Kosmetikrohstoffe im Test
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Dermofeel® GSC palm oil free (Teil 2)

Dermofeel® GSC palmoilfree

Im Dezember 2012 habe ich im 1. Teil einen interessanten O/W-Emulgator vorgestellt, der aus europäischem Rapsöl hergestellt wird.: Dermofeel® GSC palm oil free. Palmölfreie kosmetische Konzepte: Dieses Thema reizt mich bereits seit längerem, und seit 2013 ist dieser Emulgator auch für Endverbraucher erhältlich. Ich habe einige Basisformulierungen mit Dermofeel® GSC palm oil free (INCI: Glyceryl Stearate Citrate) und Fettphasen zwischen 25 und 40 % umgesetzt, die Ihnen die Arbeit mit diesem Emulgator erleichtern werden.

Betrachten Sie die Rezepturen als Anregung, nicht als unumstößliche Vorgabe. Wer nicht grundsätzlich völlig palmölfreie Konzepte ausprobieren möchte, kann diesen Emulgator hervorragend mit Sucrosestearat, Emulsan oder Cetylalkohol und Co kombinieren; die »Hardliner« unter Ihnen werden in Phospholipon® 80 H (alternativ Emulmetik® 320), Bergamuls® ET-1 und Emulprot® (mit den im Text genannten Vorbehalten) hervorragende Alternativen finden.

Die wichtigsten Informationen zu diesem Emulgator habe ich bereits in meinem oben angesprochenen 1. Teil des Beitrags zusammengefasst. An dieser Stelle möchte ich lediglich einige wenige Aspekte aufgreifen, die ich als wichtig empfinde. Ein ganz wichtiger ist, dass Glyceryl Stearate Citrate bevorzugt ein Koemulgator ist bzw. von einem weiteren Emulgator sehr profitiert. Warum dies so ist, zeigt die folgende Grafik:

Emulgatorkombination mit einem anionischen Emulgator

In der oberen Abbildung sehen Sie ein Öltröpfchen in einer Emulsion, die ausschließlich mit dem anionischen (negativ geladenen) Dermofeel® GSC palm oil free hergestellt wurde. Die negativ geladenen Ionen stoßen sich gegenseitig ab und sorgen dafür, dass die Öltröpfchen auf Abstand gehalten werden – an sich ein sehr guter, emulsionsstabilisierender Effekt. Allerdings bleiben dadurch auch die Emulgatormoleküle an der Grenzfläche auf Abstand und belegen diese nicht sehr dicht.

In der unteren Abbildung sehen wir ein Öltröpfchen in einer Emulsion, in der Dermofeel® GSC palm oil free mit einem nichtionischen Emulgator kombiniert wurde (z. B. ein Surosestearat). Auch andere Emulgatoren, die nicht anionisch sind, können die Lücken im Grenzflächenfilm um das Öltröpfchen dichter ausfüllen. In meinen Konzepten greife ich vor allem auf Lecithine wie Phospholipon® 80 H zurück oder auf das palmölfreie Bergamuls ET-1, das ich Ende 2012 getestet habe.

In der durch die Hobbythek® bekannt gewordenen Lamecreme ist dieser Ester z. B. mit Glycerinstearat kombiniert – nicht dem selbstemulgierenden mit dem Zusatz »SE« (engl. »self emulsifying«), sondern dem normalen, lipophilen Glycerylmonostearat, das wie Cetylalkohol gerne als Koemulgator verwendet wird. Mein Schwerpunkt waren diesmal Emulsionskonzepte, die auf Palmöl verzichten – oder, in einem Fall, seinen Anteil deutlich verringern. Die Ausnahme, von der ich spreche, ist Emulprot®, ein milchproteinbasierer Emulgator, der u. a. Magnesiumstearat enthält. Ich kann offen gestanden nicht einschätzen, woher die Stearinsäure dieser »Metallseife« stammt, ob aus Kokos- oder doch aus Palmöl. Bei Glycerin gibt es auch Produkte rein auf Kokosölbasis – ich muss da noch etwas genauer recherchieren. Wie dem auch sei: Der Weg ist der richtige, um den Palmöl-Anteil in unserer Naturkosmetik deutlich zu reduzieren.

