Glossar

Wichtige Fachbegriffe aus dem Rühralltag und aus Fachbüchern kurz erläutert: Das leistet dieses kleine Fachwortglossar. Auch wenn Sie sie nicht selbst verwenden möchten, ist es von Vorteil, die Begriffe zu kennen. Ein solides Basiswissen vergrößert die Möglichkeiten, wertvolle Informationsquellen zu nutzen, die einem Laien ansonsten verschlossen bleiben, und das wäre schade. Meine Erfahrung aus vielen Jahren autodidaktischen Studiums ist: Lernen Sie so viel Sie können, erweitern Sie vor allem Ihren sprachlichen Fundus. Sprache lässt uns teilhaben am Wissen anderer Menschen, an den Schätzen unserer Welt.

ad 100

Der aus der pharmazeutischen Praxis stammende Begriff »ad 100« bedeutet, dass die entsprechende Ingredienz, bei der er notiert ist, den noch verbleibenden Rest der Rezeptur bis auf 100 % einnimmt.

In kosmetischen Rezepturen wird diese Angabe in der Regel auf Wasser angewendet: Nach Angabe aller Ingredienzien eines kosmetischen Produkts nimmt Wasser den verfügbaren Rest ein. Sinnvoll ist eine solche Notation grundsätzlich auch dann, wenn Ihnen vorher bei der Dosierung einer Zutat (z. B. des Konservierungsmittels oder der Duftstoffe) ein rezepturabhängiger Spielraum gegeben wird. Füllen Sie die Differenz zu 100 % Produkt in diesem Fall entsprechend mit Wasser – eben ad 100 – auf. Meine online verfügbaren Kosmetik-Rechner arbeiten auch nach diesem Prinzip.

Barriereschicht der Haut

Als eines der größten Organe des menschlichen Körpers erfüllt die Haut vielfältige Aufgaben: sie unterstützt die Wasser- und Temperaturregelung des Organismus, ist Ausscheidungsorgan für diverse Stoffe wie Säuren und Salze, Produktionsort wichtiger Substanzen unterschiedlichster Stoffwechselprozesse wie Interferone, Hormone, Vitamine (Vitamin D!) und Proteine – vor allem jedoch bildet die oberste Hautschicht, die Hornschicht (das → Stratum corneum) eine Schutzbarriere gegenüber Sonnenlicht, Mikroorganismen, chemischen und mechanischen Einflüssen und Substanzen von außen und eine Barriere für Wasser und kleine Moleküle nach außen.

CAS-Nummer

CAS ist die Kurzbezeichnung für Chemical Abstracts Service, einer amerikanischen Institution mit Sitz in Ohio. Die CAS-Nummer (»Chemical Abstract Service Registry Number«) zielt auf eine eindeutige Identifizierung eines chemischen Stoffes; ihre Syntax entspricht dem Aufbau »000000-00-0«; seit 2008 kann die erste Zahl 7 Ziffern beinhalten, die zweite ist immer zweistellig, die 3. Zahl einstellig. Die Zuordnung der Zahl zu einer Substanz erfolgt aufsteigend. Eine weitere logische Struktur existiert nicht, mit Ausnahme der 3. Zahl, die eine Prüfsumme ausdrückt. Seit 1962 sichtet die Organisation CAS wissenschaftliche Primärliteratur und katalogisiert die dort beschriebenen chemischen Substanzen.

Die CAS-Nummer ist vor allem dann hilfreich, wenn es darum geht, einen bestimmten Stoff eindeutig zu identifizieren. Ein konkretes Beispiel soll dies illustrieren: Wir können als Selbstrührer Nicotinamid (CAS-Nummer 98-92-0) sinnvoll einsetzen, während die Nicotinsäure (CAS-Nummer 59-67-6) zu erheblichen unerwünschten Hautrötungen (Flush) führen kann; beide werden jedoch mitunter unter dem Begriff »Niacin« subsummiert. Mit der CAS-Nummer ist der Kauf des richtigen Rohstoffs möglich. Auf Olionatura.de finden Sie daher, wo möglich, die entsprechenden CAS-Nummern ergänzt.

Mit diesem Formular können Sie online nach Substanzen suchen und u. a. die CAS-Nummer in Erfahrung bringen.

Dispergieren

Ganz einfach gesagt meint Dispergieren die gleichmäßige Vermischung von Stoffen. Dabei gilt, dass die Stoffe sich nicht in einander lösen, sodass der eine sich fein im anderen verteilt. In der Kosmetikherstellung dispergeren wir z. B. Öl in Wasser oder Pigmente in Öl.

