Kosmetikrohstoffe im Test
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Cetylalkohol und seine Eigenschaften

Cetylalkohol wird in der als »Koemulgator« und als Konsistenzgeber eingeordnet. Er bindet Wasser, heißt es, ist mit  einem »required HLB« von 15,5 sehr hydrophil – ist aber nicht wasserlöslich. Ich habe 2008 den spontanen Entschluss gefasst, lange geplante kleine Tests durchzuführen – nichts Weltbewegendes – aber ungeachtet dessen interessant. Theoretisch wusste ich damals, was er tut, aber es ist doch etwas anderes, dies in der Praxis zu erleben.

Cetylalkohol und seine Eigenschaften in Emulsionen: Folgen Sie mir auf eine interessante Zeitreise ins Jahr 2008.

Probe 1

Ich schmelze 3 gr Cetylalkohol im Becherglas auf ca. 60 °C und rühre 7 gr gleich erhitztes Wasser unter. Zunächst sind kleine Fettaugen auf der Wasseroberfläche zu sehen, dann wird die Mischung leicht opak, bleibt aber inhomogen und griesig – das verstärkt sich, als sie langsam kühler wird. Das Foto unten zeigt die Mischung, als sie noch sehr warm ist:

Am Ende des Emulgierprozesses schwimmen griesige Inseln in dem Wasser. Der Cetylalkohol ist zu schwach polar, als dass er effektiv Wasser binden könnte … also doch keine Emulgierkräfte? Richtig dispergiert (fein verteilt) ist er auch nicht.

Cetylalkohol und Wasser

Probe 2

Ich gebe das Becherglas wieder ins Wasserbad und füge 0,1 gr eines hydrophilen Emulgators (Glycerinstearat SE) dazu, das sind ca. 3,3 % des Cetylalkohols, und schmelze ihn mit Cetyl und Wasser auf, diesmal bei ca. 65 °C. Erneutes Emulgieren zeigt eine homogenere, milchig opak wirkende Flüssigkeit – die winzige Prise Emulgator verhilft dem Cetyl zu einer besseren Dispergierung … Konsistenz hat die Mischung noch nicht, es ist eine milchige Plörre mit leichten Grieskörnchen. Seltsam eigentlich :-), denn Cetyl hat einen hohen Schmelzpunkt und sollte bei 30 % Anteil an einer Emulsion eigentlich mehr Konsistenz geben können. Ich gebe zu, das ist eine rhethorische Feststellung, weil ich ja theoretisch weiß, warum das so ist – ich will es aber praktisch erfahren.

Probe 3

Ich schmelze die Mischung wieder im Wasserbad auf und gebe weitere 0,1 gr Emulgator dazu – und plötzlich emulgiert die Mischung und wird opak weiß und hochviskos:

Flüssig-kristalline Phase einer Emulsion, sichtbar gemacht

Flüssig-kristalline Phase einer Emulsion, sichtbar gemacht

Was ist passiert?

Das ist die berühmt-berüchtigte flüssig-kristalline Gelphase (auch Mischkristallisat genannt), die Cetylalkohol mit ein wenig Emulgator auszubilden vermag – und hier wird deutlich, warum er als koemulgierend gilt. Emulgator (hier mit knapp 2 % auf gesamt dosiert) und Cetylalkohol bilden ein Netzwerk, in dem Wasser eingelagert wird und durchziehen die gesamte Wasserphase und geben ihr dadurch Konsistenz – hier ohne weitere Öle.

Mir ging es auch nur darum, einmal dieses Mischkristallisat pur zu sehen und es auch für andere sichtbar zu machen. Was wir hier sehen, sind nicht kleine Fetttröpfchen von Wasser umhüllt, sondern so etwas, wie man es oben in dieser Abbildung sieht (bei der man sich vorstellen muss, dass diese flüssig-kristalline Gelphase sich netzartig durch die ganze Wasserphase zieht – sie gibt Konsistenz und bindet ein Wasserdepot, eventuell mit gelösten Wirkstoffen darin).

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