Meine Basisrezepturen variieren im Fettphasengehalt und in der Komposition. Ich habe jeweils nur ein Öl verwendet, d. h. die Haptik ist in keiner Weise optimiert. Mein Fokus bei diesen Tests lag ausschließlich auf der Stabilität, der Konsistenz und der Textur der Emulsionen – und auf Kompositionen, die auf palmölbasierte Fettalkohole und palmölbasierte Partialglyceride verzichten. Wer klassische Konzepte rühren möchte, kann selbstverständlich aus dem Vollen schöpfen. Emulsion A weist 25 % Fettphase auf, die Varianten von Emulsion B (B-1 und B-2) 30 % und die der Emulsion C 40 % Fettphase.

Ich gebe prozentuale Anteile an; für 50 g Emulsion halbieren Sie die Prozentangaben und erhalten die Mengenangaben in Gramm. Die Herstellung folgt den grundsätzlichen Schritten für O/W-Emulsionen. Bitte beachten Sie auch die grundlegenden Vorbereitungen, um eine hygienische Herstellung zu garantieren. Dermofeel® GSC palmoil free wird optimal bei ca. 75–80 °C verarbeitet.

Emulsion A, 25 % Fettphase

Phase A

  • 16 % Öle
  • 4 % Butter
  • 1 % Wachs
  • 3 % Dermofeel® GSC palm oil free
  • 1 % Emulprot® (keine weiteren Gelbildner)

Alle Komponenten bei ca. 75 °C aufschmelzen.

Phase B

  • 69 % Wasser

Wasser auf ca. 75–80 °C erhitzen, unter Rühren zu Phase A geben und beide Phasen ca. 1–4 Minuten (je nach Rührgerät) hochtourig dispergieren. Bis auf Handwärme rühren.

Phase C

  • 5 % (hydratisierende) Wirkstoffe

Bei Handwärme die Wirkstoffe ergänzen (pulverförmige vorher in ein wenig Wasser auflösen – dieses von Phase B abzweigen).

Phase D

  • 1 % Rokonsal™ BSB-N
  • Milchsäure q. s. (quantum satis«, das bedeutet »so viel wie nötig«)

Emulsion konservieren, den pH-Wert prüfen und bei Bedarf auf pH 5–5,4 korrigieren.

Emulsion B-1, 30 % Fettphase

Phase A

  • 20 % Öle
  • 5 % Butter
  • 1 % Wachs
  • 3 % Dermofeel® GSC palm oil free
  • 1 % Phospholipon® 80 H

Alle Komponenten bei ca. 75 °C aufschmelzen.

Phase B

  • 64 % Wasser

Wasser auf ca. 75–80 °C erhitzen, unter Rühren zu Phase A geben und beide Phasen ca. 1–4 Minuten (je nach Rührgerät) hochtourig dispergieren. Bis auf Handwärme rühren.

Phase C

  • 0,2 % Xanthan transparent,
    dispergiert in 2,8 % Glycerin (99,5 %)
  • 2 % weitere (hydratisierende) Wirkstoffe

Bei Handwärme die Wirkstoffe ergänzen (pulverförmige vorher in ein wenig Wasser auflösen – dieses von Phase B abzweigen).

Phase D

  • 1 % Rokonsal™ BSB-N
  • Milchsäure q. s. (quantum satis«, das bedeutet »so viel wie nötig«)

Emulsion konservieren, den pH-Wert prüfen und bei Bedarf auf pH 5–5,4 korrigieren.

Emulsion B-2, 30 % Fettphase

Phase A

  • 19 % Öle
  • 4 % Butter
  • 2 % Phytosteryl Macadamiate
  • 3 % Dermofeel® GSC palm oil free
  • 1 % Phospholipon® 80 H
  • 1 % Bergamuls ET-1

Alle Komponenten bei ca. 75 °C aufschmelzen.