Die fein verteilten Teilchen stellen die innere, disperse Phase dar, die äußere (kontinuierliche)  Phase ist das Dispersionsmedium. Mehr muss man erst einmal nicht wissen. 🙂

Emollentien

Emollentien (im Singular: das Emolliens) im weitesten Sinne sind hautpflegende Stoffe, die in die Zwischenräume der Hornzellen eindringen und eine angenehme, geschmeidige Haptik erzeugen. Ihr Name kommt von dem lateinischen Verb emollire, »weich machen«. Zu den Emollentien gehören Öle, Wachse, aber auch feuchtigkeitsbindende Substanzen. Im engeren Sinne werden vor allem Lipide (Fette bzw. fettlösliche, also lipophile Substanzen) als Emollentien bezeichnet, die in kosmetischen Mitteln als Rückfetter eingesetzt werden. Als Emollentien nutzen wir in unserer selbst hergestellten Naturkosmetik pflanzliche Öle, →  Esteröle (z. B. Neutralöl), Buttern, Wachse, Fettalkohole wie Cetylpalmitat (»Walratersatz«) oder Cetylalkohol, Fettsäuren wie Stearinsäure, Sterole (Wollwachsalkohol, Lanolin) und Phytosterole (Phytosteryl Macadamiate oder Avocadin®), Partialglyceride (z. B. Glycerolmonostearat) und andere Lipide, aus denen die Fettphase eines Kosmetikums besteht.

Esteröle, kosmetische

Als kosmetische Esteröle werden Fette pflanzlichen Ursprungs bezeichnet, die in der Regel auf Kokos- und Palmkernöl basieren und als Rückfetter, aber auch (je nach Komposition) als grenzflächenaktive Substanzen (Emulgatoren und Tenside) Einsatz finden. In der Natur kommen viele natürliche Ester vor. Ester sind Verbindungen aus Säuren und Alkoholen wie z. B. Pflanzenöle (Glycerin und Fettsäuren) oder Phospholipide (Ester der Phosphorsäure). Auch viele Komponenten ätherischer Öle stellen Esterverbindungen dar.

Das Grundprinzip der Herstellung kosmetischer Esteröle ist, dass pflanzliche Öle zunächst in Fettsäuren und Glycerin gespalten werden. Nach der Spaltung werden die Fettsäuren gezielt nach gewünschter Kettenlänge neu kombiniert und mit Glycerin, Saccharose, Glucose oder anderen (Zucker-)Alkoholen verbunden (= »verestert«. Da sie chemisch neu zusammengesetzt (synthetisiert) werden, spricht man auch von synthetischen Lipiden, auch wenn sie aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, nicht aus Mineralöl. Vom Grundprinzip her kann man sich eine Veresterung als umgekehrten Prozess der Verseifung vorstellen, bei der durch die Lauge Fettsäuren vom Glycerin abgespalten werden: Hier werden Fettsäuren wieder mit Glycerin (oder anderen Alkoholen) verbunden; der eine Prozess findet im basischen, der andere im sauren Milieu statt.

Ein bekanntes Esteröl im Selbstrührerbereich ist Neutralöl (MCT-Öl) und das in Apotheken erhältliche, in der Konsistenz eher Pflanzenbutter ähnelnde SOFTISAN® 378. Vorteile sind ihre weitgehende kosmetische Neutralität (sie gelten als nicht irritativ), dass sie mikrobiell geprüft werden und sich als oxidationsstabile Fettkomponenten eignen. Besonders gerne werden Esteröle wie Dermofeel® MCT (»Tricaprylin«), Dermosoft® SenSolv (Isoamyl Laurate) oder Cetiol® CC (Diacaprylyl Carbonate ) zur Optimierung der Haptik, also des Hautgefühls und Auftragverhaltens, in kosmetischen Produkten eingesetzt. Sie sind hochspreitend und verringern die Klebrigkeit und spürbare Rückfettung einer Emulsion. Esteröle mit einem extrem hohen Spreitwert wie Dermofeel® SenSolv werden daher gerne als pflanzlicher Silikonersatz ausgelobt.

HLB-Wert

1949 entwickelte William Griffin ein System, um die Tendenz eines Emulgators zu beschreiben, sich eher in wässrigen (so genannten polaren) oder eher in öligen (so genannten unpolaren) Medien zu lösen. Bei besserer Wasserlöslichkeit (Hydrophilie) des Emulgators bildet Wasser die äußere Phase, in der kleine Öltröpfchen vom Emulgator ummantelt werden; bei besserer Öllöslichkeit ist es genau umgekehrt.

