Kosmetikrohstoffe im Test
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Dermofeel® GSC palm oil free (Teil 1)

Dermofeel® GSC palmoilfree

Wer seine Naturkosmetik selber herstellt, verfügt über die Freiheit, die Inhaltsstoffe seiner Pflegeprodukte selbst wählen zu können. Neben gesundheitlich umstrittenen Ingredienzien wie Parabenen und PEG-haltigen Produkten rückt mittlerweile ein anderer Aspekt in den Fokus: Die Omnipräsenz palmölbasierter Rohstoffe und die Problematik zerstörter Regenwaldflächen, um den enormen weltweiten Bedarf an Palmöl zu decken. In diesem Kontext habe ich 2012 einen Öl-in-Wasser-Emulgator vorgestellt, der auf europäischem Rapsöl basiert und in Europa hergestellt wird: Dermofeel® GSC palm oil free. Dieser Beitrag wurde das erste Mal am 04. Dezember 2012 auf Olionatura.com veröffentlicht.

Ein Wort zuvor: Ich kann an dieser Stelle nicht die vielschichtigen Faktoren diskutieren, die die Palmöl-Problematik prägen. Auch ist mir bewusst, dass ich als kleine Endverbraucherin vermutlich den geringsten Einfluss auf Verbrechen habe, die im Kontext der Palmölgewinnung geschehen. Von meinem Charakter her bin ich jedoch jemand, der in seinem Handeln unbeirrt auf die eigene Verantwortlichkeit und die eigenen Möglichkeiten schaut. Noch ist es so, dass im Naturkosmetik-Sektor nur wenige Emulgatoren und Tenside palmölfrei sind oder aus Bio-Palmöl stammen. Aus diesem Grunde siede ich meine Pflanzenölseifen grundsätzlich nicht mit Palmöl, und ich bemühe mich, Alternativen für Rohstoffe einzusetzen, die momentan noch auf konventionellem Palmöl basieren. Meine Lieblingsemulgatoren sind Lecithine, ich verzichte weitgehend auf Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Stearinsäure usw., verwende ausschließlich Bio-Glycerin (aus Bio-Palm- und Kokosöl). Problematisch sind die auf den mittelkettigen Fettsäuren von Kokos- und Palmöl basierenden Tenside; hier ist für mich noch sehr viel Recherche und Anstrengung notwendig, um sinnvolle Handelsprodukte zu finden, die auf Biopalmöl basieren oder (garantiert) ausschließlich auf anderen Fetten.

Dermofeel® GSC palm oil free der Dr. Straetmans Chemische Produkte GmbH aus Hamburg hat die INCI-Bezeichnung Glyceryl Stearate Citrate und ist in seiner Variante aus Palmöl seit Jahren bewährt. Sie werden ihn bereits kennen: In Verbindung mit dem Monoglycerolester Glycerinstearat (allerdings der nicht selbst emulgierenden Form mit HLB 4, also dem W/O-Typ) ist Glyceryl Stearate Citrate Bestandteil der alten Lamecreme, einem durch die Hobbythek bekannt gewordenen O/W-Emulgator, der durch die Komposition mit dem lipophilen Glycerinstearat auch hohe Fettphasen stabilisieren kann. Allerdings ist die Komposition eines Handelsprodukts auf Basis eines anderen Öls als Palmöl immer mit Änderungen der Produkteigenschaften verbunden – für die Hersteller kein leichtes Unterfangen, wie am Beispiel von Xyliance zu sehen war, das 2010 palmölfrei hergestellt wurde (mittlerweile ist es wieder palmölbasiert) und damals u. a. einen anderen HLB-Wert und damit andere emulgierende Eigenschaften aufwies, die so manche Rezepturanpassungen notwendig machten.

Zusammensetzung

2011 brachte Dr. Straetmans das palmölfreie Produkt auf dem Markt, erkennbar an seinem Namenszusatz »palm oil free« – seitdem habe ich es im Blick. Emulgatoren, die als Ester von Milchsäure oder Zitronensäure vorliegen, nennt man auch α-Hydroxysäure-Ester. Sie gelten als sehr gut hautverträglich. Dermofeel® GSC palm oil free basiert auf aus Rapsöl gewonnenen Mono-, Di- und Tri-Estern der Stearinsäure, verestert mit Zitronensäure und Glycerin. Von ihrer molekularen Struktur haben Monoester nur noch eine der ursprünglich im Rapsöl vorhandenen 3 Fettsäuren, Di-Ester immerhin zwei, Tri-Ester drei. Monoester setzen dem hydrophilen Molekülkopf also nur noch einen Fettsäureschwanz entgegen und sind daher besonders wasserlöslich; bei den Diestern ist die Löslichkeit bereits reduziert, aber immer noch vorhanden, Triester sind noch stärker lipophil. Die exakte Komposition aus diesen Estern und ihr Anteil am Gesamtprodukt prägt seine spezifischen Eigenschaften. Daher kann das Glyceryl Stearate Citrate von Anbieter X sich in der Praxis durchaus von dem von Anbieter Y unterscheiden.

Kosmetischer Einsatz und Verarbeitung

Dermofeel® GSC palm oil free liegt als weißes Pulver vor und schmilzt bei ca. 58–62 °C. Verarbeitet wird der Emulgator bei ca. 75–80 °C (in meinem Handbuch »Naturkosmetik selber machen« erläutere ich die Notwendigkeit, einen Emulgator über seinen Schmelzpunkt hinaus zu erhitzen, um besonders feindisperse Emulsionsstrukturen zu erzeugen). Dermofeel® GSC palm oil free ist anionisch, das bedeutet, dass es in wässriger Lösung negativ geladene Ionen ausbildet. Diese negativ geladenen Ionen umhüllen die Grenzflächen der ummantelten Fettröpfchen in der Emulsion und stoßen diese von einander ab; auf diese Weise wird Koaleszenz verhindert. Daher gilt Glyceryl Stearate Citrate als sehr guter Emulgator und Koemulgator. Dosiert wird es laut Datenblatt zwischen 0,5 % (als Koemulgator) und 4 % – meine bevorstehenden Tests werden sich vor allem auf naturkosmetisch orientierte Kombinationen ohne Fettalkohole konzentrieren, konkret mit hydrierten Lecithinen und mit Bergamuls® ET-1.

Die Zusammensetzung des Produkts bedingt seine kosmetischen Eigenschaften. Wie alle Emulgatoren auf pflanzlicher Basis ist Dermofeel® GSC palm oil free durch hauteigene Enyzme spaltbar. Die enthaltene Zitronensäure hat wie die organischen Säuren im hauteigenen NMF (Natural Moisturizing Factor) wasserbindende Funktion, die Fettsäuren bleiben (wie bei unseren anderen auf Fettsäuren basierenden Emulgatoren) als rückfettende Komponente wirksam.

Ökologie und Naturkosmetikstandards

Das rein pflanzliche Dermofeel® GSC palm oil free enthält weder Konservierungsmittel noch Antioxidantien oder andere Zusätze; das Produkt wurde nicht an Tieren getestet. Weiterhin erfüllt das Produkt die Anforderungen aller naturkosmetischen Standards von ECOCERT, BDIH, NaTrue und Cosmos.

Das ist die Theorie … nun folgt die Praxis. 🙂 Die Ergebnisse meiner Tests habe ich hier im 2. Teil vorgestellt.

 

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