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Brauche ich zusätzliche Wirkstoffe, um gute Emulsionen herzustellen?

Wenn wir die Werbeaussagen kosmetischer Pflegeprodukte vergleichen, positionieren sich so gut wie alle durch die Auslobung bestimmter Inhaltsstoffe. Oft sind es innovative Extrakte aus seltenen Pflanzen oder neu entwickelte Wirkstoffe aus dem Labor, die das beworbene Produkt zu etwas Besonderem deklarieren. Welche Rolle spielen diese Zusätze wirklich für die Effektivität eines Kosmetikums?

Ich habe vor Jahren die Aussage eines Dermatologen gelesen, die ich nach meinen Erfahrungen voll bestätigen kann: Die Wirksamkeit einer kosmetischen Emulsion wird zu 80 % durch die Emulsions-Grundlage bestimmt.

Dies bedeutet für Naturkosmetik: Die Auswahl der dominierenden Pflanzenöle und -buttern entscheidet wesentlich über die Qualität und Wirksamkeit des gesamten Produkts. Hochwertige, sinnvoll kombinierte pflanzliche Fette bieten durch hautverwandte Fettsäuren, Vitamine, Phytosterine und Mineralstoffe ein wahres Füllhorn an physiologischen, kosmetisch aktiven Substanzen. Kombiniert mit einem Hydrolat oder reinem Wasser erhalten wir mit jeder Emulsion ein hervorragendes Hautpflege-Präparat. Dies gilt insbesondere für gesunde Haut ohne Defizite.

Dennoch gibt es eine Wirkstoffgruppe, die insbesondere in den üblichen Öl-in-Wasser-Emulsionen eine sinnvolle Ergänzung ist. Dieser Emulsionstyp zeigt bei trockener, feuchtigkeitsarmer Haut erst dann seine Stärke, wenn die Wasserphase hydratisierende, feuchtigkeitsbindende Zusätze enthält (z. B. Glycerin, Urea, Sorbit, Natriumlaktat, Sodium PCA, Hyaluron- und Milchsäure). Insbesondere barrieregeschädigte Haut ist zunächst oft gar nicht in der Lage, das ihr aus einer O/W-Emulsion angebotene Wasser zu binden. In dieser spezifischen Situation ist es sinnvoll, eine Hydratation durch feuchtigkeitsbindende Substanzen zu erzielen, um dann die Regeneration der Barrierschicht durch eine sinnvolle Lipidzusammenstellung der Cremegrundlage anzugehen. Kombiniert werden diese Substanzen in der Regel mit einem sogenannten Hydrokolloid (z. B. den Gelbildner Xanthan), das die Abdunstung hauteigenen Wassers mindert. Studien zufolge erreichen sinnvoll mit feuchtigkeitsbindenden Wirkstoffen angereicherte O/W-Emulsionen sogar eine vergleichbare Wirkung wie Wasser-in-Öl-Rezepturen, denen im Hinblick auf Hydratisierung durch ihren leichten Okklusiv-Effekt bisher eine bessere Schutzwirkung nachgesagt wurde.

Auch bei Hautzuständen mit überhöhter Sebumproduktion (»fetter Haut«) kann ein geringer Zusatz an feuchtigkeitsbindenden Substanzen in einer Emulsion das Hautbild verbessern. Wussten Sie, dass fehlendes Wasser in der Hornschicht oft der Grund für Verhornungs-Störungen ist, aus denen Unterlagerungen und Komedonenbildung hervorgehen? Grund dafür ist, dass durch fehlendes hauteigenes Wasser Enyzme deaktiviert werden, die für das Lösen der Verbindungen zwischen den Hornzellen zuständig sind. Dadurch verkleben die Hornzellen, das Sebum kann nicht mehr ungestört abfließen, und in diesem Milieu aus Hornzellen, Talg und anaeroben Bakterien entstehen schnell entzündliche Unreinheiten. Bei fettender, unreiner Haut gilt es daher, moderat Wasser in der Haut zu binden, ohne dass das Hautmilieu zu feucht wird und die Hornschicht aufquillt. Hier ist eine sorgfältige Planung des Kosmetikprodukts wichtig – aber ist nicht gerade das unsere Stärke? 🙂

Aus diesem Grund sind übrigens alle meine Basisrezepturen seit vielen Jahren so konzipiert, dass sie bereits eine kleine Menge hautphysiologisches pflanzliches Glycerin und Xanthan enthalten: Dies entspricht heutigen dermatologischen Erkenntnissen.

Mit Blick auf die Ausgangsfrage stellen wir zusammenfassend fest: Eine aus hautphysiologischer Sicht qualitativ hochwertige Pflege-Emulsion besteht aus wertvollen nativen Ölen und Buttern, ergänzt durch eine gezielte Auswahl an feuchtigkeitsbindenden Stoffen für eine gute Hydratation der Hornschicht. Dadurch wird die Haut in ihren Funktionen unterstützt und hauteigene Prozesse gefördert – das Ziel einer sinnvollen Naturkosmetik.

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