Jedes Emulgatormolekül weist also eine unterschiedlich stark ausgeprägte Löslichkeit in Wasser oder in Öl auf. Das Verhältnis von hydrophilen und lipophilen Gruppen in einem Emulgatormolekül, also die Balance zwischen beiden »Kräften«, wird in einer Zahl zwischen 0 und 20 ausgedrückt (wenn man es ganz genau nimmt, wird der Anteil der wasserliebenden Teile zur gesamten Masse des Moleküls berechnet). »HLB« ist folgerichtig die Abkürzung für eben diese Hydrophilic Lipophilic Balance.

Diese Skala galt ursprünglich nur für so genannte nichtionische Emulgatoren (alle unsere Zuckeremulgatoren im Selbstrührer-Bereich, wie z. B. Glycerinstearat SE, Cetearyl Alcohol and Cetearyl Glucoside, Polyglyceryl-3 Polyricinoleate, Tegomuls®, Emulsan usw. gehören dazu), ist aber mittlerweile für ionische Emulgatoren erweitert worden und kann bis zu HLB 40 reichen.

Prinzipiell gilt: Emulgatoren mit einem HLB-Wert unter 10 (im engeren Sinne: von HLB 3 bis etwa 6) bilden eher Wasser-in-Öl-, Emulgatoren mit einem HLB-Wert über 10 (exakter: ab ca. 8 bis ca. 18) Öl-in-Wasser-Emulsionen. Verwendet man mehrere Emulgatoren, kann man den HLB-Wert einfach arithmetisch aus den Mittelwerten errechnen.

Hydro-Lipid-Film

Auf der Oberfläche der Haut bilden verschiedene Lipide aus den Talgdrüsen (vorwiegend Tricglyceride, Squalen, Wachsester und Fettsäuren) und aus den freigesetzten Lipiden der Kittsubstanz der verhornten Keratinozyten Cholesterin und Cholesterinester) zusammen mit in Wasser gelösten Substanzen aus dem Hautschweiß (Carbonsäuren, Aminosäuren und Salze) einen hydro-lipiden Film. Durch Spaltung der Triglyceride durch fettspaltende Enzyme (Lipasen) in freie Fettsäuren sinkt der pH-Wert der Haut auf 5,5–6,5 ab (daher auch der Name »Säureschutzmantel«) und besitzt eine antibakterielle Wirkung. Interessant ist, dass der Mensch über eine spezifische, hauteigene aerobe Keimbesiedlung verfügt, eine »residente Flora«, deren Stoffwechselprodukte antimikrobiell wirken und unerwünschte und pathogene (krankmachende) Fremdkeime minimieren. Ein hautphysiologischer pH-Wert im leicht sauren Bereich garantiert der hauteigenen Mikroflora optimale Bedingungen und ist wesentlich für die Gesunderhaltung der Haut.

Der Hydro-Lipid-Film hat vor allem Schutzfunktion vor Mikroorganismen und Sonnenlicht (letzterer ist jedoch nur begrenzt). Die im Hydro-Lipid-Film enthaltenen Emulgatoren (hier vor allem Cholesterin, Fettsäuren und Diglyceride) emulgieren Hautlipide und Hautschweiß zu einer Emulsion, die sich auf der Hautoberfläche ausbreitet und sie schützend überzieht.

Hydrodispersionsgel

Ein Hydrodispersionsgel ist ein mit Gelbildnern (sogenannten Hydrokolloiden) mehr oder weniger viskos angedicktes, wasserbasiertes Kosmetikum, in dem eine geringe Menge an Ölen (in der Regel zwischen 5–20 %) und, bei Bedarf, Wirkstoffe in das Gelgerüst eingearbeitet sind. Typische und gern verwendete Hydrokolloide im naturkosmetischen Bereich sind Xanthan, Guarkernmehl, Hyaluronsäure und Cellulose-Derivate. Sie stabilisieren die Öltröpfchen durch Viskositäserhöhung der Wasserphase, die ein Zusammenfließen verzögert; manche Gelbildner bilden makromolekulare Grenzflächenfilme. Dies bedeutet, ihre Moleküle lagern sich an der Oberfläche der Öltröpfchen an wie ein Film und mindern die Gefahr ihres Zusammenfließens.

INCI

INCI ist die Abkürzung für »International Nomenclature Cosmetic Ingredients« und stellt eine EU-weit geltende Richtlinie zur Rohstoff-Bezeichnung in kosmetischen Produkten dar, die um eine Vereinheitlichung der Deklaration bemüht ist. Der Codex sieht vor, dass die INCI-Angaben auf jedem Produkt bzw. seiner Verpackung ergänzt werden müssen. Dort werden alle Inhaltsstoffe in der Reihenfolge ihres prozentualen (Gewicht-)Anteils am Gesamtprodukt aufgelistet; Bestandteile unter 1 % Masseanteil dürfen ungeordnet am Ende notiert sein.

