaltgerührten Emulsionen habe ich in mehreren Tests mit dieser Methode der Verarbeitung die besten Resultate erzielt:

  1. Rühren Sie BergaMuls® ET 1 in die Wasser-Phase ein, bis es homogen aufgequollen ist (sehr schön ist ein duftendes Hydrolat). Wasserlösliche Wirkstoffe haben Sie vorher in der Wasserphase aufgelöst.Ich nehme dazu mein Rührwerk bei ca. 500 rpm. Man kann auch mit einem Spatel oder Glasstab rühren, aber mit einem Handrührer o. ä. wird das Emulgatorgel homogener.
  2. Geben Sie nun unter moderatem Rühren (damit es nicht spritzt) die Öle hinzu. Ätherische Öle und andere flüssige Fettkompontenten (Tocopherol, Defensil® usw.) sollten vorher homogen in diese eingearbeitet worden sein.
  3. Dispergieren Sie anschließend beide Phasen möglichst 2–4 Minuten hochtourig. Dann sollten Sie Geduld beweisen und entweder ca. 40 Minuten moderat an einem Stück oder alternativ in Intervallen rühren: 5 Minuten ruhren lassen, 1 Minute hochtourig rühren – bis 40 Minuten um sind. 🙂
  4. Haben Sie in der Fettphase vorher festere, also höherschmelzende Fette aufgeschmolzen, sollte nach 45 Minuten noch einmal kräftig dispergiert werden, um Rekristallisationen zu vermeiden.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass starke Scherkräfte vor allem dann sinnvoll sind, wenn die Emulsion abgekühlt ist und bereits ihre Strukturen ausgebildet hat. Probieren Sie einmal im Vergleich, Stabmixer, Dremel oder Turrax am Schluß einzusetzen und die Emulsion zuvor mit nicht mehr als 2000 rpm zu rühren – werden die Emulsionen schöner? Der Hersteller setzt in der ersten Phase des Emulgierens ca. 800 rpm ein und homogenisiert erst am Ende mit einem hochtourigen Dispergierer wie dem Turrax (ca. 10.000 rpm).

Die Dosierung

Der Hersteller empfiehlt eine Dosierung von 1,5–5 %. Meine ersten Tests im September starteten mit 4 % BergaMuls® ET 1 – solo, da ich grundsätzlich neue Emulgatoren zunächst pur teste, um ihre emulgierenden, verdickenden und haptischen Eigenschaften unverfälscht kennenzulernen. In diesem Fall zeigt sich: BergaMuls® ET 1 gibt schnell Konsistenz, stabilisiert Emulsionen auch ohne Zusatz von Gelbildnern und Fettalkoholen, und er neigt bei dieser Dosierung zu kleinen »Piddelchen«, wenn er großzügiger oder großflächig aufgetragen und verrieben wird – Sie kennen das eventuell von einer zu hohen Xanthan-Konzentration. Lokal im Gesicht und sparsam als Creme aufgetragen fällt dieses Phänomen nicht sofort auf; ich nahm es z. B. erst wahr, als ich die Emulsion als Körpercreme verwendete. Dies habe ich in oben genannten Beitrag als »haptische Schwäche« formuliert. Dies scheint, wie mir ein mir bekannter Kosmetikchemiker aus USA berichtete, sehr typisch für Pektine zu sein. Daher empfiehlt der Hersteller eine 40-minütige Rührzeit (!)  nach dem Emulgieren bei ca. 800 rpm, in der die Fasern des Produkts hydratisieren und eine Gelstruktur ausbilden können. Ich kann das mit meiner IKA RW-20 leisten, »normale« DIY-Rührerinnen nicht – und daher suchte ich nach einer Lösung für alle, die kein Rührwerk besitzen.

Weitere Tests zeigten mir, dass bereits eine Reduzierung der Einsatzkonzentration reicht, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. 2%ig eingesetzt und (beispielsweise) mit 1 % Phospholipon® 80 H oder Sucrosestearat kombiniert, erhalten wir stabile Gesichtsfluids und Lotionen. Eine 3%ige Emulsion habe ich in einer Reinigungsmilch (mit 3% Kaolin ergänzt) und als Körperlotion getestet: Als Reinigungsmilch fiel mir nichts Negatives auf, als Körperlotion zeigten sich die erwarteten »Piddelchen« in dem Moment, in dem die Lotion vollkommen eingezogen war und ich weiter mit der Handfläche großflächig über die Arme strich. Nach ein paar Tagen scheint  das Phänomen nachzulassen, aber warum sollte man sich mit etwas abfinden, wenn es Lösungen gibt? Mein Fazit lautet daher: Planen Sie optimal keine Solo-Dosierungen über 2–2,5 % in Lotionen für den großflächigen Einsatz ein, wenn Sie kein Rührwerk besitzen und 40 Minuten kaltrühren können. Dennoch empfehle ich die langen Rührzeiten weiter unten in den Rezepturen mit BergaMuls® ET 1 … wenn möglich, durchführen, wenn nicht – dann ist es so.