Phase B

  • 64 % Wasser

Wasser auf ca. 75–80 °C erhitzen, unter Rühren zu Phase A geben und beide Phasen ca. 1–4 Minuten (je nach Rührgerät) hochtourig dispergieren. Bis auf Handwärme rühren.

Phase C

  • 5 % (hydratisierende) Wirkstoffe

Bei Handwärme die Wirkstoffe ergänzen (pulverförmige vorher in ein wenig Wasser auflösen – dieses von Phase B abzweigen).

Phase D

  • 1 % Rokonsal™ BSB-N
  • Milchsäure q. s. (quantum satis«, das bedeutet »so viel wie nötig«)

Emulsion konservieren, den pH-Wert prüfen und bei Bedarf auf pH 5–5,4 korrigieren.

Emulsion C, 40 % Fettphase

Phase A

  • 23 % Öle
  • 1 % Barriereschutzbasis

Barriereschutzbasis in stabilem Öl bei ca. 100 °C aufschmelzen.

  • 10 % Butter
  • 1 % Wachs
  • 4 % Dermofeel® GSC palm oil free
  • 1 % Phospholipon® 80 H

Alle Komponenten bei ca. 75–80 °C ergänzen und rühren, bis sie aufgeschmolzen sind.

Phase B

  • 51 % Wasser

Wasser auf ca. 75–80 °C erhitzen, unter Rühren zu Phase A geben und beide Phasen ca. 1–4 Minuten (je nach Rührgerät) hochtourig dispergieren. Bis auf Handwärme rühren.

Phase C

  • 0,2 % Xanthan,
    dispergiert in 2,8 % Alkohol (über 70 Vol.-%)
  • 5 % (hydratisierende) Wirkstoffe

Bei Handwärme die Wirkstoffe ergänzen (pulverförmige vorher in ein wenig Wasser auflösen – dieses von Phase B abzweigen).

Phase D

  • 1 % Rokonsal™ BSB-N
  • Milchsäure q. s. (quantum satis«, das bedeutet »so viel wie nötig«)

Emulsion konservieren, den pH-Wert prüfen und bei Bedarf auf pH 5–5,4 korrigieren.

Tipp: Ohne Fettalkohole wirken diese reichhaltigen Emulsionen mit 40 % Fettphase deutlich rückfettender und weniger matt. Probieren Sie einmal 4 % Pfeilwurzelstärke in etwas reinem Alkohol zu dispergieren, lassen Sie diese Mischung einige Minuten stehen (damit der Alkohol keimtötend wirkt) und rühren Sie die Mischung in die handwarme Creme. Die Stärke wirkt haptisch mattierend und mindert den rückfettenden Charakter.

Fazit

Alle Emulsionen sind bei Zimmertemperatur über den gesamten Verwendungs-Zeitraum von mehr als 4 Wochen stabil. Die Konsistenzen empfinde ich als angenehm, die Emulsionen sind leicht, aber (je nach Höhe der Fettphase und des Gelbildner-Anteils) z. T. nicht mehr fließfähig. Statt mit Fettalkoholen erreichen wir eine gewisse Grundkonsistenz mit Hydrokolloiden wie Xanthan transparent oder pektinbasierten Produkten wie Bergamuls ET-1 sowie geringen Wachsanteilen bzw. Unverseifbarem. Was Sie wissen sollten: Die Emulsionen weißeln ein wenig, wie von fettsäurebasierten, naturkosmetischen Emulgatoren gewohnt. Da ich keine Silikone verwende, lebe ich gelassen damit. 😉

Mein Anliegen ist, Selbstrührer für das Thema Palmöl zu sensibilisieren. Wir haben es in der Hand, unsere Ideale wieder ein Stück mehr umzusetzen. Unterstützen Sie meine Arbeit, geben Sie diese Informationen weiter und teilen Sie die Information über die Möglichkeit, palmölfreie Rohstoffe zu nutzen – Danke!

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