Im Gegensatz zu dem geltenden System in den USA werden bei pflanzlichen Rohstoffen Bezeichnungen nach dem Naturforscher Linné verwendet, die den lateinischen Gattungsnamen (oder den der Spezies) berücksichtigen, jedoch nicht exakt den Teil der Pflanze benennen, der verwendet wird. So wird bei Verwendung eines Rohstoffs des Olivenbaums nach INCI Olea Europaea angegeben, obwohl es sich um das fette Öl, gehärtete Olivenbutter oder um einen Extrakt aus Olivenblättern handeln könnte. Das amerikanische System differenziert hier deutlich und nennt (hier auf Produkte aus Weizen bezogen) Hydrolized Wheat Protein, Wheat Germ Oil usw., die ja vollkommen unterschiedliche kosmetische Substanzen mit spezifischem Einsatzgebiet und spezifischen Wirkungen darstellen.
Farbstoffe werden Coleur-Index-Nummern (CI) zugewiesen, einige Bezeichnungen stammen aus dem Europäischen Arzneibuch, wie z. B. Aqua. Geschmacksstoffe werden als »Aroma«, Duftstoffe als »Parfum« genannt – wobei es einige Konservierungsstoffe gibt, die unter Parfum subsumiert werden, weil das Produkt dann als »frei von Konservierungsstoffen« ausgelobt werden kann, wie z. B. der aus Rosen gewonnene Phenylethylalkohol.

Jodzahl

Chemisch betrachtet nennt die Jodzahl eines Öls die Menge an Jod (in Gramm pro 100 g Fett), die sich an seine freie Doppelbindungen (der ungesättigten Fettsäuren) anlagern können. Je höher die Jodzahl, desto mehr (mehrfach) ungesättigte Fettsäuren sind in einem Öl enthalten.
Öle mit ungesättigten Fetten können unter Sauerstoffeinfluss »verharzen«, d. h. sie bilden mit Sauerstoff Verbindungen, die einen Film ergeben.

Je nach Reaktionsgeschwindigkeit teilt man Öle chemisch in trocknende Öle ein (Jodzahl über 170, viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren vorhanden, schnell reagierend), in halb trocknende (Jodzahl zwischen 100 und 170, langsam reagierend) bzw. in nicht trocknende (Jodzahl bis 100, nicht oder kaum reagierend).¹ Es existiert eine weitere Einteilung der Öle aus dem eher technischen Bereich, die diese bereits ab niedrigeren Jodzahlen in halbtrocknende und trocknende Öle klassifiziert; hier geschieht dies mit Blick auf den Reinigungsaufwand von Transportcontainern, der bei schnell verharzenden Ölen entsprechend höher ist. Hier werden halbtrocknende Öle als solche mit Jodzahl 100–130 und trocknende bereits ab Jodzahl 130 als solche definiert. Ich habe mich bei meiner Einteilung nach Römpp gerichtet.

gutta, guttae (gtt.)

»Guttae« (abgekürzt gtt.) stammt aus dem Lateinischen, heißt übersetzt »Tropfen« und wird in der pharmazeutischen, aromatherapeutischen und aromakosmetischen Praxis bisweilen als Maßeinheit für flüssige Ingredienzien verwendet. Dabei wird »gtt« oder »gutt« (je nach Literatur) sowohl für die Einzahl (von gutta, der Tropfen) als auch für die Mehrzahl (von guttae, die Tropfen) verwendet. Vor allem, wenn Sie gerne mit ätherischen Ölen arbeiten, werden Sie in fachlicher orientierten Quellen bisweilen auf diese Abkürzung stoßen. Vereinzelt, jedoch seltener, liest man die Variante »gt« für die Einzahl.

Daneben gibt es eine Pluralform, die sich aus pharmazeutischen Rezepturen früherer Zeiten herleitet; dort wird dem gutt. ein »s« hinzugefügt: gutts.

Keratinozyten

Keratinozyten sind Zellen in der Oberhaut, der sog. → Epidermis. Sie werden im → Stratum Basale gebildet und wandern ungefähr innerhalb eines Monats nach außen an die Hautoberfläche, der Hornschicht oder → Stratum corneum genannt.

Ihr Name basiert auf ihrer Funktion, das Protein Keratin zu synthetisieren (herzustellen): diese zunehmende Keratinisierung bedeutet, dass sie sich in ihrer Form (morphologisch) und ihrer gewebe-chemischen Zusammensetzung (histochemisch) verändern: Sie verlieren ihren Zellkern (was den Zelltod bedeutet), verhornen (Keratin = Hornsubstanz), bis sie als → Korneozyten die oberste Schicht des → Stratum Corneum bilden.