Wichtig: Sie benötigen nicht zwingend einen Gelbildner; auch Fettalkohole sind als Stabilisatoren nicht unbedingt notwendig. Bei einer Einsatzkonzentration unter 2 % BergaMuls® ET 1 würde ich jedoch eine weitere koemulgierende Komponente ergänzen. Selbstverständlich können Fettalkohole, Partialglyceride u. a. lipophilen Konsistenzgeber eingesetzt werden, um eine weniger rückfettende Haptik zu erzielen oder die Textur kompakter und fester zu gestalten.

Als haptisch sehr angenehm empfinde ich Kombinationen mit meinem »Liebling«, Phospholipon® 80 H, aber auch Fluidlecithine und Lecithin in Pulverform (vorher bzw. mit BergaMuls® ET 1 quellen lassen) eignen sich hervorragend. BergaMuls® ET 1 verträgt sich jedoch mit allen gängigen nichtionischen Emulgatoren.

Als alleiniger Koemulgator mit kationischen Emulgatoren, wie sie als konditionierende Komponente in Haarspülungen üblich sind (z. B. TEGO® Amid S 18), ist er nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht geeignet. Auch mit höheren Mengen an Tensiden verträgt er sich solo nicht; Judy berichtet jedoch in der Rührküche, dass er als Ingredienz eines Shampoos die Kämmbarkeit verbessert – auch ein schöner Effekt.

Fassen wir die Einsatzkonzentrationen noch einmal zusammen:

  • Unter 2 % fungiert BergaMuls® ET 1 als emulsionsstabilisierende und konsistenzgebende Komponente in Kombination mit anderen Emulgatoren.
  • Ab 2 % kann BergaMuls® ET 1 mit 1–2 % eines weiteren Emulgators wie Lecithinen, Zuckerestern und/oder einem Gelbildner stabile fluide Emulsionen bilden.
  • Ab 3 % emulgiert BergaMuls® ET 1 auch solo zuverlässig. Die Konsistenz kann mit Erhöhung seiner Einsatzkonzentration, alternativ mit Gelbildnern, Partialglyceriden (Glycerolmonostearat), Fettalkoholen und Wachsestern (Cetylalkohol, Cetearylalkohol, Cetylpalmitat, Myristylmyristat usw.) und anderen Emulgatoren eingestellt werden.
  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, 40 Minuten kaltzurühren, können Sie das Produkt bis 4 % dosieren.

Einsatz als Kaltemulgator

Eine Besonderheit ist, wie bereits erwähnt, dass er sich als Kaltemulgator eignet.

BergaMuls® ET 1 als Kaltemulgator

Die auf Bild 3 (rechts) sichtbare Emulsion ist ausschließlich mit nativen Ölen (ohne Buttern), Tocopherol, Sodium PCA und Rosenhydrolat konzipiert (siehe Rezeptur der Gesichtsmaskenbasis unten).

Rezepturen mit BergaMuls® ET 1

Die folgenden Rezepturen mit BergaMuls® ET 1 sind schnell hergestellt und lassen sich selbstverständlich nach Ihren Wünschen variieren. Sie können alle Öle zusammenrechnen und dann mit Ihren vorhandenen Ölen neu zusammenstellen. Hydrolate lassen sich austauschen oder einfach mit Wasser ersetzen. Statt Rokonsal™ BSB-N kann Naticide® oder Biokons Plus verwendet werde; die Frischmasken-Basis ist unkonserviert (da sie sofort verwendet wird).


Reinigungsmilch »Fresh Verbena«

15 % Fettphase, 100 g Emulsion | geeignet für normale bis fettende Haut | heiß gerührt

Tipp: Für trockene Haut die Fettphase auf 20–30 % erhöhen (darin 1 % eines Fluidlecithins ergänzen).

So geht’s:

PHASE A

  • 12,0 g Aprikosenkernöl
  • 3,0 g Sheabutter
  • 3,0 g BergaMuls® ET 1
  • 2,0 g Bolus alba (weiße Tonerde, Kaolin)

Schmelzen Sie die Fette mit dem enthaltenen Bergamuls® ET-1 und der Tonerde homogen auf.

PHASE B

  • 48,0 g Wasser
  • 1,0 g Plantapon® SF (alternativ Sanfteen oder Decylglucosid)

Dispergieren Sie das Tensid in das vorher gut abgekochte und auf ca. 75 °C abgekühlte Wasser. Geben Sie nun PHASE B ohne Rühren zu PHASE A und beginnen Sie dann mit dem Homogenisieren (1 Minute mit Stabmixer oder Dremel, 4 Minuten mit einem kräftigen Handrührgerät).

