Kosmetikrohstoffe im Test
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Ein fettfreier Emulgator:
BergaMuls® ET 1 (Teil 1)

Bergamuls® ET 1, Emulsion mit 25 % Fettphase, 4%ig dosiert

Typische naturkosmetische Emulgatoren basieren in der Regel auf veresterten, pflanzlichen Fettsäuren. 2012 habe ich das erste Mal ein sehr interessantes, völlig neues Produkt zuhause, das einem anderen Prinzip folgt. Es handelt sich um einen rein pflanzlichen Emulgator und Verdicker, der ausschließlich auf Getreide- und Fruchtfasern basiert: BergaMuls® ET1 der Firma Berg+Schmidt GmbH. Der INCI-Name, damals noch im Beantragungs-Prozess, lautete zunächst Fruit and cereal fibres. Dieser Vorschlag wurde von den Behörden abgelehnt, heute lautet die INCI »Beta-Glucan (and) Pectin«. In diesem Beitrag vom 03.09.2012 (auf Olionatura.com erstveröffentlicht) habe ich erste Emulsionen im Praxistest und möchte meinen Eindruck mit Ihnen teilen.

BergaMuls® ET 1 liegt als feines, nanopartikelfreies, weißes Pulver vor und ist unkonserviert. Das Produkt ist nach Aussagen des Herstellers kalt- und heiß verarbeitbar, benötigt keine weiteren Konsistenzgeber bzw. Gelbildner und arbeitet im pH-Bereich von 4–9. Mir liegt eine Rahmenrezeptur mit 5 % Urea vor – auch in dieser Hinsicht verspricht BergaMuls® ET 1 ein interessanter Testkandidat zu werden.

Erste Testergebnisse

In meinen ersten Testemulsionen habe ich BergaMuls ET 1 mit 4 % eingesetzt (der Hersteller empfiehlt 1,5–5 %), bewusst mit nur einem Öl (Sonnenblumenöl High Oleic), Sheabutter (eine zweite Probe ist ohne Butter konzipiert), 3 % Glycerin als Hydratisierer und Wasser konzipiert, konserviert mit Rokonsal® BSB-N. Ich habe eine Basisrezeptur mit 25 % Fettphase gewählt; weitere Gelbildner oder andere, stabilisierende Hilfsstoffe sind nicht enthalten.  Auf beiden Fotos sieht man die Version mit Öl und Butter; beide sind im Laufe der 4 Wochen noch etwas angedickt und bis jetzt absolut stabil und in der Optik unverändert. Als pH-Wert habe ich 5,5 und 4 gewählt (letzteren unfreiwillig) – ohne Einfluss auf die Stabilität.

Verarbeitung

Die Verarbeitung erwies sich als sehr einfach: Der Emulgator wurde in der Fettphase dispergiert, das Wasser hinzugefügt (die One-Pot-Methode, d. h. Fett- und Wasserphase zusammengeben, dann erst rühren) und beide Phasen 4 Minuten mit der IKA RW-20 bei 2000 rpm homogenisiert; anschließend habe ich die Emulsion sanft kalt gerührt. Ich bin bisher positiv überrascht von der Einfachheit der Verarbeitung, der Optik der Creme und dem angenehmen Hautgefühl. Seit vier Wochen verwende ich tagsüber eine der Testcremes; bisher kann ich keinerlei Irritationen feststellen. Mein erster Eindruck ist: Absolut einsteigertauglich. Auch die Optik überzeugt, wie beide Fotos beweisen: Die Cremes sind homogen, glatt, glänzend. Wer vertraute Verarbeitungsprozesse nutzen möchte, kann natürlich auch unter Rühren die Wasserphase in die Fettphase geben. Die Herstellerfirma praktiziert eine Herstellung von Emulsionen mit ca. 800 rpm und einer anschließenden Homogenisierung bei 9500 rpm, »um Stabilität und Farbe zu verbessern«. Stabmixer, Dremel und andere hochtourige Rührwerkzeuge sind also bestens geeignet.

Konsistenz

In der Konsistenz ist die ohne Sheabutter konzipierte Creme, die ausschließlich auf Ölen basiert, geringfügig niedrigviskoser als ihr Pendant, zeigt jedoch beim Dippen mit der Fingerspitze auf die Oberfläche leichte Peaks (also kleine optische Zipfelchen), die sanft wieder in die glatte Oberfläche zurücksinken, wie folgende 3 Abbildungen zeigen:

Bergamuls® ET 1: Peaks

Haptik

Die Haptik der Emulsionen ist interessant: Die Cremes tragen sich angenehm auf und ziehen schnell ein. Im Vergleich zu Emulgatoren, die mit Fettalkoholen verestert sind, meine ich, die Öle und Buttern im ersten Augenblick ausgeprägter (sprich: rückfettender) zu spüren (sicher kennen Sie das hingegen ausgeprägt trockene Gefühl von Fettalkoholen auf der Haut, die jede haptische Fettigkeit tilgen), sie sind jedoch nach kurzer Zeit eingezogen und fetten (oder glänzen) in keiner Weise. Die Haut wirkt geschützt, aber nicht unangenehm eingehüllt. Ein großflächiger Auftrag zeigte leichte haptische Schwächen – hier wird die Charakteristik des Produkts (die enthaltenen pflanzlichen Polysaccharide) spürbarer; dies kann jedoch, da bin ich sicher, durch eine angepasste Rezeptur aufgefangen werden. Das Spreitverhalten beider Emulsionen ist gut, und – viele wird es freuen  – sie weißeln in keiner Weise.

Ein Blick durchs Mikroskop

Mein Mikroskop eröffnet mir seit einigen Wochen neue Einblicke in meine kosmetischen Produkte, und die folgenden Filmaufnahmen möchte ich gerne mit Ihnen teilen. Die Unschärfe an manchen Stellen rührt daher, dass ich jeweils verschiedene Bildebenen nach einander fokussiere, um den Eindruck eines 3-dimensionalen Bildes zu schaffen. Ihr Blick wandert also quer durch die Schichten. Was da solche faszinierenden Strukturen erzeugt, sind offensichtlich mikroskopisch kleine Partikel der Pflanzenfasern:

Ausblick

Es stehen weitere Tests aus: Die Kaltverarbeitung reizt mich sehr, Kombinationen mit Phospholipon® 80 H, mit Zuckerestern, mit kationischen Emulgatoren. Mein Eindruck ist, dass in diesem Produkt sehr viel Potential liegt, auch für den Selbstrührer-Markt. Leider fehlen mir momentan noch einige Detailinformationen; so weiß ich nicht, ob BergaMuls® ET 1 offiziell einen der naturkosmetischen Standards wie BDIH, NaTrue oder ECOCERT erfüllen wird. Immerhin wurde er auf dem BDIH-Workshop »Kosmetikrohstoffe« am 07.05.2012 in Heidelberg präsentiert. Warten wir ab … ich melde mich, sobald ich weitere Tests durchgeführt habe. 🙂

Alle Beiträge der Reihe im Überblick

Die Erfahrungen aus diesen Tests sind in mein Rohstoffportrait eingeflossen. 2012 haben wir zudem Erfahrungen mit BergaMuls® ET 1 in der Rührküche ausgetauscht.

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