Korneozyten

Korneozyten sind abgestorbene, verhornte → Keratinozyten, die aus dicht gepackten Keratinfasern und einer aus Proteinen bestehenden Außenhülle bestehen (cornified envelope). Sie bilden, eingebettet in eine Schicht aus hauteigenen Fettstoffen wie Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren, die oberste Region des → Stratum Corneum. Ihre Dicke beträgt, abhängig von der Hautregion, ca. 5 bis mehreren Hundert »Lagen«. Besonders dick ist die Hornschicht an den Fußsohlen, sehr dünn z. B. im Gesicht unter den Augen.

Mineralöl

Mineralöl und seine Derivate (daraus entstandene chemische Verbindungen) sind neben Wasser Hauptbestandteil konventioneller Kosmetika. Gründe dafür liegen in erster Linie in seinem günstigen Preis, aber auch darin, dass es sich vollkommen neutral auf der Haut verhält. Es kann nicht ranzig werden, nicht schimmeln, ist in garantiert gereinigten, nicht mikrobiell kontaminierten Qualitäten beziehbar, ist weitgehend reizlos, weil es keine Substanzen beinhaltet, die »wirken«. In medizinischen (dermatologischen) Rezepturen macht der Einsatz von Mineralöl durchaus Sinn, wenn es darum geht, bestimmte Wirkstoffe über einen begrenzten (!) Zeitraum gezielt aufzutragen oder Reaktionen von extrem in ihren Funktionen gestörter Haut zu vermindern, die zunächst wieder stabilisiert werden muss. Auch sind Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und der Salbengrundlage so gut wie ausgeschlossen, ein Vorteil, der Dermatologen eine gewisse Sicherheit gibt.

Die fehlende Wirksamkeit ist (neben ökologischen) einer der Aspekte, der Mineralöl als Bestandteil der Lipidphase bei Naturkosmetik ausschliesst. Mineralöle beinhalten, anders als pflanzliche Öle, keine Lipide und Fettsäuren, die Bestandteil des Stratum Corneum sind und die Funktionen der Haut, insbesondere die Integrität der Barriereschicht unterstützen oder stabilisieren. Im Gegenteil weisen einige Mineralölderivate in der Lipidphase eines Kosmetikums einen Okklusiv-Effekt auf, der hauteigene Regulationsprozesse stört. Pflanzenöle mit ungesättigten Fettsäuren (also genau die, die wir bevorzugt in unseren eigenen Rezepturen verarbeiten), zumal nativ, sind für die Kosmetikindustrie wenig attraktiv, weil sie oxidationsanfälliger sind als Mineralöl und als Naturprodukte kultur- und erntebedingte Schwankungen in Zusammensetzung und Verarbeitungsverhalten aufweisen; zudem können sie mikrobiell stärker kontaminiert sein. Industriell gefertigte Mineralölderivate ermöglichen hingegen voraussagbare Ergebnisse mit langer Haltbarkeit bei gleichzeitig sehr geringen Kosten.

Mineralöl und seine Derivate erkennen Sie in der INCI-Angabe eines kosmetischen Produkts u. a. an den Bezeichnungen Mineral Oil, Paraffinum liquidum Ceresin, Ozokerite, Vaseline, Microcrystalline Wax und Petrolatum.

Pflanzliche Alternativen

Sind auf Grund des Hautzustands neutrale, nicht reaktive Lipide gewünscht, bieten sich rein pflanzliche Esteröle an: Neutralöl (MCT-Öl), aber auch das in der Apotheke erhältliche Softisan® 378 bestehen aus primär gesättigten Triglyceriden, die den Vorteil von Oxidationsstabilität und Reizfreiheit mit dem Vorhandensein physiologischer Lipide verbinden. Esteröle sind Lipide, die durch Spaltung pflanzlicher Fette entstehen (analog der Verseifung von Fetten) und gezielt wieder mit Glycerin verbunden (verestert) werden.

NMF

Für eine gesunde Haut sind zwei Faktoren maßgeblich: Zum einen eine intakte → Barriereschicht , zum anderen der Feuchtigkeitsgehalt in der Hornschicht, dem → Stratum corneum.

Feuchtigkeit kommt im Stratum corneum intrazellulär (also in den Zellen; genauer gesagt in den Korneozyten) und interzellulär (das bedeutet zwischen den einzelnen Zellen) gebunden vor. Intrazellulär binden hydrophile (also wasserliebende, Wasser anziehende) Substanzen, die dermatologisch unter dem Begriff NMF (Natural Moisturizing Factor) zusammengefasst werden, das Wasser an sich. Der Impuls für die Haut, diese NMF zu bilden, ist u.  von ihrem Wassergehalt abhängig.