PHASE C

  • 20,0 g Zitronenverbenenhydrolat
  • 10,0 g pflanzliches Glycerin

PHASE C wird nun (also kurz nach dem Dispergieren) zu PHASE A/B  gegeben und eingearbeitet. Dann wird die Emulsion 40 Minuten kalt gerührt.

PHASE D

  • 1,0 g Rokonsal™ BSB-N
  • Milchsäure zum Einstellen des pH-Werts

PHASE D konserviert die Emulsion und stellt sicher, dass der pH-Wert bei ca. 5–5,4 liegt.


Körperlotion »Blue Lotus«

 

20 % Fettphase | 100 g Emulsion | heiß gerührt

Diese Rezeptur lässt sich auch hervorragend als Gesichtsfluid konzipieren.

So geht’s:

PHASE A

  • 9,5 g Sesamöl
  • 5,0 g Phytosqualan
  • 2,0 g Passionsfruchtsamenöl
  • 4,0 g Kakaobutter
  • 2,5 g BergaMuls® ET 1
  • 1,o g Phospholipon® 80 H (alternativ Emulmetik® 320)

Schmelzen Sie alle Komponenten mit dem enthaltenen BergaMuls® ET 1 darin homogen auf.

PHASE B

  • 50,0 g Wasser

Kochen Sie Wasser 5 Minuten sprudelnd ab und lassen es auf ca. 70 °C abgekühlen. Geben Sie nun PHASE B ohne Rühren zu PHASE A und beginnen Sie dann mit dem Homogenisieren (1 Minute mit Stabmixer oder Dremel, 4 Minuten mit einem kräftigen Handrührgerät). Rühren Sie die Emulsion sanft bis auf Handwärme.

PHASE C

  • 20,0 g Rosenhydrolat
  • 5,0 g Wirkstoffe nach Wunsch

PHASE C wird bei Handwärme zu PHASE A/B  gegeben und eingearbeitet. Anschließend wird die Emulsion 40 Minuten kalt gerührt.

PHASE D

  • 1,0 g Rokonsal™ BSB-N
  • Milchsäure zum Einstellen des pH-Werts
  • Duft: Ich habe mit 3 gtt. ätherischem Öl Lotus blau und 3 gtt. ätherischem Öl Rosengeranie beduftet (ich liebe diesen Duft!)

PHASE D konserviert die Emulsion und stellt sicher, dass der pH-Wert bei ca. 5–5,4 liegt.


Gesichtsmasken-Basis

40 % Fettphase | kalt gerührt | für 1–2 Anwendungen (20 g)

So geht’s:

PHASE A

  • 7,4 g Öle nach Wunsch (anteilig sehr schön: Pflanzliche Mazerate)
  • 0,6 g fettlösliche Wirkstoffe (Tocopherol, Fluidlecithine, Defensil®, bis zu 0,5 % ätherisches Öl, abgestimmt auf das Hautbild)

Rühren Sie alle fettlöslichen Komponenten homogen auf.

PHASE B

  • 10 g Hydrolat (oder Wasser)
  • 1,4 g wasserlösliche Wirkstoffe nach Wunsch
  • 0,6 g BergaMuls® ET 1

Lösen Sie alle wasserlöslichen Wirkstoffe im Wasser/Hydrolat. Geben Sie BergaMuls® ET 1 dazu und rühren alles zu einem homogenen Gel.

Rühren Sie nun Phase A in Phase B ein und homogenisieren Sie die Emulsion ca. 4 Minuten hochtourig.

Anschließend können Sie die Maske großzügig auf Gesicht, Hals und Dekolleté auftragen und 10 Minuten einwirken lassen. Nehmen Sie sie mehrfach mit einem feuchten Tuch ab. Reste können einen Tag, gut abgedeckt, im Kühlschrank aufbewahrt werden, wenn Sie die Maske mit Spatel entnommen haben.

Bei unreiner und fettender Haut können Tonerden, Pflanzenpulver und alkoholische Extrakte eingearbeitet werden. Je höher der Fettphasenanteil, desto okklusiver wird die Maske. Bei Couperose sollten Sie daher  einen niedrigen Fettphasenanteil um die 20 % wählen. Meiner Erfahrung nach wirkt die Maske gut durchblutend – testen Sie vorsichtig, ob Sie für Ihre Haut geeignet ist.

Alle Beiträge der Reihe im Überblick

Die Erfahrungen aus diesen Tests sind in mein Rohstoffportrait eingeflossen. 2012 haben wir zudem Erfahrungen mit BergaMuls® ET 1 in der Rührküche ausgetauscht.