NMF setzen sich aus Bestandteilen von Schweiß, Talg und Produkten des Verhornungsprozesses der Haut zusammen, u. a. organischen Säuren, Salzen, Zuckern und Harnstoff.

Okklusiv-Effekt

Unter Okklusiv-Effekt versteht man die Abdichtung des → Stratum corneum durch einen Film (in der Regel durch Fette) nach außen, sodass keine hauteigene Feuchtigkeit mehr abgegeben werden kann. Folge ist eine Aufquellung der Hornschicht durch eine so genannte »Mazeration« und eine vorübergehende optische Glättung der Epidermis, weil die Hornzellen der Haut das Wasser aufnehmen, aufquellen und kleine (Knitter-)Fältchen scheinbar verschwinden. Konventionelle, auf Mineralölen und ihren Derivaten basierende Kosmetika machen sich diesen Okklusiv-Effekt zunutze, um eine Wirksamkeit gegen Hautalterungen zu suggerieren. Nachteil einer ausgeprägt okkludierenden Wirkung ist, dass die Haut als Organ keine regulierenden Impulse mehr von außen erhält, um eigene Prozesse zu steuern.

Oleogel (Ölgel)

Ein Oleogel, auch Ölgel oder Lipogel genannt, bezeichnet ein auf Basis von Lipiden (Fetten) hergestelltes Pflegeprodukt, das in seiner Konsistenz gelartig angedickt wird. Diese Viskositätserhöhung kann entweder durch Verwendung von Fetten mit höherem Schmelzpunkt (Pflanzenbutter, Wachse, Stearinsäure usw.) oder durch modifiziertes Bentonit erreicht werden. Bentonit, ein anorganisches Silikat, weist jedoch optische Nachteile auf, es verleiht dem Gel eine bräunliche Farbe. In der Pharmazie bestehen Oleogele in der Regel aus flüssigem Paraffin, das mit Ölen und kolloidalem Siliziumdioxid (Aerosil) in seiner Viskosität eingestellt wird, haptisch (fühlbar) jedoch eher unangenehm auf der Haut wirken.

Permeabilität

Permeabilität (vom lateinischen Verb permeare; d. h. »durchgehen, durchwandern«) meint die Durchlässigkeit der Haut für unterschiedliche Substanzen.

quantum satis (q. s.)

»Quantum satis« (abgekürzt q. s.) ist ein aus dem Lateinischen stammender Ausdruck aus der pharmazeutischen Praxis und heißt übersetzt »soviel wie benötigt« oder »soviel wie notwendig«. Er wird dann verwendet, wenn eine Ingredienz zu einer Rezeptur hinzugefügt wird, deren Einsatzmenge je nach Gesamtrezeptur variieren kann.

Ein typisches Beispiel ist der Zusatz von Milchsäure zur Korrektur des pH-Werts: Da kosmetische Rohstoffe durch ihren eigenen pH-Wert den Gesamt-pH-Wert eines Produkts beeinflussen, kann nicht immer notiert werden, wieviel Milchsäure zum Einstellen des gewünschten Werts notwendig ist. Da es durchaus vorkommen kann, dass jemand Mengenverhältnisse in einer Rezeptur verändert oder Rohstoffe austauscht, schreibt man für Milchsäure sinnvollerweise keine feststehende Mengenangabe, sondern »q. s.«.

Quasiemulsion

Neben den klassischen Emulsionstypen W/O und O/W können wir auch ohne grenzflächenaktive Substanzen stabile Emulsionen erzeugen. Ein bekannter Emulsionstyp ist die Cold Cream, auch Kühlsalbe oder, im pharmazeutischen Kontext nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB) Unguentum leniens genannt: Sie besteht aus:

  • 7 Teilen gelbem Wachs
  • 8 Teilen Cetylpalmitat (Walratersatz)
  • 60 Teilen Erdnussöl
  • und 25 Teilen Wasser.

Je nach Anbieter werden andere Ingredienzien wie Hydrolate, Mandelöl usw. verarbeitet. Das Prinzip dieser »Emulsion« basiert auf der hohen Viskosität der äußeren Phase (hier durch Bienenwachs und Cetylpalmitat erreicht, die die innere Phase festhält, »immobilisiert«, d. h. verhindert, dass sich die Teilchen der inneren Phase zusammenfinden. Wir nennen einen solchen Emulsionstyp Quasiemulsion.

Es ist keine echte Emulsion, in der die innere Phase durch Grenzflächenfilme der Emulgatoren von der äußeren Phase getrennt werden. Typische Hilfsmittel für Quasiemulsionen sind Wachse und Wachsester (denken Sie an Jojobaöl), aber auch Fette mit hohem Schmelzpunkt (z. B. Pflanzenbuttern).

Resorption

Resorption meint die aktive oder passive Aufnahme eines Stoffes durch Zellen oder Gewebe in den Körper, im engeren Sinne die Aufnahme gelöster Substanzen durch die Zellmembran in das Zellinnere bzw. bis zur Aufnahme in Blut- oder Lymphgefäße. Korrekt müssen wir in dem für Selbstrührer relevanten Bereich von Penetration sprechen, das ein Eindringen von Wirkstoffen in die Epidermis und gegebenenfalls auch in die Dermis bezeichnet, ohne eine Aufnahme in Blut- und Lymphgefäße einzubeziehen; ich bitte jedoch um Nachsicht, dass ich diese Begrifflichkeiten der Einfachheit halber nicht weiter differenziere (zumal Fachleute noch Absorption, Adsorption und Permeation unterscheiden).

Siedeverzug

Wenn Flüssigkeiten erhitzt werden, treten sie an einem bestimmten Punkt in einen anderen Aggregatzustand über: Aus (flüssigem) Wasser wird z. B. (gasförmiger) Wasserdampf. Der Bereich dieses Phasenübergangs der einzelnen Moleküle ist sensibel; die Moleküle benötigen quasi eine Anregung von außen, von dem einen in den anderen Zustand zu wechseln. Dies sind üblicherweise Verunreinigungen der Flüssigkeit (z. B. Schwebstoffe) oder auch Unebenmäßigkeiten an den Gefäßwänden, in denen die Flüssigkeit erhitzt wird. Fehlen diese sogenannten »Siedekeime«, können die Moleküle keine Dampfblasen bilden, obwohl die Siede-Temperatur schon längst überschritten ist. Kommt es nun zu Erschütterungen, entlädt sich die Energie der Moleküle explosionsartig in einer Dampfblase, die aus dem Gefäß herausspritzt. Abhilfe schaffen zuhause kleine Siedesteine (im Laborbedarf erhältlich), die man dem Lösungsmittel im Rundkolben hinzufügt. Diese Steinchen bestehen z. B. aus porösem Ton- oder Silikatgesteinen. Sie bieten sich durch die enthaltenen Luftbläschen als »Siedekeime« an und ermöglichen den Molekülen der Flüssigkeit, in Dampf überzugehen – kurz: Die Flüssigkeit kann sieden.

Solubilisator

Ein Solubilisator (auch Lösungsvermittler genannt) ist eine Substanz, die die Löslichkeit lipophiler Stoffe (Pflanzenöle, ätherische Öle, Tocopherol, Bisabolol u. a.) in Wasser ermöglicht, ohne ihre chemische Struktur zu verändern. Der Solubilisator fungiert als grenzflächenaktive Substanz, die vorhandene Fette in Mizellen einlagert und damit wasserlöslich macht. Je nach Größe der Mizellen kann die Lösung vollkommen klar bis milchig erscheinen. Alkohol erhöht die solubilisierenden Eigenschaften dieser Stoffgruppe.

Spreitverhalten

Das Spreitverhalten beschreibt ein Merkmal von Substanzen, sich auf einem Festkörper, z. B. der Haut, auszubreiten. Der Spreitwert berechnet sich nach Dr. U. Zeidlers Methode aus der Fläche in Quadratmillimetern, die 4 mg einer Ölkomponente innerhalb von 10 Minuten bei 23 °C und 60%iger relativer Luftfeuchtigkeit auf dem Unterarm eines Probanden bedeckt. Er lässt sich folglich nur für bei Raumtemperatur flüssige Fettkomponenten ermitteln.

Wesentliche Faktoren für gute Spreiteigenschaften einer Substanz sind u. a. Viskosität und Oberflächenspannung: Ölkomponenten mit niedriger Viskosität und geringer Oberflächenspannung breiten sich schneller auf der Unterlage aus als hochviskose Lipide. Mit dieser Eigenschaft sind wesentliche kosmetische Eigenschaften eines Fetts verknüpft: die Ausprägung seiner Rückfettung, seine fühlbare (haptische) Haftung auf der Hautoberfläche, sein subjektives Einziehverhalten.

Stratum basale

Das Stratum basale (Basalschicht) ist die unterste Schicht der Oberhaut (Epidermis), die an die Lederhaut, die Dermis angrenzt. Hier findet die Neubildung von Hautzellen, die so genannte Proliferation statt. Die im Stratum basale produzierten Zellen teilen sich; eine Tochterzelle verbleibt jeweils im Stratum basale, die andere wandert als Keratinozyt in Richtung Oberhaut und verhornt zunehmend, sie keratinisiert und ist schließlich eine tote Hornzelle, ein →  Korneozyt. Diese Wanderung dauert ca. 14 Tage; weitere 14 Tage nimmt die Abschilferung der abgestorbenen Korneozyten in Anspruch, die normalerweise unauffällig erfolgt. Die Lipide des Stratum basale setzen sich vorwiegend aus Triglyceriden, freien Fettsäuren, Phospholipiden, Cholesterol, Ceramiden u. a. zusammen.

Stratum corneum

Das Stratum corneum ist die Bezeichnung für die Hornschicht, die äußere Schicht der Epidermis (Oberhaut). Das Stratum corneum besteht aus sog. Korneozyten, das sind tote, verhornte Zellen, die sich an der Oberfläche abschuppen. Diese Korneozyten sind in eine Lipidschicht eingebettet, die u. a. aus Ceramiden, Cholesterol und seine Derivate sowie Fettsäuren gebildet wird. Diese Schicht bilden die →  Barriereschicht der Haut.

Transepidermaler Wasserverlust

Feuchtigkeit speichert die Haut in der Hornschicht (→ Stratum corneum); der Wassergehalt liegt dort bei ca. 10–40 %. Während die innerste Zellschicht des Stratum corneum mit den bis zu 70 % Feuchtigkeit speichernden Zellen des Stratum granulosum in Kontakt sind, grenzt ihre äußere Schicht an die trockenere Umgebungsluft. Dieser Konzentrationsunterschied führt zu einer kontinuierlichen Abgabe von gespeichertem Wasser an die Umgebung. Dieser natürliche Verlust an hauteigener Feuchtigkeit wird als transepidermaler Wasserverlust (»transepidermal water loss«, kurz TEWL oder TWL) bezeichnet.
Der Zustand des Stratum corneum bestimmt wesentlich den Grad des TEWL. Daher zielen unsere kosmetischen Bemühungen dahin, das Stratum corneum zu stabilisieren, um den TEWL in Grenzen zu halten. Eine vollkommende Abdichtung des Stratum corneum (diese Wirkung wird auch als → Okklusiv-Effekt bezeichnet) ist nicht erwünscht, da diese der Haut wichtige Umgebungsimpulse vorenthält, die sie braucht, um ihre Funktionen zu regulieren.

WAS-Wert

Wenn wir Kokosglucosid, Decylglucosid u. a. Tenside kaufen, erhalten wir Produkte auf Basis von Wasser und darin gelösten waschaktiven Substanzen. Bei diesen mehr oder weniger flüssigen Tensiden sind Anteile von 24–65 % an reiner Aktivsubstanz (engl. active matter), wie man den Gehalt an waschaktiven Substanzen auch nennt, üblich. Daneben gibt es Tenside in Form von Granulat, Pulver oder sogenannten Noodles (wörtlich Nudeln), die nur Restgehalte an Wasser aufweisen und entsprechend auf 80–95 % Aktivsubstanz aufkonzentriert sind. Wir bezeichnen diesen Gehalt gerne kurz mit dem Acronym WAS bzw. WAS-Wert.

Weißeln von Emulsionen

Emulsionen bestehen im Wesentlichen aus Ölen, Emulgatoren und Wasser. Beim Verreiben auf der Haut bilden sie einen feinen Schaum, der u. U. als weißer Film sichtbar wird. Er wird auch als Reibschaum bezeichnet. Auslöser sind u. a. die in Ölen Fettkörpern und Emulgatoren enthaltenen Fettalkohole und die Neigung von Emulgatoren zur Mizellbildung. Bekannt ist das Weißeln insbesondere bei Einsatz von Partialglyceriden wie Glycerinstearaten oder Emulgatorbasen wie Montanov™ L, Montanov™ 68 oder Xyliance. Der weiße Film verreibt sich vollständig und beeinflusst nicht die Wirksamkeit oder das Einziehverhalten einer Emulsion, wird aber mitunter optisch als störend empfunden.

Besonders stark weißeln Emulsionen mit höherem Wasseranteil, da dort die Schaumbildung stärker ist. In konventionellen Kosmetika verwendet die Industrie daher gerne (meist) silikonhaltige Entschäumer (in der INCI-Bezeichnung finden Sie z.B. Dimethicone oder andere -cone), die das Weißeln verringern. Die Auswahl der Lipidkomponenten kann die Entstehung von Reibschaum deutlich beeinflussen.

Die Neigung zum Weißeln mindert sich grundsätzlich durch eine gewisse Lagerungszeit, da die Ausbildung der Emulsionsstrukturen mehrere Tage benötigen kann und in diesem Zeitraum eine Einbindung von Wasser erfolgt. Auch kann durch die Herstellung eingetragene Luft entweichen.